10 April 2026

Video des Bundeskanzlers - Dieses Land hat ein Führungsproblem (WELT+)

"Der arbeitende Bürger finanziert ein Paralleluniversum aus Sozialleistungen, Klimafonds und EU-Transfers – und ernährt ein Heer bräsiger und unproduktiver Apparatschiks mit Beamtenstatus und krisenfester Altersversorgung." 
Video des Bundeskanzlers

Dieses Land hat ein Führungsproblem (WELT+)
Von Fatina Keilani, Redakteurin im Ressort Meinungsfreiheit, 10.04.2026, 4 Min
Die Regierung macht ihren Job nicht, aber die Bürger sollen sich mehr anstrengen? Mit einem Durchhalteparolenvideo wendet sich der Kanzler an jene, die eh schon am meisten leisten. Was er ihnen verspricht, ist zynisch.
Wenn sich in Deutschland einer mal anstrengen müsste, dann ja wohl der Staat. Stattdessen postet der Bundeskanzler auf X ein Durchhalteparolenvideo in Nachkriegsoptik mit der Widmung „Für die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands“, 45 Sekunden in blassen Farben. Darin fordert Friedrich Merz, dass sich die Bürger mehr anstrengen müssten. Wie sehr kann eine Regierung das Vertrauen der Bevölkerung strapazieren? Die jüngsten Umfragewerte, wonach 84 Prozent mit der Bundesregierung unzufrieden sind, verwundern angesichts der mangelhaften Leistung und des fehlenden Veränderungswillens der CDU-SPD-Koalition jedenfalls nicht.
Wir hören mal rein. „Ja natürlich, jetzt wird gestritten, gerungen, es werden Argumente ausgetauscht“, hebt Merz an, als gäbe es jetzt erst Diskussionsbedarf. Im Hintergrund ist der Reichstag zu sehen, das Licht ist noch spätwinterlich fahl. Ach ja, der Herbst 2025 ist schon lange rum, da war doch was mit Reformen, wo sind die eigentlich geblieben?
„Wir müssen Reformen machen“, sagt nun auch Merz im Video in schlichtestem Deutsch. Es folgen mehrere „Wir müssen“-Sätze. Wer mit dem „Wir“ gemeint ist, bleibt zunächst wohltuend unklar. Doch sicher die Bundesregierung? Die muss nun wirklich in Gang kommen, gut, dass sie es endlich erkannt hat.
Doch ach! Anscheinend gelten die Durchhalteparolen dem Volk. „Wir müssen uns alle zusammen anstrengen, und am Ende muss die Botschaft da stehen: diejenigen, die arbeiten, die fleißig sind, die vielleicht sogar bereit sind, ein bisschen mehr zu tun, für die wird am Ende des Monats auch etwas mehr übrig bleiben.“ Ohne das gnädige „etwas“ ginge es ja noch, aber so? Etwas mehr, in Zeiten galoppierender Inflation? Wer sich den Zustand des Landes anschaut, fragt sich eher, wozu wir überhaupt so rekordverdächtige Steuern zahlen.Eine Welt ohne Frauen und Farben
„Dass wir ein wohlhabendes Land in Frieden und in Freiheit bleiben, dafür kämpft die Bundesregierung“, sagt Merz – in dieser Passage ist der Kanzler mit Soldaten zu sehen, ein deutlicher Hinweis auf die Bedrohung genau dieser Werte –, „und dafür machen wir dann auch im Laufe dieses Jahres ganz konkret einige Reformen.“ Und dann ist das Video vorbei.

Halt, Friedrich! Lauf nicht weg! Welche Reformen denn jetzt? „Ganz konkret“, hast du gesagt, aber was kommt denn nun, und wann? „Im Lauf des Jahres“ und „einige“, das klingt nicht allzu dringlich und erst recht nicht nach jenen einschneidenden Veränderungen, die dringend nötig wären.
Im Video fehlt es zudem an zweierlei: Frauen (kommen nicht vor) und Farben. Eine solche Motivationsansprache ist peinlich, zynisch und dreist. Deutschland 2026 funktioniert kaum noch, die Probleme sind bekannt. Die Infrastruktur ist marode: Brücken, die man nicht repariert, weil das Geld für 5,5 Millionen Transferleistungsempfänger draufgeht, auf die kaum Druck ausgeübt wird, da die SPD das für Folter hält. Aus dem Ruder gelaufene Migration, die das Land immer noch destabilisiert. Fatale Energiepolitik mit der Folge industrieller Selbstzerstörung. Einstige Entwicklungsländer ziehen an uns vorbei, denn wir sind auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. Aber Entwicklungshilfe zahlen wir trotzdem! 

Ein gefräßiger Staat mit einer Staatsquote von mehr als 50 Prozent, der sich nicht spürbar anstrengt, schlanker und effizienter zu werden. Der arbeitende Bürger finanziert ein Paralleluniversum aus Sozialleistungen, Klimafonds und EU-Transfers – und ernährt ein Heer bräsiger und unproduktiver Apparatschiks mit Beamtenstatus und krisenfester Altersversorgung.

Wer im öffentlichen Dienst faulenzt, hat als schlimmste Konsequenz zu befürchten, dass er nicht weiter befördert wird. Wer im Bürgergeld lebt, kann sich bald als letzter eine Wohnung in München leisten, weil der Staat sie bezahlt. Die Deutschen kriegen kein zweites Kind mehr, weil sie sich das gefühlt nicht mehr leisten können. Und der Kanzler hält ihnen einen Vortrag, sie sollten „sich anstrengen“?

Die Menschen, die dieses Land wirklich am Laufen halten und sein Versagen jeden Tag hautnah erleben, im Stau, im verspäteten ICE, in der verfallenden Schule – diese Menschen sind die einzigen, die sich wahrhaftig anstrengen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn der Staat sie dabei unterstützte, statt sie zu behindern und zu belehren.

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