"Merz: Schwach gestartet und dann stark nachgelassen"
Business Class Edition
Merz und Medien
Medien als Merz-Retter: Ein Missverständnis
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Medien als Merz-Retter: Ein Missverständnis
Was die Zustimmungswerte über die politische Substanz der Protagonisten verraten.
Gabor Steingart, 03.08.2026, 7 Min
Man muss sich den Satz des legendären Tagesthemen-Moderators Hanns Joachim Friedrichs in Erinnerung rufen, um den Gezeitenwechsel im Journalismus zu verstehen:
"Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten."
Tempi passati: Mit dem weltweiten Aufstieg des Rechtspopulismus
hat das Denken vieler Journalisten die Richtung gewechselt. Sie wollen
nicht mehr berichten, sondern retten, am liebsten die Demokratie. Sie
wollen – zumindest wenn es um Trump und die AfD geht – nicht fair, sondern bewusst verletzend sein, auch gegenüber dem journalistischen Neutralitätsgebot, das einst zu unserem Berufsethos gehörte.
Dieses Neutralitätsgebot bedeutete nie, dass der Journalist keine Meinung haben darf. Er darf. Er muss. Aber es ging zuerst um die Fakten (Augstein: „Sagen, was ist“) und danach um die Trennung von Wirklichkeit und Wahrnehmung. Bob Woodward, der legendäre Watergate-Enthüller der Washington Post:
"Es gibt Meinungen und es gibt Fakten."
Weder
die Trennung noch die Priorisierung werden heute eingehalten. Ausgehend
von der historisch falschen und politisch naiven These, Berlin sei ein
Vorort von Weimar und es handele sich bei der Merz/Klingbeil-Regierung um die „letzte Chance der Demokratie“ (Robin Alexander) wird neuerdings in der Causa Merz für mildernde Umstände plädiert.
Christiane Hoffmann, ehemals Spiegel-Redakteurin, danach stellvertretende Regierungssprecherin von Olaf Scholz,
ruft die Unionsfraktion zur Ordnung. Sie solle ihre Merz-Kritik
mäßigen, besser noch, einstellen und sich endlich hinter dem Kanzler
versammeln.
"Da sehnt man sich fast zurück nach den Zeiten des Kanzlerwahlvereins. Ein bisschen Stabilität, bitte."
Und
weil diese Kritik an der Kritik nur dann funktioniert, wenn drohendes
Unheil unterstellt wird, gehören Mäßigung und maßlose Übertreibung
untrennbar zueinander.
Christiane Hoffmann:
"Europa brennt. Könnten bitte ein paar Leute einen kühlen Kopf bewahren?"









