„Lösungsorientierter Journalismus“ -
Der „Spiegel“ hält Ulrich Siegmund für den gefährlichsten Mann Deutschlands (Cicero)
Der „Spiegel“ macht den AfD-Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt zum
„gefährlichsten Mann Deutschlands“ – und will damit die Demokratie
stärken. Eine Titelgeschichte, die mehr über das Selbstverständnis des
Magazins verrät als über Ulrich Siegmund – und nach hinten losgehen
dürfte.
VON MATHIAS BRODKORB am 14. August 202, 7 Min
Vor ein paar Tagen machte der Spiegel eine Ankündigung. Die
ging ungefähr so: Die Demokratie sei durch die Unzufriedenheit vieler
Menschen bedroht. Das stimmt. Daher wolle man als Journalisten einen
Beitrag leisten, daran etwas zu ändern. Die Kollegen vom Spiegel nennen das den „lösungsorientierten Journalismus“.
Natürlich
bleibe weiterhin die „Kontrolle von Macht“ die wichtigste Aufgabe. Aber
man könne doch auch mal betonen, was gut im Lande laufe, und
Lösungsoptionen für bestehende Probleme vorstellen. Dafür soll es
künftig sogar ein eigenes Format geben: „Spiegel Solutions“. Das große Eiapopeia der schreibenden Zunft im Namen der Rettung der Demokratie also.
Wie das letztlich aussehen dürfte, lässt die aktuelle Titelgeschichte des Spiegel erahnen. Darauf zu sehen: Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Unter seinem Portrait steht geschrieben: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“.
Wenn ich Haupteigner des Hamburger Wochenmagazins wäre, würde ich
zumindest den Grafiker sofort für dessen uninspirierte Arbeit fristlos
feuern.
Was dann in der Geschichte steht, folgt den längst
bekannten Mustern. Die Journalisten Astrid Geisler, Fabian Hillebrand
und Peter Maxwill kommen zwar nicht umhin, Siegmund als „Menschenfänger“
zu zeichnen. Das ist eine in Verachtung gepackte Hochachtung seines
bisherigen Erfolgs. Wo immer er dieser Tage in Sachsen-Anhalt erscheint,
gibt es nämlich Massenaufläufe – im Unterschied zu allen anderen
Parteien. Und wo immer er vor einer Kamera steht, lächelt er freundlich
und antwortet schlagfertig. Auch deshalb erreicht seine Partei schon
seit Wochen in Umfragen mehr als 40 Prozent der Stimmen. Er könnte
demnächst der erste Ministerpräsident der Rechtspartei sein.
Aber dann kommt der zweite Spin der Story. Der freundliche,
wortgewandte und gewitzte Herr Siegmund sei ein Abkömmling aus einer in
Wahrheit dunklen Welt. Das ist so langweilig und erwartbar wie das
aktuelle Titelbild des Wochenmagazins: Ulrich Siegmund als Wolf im
Schafspelz.
Was die AfD in Sachsen-Anhalt ihren Wählern verspricht, hat Bayern längst umgesetzt










