„Ich bringe sie um“ – „Hier in Deutschland?“ – „Ja, ich schwöre bei Gott“ (WELT+)
Alkomi fragt weiter: Was, wenn die Schwester mit ihrem Freund
zusammenwohne, ohne mit ihm verheiratet zu sein? Der Mann antwortet:
„Ehebrecher werden gesteinigt bis zum Tod. Unverheiratete werden
ausgepeitscht. 900 Peitschenhiebe.“ Dann relativiert er: „Ich hab das
übertrieben“, also die Zahl der Peitschenhiebe. Alkomi fragt nach: „Wie
viele?“ Der Mann antwortet: „Es sind 99. Aber ich tu noch einen drauf.“
Ein anderer Mann mischt sich ein. „Ihr Bruder müsste sie töten“, sagt er. Nachfrage: „Warum sollte Ihr Bruder sie töten? Wir sind in Deutschland.“
Der Mann antwortet mit Bezug auf die muslimische Gemeinschaft weltweit: „Sie würde die ganze Ummah entehren. Das ist haram. Ich bringe sie um.“ – „Hier in Deutschland?“ – „Ja, ich schwöre bei Gott.“
Ausgangspunkt ist der Hermannplatz an der Grenze der Berliner Stadtteile
Kreuzberg und Neukölln. Dort befragte Ruhs die Politologin Gülden
Hennemann, die den Platz als „Trennlinie“ sieht zwischen dem Teil von
Berlin, „der noch sehr demokratisch geprägt ist, und einem Teil, der
leider Personenkreise beherbergt, Ideologien beherbergt, die nicht
unbedingt mit unserer Demokratie vereinbar sind.“ Hennemann ist selbst
muslimisch.
Islamismus beginne schon in Schulen, sagt sie. Islamistisch sei es, wenn sich Schüler als Religionswächter aufspielten und während des Fastenmonats Ramadan anderen Schülern das Essen in der Pause verböten. Genau das sei an der Elbe-Grundschule in Berlin passiert, sagt deren Rektorin Deniz Taner. Auch sie hat nach eigener Aussage ihre Wurzeln „im islamisch geprägten Kulturraum“.
Für den „Klar“-Beitrag liest sie aus einem Brief vor, den sie an Eltern der Schule geschickt habe. „In der Ramadan-Zeit beobachten wir besorgniserregende Entwicklungen“, heißt es darin. „Eltern, aber auch Schülerinnen beschweren sich, dass einige fastende Kinder in den Pausen anderen Schülern das Essen verbieten.“
Mehrere Schüler bestätigen das vor der Kamera. Ein Mädchen sagt: „Das
hat sich unangenehm angefühlt. Es fasten ganz schön viele aus unserer
Klasse, und wenn man dann so gesagt bekommt, es ist blöd, wenn du nicht
fastest, dann fühlt sich das ein bisschen komisch an.“
Beim Einkaufen in Neuköllner Geschäften mit verdeckter Kamera erstand
Ruhs’ Team einen Schal, auf den die Silhouette dreier Männer an
Gleitschirmen gestickt ist.
Die Abbildung erinnere „schon sehr stark an den Überfall vom 7. Oktober“,
sagt Politologin Hennemann, also den Überfall der Hamas auf Israel im
Jahr 2023, bei dem rund 1200 Menschen ermordet und Hunderte in den
Gaza-Streifen verschleppt wurden. „Dieser Schal wirkt wie eine Trophäe
des Grauens und wird mitten in Berlin verkauft“, lässt die Redaktion den
Off-Sprecher erläutern. Im selben Geschäft gab es auch eine Kette mit
Palästina-Kartenumriss ohne Israel und einer Patrone als Anhänger.
Im Angebot waren auch Bücher, darunter ein Standardwerk des meist als
moderat bezeichneten irakischen Ayatollah Sayyid Ali al-Husseini
al-Sistani. Es trägt den Titel „Fiqh für Muslime im Westen“ – Fiqh ist
die islamische Rechtswissenschaft. „Ich glaube, dass es nicht reicht,
sich nur auf Gewaltaspekte im Kontext Islamismus zu konzentrieren“, sagt
Politologin Hennemann beim Durchblättern. „Wir müssen schauen, was ist
die ideologische Grundlage?“ Im Bild zu sehen ist ein markierter Satz,
der dann doch gewaltaffin klingt: „Zum Dschihad gehört auch, dass man zu
den Waffen greift, um den Islam oder ein muslimisches Land zu
verteidigen.“
Als Indiz für fortschreitende Unterwanderung durch Islamisten
präsentiert Ruhs die Zertifizierung von Lebensmitteln als „halal“, also
erlaubt nach islamischem Recht. In Supermärkten sind sie schon lange
verbreitet. Zertifizierungen bieten laut „Klar“-Recherche zwar
überwiegend unverdächtige Organisationen an, aber auch Extremisten wie
das vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtete „Islamische Zentrum
München“ oder die bundesweit als extremistisch eingestufte Gruppe Milli
Görüs.
Die tödliche Seite des Islamismus zeigt Ruhs am Beispiel des Anschlags
auf eine Gruppe streikender Mitglieder der Gewerkschaft Verdi im Februar
2025 in München. Der zu dieser Zeit 24 Jahre alte Afghane Farhad N.
war mit einem Auto in die Gruppe gerast. „Wer ist denn letztendlich
gestorben?“, fragt einer der Teilnehmer vor der Kamera und antwortet
selbst: „Eine muslimische Frau, meine Kollegin. Ihr muslimisches Kind.“
Und weiter: „Wer ist der Verletzte? Ich, der Muslim.“
Farhad N. steht derzeit in München vor Gericht. Der Augenzeuge erinnert an den Moment unmittelbar nach dem Anschlag, als der Täter auf dem Boden lag: „Der hat Selbstgespräche geführt. Für mich war das eher Gebet, was er da gesagt hat. Ich kenne das ja von uns, wenn ich in die Moschee gehe.“
„Klar – Wo Islamisten Deutschland unterwandern“ mit Julia Ruhs läuft ab sofort in der ARD-Mediathek und am 29. April um 22 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

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