Angesichts der internationalen Bedrohung stellt sich die Frage, wie es möglich war, dass ein mörderisches Regime islamischer Fanatiker jahrzehntelang ungestört ein Raketenarsenal bauen und Uran für Atomwaffen anreichern konnte, obwohl seine Sprecher dem Westen den permanenten Krieg angesagt und ganz offen ihre Vernichtungsabsichten erklärt hatten.
Ohne Frage wurde die Gefahr im Westen unterschätzt. Man hat den Massenmördern in Teheran immer wieder die Hand gereicht, sich in «Verhandlungen» und «Gesprächen» hinhalten lassen, man hat mit ihnen Geschäfte gemacht und – von Israel abgesehen – tatenlos hingenommen, dass sie in den Ländern des Nahen Ostens ihre Milizen aufgebaut haben. Und das ist vielleicht die erste positive Wirkung des Krieges: dass man die Gefahr nun nicht mehr leugnen kann, dass der Westen gezwungen ist, einzugreifen und endlich seine technologische und militärische Überlegenheit ins Spiel zu bringen.
Sympathisch, aber naiv
Aus muslimischer Weltsicht ist es nur als Schwäche und Feigheit erklärbar, dass die Länder des Westens, obwohl sie die bei weitem stärkeren Waffen besitzen, zugleich eine fast unüberwindliche Scheu zeigen, sie einzusetzen. «Nie wieder Krieg!» ist eine sympathische, im von zwei Weltkriegen traumatisierten Europa verständliche, aber auch naive Formel. Wenn man angegriffen wird, ist Krieg unvermeidlich, es sei denn, man hätte suizidale Neigungen.
Wer ehrlich ist und die Situation nüchtern ins Auge fasst, muss sich eingestehen, dass Krieg mittlerweile zu unserer eigenen Realität gehört.
Dass Europa seit 1945, also seit acht Jahrzehnten, keinen grösseren Krieg mehr erlebt hat (wenn man die Sezessionskriege nach dem Untergang Jugoslawiens einmal grosszügig ausser acht lässt), ist eine historische Ausnahmeerscheinung. Diese Jahrzehnte haben genügt, das Gefahrenbewusstsein der europäischen Gesellschaften einzuschläfern und die Jugend in untätige Fatalisten zu verwandeln. Doch die Friedfertigkeit von religiös fanatischen, Jihad-frommen Muslimen lässt sich nicht durch Überredung oder, wie in der Kindererziehung, durch gutes Beispiel erreichen. Jetzt, im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, liegt auch in Europa Krieg in der Luft, und wer ehrlich ist und die Situation nüchtern ins Auge fasst, gesteht sich ein, dass «der Krieg», diese unbedingt zu verhindernde Ungeheuerlichkeit, von nun an zu unserer eigenen Realität gehört.
In Europa ist der Krieg gegen die Mullahs in Iran extrem unpopulär. Seine Folgen sind steigende Benzinpreise, erhöhte Terrorgefahr, womöglich eine neue Flüchtlingswelle. Unumwunden geben europäische Medien zu verstehen, dass sie Trump für sein gewagtes Vorhaben nichts Gutes wünschen, Israel ohnehin nicht, und dass sie den Status quo bei weitem einer – und sei es am Ende auch für Europa günstigen – Veränderung vorgezogen hätten. Noch etwas macht diesen Krieg unbeliebt: Er setzt der bisherigen Politik einer Kollaboration mit dem Terrorregime in Teheran um wirtschaftlicher Vorteile willen ein Ende.
Unvermeidlich taucht das Argument auf, die USA und Israel hätten mit ihrem Angriff auf das Teheraner Regime «Völkerrecht» verletzt. Abgesehen davon, dass «Völkerrecht» eine ephemere, auf flüchtigen Mehrheiten und Absprachen beruhende Angelegenheit ist und de facto immer nur durchgesetzt werden konnte, wenn es vom amerikanischen Welthegemonen gedeckt war, lag mit der vom Mullahregime immer wieder erklärten und unablässig aktiv betriebenen Vernichtungsabsicht anderen Staaten gegenüber längst ein Casus Belli vor.
Seit Jahrzehnten hat das Mullahregime seine imperialistischen Ambitionen offen deklariert, seine gegen andere Staaten gerichteten aggressiven Strategien, bis hin zu deren Auslöschung. Es hat im gesamten Nahen Osten Milizen aufgebaut, um dadurch andere Länder – nicht nur Israel – zu bedrohen und zu destabilisieren, es finanziert seit Jahrzehnten den Raketenkrieg der Hamas in Gaza, des Hizbullah in Libanon, der Hashd al-Shaabi im Irak, der Huthi in Jemen, wodurch Letztgenannte den Zugang zum Suez-Kanal blockieren und den internationalen Schiffsverkehr unterbrechen konnten.
Dieses Regime war in seinen kriegerischen Absichten von erstaunlicher Transparenz. Seine ganz auf die Produktion von Angriffswaffen ausgerichtete Ökonomie, das Verelendenlassen der eigenen Bevölkerung, um grössenwahnsinnige Rüstungsprojekte zu realisieren, seine religiös unterlegte Hassrhetorik waren, zumindest als aussenpolitische Doktrin eines Staates, beispiellos.
2014 veröffentlichte Ayatollah Khamenei, der geistliche Führer des Regimes, ein Strategiepapier, bekannt als «Islamic-Iranian Blueprint for Progress», das die iranische Politik für die nächsten fünfzig Jahre vorstellte. Darin werden die Hegemonialansprüche einer machtsüchtigen islamisch-klerikalen Elite offen dargelegt, zunächst im Nahen Osten und nach dessen Unterwerfung global. Der «Blueprint» umreisst Khameneis Vision für Iran: Er sieht das Land nicht bloss als dominierenden Nationalstaat, sondern als «Vormund und Hüter der muslimischen Welt», wie die iranischen Staatsmedien den Ayatollah tituliert hatten, und im weiteren Verlauf als Führer einer «neuen Zivilisation».
Iran werde in den kommenden Jahrzehnten «eines der fünf führenden Länder der Welt in Wissenschaft und Technologie» sein, verheisst der «Blueprint», und seine auf dem Islam basierende Politik «die wichtigste Säule der islamischen Einheit, der regionalen Stabilität und der globalen Gerechtigkeit und des Friedens». Dieses Dokument wurde von den politischen Kreisen des Westens nicht ernst genommen (und von den Medien weitgehend ignoriert). In der Tat eignet diesem Text die Ausstrahlung von Geistesverwirrung und Realitätsverlust. Zugleich war das Teheraner Regime sehr klarsichtig, was die Schwächen des Westens betraf. Die Handlungsunfähigkeit und Korrumpierbarkeit Westeuropas, so kalkulierte man, würden Irans weltpolitische Ambitionen begünstigen.
Dieses Regime hat den Westen seit über vier Jahrzehnten unaufhörlich provoziert, ohne dass es zu nennenswerten Gegenreaktionen gekommen wäre. Mit demonstrativer Grausamkeit, betont frauenfeindlich, christophob, antisemitisch, feindselig gegenüber freiem, kreativem Denken, als Bannerträger des weltweiten Antiamerikanismus sowie erfüllt von paranoidem Hass auf den Staat Israel und von schiitischen Hegemonial- und Rachegelüsten gegenüber den sunnitisch-arabischen Staaten, unterwanderten die Mullahs und ihre Revolutionswächter zunächst den Nahen Osten, indem sie schiitisch Minderheiten oder arabische Underdog-Stämme mit Geldmitteln und modernen Waffen ausrüsteten.
Auf diese Weise haben sie die Zukunft Libanons zerstört, das einst europäische Partner als «Schweiz des Nahen Ostens» erträumten und das heute nichts anderes ist als ein von Bürgerkriegen ruiniertes Territorium. Auch die hoffnungslose Zerrüttung der palästinensischen Sache in Gaza und im Westjordanland, die heute jede eigene Staatsgründung undenkbar macht, geht zum grossen Teil auf die Wühltätigkeit des iranischen Imperialismus zurück.
Die Achse Teheran–Peking
Eine verhängnisvolle Zuspitzung erfuhr die nahöstliche Situation im März 2021, als durch die Untätigkeit der Biden-Administration der iranische Staatsvertrag mit China unterzeichnet werden konnte, den Trump in seiner ersten Amtszeit durch Sanktionsdrohungen verhindert hatte. Er sichert dem Mullahregime im Zeitraum der nächsten zwei Jahrzehnte die enorme Summe von 400 Milliarden Dollar für den Verkauf von Rohöl zu. Dieses Geld wird trotz der Armut, der Zurückgebliebenheit und der maroden Infrastruktur des Landes zum grössten Teil für die Aufrüstung der auswärtigen Milizen, den Bau von Angriffswaffen und die Anreicherung von Uran verwendet.
Durch den Massenmord an den jugendlichen Protestlern im Dezember 2025 und im Januar 2026 hat sich das iranische Regime als das zu erkennen gegeben, was es ist: inhuman, gemeingefährlich, als Partner inakzeptabel. Hoffnung auf innere Reformierbarkeit dieses Systems besteht kaum, da die lückenlose Kontrolle durch fundamentalistische Kleriker jedes alternative Denken im Keim erstickt.
Für den Nahen Osten gibt es keine Hoffnung auf Frieden, solange das Ayatollah-Regime und sein Repressionsapparat an der Macht sind. Sein Sturz wäre ein Segen für die gesamte Region, doch es bleibt Aufgabe der Iraner, ihn zu erzwingen. Auch wenn die amerikanisch-israelische Militäraktion nicht zum Sturz des Regimes führt, so werden die Machthaber in Teheran, ihre Ressourcen, ihr Militär, ihre Aufrüstung, auch ihre innenpolitische Schlagkraft erheblich geschwächt. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, vor allem der iranischen Jugend, hasst das Regime, und die Erfahrung lehrt, dass sich bei der Bevölkerung verhasste Herrscher auch mit grösster Brutalität nur begrenzte Zeit an der Macht halten können.

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