09 April 2026

Focus Briefing - Weckruf einer Unternehmerin

Focus Briefing
Weckruf einer Unternehmerin
Von Thomas Tuma, 09.04.2026
Liebe Leserin, Lieber Leser,
trotz Weltkrise heute mal was Lustiges, was ich über die Feiertage bei der Business-Plattform LinkedIn las: „Ostern findet nicht statt. Die Regierung hat keine Eier.“ So fing dort ein Kommentar zum wirtschaftspolitischen Status Quo der Bundesrepublik an, den man kaum präziser hätte auf den Punkt bringen können, oder?
Absenderin war Julia Neuen, gelernte Flugbegleiterin und Tierpsychologin, Chefin einer Beratungsfirma mit zehn Beschäftigten, Mutter von vier Kindern … Nebenbei ist sie im Verband deutscher Unternehmerinnen aktiv, Gastdozentin und Handballtrainerin bei der Jugend des TSV Daverden.
Warum erzähle ich Ihnen das alles? Weil wir sehr viele solche tollen Frauen im Land haben, die was reißen wollen. Weil wir noch mehr von ihnen brauchen. Und weil Julia Neuen wirklich entnervt klingt. Entnervt von der Politik, die sie nicht allzu konstruktiv wahrnimmt: „Die Linken fordern beispielsweise äußerst kreativ, Milliardäre und Millionäre abzuschaffen und überhaupt alle mehr zur Staatskasse zu bitten, die dieses Land über Wasser halten. Das hat eine gewisse Konsequenz – wie ein Arzt, der Kopfschmerzen behandelt, indem er den Kopf entfernt.“
Sie ist wirklich entnervt, und da wird es dann doch wieder ernst, denn es hat sich ja einfach nichts geändert in bald einem Jahr Schwarz-Rot. Zumindest nichts zum Guten. Null Wachstum. Bleierne Apathie. Und kaum noch ein Industriekonzern, der seit vergangenem Frühjahr ohne Jobabbaupläne auskam.
Allein beim VW-Konzern könnten es bis 2030 rund 50.000 werden. Bosch will im gleichen Zeitraum bis zu 22.000 Stellen streichen. ZF Friedrichshafen: 14.000 bis 2028. Selbst der Börsenstar SAP will rund 10.000 Arbeitsplätze abbauen. Seit Start der Koalition sind gut 20.000 Firmen in die Insolvenz getrudelt. In Spitzenzeiten verschwand alle 20 Minuten ein Unternehmen. Die meisten sterben eher leise.
Wenn überhaupt noch investiert wird, dann im Ausland. BASF investierte gerade 8,7 Milliarden Euro in einen neuen XXL-Standort in China. Der Heimatmarkt des Chemieriesen steckt derweil tief in den roten Zahlen. In Deutschland florieren vor allem Bürokratie, die Sehnsucht nach Reformen und schlechte Laune wie bei Frau Neuen, weil auf beiden Feldern wenig passiert.


Die Lohnnebenkosten bleiben hoch. Die oberen zehn Prozent der arbeitenden Bevölkerung zahlen rund 60 Prozent aller Lohn- und Einkommensteuern. „Man könnte also sagen, sie sind bereits relativ engagiert.“ Sagt Julia Neuen, die ein fatales Fazit zieht: „Viele mir bekannte Leistungsträger beginnen allmählich, sich eine sehr schlichte Frage zu stellen: Wofür eigentlich noch?

Was tut die Bundesregierung? Die SPD steckt in einer Identitätskrise, da will offenbar nicht mal die Union stören. Also wird über Ehegattensplitting gestritten und Homöopathie-Zuzahlungen. Und SPD-Bundesjustizministerin Stefanie Hubig sorgt derzeit mit der Idee für Verblüffung, Schwarzfahren zu „entkriminalisieren“.

Das alles wirkt, als rase ein Meteorit auf Berlin zu, und die Regierung denkt darüber nach, ob die Fenster im Bundestag wohl ausreichend Schallschutz bieten beim Aufschlag. Ich habe Frau Neuen noch nicht gefragt, kann mir aber vorstellen, was sie davon hält.

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