06 Juli 2026

„Gewalt- und Konfliktbarometer“ vorgelegt - Wie ein intoleranter Islam den Schulalltag erobert (Cicero)

„Gewalt- und Konfliktbarometer“ vorgelegt

Wie ein intoleranter Islam den Schulalltag erobert (Cicero)
Eine unduldsame Variante des Islam erobert in sozialen Brennpunkten unsere Schulen. Muslimische Schüler versuchen im Auftrag ihrer Eltern, religiöse Normen im Schulalltag zu verankern. Viele Schulen zeigen sich hilflos, weil sie nicht als intolerant gelten wollen.
VON RAINER WERNER am 27. Juni 2026 17 min
Immer wieder machen Berichte Schlagzeilen, muslimische Schüler hätten ihre Mitschüler unter Druck gesetzt, um sie zu einem Allah gefälligen Lebenswandel anzuhalten. Dabei nutzen sie virtuos die im Islam üblichen Schlagworte „halal“ für erwünscht und „haram“ für schlecht, weil unislamisch. Mädchen werden schon in der fünften Klasse – also im Alter von zehn Jahren – dazu angehalten, ihre Haare unter einem Kopftuch zu verbergen. In Hamburg ist es an einer Stadtteilschule vorgekommen, dass muslimische Jungen ihre in Glaubensfragen eher lauen Mitschüler gezwungen haben, während des Ramadans zu fasten. An derselben Schule sollen muslimische Schüler auch zum Boykott des Musikunterrichts aufgerufen haben, weil im Islam Musik „haram“ sei. 
Diese Meldung ging durch die Presse, nachdem Welt-TV darüber berichtet hatte. Auf Facebook und X verbreitete sich die Nachricht schnell, teilweise auch in fremden Sprachen. In den Medien kam die Islamwissenschaftlerin Yasemin Gökpinar vom Institut für Arabistik der Ruhr-Universität Bochum zu Wort. Sie sagte, im Koran würde Musik unter den „geächteten oder verbotenen Handlungen“ aufgeführt, wie „Spiel um Geld, Prostitution, Alkoholgelage“, weil dadurch „eine ,Ablenkung‘ von Gottesdienst, Gebet und dem Glauben an Gott stattfindet“ (AFP vom 15. Oktober 2025). 
Wenn Schüler zum Boykott des Musikunterrichts aufrufen, machen sie sich also eine besonders unduldsame Auslegung des Islam zu eigen, wie sie besonders von Islamisten gepflegt wird. Waren vor Jahren der Anlass für Mobbing unter Schülern noch der „falsche“ Musikgeschmack oder altmodische Klamotten, geht es heute an Brennpunktschulen häufig um ein religiös korrektes Verhalten. Man muss nicht eigens betonen, dass damit eine neue Stufe der Intoleranz erreicht ist, weil die Privatsache Religion plötzlich ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gezerrt wird.
Religiöser Konformitätsdruck führt zu mehr Schulgewalt

Der andere Blick mit Daten - Der Beruf des Lehrers wird immer stärker von Frauen dominiert. Warum das für einige Kinder problematisch ist (NZZ)

Der andere Blick mit Daten
Der Beruf des Lehrers wird immer stärker von Frauen dominiert. Warum das für einige Kinder problematisch ist (NZZ)
Eine Auswertung der NZZ zeigt, wie selten männliche Lehrer inzwischen geworden sind. Das hat Folgen, vor allem für Jungen.
Susanne Gaschke, Sophia KisslingSimon Off, 27.06.2026, 4 Min 
Wenn Schulmeister es in Literatur und Film zu Heldenstatus bringen, handelt es sich fast immer um männliche Prachtexemplare: Man denke etwa an den engagierten Pädagogen Dr. Johannes («Justus») Bökh aus Erich Kästners Jugendroman «Das fliegende Klassenzimmer», an den charismatischen Lehrer John Keating aus dem amerikanischen Kultfilm «Der Club der toten Dichter» oder an den unterrichtenden Gangster Zeki Müller, den Elyas M’Barek in «Fack ju Göhte» darstellt. Die Realität des Lehrerberufs in Deutschland sieht allerdings anders aus: Sie ist ganz überwiegend weiblich. Und wird immer weiblicher.
Wie unsere Grafik zeigt, sind mittlerweile fast drei Viertel der Voll- und Teilzeitbeschäftigten an allgemeinbildenden Schulen Frauen. Bei den unter 30-jährigen Lehrern sind es sogar rund 80 Prozent.
Wie kam es zur Verweiblichung des Lehrerberufs? Vor allem aber: Spielt das Geschlecht überhaupt eine Rolle für die Arbeit in der Schule, für die Chancen der Kinder? Oder ist es egal, wer vor der Klasse steht?
Historisch wurden Erziehungs- und Lehrtätigkeiten von Frauen eher toleriert als Karrieren in den Männerdomänen Juristerei, Medizin oder gar Ingenieurwesen. In den 1920er Jahren stellten sie zum Beispiel gut ein Viertel der deutschen Volksschullehrer. Hingegen betrug der Frauenanteil bei den Ärzten um 1925 nur 5 Prozent, bei Juristen war er noch niedriger. Der Umgang mit Kindern wurde in einer noch patriarchalisch geprägten Gesellschaft offenkundig als Aufgabe betrachtet, für die sich Frauen gleichsam von Natur aus eigneten.
Der Frauenanteil war in der DDR höher

Der andere Weg - Deutschland wird zum Industriemuseum. Die mutlose Koalition findet keinen Ausweg aus der Misere. (NZZ)

Der andere Weg

Deutschland wird zum Industriemuseum. Die mutlose Koalition findet keinen Ausweg aus der Misere. (NZZ)
von Eric Gujer, Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» 
Vor einigen Tagen trat die Bahn in den Generalstreik. Alle Räder stehen still, wenn dein schwacher Funk es will. Der (leicht verfremdete) Slogan der Arbeiterbewegung passte perfekt zur jüngsten Kalamität des deutschen Erzübels Bahn. 
Auf den Schienen ging für mehrere Stunden gar nichts mehr, weil der vermutlich noch aus dem Kaiserreich stammende Zugfunk ausfiel.
Die gestrandeten Passagiere beantworteten die Fragen der Reporter mit einem Schulterzucken. So etwas sei man von der Bahn gewohnt, sagten sie resigniert. Die Reaktionen verraten den in Deutschland vorherrschenden Gemütszustand: Fatalismus.

Der Bundesverkehrsminister gab die liebste Plattitüde aller Politiker von sich und verlangte «umfassende Aufklärung». Obwohl Patrick Schnieder eines der wichtigsten Dossiers der Regierung verantwortet, schafft er das Kunststück, weitgehend unbekannt zu sein.

Die Bürger fügen sich in ihr scheinbar unabwendbares Schicksal. Sie rechnen bei der Bahn ohnehin nur mit Pleiten, Pech und Pannen. Und bei der Politik rechnen sie nicht damit, dass diese zur Beendigung dieses Zustands Nennenswertes beiträgt.
So machte die Ankündigung, der neue Stuttgarter Bahnhof werde 2031 in Betrieb gehen, keine grossen Schlagzeilen. Die Monsterbaustelle wird erst zehn Jahre später als geplant fertig. Im besten Fall. Gebaut wird an Stuttgart 21 bereits seit über zwanzig Jahren.
Aber was soll man von einem Land erwarten, dessen Kanzler die Fussballnationalmannschaft nach ihrem blamablen Ausscheiden überschwänglich lobt? Die Regierung gibt sich mit wenig zufrieden.

Man kann Wohlstand nicht nur umverteilen – man muss ihn erst schaffen

04 Juli 2026

Wo Millionen auf verschlungenen Wegen fliessen: die fragwürdige Förderpraxis der Bundeszentrale für politische Bildung (NZZ)

Wo Millionen auf verschlungenen Wegen fliessen: die fragwürdige Förderpraxis der Bundeszentrale für politische Bildung (NZZ)
Die deutsche Regierung hat veröffentlicht, wem die Bundeszentrale für politische Bildung Geld zuwendet. Eine Recherche der NZZ zeigt, wie verfilzt das Fördergeflecht ist.
Sebastian Lange, Berlin30.06.2026, 8 Min
Die Ziele der Bundeszentrale für politische Bildung können kaum grösser sein. Es geht ihr um den Bestand des Gemeinwesens schlechthin, um nichts weniger, als die Demokratie zu stärken und die Zivilgesellschaft zu fördern, so steht es auf ihrer Website.
Selbst konservative Politiker sind gerne bereit, dafür viel Geld auszugeben. Der christlichsoziale Innenminister Alexander Dobrindt hob kürzlich hervor, wie wichtig eine «moderne, zuverlässige Demokratiebildung» sei. Denn Desinformation und «Hass im Netz» bedrohten den Zusammenhalt der Gesellschaft.
Die dem Innenministerium unterstehende Bundesbehörde bekommt deshalb viel Geld aus dem Staatshaushalt: Während ihr Budget im Jahr 2016 noch bei rund 50 Millionen Euro lag, ist es im laufenden Jahr doppelt so hoch: über 100 Millionen Euro.
Wer sollte dagegen etwas einzuwenden haben? Schliesslich dienen die Ausgaben doch dem guten Zweck. Mit dem Geld fördert die Bundeszentrale etwa das Rote Kreuz, den Deutschen Fussball-Bund oder Universitäten.
Recherchen der NZZ zeigen ein anderes Bild. Sie verdeutlichen, dass das hehre Selbstbild der Behörde nicht in allen Fällen zutrifft. Vielmehr haben sich über die Jahre verfilzte Strukturen um die Bundeszentrale gebildet. Beispielhaft dafür steht ein Geflecht aus drei Organisationen, die auf so verschlungenen Pfaden Geld erhalten haben, dass sich die Finanzflüsse kaum nachvollziehen lassen. Schwere Vorwürfe stehen im Raum: Hat die Bundeszentrale für politische Bildung altgediente Mitstreiter bei der Mittelvergabe bevorzugt? Dienten die Ausgaben wirklich alle dem guten Zweck?
Die Bundesregierung legte Zahlen offen

Sechsfachmord von Stade - Wenn Ideologie Verbrechen in Kauf nimmt (Cicero)

Sechsfachmord von Stade
Wenn Ideologie Verbrechen in Kauf nimmt (Cicero)
In Stade wurden am vergangenen Montag sechs Menschen getötet. Die bisherige Faktenlage zeigt, dass diese Tat durch behördliche Nachlässigkeit und ein migrationsfreundliches Aktivistenmilieu erst ermöglicht wurde.
VON ALEXANDER GRAU am 4. Juli 2026 4 min
Es gibt Ereignisse, da lohnt es sich, erst einmal alle Fakten in Ruhe Revue passieren zu lassen. Um einen Überblick zu gewinnen, aber auch um die Ungeheuerlichkeit der Geschehnisse zu erfassen. Das Massaker von Stade ist so ein Fall. Also der Reihe nach.
Am vergangenen Montag erschießt der 45-jährige Fatih G. in einer Eltern-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade sechs Menschen. Darunter die Leiterin der Einrichtung und die 32-jährige Mutter von zwei Kindern, die nun Vollwaisen sind, da ihr Vater im April verstarb.
Der Tat vorausgegangen war ein Rechtstreit. Nach Berichten verschiedener Medien hatte Fatih G. seine damals fünf Wochen alte Tochter zusammen mit deren Mutter als Notfall in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht. Im Zuge der Untersuchungen soll ein behandelnder Arzt den Verdacht geäußert haben, das Kind leide unter den Folgen eines Schütteltraumas – einer potenziell lebensgefährlichen Hirnverletzung, die durch gewaltsames Schütteln des Babys entstehen kann. Die Eltern bestritten diesen Vorwurf. In der Folge kam es zu kontroversen Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Ärzten.
Laut Staatsanwaltschaft Hannover erstatteten Ärzte der renommierten Klinik am 22. April bei der Polizei Anzeige gegen den Fatih G., weil sie sich durch sein aggressives Verhalten bedroht fühlten. Am 18. Mai stellte wiederum der Vater Strafanzeige gegen fünf Krankenhaus-Beschäftigte. Schließlich entzog das Amtsgericht Neustadt am Rübenberge den Eltern die Gesundheitssorge. Mutter und Kind wurden in die Eltern-Kind-Einrichtung in Stade gebracht, wogegen die Eltern Beschwerde beim Oberlandesgericht Celle einlegten.
Vermutlich nicht erst in diesem Moment erfolgt der Auftritt von Sylvia S. in diesem Drama. Diese ist die Schwiegermutter des niedersächsischen SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku und – was ungleich interessanter ist – eine von zwei Teilzeit-Mitarbeiterinnen der Bremer Stelle des „Verbandes binationale Familien und Partnerschaften“, einer NGO, die nach eigenen Angaben „an den Schnittstellen von Familien-, Migrations-, Bildungs- und Antidiskriminierungspolitik“ arbeitet – finanziert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.
Kein unbeschriebenes Blatt

03 Juli 2026

Schwiegermutter des SPD-Politikers Deniz Kurku - Der Sechsfachmord von Stade wird zum Politikum (Cicero)

Schlagzeile der BILD am 03.07.2026
Wenn in den USA 6 Menschen in einer Einrichtung erschossen werden, rauscht es im Deutschen Blätterwald und im Öffenrlich-Rechtlichen Fernsehen. Wenn das Ganze in Stade passiert, bleibt es erstaunlich ruhig.
 Kaum Nachrichten, kein ARD-Brennpunkt oder   ZDF-Spezial, keine Talk-Shows. Wo sind der Bundespräsident, der Bundeskanzler?
Auch kein Aufschrei der linken Berufsempörten, die im Fall von sog. digitalen Vergewaltigungen völlig durchdrehten, aber im Amok-Fall von Stade halten sich Luisa Neubauer, Goering-Eckardt, Caren Miosga, Dunja Hayali, Ricarda Lang, Saskia Esken, Heidi Reichinnek, die Gutmenschen der Grünen, der Linken und der SPD und alle anderen, die sich lautstark für Vielfallt und gegen toxische Männlichkeit einsetzen, auffallend zurück.
Wie viele SEKUNDEN haben ARD und ZDF bislang zu Täter und auffälligen Verstrickungen ins linke Lager berichtet? Warum wohl? Stade ist halt nicht Hanau. Tat und Umfeld passen nicht ins linke Weltbild. Täter ist ein in Deutschland geborener Türke, nach dem in der Türkei wegen Kindsmissbrauch seit Jahren gefahndet wird, der aus türkischer Haft nach Deutschland geflohen ist und dessen Fluchthelferin eine Aktivistin einer Migrations-NGO, die die Schwiegermutter des SPD-Politikers und Migrationsbeauftragte von Niedersachsen Deniz Kurku ist. Aber lesen Sie selbst
Schwiegermutter des SPD-Politikers Deniz Kurku 

Der Sechsfachmord von Stade wird zum Politikum (Cicero)
Die Fahrerin des vermutlichen Sechsfachmörders von Stade ist Aktivistin einer Migrations-NGO und Schwiegermutter des SPD-Politikers Deniz Kurku. Der ist außerdem in einen Betrugsskandal um eine andere NGO verwickelt.
VON FERDINAND KNAUSS UND ULRICH THIELE am 3. Juli 2026 6 min
Der sechsfache Mord in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade könnte zu einem Politikum werden. Nach Ansicht vieler Menschen, die sich in den sozialen Medien teilweise raunend äußern, geht es nicht mehr nur um das Gewaltverbrechen eines Vaters, der sich an Behördenmitarbeitern für den Entzug seines Kindes rächt. Im Zentrum der politischen Verbindung steht die 65-jährige Sylvia S., die offenkundig den vermutlichen Täter Fatih G. zum Tatort fuhr und auch am Steuer saß, als dieser nach der Tat auf einer Landstraße bei Stade von der Polizei gestoppt und festgenommen wurde. Sylvia G., die sich als „Patentante“ des betroffenen Babys bezeichnet hat, ist die Schwiegermutter des niedersächsischen SPD-Landtagsabgeordneten Deniz Kurku, der außerdem niedersächsischer Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe ist.
Kurku legte die familiäre Verbindung am Donnerstagabend über seinen Anwalt offen und erklärte den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl. Er habe von möglichen Plänen zu der Tat selbstverständlich nichts gewusst. Brisant ist aber, dass Kurkus Anwalt offenbar erst aktiv wurde, als Spiegel und NDR über seine Verbindung zu Sylvia S. schon berichtet hatten. 
Landesregierung und SPD-Fraktion sprachen Kurku das Vertrauen aus. Die familiäre Verbindung von Kurku zur Fluchthelferin soll sich nicht auf sein Ehrenamt auswirken. Aber indirekt tut sie das selbstverständlich zumindest in der Öffentlichkeit der sozialen Medien dennoch. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies wünscht Kurku „die notwendige Kraft für die Bewältigung dieser äußerst schweren Situation“. So konnte man den Eindruck gewinnen, er sorge sich mehr um seinen in die Bredouille geratenen Parteifreund als um die Hinterbliebenen der Mordopfer. 
Kurku unterstützte betrügerische NGO

Undercover bei der Antifa - In der ersten Reihe (Cicero)

Undercover bei der Antifa

In der ersten Reihe (Cicero)
Vor dem AfD-Parteitag üben Antifa-Aktivisten überall in Deutschland den Widerstand. Unser Autor hat sich in ein Aktionstraining in einem linken Kulturzentrum in Dresden geschleust. Was im „Haus der Begegnung“ geschah, war komischer und aufschlussreicher als erwartet.
VON CARSTEN KORFMACHER am 1. Juli 2026 8 min
„Bevor wir loslegen, werden alle Geräte eingesammelt, mit denen Tonaufnahmen gemacht werden können, wie Handys, Laptops oder Kopfhörer“, sagt einer der beiden jungen Männer, die auf roten Klappstühlen in einem geräumigen Hinterhof im Dresdner Stadtteil Pieschen sitzen. Neben ihnen ist ein Flipchart aufgebaut, dahinter steht eine massive Tischtennisplatte, die ebenso mit Graffiti überzogen ist wie der ausrangierte Bus, der wie eine Attrappe wirkt und den Hinterhof vom vorderen Teil des „Hauses der Begegnung“ abschirmt. 
Das „Haus der Begegnung“ ist ein linkes Kulturzentrum, in dem auch die Geschäftsstelle der Dresdener Linken und das Jugendhaus „Roter Baum“ untergebracht sind. Es ist gemütlich hier, denke ich, als ein Jutebeutel durch die Reihen geht, in dem wir, die rund zwanzig Teilnehmer dieses Treffens, unsere Elektrogeräte deponieren. Bei dem Treffen handelt es sich um ein sogenanntes „Aktionstraining“ des linken Bündnisses „Widersetzen“, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Erfurter Bundesparteitag der AfD an diesem Wochenende zu verhindern. Oder zumindest zu verzögern; „jede Minute ist ein Gewinn“, sagt einer der beiden jungen Männer da vorne.
Knüppel und Pfefferspray
Wir haben uns auf den drei unteren Etagen einer breiten, hölzernen Sitztreppe niedergelassen, die um einen Baum errichtet wurde. Um mich herum sitzen junge Frauen und Männer. Die meisten von ihnen dürften in ihren frühen 20ern sein, die Mehrzahl vielleicht Studenten. Ich weiß nicht sehr viel über sie. Die beiden Wortführer raten uns, nicht zu viel Persönliches preiszugeben, da dies ein öffentlicher Raum sei. Insbesondere sollten wir vorsichtig mit Informationen bezüglich unseres „Aktionslevels“ sein. Im aktivistischen Jargon beschreibt dieser Begriff eine Mischung aus persönlicher Aktionserfahrung und dem Grad an Bereitschaft. Sprich: Wie oft war man schon dabei? Und wie weit geht man für die Sache? Ist man gar bereit, Straftaten zu begehen, um zum Beispiel Polizeibarrieren zu durchbrechen?

02 Juli 2026

Der andere Blick - Viel Pose, wenig dahinter: Das neue AfD-Gutachten verwischt die Grenze zwischen verfassungswidrigen Ansichten und Meinungskampf (NZZ)

Der andere Blick
Viel Pose, wenig dahinter: Das neue AfD-Gutachten verwischt die Grenze zwischen verfassungswidrigen Ansichten und Meinungskampf  (NZZ)
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte hat umfangreiches Material gegen die AfD gesammelt. Angeblich soll es ein Verbot der Partei rechtfertigen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Von Sebastian Lange, Berlin, 01.07.2026, 3 Min 
Die Debatte über ein Verbot der AfD ist um ein Kapitel reicher: Eine Nichtregierungsorganisation, die deutsche Gesellschaft für Freiheitsrechte, hat ein Gutachten vorgelegt, das die Verfassungswidrigkeit der Partei belegen soll. Dieses schaffe «Klarheit für Politik und Gesellschaft», schreibt die Organisation auf ihrer Website. Klarheit war genau das, was in der endlosen Debatte um einen Verbotsantrag fehlte. Dann kann es also jetzt losgehen mit dem Verbotsverfahren?
So sehen es jedenfalls Befürworter eines AfD-Verbots wie zum Beispiel Georg Maier, der sozialdemokratische Innenminister von Thüringen. Spätestens jetzt sei «der Zeitpunkt gekommen», konkrete Schritte einzuleiten, kommentierte er das Gutachten gegenüber dem «Handelsblatt». Es fragt sich nur, ob es wirklich mehr Klarheit bringt.
Im Gegenteil. Es hat eine entscheidende Schwäche, die in der Verbotsdebatte kontraproduktiv wirkt: Das 1500-Seiten-Werk liefert vor allem Masse, aber keinen schlagenden Beweis für Umsturzpläne der Partei.
Ein seltsam dünnes Gutachten
Das Grundgesetz verlangt als entscheidendes Kriterium für das Verbot einer Partei, dass diese «darauf ausgeht», die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen. Gemeint ist ein planvolles, auf Machterlangung gerichtetes Vorgehen der Gesamtpartei.
Auf ein solches schliessen die Autoren eher anhand von Indizien wie politischen Äusserungen von AfD-Politikern – und genau das war schon die Schwäche des AfD-Gutachtens, anhand dessen das Bundesamt für Verfassungsschutz die Partei als «gesichert rechtsextremistisch» eingestuft hatte. Diese Einstufung hatte das Verwaltungsgericht Köln Anfang des Jahres deshalb vorerst untersagt.
Die neue Analyse bleibt in vielen Punkten seltsam dünn und legt selbst die Axt an die Argumente, die einen Verbotsantrag am ehesten tragen würden: Sie räumt ein, die Partei weise keine nachweisbare Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus auf, und eine Absicht, die parlamentarische Demokratie abzuschaffen, sei nicht belegbar. Auch sei nicht nachweisbar, dass die AfD ein verfassungswidriges Konzept der «Remigration» verfolge, das Deutsche mit Migrationshintergrund zu Bürgern zweiter Klasse machen würde.
Eine gefühlige Argumentation