Thomas Tuma spricht in seinem Focus-Morning-Briefing vom 04.06.2026 von "Reformpanik", Anna Schiller in der NZZ vom gleichen Tage, "Merz sollte handeln, statt dem Land Optimismus zu verordnen."
Die Antwort konnte man schon am 20.05.2026 in The Pioneer lesen. Merz und große Teile der Koalition haben Angst vor der AfD.
Bisher war die größte Sorge der Regierung, dass sie vor lauter Streit die lange angekündigten Reformen nicht umsetzen kann.
Doch in Teilen der Koalition wächst auch die gegenteilige Befürchtung: Dass Reformen für Teile der Bevölkerung Belastungen bedeuten und damit der AfD vor den Landtagswahlen im Herbst zusätzlichen Auftrieb geben könnten.
Es klingt, als gehe in der schwarz-roten Koalition inzwischen die Angst vor dem eigenen Erfolg um — oder zumindest vor einem politisch ungünstigen Timing.
Denn was, wenn die Wähler die Zumutungen, die sich bei Rente, Pflege und Krankenkassenreform bereits in einzelnen Punkten andeuten, bei den anstehenden Landtagswahlen im Osten mit einer Stimmenwanderung zur AfD beantworten?
Wie mein Kollege Nils Heisterhagen und ich hören, wird in Teilen der Koalition deshalb über eine Verschiebung der Reformen bis nach den Landtagswahlen diskutiert.
#1: Nervosität vor der Rentenkommission
Insbesondere die SPD sieht den Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Ergebnisse der Rentenkommission Ende Juni kritisch, wie ich von einem hochrangigen SPD-Mitglied höre. Sollte diese etwa die Streichung der Haltelinie beim Rentenniveau nach 2031 empfehlen, würden sich SPD und Union keineswegs beliebt machen.
Besonders im Osten: Denn dort ist die Bevölkerung im Durchschnitt älter als im Westen und zu drei Vierteln von der gesetzlichen Rente als alleiniger Einkommensquelle im Alter abhängig.
In den vergangenen Wochen sorgten eine Reihe von Umfragen für Aufsehen, bei denen die AfD deutliche Zugewinne, die Union und die SPD hingegen deutliche Verluste verzeichneten.
Das Dilemma: Angesichts dessen herrscht in Teilen der Koalition offenbar eine fast resignative Stimmung: „Wenn wir die versprochenen Einsparungen liefern, verlieren wir womöglich im Osten.“ Aber: „Wenn wir nicht liefern, verlieren wir erst recht“, heißt es.
#2: Pflegepläne verzögern sich







