28 April 2026

"Klar“ mit Julia Ruhs - „Ich bringe sie um“ – „Hier in Deutschland?“ – „Ja, ich schwöre bei Gott“ (WELT+)

"Klar“ mit Julia Ruhs am 29.04.2026, 22:00 Uhr, BR
„Ich bringe sie um“ – „Hier in Deutschland?“ – „Ja, ich schwöre bei Gott“ (WELT+)
Von Christoph Lemmer, Freier Mitarbeiter, 28.04.2026, Lesedauer: 5 Minuten
Muslime befürworten vor der Kamera Scharia und „Ehrenmorde“: Journalistin Julia Ruhs beleuchtet in ihrer Sendung „Klar“ den sich ausbreitenden Islamismus. Ein Besuch in Berlin-Neukölln gibt Einblicke ins Fundamentalisten-Milieu.
„Wenn das Grundgesetz und die deutschen Gesetze mit der Scharia kollidieren, was gilt? Die Scharia oder die deutschen Gesetze?“ Diese Frage stellte der Syrer Sami Alkomi arabischen Männern in Berlin – vor laufender Kamera für das Magazin „Klar“ des Bayerischen Rundfunks mit der Journalistin Julia Ruhs. Alkomi engagiert sich in einer Organisation namens Demokratielotsen, die sich gegen Islamismus einsetzt. Er ist einer der Protagonisten der neuen Folge von „Klar“.
Der Titel der Sendung lautet „Wo Islamisten Deutschland unterwandern“. Sie dürfte für Debatten sorgen. Ruhs lässt Berliner Grundschüler zu Wort kommen, denen islamistisch gesinnte Mitschüler während des Fastenmonats Ramadan das Essen in der Pause verbieten wollten. Sie beschäftigt sich mit islamistischen Organisationen, die das „Halal“-Siegel für Lebensmittel vergeben, die in Supermärkten verkauft werden. Im Berliner Bezirk Neukölln drehte sie in Geschäften mit verdeckter Kamera und kaufte Bücher sowie Accessoires, die Gewalt offen verherrlichen.
Die Sendung zieht dabei eine strikte Trennlinie zwischen dem Islam als Religion und dem extremistischen Islamismus – nicht nur durch Erklärungen, sondern auch durch die Auswahl der Mitwirkenden: Fast alle sind selbst Muslime, die entweder von Islamisten bedroht und angegriffen wurden oder als Muslime die Methoden der Extremisten durchschauen – wie Sami Alkomi.
Dem antwortet ein Mann auf seine Frage, ob für ihn das deutsche Gesetz oder die Scharia gelte: „Die Scharia natürlich.“

Alkomi fragt weiter: Was, wenn die Schwester mit ihrem Freund zusammenwohne, ohne mit ihm verheiratet zu sein? Der Mann antwortet: „Ehebrecher werden gesteinigt bis zum Tod. Unverheiratete werden ausgepeitscht. 900 Peitschenhiebe.“ Dann relativiert er: „Ich hab das übertrieben“, also die Zahl der Peitschenhiebe. Alkomi fragt nach: „Wie viele?“ Der Mann antwortet: „Es sind 99. Aber ich tu noch einen drauf.“

Ein anderer Mann mischt sich ein. „Ihr Bruder müsste sie töten“, sagt er. Nachfrage: „Warum sollte Ihr Bruder sie töten? Wir sind in Deutschland.“

Der Mann antwortet mit Bezug auf die muslimische Gemeinschaft weltweit: „Sie würde die ganze Ummah entehren. Das ist haram. Ich bringe sie um.“ – „Hier in Deutschland?“ – „Ja, ich schwöre bei Gott.“
Ausgangspunkt ist der Hermannplatz an der Grenze der Berliner Stadtteile Kreuzberg und Neukölln. Dort befragte Ruhs die Politologin Gülden Hennemann, die den Platz als „Trennlinie“ sieht zwischen dem Teil von Berlin, „der noch sehr demokratisch geprägt ist, und einem Teil, der leider Personenkreise beherbergt, Ideologien beherbergt, die nicht unbedingt mit unserer Demokratie vereinbar sind.“ Hennemann ist selbst muslimisch.

Islamismus beginne schon in Schulen, sagt sie. Islamistisch sei es, wenn sich Schüler als Religionswächter aufspielten und während des Fastenmonats Ramadan anderen Schülern das Essen in der Pause verböten. Genau das sei an der Elbe-Grundschule in Berlin passiert, sagt deren Rektorin Deniz Taner. Auch sie hat nach eigener Aussage ihre Wurzeln „im islamisch geprägten Kulturraum“.

Für den „Klar“-Beitrag liest sie aus einem Brief vor, den sie an Eltern der Schule geschickt habe. „In der Ramadan-Zeit beobachten wir besorgniserregende Entwicklungen“, heißt es darin. „Eltern, aber auch Schülerinnen beschweren sich, dass einige fastende Kinder in den Pausen anderen Schülern das Essen verbieten.“
Mehrere Schüler bestätigen das vor der Kamera. Ein Mädchen sagt: „Das hat sich unangenehm angefühlt. Es fasten ganz schön viele aus unserer Klasse, und wenn man dann so gesagt bekommt, es ist blöd, wenn du nicht fastest, dann fühlt sich das ein bisschen komisch an.“
Beim Einkaufen in Neuköllner Geschäften mit verdeckter Kamera erstand Ruhs’ Team einen Schal, auf den die Silhouette dreier Männer an Gleitschirmen gestickt ist.
Die Abbildung erinnere „schon sehr stark an den Überfall vom 7. Oktober“, sagt Politologin Hennemann, also den Überfall der Hamas auf Israel im Jahr 2023, bei dem rund 1200 Menschen ermordet und Hunderte in den Gaza-Streifen verschleppt wurden. „Dieser Schal wirkt wie eine Trophäe des Grauens und wird mitten in Berlin verkauft“, lässt die Redaktion den Off-Sprecher erläutern. Im selben Geschäft gab es auch eine Kette mit Palästina-Kartenumriss ohne Israel und einer Patrone als Anhänger.
Im Angebot waren auch Bücher, darunter ein Standardwerk des meist als moderat bezeichneten irakischen Ayatollah Sayyid Ali al-Husseini al-Sistani. Es trägt den Titel „Fiqh für Muslime im Westen“ – Fiqh ist die islamische Rechtswissenschaft. „Ich glaube, dass es nicht reicht, sich nur auf Gewaltaspekte im Kontext Islamismus zu konzentrieren“, sagt Politologin Hennemann beim Durchblättern. „Wir müssen schauen, was ist die ideologische Grundlage?“ Im Bild zu sehen ist ein markierter Satz, der dann doch gewaltaffin klingt: „Zum Dschihad gehört auch, dass man zu den Waffen greift, um den Islam oder ein muslimisches Land zu verteidigen.“
Als Indiz für fortschreitende Unterwanderung durch Islamisten präsentiert Ruhs die Zertifizierung von Lebensmitteln als „halal“, also erlaubt nach islamischem Recht. In Supermärkten sind sie schon lange verbreitet. Zertifizierungen bieten laut „Klar“-Recherche zwar überwiegend unverdächtige Organisationen an, aber auch Extremisten wie das vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtete „Islamische Zentrum München“ oder die bundesweit als extremistisch eingestufte Gruppe Milli Görüs.
Die tödliche Seite des Islamismus zeigt Ruhs am Beispiel des Anschlags auf eine Gruppe streikender Mitglieder der Gewerkschaft Verdi im Februar 2025 in München. Der zu dieser Zeit 24 Jahre alte Afghane Farhad N. war mit einem Auto in die Gruppe gerast. „Wer ist denn letztendlich gestorben?“, fragt einer der Teilnehmer vor der Kamera und antwortet selbst: „Eine muslimische Frau, meine Kollegin. Ihr muslimisches Kind.“ Und weiter: „Wer ist der Verletzte? Ich, der Muslim.“

Farhad N. steht derzeit in München vor Gericht. Der Augenzeuge erinnert an den Moment unmittelbar nach dem Anschlag, als der Täter auf dem Boden lag: „Der hat Selbstgespräche geführt. Für mich war das eher Gebet, was er da gesagt hat. Ich kenne das ja von uns, wenn ich in die Moschee gehe.“

„Klar – Wo Islamisten Deutschland unterwandern“ mit Julia Ruhs läuft ab sofort in der ARD-Mediathek und am 29. April um 22 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

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