Business Class Edition
Merz: Wirtschaftselite verliert die Geduld
Gabor Steingart, 20.04.2026
Merz: Wirtschaftselite verliert die Geduld
Gabor Steingart, 20.04.2026
Guten Morgen,
die politische Führung hat von der wirtschaftlichen Führung normalerweise nichts zu befürchten. Die Eliten sind einander gewogen. Die eine Elite genießt die Nähe der anderen – und umgekehrt.
Zum gemeinen Volk, dem die politische Klasse ihre Legitimation verdankt, hält die Wirtschaftselite in aller Regel Abstand. Elias Canetti hat in „Masse und Macht“ den Menschen als routinierten Abstandshalter treffend beschrieben:
"Alles Leben ist auf Distanzen angelegt, das Haus, in dem er seinen Besitz und sich verschließt, die Stellung, die er bekleidet, der Rang, nach dem er strebt – alle dienen dazu, Abstände zu schaffen, zu festigen und zu vergrößern."
Und doch kommt es in der
Geschichte immer wieder zu einer Berührung der Wirtschaftsführer mit der
Masse. Und zwar immer dann, wenn die wirtschaftlichen Zustände für
beide unhaltbar geworden sind. Nochmals Elias Canetti:
"Der wichtigste Vorgang, der sich innerhalb der Masse abspielt, ist die Entladung. Sie ist der Augenblick, in dem alle ihre Verschiedenheiten loswerden und sich als gleiche fühlen."
In Zeiten einer solchen Entladung leben wir. Beim Volk ist Kanzler Merz genauso
unbeliebt wie unter den Wirtschaftsführern. Das Band der Loyalität, das
die politische mit der wirtschaftlichen Elite des Landes einst
verbunden hat, ist überdehnt. Eine Regierung, die den Abstieg des Landes
einfach geschehen lässt, bringt die Menschen aller Klassen und
Schichten gegen sich auf.
Fakten lügen nicht: Deutschland verzeichnet seit
sechs Jahren kein reales Wachstum. Die einzigen Aggregate, die Wachstum
aufweisen, sind die Staatsbürokratie und der Sozialstaat, derweil der
Arbeitsplatzabbau sich beschleunigt und die Firmen in Serie kollabieren.
Die Amtsgerichte registrierten für 2025 mehr als 24.000
Unternehmensinsolvenzen – zehn Prozent über dem Vorjahr, nachdem die
Zahl der Pleiten bereits 2024 und 2023 um je rund 22 Prozent gestiegen
war.
So sehen im Deutschland der CDU/CSU/SPD-Koalition die Rekorde aus: Im Schnitt, das hat der Chefvolkswirt der Deutschen Industrie- und Handelskammer berechnet, meldet etwa alle 20 Minuten eine Firma Insolvenz an.








