27 April 2022

Kein Anstand: Steingart rechnet mit Böhmermann ab (Kress news)

Kress news (Medien- und Nachrichtenunternehmen
Kein Anstand: Steingart rechnet mit Böhmermann ab

Marc Bartl, 27.04.2022

"Irgendwas ist bei der Erziehung des Polizisten-Sohns Jan Böhmermann gründlich schiefgegangen", schreibt Gabor Steingart in seinem Morgennewsletter "The Pioneer Briefing". Was Steingart an Böhmermann besonders nervt.
ZDF-Satiriker Jan Böhmermann ("ZDF Magazin Royale") schrieb in diesen Tagen auf Twitter über Tesla-Gründer Elon Musk, der für 44 Milliarden Dollar den Kurznachrichtendienst übernehmen will: "Hä? Wieso gehört am Ende alles immer reichen Wichsern, die machen können, was sie wollen?"

Media-Pioneer-Gründer Gabor Steingart kann darüber nicht lachen. Irgendwas sei bei der Erziehung des Polizisten-Sohns Jan Böhmermann gründlich schiefgegangen, schimpft Steingart in seinem Morgennewsletter "The Pioneer Briefing". Böhmermann könne offenbar alles, nur nicht höflich sein. "Schon gegenüber dem türkischen Präsidenten feuerte der TV-Komödiant eine Salve von Verbalinjurien ab, die er dann als 'Schmähgedicht' ausgab, erinnert Steingart. Jetzt treffe es Elon Musk.

"Offenbar mag der Unternehmer und mehrfache Millionär Böhmermann partout keine Milliardäre. Dafür aber seine Fäkalsprache", meint Steigart. Schon am 8. April habe Böhmermann gegen "dummes, kurzsichtiges Arschlochtum" gewettert und Putin zugerufen: "Verpiss Dich raus aus Ukraine und feddich!"

"Er findet diese Sprache witzig, wir unterirdisch", urteilt Steingart. Seine Hoffnung: "Falls es in der ZDF-Personalabteilung noch einen Anstands-Wauwau gibt, könnte er heute Morgen wenigstens kurz anschlagen."
Seit bekannt wurde, dass der Tech-Milliardär Elon Musk Twitter gekauft hat, herrscht in dem sozialen Netzwerk helle Aufregung. Worüber sich die üblichen Verdächtigen – angeführt vom ÖRR-Chefwitzler Jan Böhmermann – konkret aufregen, erschließt sich kaum. Denn Twitter hat jemanden wie Musk, der weiß, wie man im Internet Geld verdient, eigentlich dringend nötig.
 

Ukraine-Krieg: Die Panzer werden geliefert

The Pioneer - Hauptstadt-Das Briefing
Die Panzer werden geliefert

Mittwoch, 27.04.202
Es ist ein Paradigmenwechsel für Deutschland. Rund 50 Flugabwehrpanzer des Typs Gepard will die Bundesregierung in die Ukraine liefern lassen. Die ausgemusterten Geräte sollen der Ukraine helfen, sich gegen Drohnen und russische Kampfflugzeuge zu wehren. Es ist ein so großer politischer Einschnitt, dass selbst die Vereinigten Staaten voll des Lobes für Deutschland sind.

Für Kanzler Olaf Scholz ist die Entscheidung zugleich der Versuch, endlich aus der Defensive in der Sicherheitspolitik zu kommen. Im Kanzleramt besteht ein Vermittlungsdefizit, so die Analyse vieler Sozialdemokraten. Das Problem sei weniger, was die Bundesregierung mache und mehr, wie (wenig) sie es vermittle.
Diese eigenartige Mischung aus unzufriedener Zufriedenheit bestimmt auch die Stimmung in der Fraktion am Dienstag. Eine begeisternde Rede habe Scholz gehalten, "alles erklärt, auch Zweifel erläutert, klar verständlich", sagte uns ein Teilnehmer am Rande der Sitzung. Um dann laut zu seufzen: "Wenn er es doch mal in der Öffentlichkeit machen würde."

In der Sitzung ist es Ralf Stegner, der die Stimmung auf den Punkt bringt. Der SPD-Linke lobt Scholz. Dessen Rede sei so gut gewesen, dass man sie twittern müsste, wird Stegner zitiert. Es ist der kaum versteckte Wunsch nach einer besseren Kommunikation des Kanzlers. "Endlich besser kommunizieren", fordert auch der Berliner Michael Müller.

„Es braucht nicht viel, um die Fraktion glücklich gemacht“, sagt ein anderer, der sichtlich frustriert ist über den Verlauf der vergangenen Wochen.

Das liegt nicht nur an Scholz. Fraktionschef Rolf Mützenich arbeitet sich am Dienstag an den Scholz-Kritikern in der Koalition ab. Er nennt Anton Hofreiter von den Grünen, Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP und „einige aus unseren Reihen“.
edem ist klar, auf wen das zielt an diesem Tag: Auf den Außenausschuss-Vorsitzenden Michael Roth, der die Freiheit seines Amtes nutzt, um immer wieder den Kurs des Kanzlers zu kritisieren, wenn er inhaltlich anderer Überzeugung ist.

Scholz und seine Ampel kümmern sich heute wieder um die Sachpolitik: Sie unternehmen an diesem Mittwoch einen Einigungsversuch mit der Union, um möglichst breite Unterstützung für den Ukraine-Antrag zu sichern. Am Vormittag sind die Unterhändler beider Seiten verabredet. Der Bundestag soll am Donnerstag über den Antrag entscheiden

Der Kanzler wird dann weit, weit weg sein - auf einer Japan-Reise. Schlechtes Timing, finden einige auch in der Koalition.

https://www.thepioneer.de/originals/hauptstadt-das-briefing/briefings/deutschland-liefert-panzer

Butscha: Anatomie eines Kriegsverbrechens

Business Class Edition: 
Butscha: Anatomie eines Kriegsverbrechens
Guten Morgen,
die meisten Medien sind nach den Gräueltaten von Butscha schnell wieder zur Routine der Kriegsberichterstattung zurückgekehrt: große Empörung, wenige Fakten. Eine tiefere Aufarbeitung der dortigen Ereignisse hat bisher nicht stattgefunden.
Deshalb hat The Pioneer zur Beantwortung der offenen Fragen den profundesten Kenner der Materie, Prof. Sönke Neitzel, ins Pioneer-Studio eingeladen. Er ist seit 2015/16 Inhaber des Lehrstuhls für Militärgeschichte und die Kulturgeschichte der Gewalt; er lehrt und forscht am Historischen Institut der Universität Potsdam.

Internationale Aufmerksamkeit erreichte Prof. Neitzel mit seinem Buch „Abgehört: Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945“, in dem Mitschnitte von Gesprächen hochrangiger deutscher Militärs veröffentlicht wurden, die als Kriegsgefangene in der Nähe von London inhaftiert waren. Auch das Nachfolgeprojekt „Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ sorgte für weltweites Aufsehen. Hier wurden soldatische Gespräche abgelauscht, um die psychologischen Grundstrukturen von Kriegsgewalt offen zu legen. Zuletzt legt er das Buch „Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich bis zur Berliner Republik“ vor.
Nach dem Gespräch mit Prof. Neitzel kann man sich trauen, auf die acht entscheidenden Fragen die entsprechenden Antworten zu geben:

1. Waren die Morde von Butscha das Werk einzelner Soldaten oder gab es dazu einen Befehl von oben?

„Butscha war kein Betriebsunfall“, da ist sich Neitzel aufgrund der bisherigen Informationsauswertung sicher. „Das waren nicht einfach zwei, drei Soldaten, denen die Sicherungen durchgebrannt sind und die dann ‚in the Heat of the Battle‘ Zivilisten erschossen haben.“ Man habe es vielmehr mit einer systematischen Gewalt mindestens eines Regiments gegen Zivilisten zu tun. 

Seiner Schätzung nach waren einige hundert russische Soldaten an den Gräueltaten, die im Verlaufe einer mehrwöchigen Besatzungszeit in Butscha verübt wurden, beteiligt.

2. Gab es einen direkten Befehl von Putin?

25 April 2022

Unerschöpfliche Ressource Mensch – die russische Kriegsführung ist von zynischer Brutalität (NZZ)

Anstehen zum Verheiztwerden
Gastkommentar

Die russische Offensive in der Ostukraine hat begonnen. Bis zum 9. Mai soll der ganze Donbass erobert sein. Es steht zu befürchten, dass Moskau zur Erreichung seiner Ziele ein Unmaß an Gewalt anwenden wird. Die Geschichte russischer Kriege zeigt, was das bedeutet.

Von Christian Osthold, 25.04.2022, Historiker und auf die Geschichte Russlands mit Schwerpunkt auf dem Nordkaukasus spezialisiert.

Ohne Zweifel hat das Massaker von Butscha Moskaus Invasion in der Ukraine in ein diabolisches Licht getaucht. Der Vorort von Kiew ist zum Sinnbild einer Militärdoktrin geworden, die sich keiner Konvention unterwirft und von einem Generalstab getragen wird, der zur systematischen Planung und rücksichtslosen Durchführung schwerster Kriegsverbrechen bereit ist. Darin materialisiert sich eine zutiefst inhumane Philosophie, die bis heute millionenfache Opfer gefordert hat.

Jeder Krieg, den Russland im 20. Jahrhundert geführt hat, folgte demselben Axiom: Menschliches Leben stellt eine unerschöpfliche Ressource dar, die inflationär einsetzbar ist. Die präzedenzlosen Verluste der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg legen Zeugnis davon ab. Sie vermitteln ein verstörendes Bild von der zerstörerischen Kraft, die das russische Oberkommando bis heute immer wieder entfaltet hat. Selbst der Kampf gegen unterlegene Gegner ist davon nicht ausgenommen.

Was Gerhard Schröder zum Ukraine-Krieg und Putin sagt - ZDFheute

Interview mit "New York Times
Was Gerhard Schröder zum Ukraine-Krieg und Putin sagt
23.04.2022

Alt-Kanzler Gerhard Schröder hat sein erstes Interview seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine gegeben. Mit der "New York Times" sprach er über den Krieg und Putin.
Altkanzler Gerhard Schröder kann sich einen Rücktritt von seinen Posten für russische Energiekonzerne offensichtlich nur für einen Fall vorstellen: Wenn der russische Präsident Wladimir Putin Deutschland und der Europäischen Union das Gas abdreht. In einem am Samstag veröffentlichten Interview der "New York Times" sagt er, dass er nicht mit einem solchen Szenario rechne. Sollte es aber doch dazu kommen, "dann würde ich zurücktreten", fügt er hinzu - ohne explizit zu sagen, von welchen Posten.
Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energieriesen Rosneft und war zuletzt auch für die Pipeline-Gesellschaften Nord Stream und Nord Stream 2 tätig. Er steht in Deutschland massiv in der Kritik, weil er sich trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine nicht von seinen Posten trennt. Vier SPD-Verbände haben deswegen ein Parteiausschlussverfahren gegen Schröder beantragt.
Schröder: "Ich habe immer deutsche Interessen vertreten"
Schröder ist seit seiner Zeit als Kanzler (1998 bis 2005) eng mit Putin befreundet. In seinem ersten Interview seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht er deutlich, dass er weiter bereit ist, diesen guten Draht zur Vermittlung zwischen Russland und der Ukraine zu nutzen.
Ich habe immer deutsche Interessen vertreten. Ich tue, was ich kann. Wenigstens eine Seite vertraut mir
Man müsse nun so schnell wie möglich zu einer Friedenslösung kommen. "Ich denke, dieser Krieg war ein Fehler und das habe ich auch immer gesagt."
Schröder war im März nach Moskau gereist, um mit Putin zu sprechen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) war über die Reise nach eigenen Angaben nicht informiert. Zu den Details des Gesprächs mit Putin äußert sich der 78-jährige Schröder in dem Interview nicht und verrät nur so viel:
Was ich Ihnen sagen kann ist, dass Putin daran interessiert ist, den Krieg zu beenden. Aber das ist nicht so leicht. Da gibt es ein paar Punkte, die geklärt werden müssen.Initiative für Moskau-Reise soll von ukrainischer Seite ausgegangen sein.Schröder wurde dem Bericht
zufolge von Putin im Kreml wie ein Staats- oder Regierungschef empfangen. So wie Scholz und der französische Präsident Emmanuel Macron wenige Wochen zuvor, sprach er mit dem russischen Präsidenten an einem inzwischen berühmt gewordenen sechs Meter langen Riesentisch.
Die Initiative für die Moskau-Reise ging laut Schröder von ukrainischer Seite aus, den Kontakt habe das Schweizer Medienunternehmen Ringier hergestellt. Der ukrainische Parlamentarier Rustem Umerow habe ihn vor der Reise nach Moskau bei einem Treffen in Istanbul über die ukrainischen Positionen informiert.
Nach dem Gespräch mit Putin habe es ein weiteres Treffen mit Umerow gegeben, danach sei der Kontakt abgebrochen. Er sei aber bereit, mit beiden Seiten wieder zu sprechen, sagt Schröder der "New York Times".
New York Times: Schröder glaubt nicht, dass Putin Befehl für Butscha gab.

Der Westen ist naiv: Auch wenn Putin verschwindet, wird sich Russland nicht verändern (NZZ)

Der Westen glaubte nach dem Ende der Sowjetunion, dass ein neues Russland entstanden sei. Das war ein Trugschluss, wie Putin der Welt vor Augen führt. Selbst wenn der Zar gestürzt wird, bleibt der Imperialismus Moskaus.
Von Eric Gujer
01.04.2022

Wer Wladimir Putin für verrückt erklärt, begeht einen doppelten Fehler. Zum einen ist der russische Präsident nicht geisteskrank, nur weil seine Handlungen für den Westen unverständlich sind. Putin folgt seiner eigenen Logik, die sich den Massstäben westlicher Rationalität entzieht. Zum anderen ist es gefährlich, den Krieg zum Werk eines einzelnen Verrückten zu erklären. Natürlich hat Putin in dem von ihm etablierten neozaristischen System eine überragende Bedeutung. Er konzentrierte in zwei Jahrzehnten die ganze Macht bei sich. Dennoch ist der Krieg nicht das Werk eines Mannes.
In der Sowjetunion nannte man die Schicht führender Parteikader und höherer Offiziere in Armee und KGB Nomenklatura. Diese bildete eine in sich geschlossene Gemeinschaft mit besonderen Privilegien und einer eigenen Weltsicht. Nach den Wirren der neunziger Jahre hat sich die Nomenklatura wieder etabliert. Sie teilt Putins Vorstellungen und geniesst die vom Regime gewährten Vergünstigungen. Mit anderen Worten: Sie ist das Regime.
Es herrscht eine vom Ausland gern unterschätzte Kontinuität, weil der Westen nur die wechselnden Figuren im Kreml wahrnimmt, ob sie Gorbatschow, Jelzin oder Putin heissen. Die Weltanschauung der Nomenklatura entstand nicht erst in den Putin-Jahren und erst recht nicht nach dem Feldzug im Donbass und der Annexion der Krim 2014.
Absichtlich zivile Ziele zu bombardieren, ist ein Kriegsverbrechen
Das beste Beispiel für die Konstanz des Denkens und Verhaltens ist die Kriegsführung. Mit Entsetzen sieht die Welt, wie die Streitkräfte in der Ukraine ganze Städte in Schutt und Asche legen. Mariupol steht für eine Taktik fortgesetzter Kriegsverbrechen. Absichtlich werden zivile Ziele beschossen, um den Gegner zu demoralisieren.
Die Generäle nehmen nicht einmal Rücksicht auf die eigenen Soldaten, die ahnungslos in die Schlacht geschickt wurden. Entsprechend niedrig ist die Moral, die Zahl der Verluste hoch. Grossspurig ging die Militärführung von einem schnellen Sieg aus, so dass sie dilettantisch plante und den Nachschub schlecht organisierte.
Wie sehr dieses Bild doch dem ersten Tschetschenienkrieg von 1994 bis 1996 ähnelt. Das Symbol der Barbarei hiess damals Grosny. Die Stadt sah aus, als sei eine monströse Dampfwalze über sie hinweggerollt. Rücksichtslos nahm die Artillerie Zivilisten ins Visier, Dörfer wurden in Strafaktionen dem Erdboden gleichgemacht. Die Opfer waren russische Staatsbürger. Moskau hatte die Sezession der Teilrepublik – der eigentliche Kriegsgrund – nie anerkannt.
Die höheren Dienstgrade behandelten die einfachen Soldaten mit einer Mischung aus Inkompetenz und Menschenverachtung. Die Offiziere befahlen, in den Bergen des Kaukasus vorgeschobene Positionen anzulegen, die sich nicht halten liessen und regelmässig in nächtlichen Angriffen der Tschetschenen aufgerieben wurden. Wo die Russen ausharrten, mussten sie in improvisierten Stellungen hausen, in Erdlöchern und eilends ausgehobenen Gräben. Nachschub erhielten sie nur sporadisch, so dass sie sogar ausländische Journalisten um Verbandsmaterial anbettelten.

24 April 2022

Die Atombombe ist kein technisches Problem, das mit Forschen und Kalkulieren zu lösen wäre. Wie aber lässt sich die Apokalypse dann verhindern? (NZZ)

Die Atombombe ist kein technisches Problem, das mit Forschen und Kalkulieren zu lösen wäre. Wie aber lässt sich die Apokalypse dann verhindern? (NZZ)

Die Angst vor der atomaren Vernichtung ist zurück. Nur indem sich der Mensch verändert, lässt sich die Gefahr auf Dauer vermeiden.

Putin droht unverhohlen mit dem Einsatz atomarer Waffen. Dies ist eine der verstörendsten Nachrichten unter all den verstörenden, die uns täglich aus dem Krieg in der Ukraine erreichen.

Die Nato, paralysiert durch die Angst vor einem dritten Weltkrieg, muss tatenlos zusehen, wie die Ukraine dem Machtwahn eines Autokraten geopfert wird.

Strategieexperten rechnen vor, welche Arsenale an Atomwaffen auf uns warten: 12 000 allein aufseiten Russlands und der Nato, an Zerstörungskraft um ein Vielfaches verheerender noch als die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki, nicht zu reden von der massiven atomaren Aufrüstung im Konfliktgebiet China, Indien und Pakistan oder von der Bombe in den Händen eines noch unberechenbareren Despoten wie Kim Jong Un.

Stefan Aust zur Lage „Dann könnte schnell ganz Europa in Flammen stehen“ (Welt+)

Stefan Aust zur Lage 
„Dann könnte schnell ganz Europa in Flammen stehen“ (Welt+)
24.04.2022

Jedes Wochenende beantwortet WELT AM SONNTAG-Herausgeber Stefan Aust Fragen. Das Thema diesmal: Schlägt Bundeskanzler Olaf Scholz mit Blick auf Waffenlieferungen an die Ukraine den richtigen Kurs ein? Und: Was ist vom Auftreten des ukrainischen Botschafters Melnyk zu halten?
Auszüge

Frage: Bundeskanzler Olaf Scholz ist wegen seiner Haltung zu Waffenlieferungen an die Ukraine in die Kritik geraten, auch in den Reihen der Ampelkoalition. Wie beurteilen Sie sein Verhalten?
Aust: Mir ist ein vorsichtiger, besonnener Bundeskanzler in einer so gefährlichen Lage lieber als einer, der den Krieg – möglicherweise in der besten Absicht – weiter eskalieren lässt. Eine Unterstützung der Ukraine auch durch Waffenlieferungen ist sicher notwendig, aber mit welchen „schweren Waffen“ die Schwelle zur Kriegsbeteiligung überschritten würde, ist schwer abzuschätzen.
  • Wer aus berechtigter moralischer Empörung und Solidarität dem ukrainischen Präsidenten und seinem Berliner Botschafter jeden Wunsch nach militärischer Hilfe von den Augen abliest, könnte schnell selber zur Kriegspartei werden. Und ob damit der Ukraine geholfen ist, kann durchaus bezweifelt werden.
  • Frage: Täuscht der Eindruck, oder kann sich in der Regierung insbesondere die SPD nicht zu einer klaren Haltung gegenüber dem Agieren Russlands durchringen?
    Aust: Die bisherigen Maßnahmen und Sanktionen des Westens und damit auch der Bundesrepublik zeugen von einer klaren Haltung gegenüber dem verbrecherischen Angriff Russlands auf die Ukraine.
    Aber mit einem plötzlichen Lieferstopp die Wirtschaft lahmzulegen, dürfte die Stabilität und damit die Verteidigungsfähigkeit des Landes auch nicht gerade stärken.

    Auch die eigene Verteidigungsfähigkeit sollte langsam mal in den Vordergrund rücken - etwa die Frage, ob die „Aussetzung“, in Wirklichkeit wohl Abschaffung der Wehrpflicht nicht dringend rückgängig gemacht werden müsste. Und die auf unbegrenzte russische Gaszufuhr basierende Energiewende mit ihrer Abkehr von Atomkraft, Steinkohle und Braunkohle dürfte sich schon jetzt als Windei entpuppt haben. Der Ukraine-Feldzug Putins sollte wenigstens die politischen Träumer im Lande auf den Boden der Wirklichkeit zurückbringen.
  • Frage: Wie sehen Sie die Rolle des ukrainischen Botschafters Melnyk, der für einen Diplomaten eine sehr deutliche Sprache spricht und viele Forderungen stellt?
    Aust: Melnyk vertritt die Interessen seines Landes ziemlich forsch. Das ist sein gutes Recht. Dass er sich dabei manchmal im Ton und in der Sache vergreift, gehört nicht zu den schlimmsten Vorkommnissen in diesem Krieg. Er hat seine öffentlichkeitswirksame Rolle gefunden, ob er damit auf Dauer die Sympathie und Solidarität mit der Ukraine fördert, wird sich herausstellen.

Wie können diese Ukrainer es wagen, ein dermaßen glückliches Leben zu führen? – Über den Neid und die Wut und die Rache von Russlands Frauen (NZZ)

Ein unfassbarer Artikel
Wie können diese Ukrainer es wagen, ein dermaßen glückliches Leben zu führen? – Über den Neid und die Wut und die Rache von Russlands Frauen (NZZ)

21.04.2022. Geschrieben von Alissa Ganijewa, die als Schriftstellerin und Literaturkriterin in Moskau lebte, aber Russland mittlerweile verlassen hat.

Angesichts des mit äußerster Brutalität geführten Krieges gegen die Ukraine ist derzeit viel von toxischer russischer Männlichkeit die Rede. Übersehen wird dabei gern die Rolle der russischen Frauen als willige Beihelferinnen.
Auszüge
 

  • Die Tatsache, dass sich der russische Staat keineswegs um jeden seiner Bürger kümmert, der in seinem blutigen Krieg gegen die Ukraine ums Leben kommt, überrascht ganz und gar nicht: Mütterchen Russland war schon immer äußerst grimmig zu ihren Kindern.
  • Was speziell auffällt, ist die Gefühllosigkeit der wirklichen Mütter gegenüber ihren Söhnen, die in Kriegsgefangenschaft geraten sind. In Dutzenden von ukrainischen Anti-Propaganda-Videos, in denen russische Kämpfer ihre Mütter zu Hause anrufen, bringen sie weder Entsetzen noch Mitgefühl zum Ausdruck. Ihre Äußerungen sind gleichgültig, kalt und sogar vorwurfsvoll, als ob sie wütend oder verärgert seien.
  • Ein normaler Mensch kann nur schwer verstehen, was hinter diesem Verhalten steckt. Ich verfolge verschiedene regionale russische Chats, in denen sich die Teilnehmer in aggressiv-mörderischen Parolen gegen die Ukrainer suhlen.
  • Die von den Ukrainern mitgeschnittenen Gespräche russischer Soldaten mit ihren Müttern, Freundinnen und Ehefrauen sind noch entsetzlicher. Alle denken, ihre Anrufe seien privat, und so hält sie nichts zurück.
  • Bestialische Instinkte kommen zum Vorschein, offen und unverhüllt. Zum einen sprechen alle in den niedrigsten und abscheulichsten, nicht druckbaren und auch nicht übersetzbaren Obszönitäten.
  • Zum andern ist nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt der Gespräche abscheulich. So gerät eine Mutter außer sich, als sie hört, dass ihr Sohn bereit ist, sich selber zu erschießen, und fängt an zu lamentieren, dass die Russen zu lahm mit ihrer Gewalt seien und die Zivilisten verschonten.
  • Eine andere Frau freut sich, als ihr Mann ihr erzählt, dass ihre Tochter ihm einen Brief aus der Schule geschickt habe, in dem sie sich wünsche, dass er alle Ukrainer töte. Sie lacht und sagt: «Genau! Sie hat es sogar richtig formuliert, nicht wahr?»
  • Eine andere muntert ihren Mann mit zärtlichen Worten auf, als sie hört, dass er Kosmetika für sie und seine Schwiegermutter geplündert hat. «Sofia wird studieren gehen», sagt sie über ihre Tochter. «Sie braucht auch einen verf***ten Laptop. Raff alles zusammen, was du kriegen kannst, Andrei!»
  • Frauenstimmen freuen sich auf das mit unschuldigem Blut getränkte Plündergut, und mitunter scheint es, dass sie auf diese gestohlenen Waren – wie Küchenmixer oder Waschmaschinen – noch gieriger warten als auf ihre Männer
  • Wenn sie von russischen Soldaten hören, die vergewaltigen oder Leute hinrichten, seufzen einige von ihnen vor Kummer, andere aber fangen gleich an zu schreien: «Das geschieht ihnen recht, sie sind alle Nazis!»
  • Eine Frau gibt ihrem Mann sogar eine schockierende Anweisung: «Mach nur, vergewaltige ruhig ukrainische Weiber, okay? Doch erzähl mir nichts davon. Verstehst du?» (Lachen.)

Es folgt das ganze Gespräch...

Unterstützung der Ukraine - Schwere Waffen

Unterstützung der Ukraine - Schwere Waffen

Es vergeht kein Tag und keine aktuelle TV-Sendung in denen die Medien nicht als Verstärker und Sprachrohr für diejenigen auftreten, die vehement schwere deutsche Waffen aus Bundeswehrbeständen für die Ukraine fordern. Dieses ständige Trommeln für „Schwere Waffen" hat inzwischen die Form einer Gehirnwäsche angenommen, weil angeblich auch die Mehrheit der Deutschen für eine derartige Lieferung sein soll.
Es dürfte zu behaupten sein, dass viele, die diese Forderung jetzt aufstellen und verstärken, nicht einmal genau wissen, was „schwere Waffen“ eigentlich sind. Ist die „Schwere“ abhängig vom Gewicht, vom Kaliber, von der Reichweite der Waffen, von der Panzerung, von der Reichweite der Fahrzeuge oder gar allem zusammen? Zudem stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, jetzt solche Waffen an die Ukraine zu liefern und wie lange würde es voraussichtlich dauern, bis diese so zum Einsatz kommen, dass sie auch wirkungsvoll eingesetzt werden könnten?

Ein sogenannter CDU-Verteidigungsexperte, Henning Otte aus Celle, sagte in einem Interview mit der Braunschweiger Zeitung: „Wir müssen alle Waffen liefern, die Ukraine zur Abwehr des russischen Angriffs benötigt, die WIR BEREITSTELLEN KÖNNEN und bei denen KEINE INSTANDHALTUNG UND AUSBILDUNG AUF UKRAINISCHEN BODEN NOTWENDIG IST."
Otte schränkte ein, dass es sich dabei aber nicht um die von der Ukraine geforderten Schützenpanzer handeln könne. „Das System Marder ist nicht nur KOMPLEX, es ist auch durch seine Bordkanone in der Feuerkraft eingeschränkt".

Ich gehe davon aus, dass das auch für Leopard Panzer zutrifft, dass die so komplex sind, dass sie nicht ohne weiteres von Soldaten einer fremden Macht bedient werden können. Abgesehen davon, dass es mit „nackten“ schweren Waffen allein nicht getan ist und mehr dazu gehört.
Auch Militärexperte Carlo Masala sieht in der kurzfristigen Lieferung ein Problem im Aufbau einer Logistik-Kette, also einer Infrastruktur für die Wartung, Reparatur, Ersatzteile und um die Panzer mit Munition und Treibstoff zu versorgen. "Die meisten denken, man stellt den Ukrainern den Panzer in Kiew auf den Hof und dann ist es gut".

So einfach sei es allerdings nicht, räumte der Experte ein. Sobald es sich nämlich um komplexe Waffensysteme handelt, mit denen die Ukrainer nicht vertraut sind, wie z.B. dem Leopard 1 oder Schützenpanzer Marder, wird es deutlich komplizierter.

Um diese Waffen effizient einsetzen zu können, müssen die Besatzung, bestehend aus Kommandant, Richtschütze, Kraftfahrer und im Kampfpanzer auch dem Ladeschützen, ausgebildet sein und harmonieren, um das Waffensystem richtig zu bedienen und im besten Falle zu beherrschen. Um laden, zielen und treffen zu können, sowohl gegen Erd- und Luftfeind, um Störungen beseitigen, das Gerät warten und ggfs. instandsetzen zu können, sowohl Waffe als auch Fahrzeug und den Panzer in jedem Gelände und bei jedem Wetter fahren zu können, ist eine umfassende Ausbildung aller Besatzungsmitglieder erforderlich. Ohne an den Fahrzeugen und am Gerät ausgebildete Elektroniker, Kfz- und Waffenmechaniker wird das Großgerät zur Einmal- oder gar zur Wegwerfwaffe. Sobald nämlich Störungen auftreten oder das Fahrzeug ausgefallen ist, muss es stehengelassen und aufgegeben werden (und fällt dann ggf. in russische Hände)
Vor diesem Hintergrund mal locker zu fordern, Marder- und Leopard Panzer zu liefern, die dann von Soldaten bedient werden sollen, die bisher Waffen und Munition des ehemaligen Warschauer Paktes verwenden, ist nicht nur abenteuerlich, sondern naiv und von parteipolitischem Kalkül geprägt. Es hat den Anschein, dass viele diese Forderung stellen und befürworten, weil sie glauben, mit der Lieferung „schwerer Waffen“ könnte man das Problem lösen. Vor allem aber beruhigt es das eigene Gewissen, da man ja das vermeintlich Richtige fordert.

Wer als Deutscher keine Panzer schicken will, ist deshalb kein Nazi (NZZ)

Der andere Blick 
Wer als Deutscher keine Panzer schicken will, ist deshalb kein Nazi (NZZ)
Deutschland müsse die Ukraine wegen seiner Geschichte mit schweren Waffen unterstützen, fordert nicht nur Präsident Wolodimir Selenski. Das ist kein Argument, das ist moralische Erpressung.
Marc Felix Serrao, Berlin, 22.04.2022
Was haben der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, der deutsche Verleger Mathias Döpfner und der ehemalige polnische Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, gemeinsam? Sie alle begründen ihre Forderungen nach mehr deutscher Unterstützung für die Ukraine im Krieg gegen Russland mit den Verbrechen der Nazis.

Gaspiplines "friedlich abdrehen" „Letzte Generation“-Bewegung droht mit Aktionen gegen Energieversorgung

 


Scholz und die SPD stecken in der Russland-Klemme (WELT)


 

Streit um Waffenlieferungen - „Kurzsichtig und gefährlich“: Das steckt hinter Gabriels Warnung an die Ukraine (Focus)

Streit um Waffenlieferungen -
„Kurzsichtig und gefährlich“: Das steckt hinter Gabriels Warnung an die Ukraine (Focus)


 

Deutschlands Haltung im Ukrainekrieg Wir brauchen zumindest einen kalten Frieden (Spiegel)

Deutschlands Haltung im Ukrainekrieg Wir brauchen zumindest einen kalten Frieden (Spiegel)
Ein Debattenbeitrag von Sigmar Gabriel
Der ukrainische Außenminister hat im SPIEGEL mehr deutsche Führung gefordert. Trotzdem kann das nicht bedeuten, dass Berlin jede Forderung oder Verschwörungstheorie aus Kiew einfach hinnimmt, kontert Sigmar Gabriel.
17.04.2022,

Olaf Scholz führt nicht – er merkelt (Cicero)

 


Scholz widerspricht Kritikern: „Weil ich nicht tue, was ihr wollt - deshalb führe ich“(Focus)

Scholz widerspricht Kritikern: „Weil ich nicht tue, was ihr wollt - deshalb führe ich“(Focus)
Im „rbb-Inforadio“ hat sich Olaf Scholz zur Ukraine und der anhaltenden Kritik an seiner Führungsstärke geäußert. Er sagte: „Ich bin beeindruckt, wie viele Leute es schaffen, einmal kurz zu googeln und zu Waffenexperten zu werden. Manchen von diesen Jungs und Mädels muss ich mal sagen: Weil ich nicht das tue, was ihr wollt - deshalb führe ich.“

Der Norden überholt den Süden: „Im Grunde ist Bayern schon längst abgehängt“ (Focus)


 

Auszug "Morning Briefing" vom 13.04.22 Krieg, Inflation, Rezessionsignale: Ampel ohne Kompass


 

Im Kabinett Scholz gibt es zu viele Fehlbesetzungen (NZZ)

 


Anne Spiegel ist an sich selbst gescheitert (NZZ)


 

Thema des Tages: Steinmeier unerwünscht! (NZZ)