Die bittere Wahrheit hinter den Erfolgsmeldungen der Kriminalstatistik (WELT+)
WELT kennt die Details.
Auffällig ist zudem, wo die Gewalt stattfindet. Sie ereignet sich besonders häufig im öffentlichen Raum. Knapp ein Drittel der Fälle wird auf Straßen, Wegen oder Plätzen registriert. Ein weiterhin erheblicher Teil spielt sich im privaten Umfeld ab, etwa jede fünfte Straftat findet in Wohnungen statt.
Der Blick auf die längerfristige Entwicklung relativiert den aktuellen Rückgang zusätzlich. Im Vergleich zu 2019, dem letzten Vor-Corona-Jahr, ist die Gewaltkriminalität deutlich gestiegen: um 17,3 Prozent auf mehr als 212.000 Fälle. Besonders stark fällt der Anstieg bei Sexualdelikten aus: Vergewaltigungen und besonders schwere sexuelle Übergriffe nahmen seitdem um mehr als 50 Prozent zu. Gefährliche und schwere Körperverletzungen legten deutlich zu, ebenso Raubdelikte. Die Zahl tatverdächtiger Jugendlicher liegt weiterhin mehr als 20 Prozent über dem Niveau von 2019.
29.000 Messerstraftaten erfasst
In einem kleineren Teil der Fälle steht Gewalt im Zusammenhang mit konkreten Ereignissen. Bei gut sechs Prozent der Delikte wurde ein solcher Bezug erfasst. Dabei dominieren kulturelle Veranstaltungen wie Volksfeste oder Konzerte, gefolgt von Vorfällen im schulischen Umfeld.
Ein besonderer Fokus liegt weiterhin auf Messerangriffen. Darunter versteht die Statistik Fälle, in denen ein Messer unmittelbar gegen eine Person eingesetzt oder damit gedroht wird, nicht das bloße Mitführen. Insgesamt wurden 2025 etwa 29.000 solcher Taten registriert, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Etwa die Hälfte entfällt auf klassische Gewaltkriminalität, fast ebenso viele auf Bedrohungen.
Besonders hoch ist der Anteil von Messern bei schweren Gewalttaten. Bei
Mord und Totschlag kommt in rund vier von zehn Fällen ein Messer zum
Einsatz, das ist deutlich häufiger als bei anderen Delikten.
Ein Blick auf die Tatverdächtigen zeigt deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. Gemessen an der sogenannten Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) – also Tatverdächtigen pro 100.000 Einwohner – liegt die Belastung nichtdeutscher Tatverdächtiger in allen Altersgruppen mindestens doppelt so hoch wie bei deutschen.
Demnach lag die TVBZ nichtdeutscher Tatverdächtiger 2025 insgesamt bei 4.788, die der deutschen bei 1.813. Damit ist die Belastung nichtdeutscher Personen insgesamt um den Faktor 2,6 höher. Der Abstand zieht sich durch alle Altersgruppen und Geschlechter. Am deutlichsten wird ds bei jungen Männern. Bei den männlichen Jugendlichen liegt die TVBZ der Nichtdeutschen bei 13.811, bei den deutschen Vergleichspersonen bei 6.118. Auch bei männlichen Heranwachsenden bleibt der Abstand groß: 12.297 zu 5.762.
Für diese Unterschiede nennt der Bericht mehrere Erklärungsansätze. Eine
Rolle spielten demnach demografische Faktoren, etwa der höhere Anteil
junger Männer. Hinzu kämen soziale Belastungen, schwierige
Lebensbedingungen und Gewalterfahrungen, insbesondere bei Migranten.
Auch sogenannte gewaltlegitimierende Einstellungen – also die Akzeptanz
von Gewalt unter bestimmten Umständen – könnten laut Studien eine Rolle
spielen.
Im Bereich der Gewaltkriminalität zeigt sich eine noch größere
Differenz: Hier liegt die TVBZ der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei
628, die der deutschen bei 158. Die Belastung ist also um den Faktor 4,0
höher. Auch hier sticht eine Gruppe besonders hervor: Die TVBZ der
nichtdeutschen männlichen Jugendlichen beträgt 3.710. Demgegenüber steht
die Zahl der deutschen männlichen Jugendlichen: 1.070. Bei männlichen
Heranwachsenden liegen die Werte bei 2.698 zu 942, bei männlichen
Erwachsenen bei 808 zu 194.
Bei den Herkunftsstaaten dominieren unter den nichtdeutschen
Tatverdächtigen zahlenmäßig Staatsangehörige aus der Türkei mit 79.205
Personen, gefolgt von denen aus Syrien mit 76.755 und aus Rumänien mit
65.556. Danach folgen die Ukraine mit 56.909, Polen mit 45.513 und
Afghanistan mit 40.461; anschließend Bulgarien, Serbien und Irak. Diese
Rangliste zeigt allerdings nur die absoluten Fallzahlen, nicht die
Belastung im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungsgröße in Deutschland.
Sie sagt also, aus welchen Nationalitäten besonders viele
Tatverdächtige stammen, aber nicht automatisch, welche
Staatsangehörigkeiten im statistischen Verhältnis am stärksten belastet
sind.

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