Feindbild in Uniform: Polizisten im Visier
Von Tanit Koch, 15.04.2026
Von Tanit Koch, 15.04.2026
Liebe Leserin, Lieber Leser,
heute Abend läuft die erste Folge des Formats „Klar“ in diesem Jahr (um 22 Uhr im NDR & BR, falls Sie sich beim Bayern-Spiel gegen Real Madrid langweilen). Der Titel: „Zielscheibe Polizei: Pöbeln, Hass und Gewalt“.
Die „Klar“-Redaktion und ich haben in den letzten Monaten intensiv für die Sendung recherchiert.
heute Abend läuft die erste Folge des Formats „Klar“ in diesem Jahr (um 22 Uhr im NDR & BR, falls Sie sich beim Bayern-Spiel gegen Real Madrid langweilen). Der Titel: „Zielscheibe Polizei: Pöbeln, Hass und Gewalt“.
Die „Klar“-Redaktion und ich haben in den letzten Monaten intensiv für die Sendung recherchiert.
Ansonsten sind 30 Minuten Sendezeit natürlich endlich. Eine Szene aus Mülheim an der Ruhr beispielsweise schaffte es nicht in die Sendung, ist mir aber in Erinnerung geblieben.
Der Hintergrund: In einer türkischen Hochzeitshalle, mitten im Gewerbegebiet, tagen ein paar hundert AfD-Regionalvertreter aus NRW mit Star-Gast Alice Weidel. Draußen, bei strahlend blauem Himmel und Eiseskälte, wacht die Polizei, damit die Gegendemonstrationen nicht aus dem Ruder laufen.
Die organisierte Linke hat aber offenbar spät von der Veranstaltung erfahren und ist nicht gerade in Bataillonsstärke erschienen. Um Polizeibeamte lauthals zu beschimpfen, reicht es aber: „Bin nichts, kann nichts, gebt mir eine Uniform”, skandiert eine Gruppe Vermummter. Und natürlich: „Lügner, Mörder, Bullenschweine“.
Warum sie das tun, verraten sie mir nicht – auf das ARD-Mikro reagieren sie eher aggressiv. Ein
Mülheimer Bürger ist da offener. Er hätte, sagt er, lieber „bei den
Grünen gestanden“, aber „da war nichts mehr frei“. Erst macht er Witze
über die Antifa-Vertreter neben sich. Doch auf meine Frage, wie er denn
auf die bepöbelten Polizeibeamten zwischen diesen und anderen Fronten
blickt, sagt er achselzuckend: „Augen auf bei der Berufswahl“.
Diese Nicht-Wertschätzung ist nur eine Anekdote. Doch Polizeibeamte – die keineswegs blauäugig in ihren Beruf schlittern – schildern vielfach, dass der Respekt ihnen gegenüber nachgelassen hat. Jeder wisse es besser, jeder absolviert offenbar gerade Jura für Anfänger via TikTok.
Zu offenen Drohungen durch Randgruppen – „Scheiß Bulle“, „Ich schlag Dich tot“, „Du gehörst verbrannt“ – scharen sich zudem herablassende Sprüche aus der Mitte der Gesellschaft. Warum man sich nicht „um die richtigen Kriminellen” kümmere. Auch das nerve.
Der Psychotherapeut Sven Steffes-Holländer, Chefarzt in Berlin, hat viel Erfahrung im Umgang mit Polizeibeamten, die wegen der beruflichen Dauerbelastung irgendwann
Hilfe brauchen. „Körperliche Angriffe“, sagte er uns, „sind stabil auf
hohem Niveau“. Was allerdings deutlich zugenommen habe, so schilderten
es ihm Polizeikräfte, „seien Beleidigungen, Respektlosigkeiten, auch
Störungen in der Polizeiarbeit.“
Hinzu komme der Druck, dass jeder Einsatz heute durch Handys mitgeschnitten werde. Die Befürchtung, „dass jeder unserer Schritte, jeder Satz später im Netz landet“ – für Polizeiangehörige sei das oftmals Alltag. Der krank machen kann.
Das ist nur ein Aspekt dessen, womit Polizeikräfte zunehmend konfrontiert sind. Es lohnt, einmal ihre Perspektive einzunehmen – das haben wir mit der Sendung versucht.

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