19 Februar 2026

Neue Details im Fall Nord Stream: Waren die Amerikaner früher als bislang angenommen in die Pläne eingeweiht? (NZZ)

Neue Details im Fall Nord Stream: Waren die Amerikaner früher als bislang angenommen in die Pläne eingeweiht? (NZZ)
Laut einem Medienbericht sollen sich Vertreter der CIA bereits im Frühjahr 2022 mit ukrainischen Spezialisten in Kiew getroffen haben. Deren Sabotagepläne unterstützten die Amerikaner offenbar zunächst.
Anna Schiller, Berlin 19.02.2026, 3 Min
Für die deutschen Ermittler gilt als weitgehend geklärt, wie die Nord-Stream-Pipelines gesprengt wurden – und von wem. Der mutmassliche Anführer der Operation, Serhi Kusnezow, Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte, sitzt seit vergangenem Jahr in Deutschland in Untersuchungshaft.
Der Tathergang wird folgendermassen rekonstruiert: Anfang September 2022 reiste Kusnezow über Polen nach Deutschland. In Wiek auf Rügen bestieg er mit seiner Truppe – einem Schiffsführer, einem Sprengstoffexperten und vier Tiefseetauchern – die gecharterte Jacht «Andromeda». Die Gruppe fuhr in die Nähe der dänischen Insel Bornholm, wo sie vier Sprengsätze mit Zeitzündern an den Pipelines platziert haben soll. Am 23. September kehrte Kusnezow in die Ukraine zurück. Drei Tage später endete das Pipelineprojekt in Explosionen in der Ostsee.
Doch zwei entscheidende Fragen bleiben bislang unbeantwortet: Wer gab den Auftrag? Und wer war in die Pläne eingeweiht?
Treffen mit der CIA in Kiew
Im Dezember vergangenen Jahres äusserte sich erstmals ein deutsches Gericht zu den mutmasslichen Drahtziehern. Der Bundesgerichtshof (BGH) musste sich mit einer Haftbeschwerde von Kusnezow befassen. Deutschlands oberstes Gericht kam zu dem Schluss, dass er und die anderen Männer «hochwahrscheinlich» in fremdstaatlichem Auftrag gehandelt hätten. Sprich: dass die Ukraine für die Sabotage verantwortlich ist.
Schon länger gibt es allerdings auch Berichte zu möglichen Mitwissern. Eine neue Recherche des «Spiegels» legt nun nahe, dass der amerikanische Geheimdienst CIA deutlich früher über die Pläne informiert war als bislang angenommen.

18 Februar 2026

Der andere Blick - Deutschland braucht keine Dampfplauderei am Aschermittwoch, sondern handfeste Reformen (NZZ)

Bundeskanzler Friedrich Merz redet gern über Reformen, aber er liefert sie nicht.
Der andere Blick

Deutschland braucht keine Dampfplauderei am Aschermittwoch, sondern handfeste Reformen (NZZ)
Gebrochene Versprechen, ausbleibende Reformen, kriselnde Wirtschaft - die Bürger und die Unternehmen sind von der Bundesregierung masslos enttäuscht. Das lässt sich durch derbe Aschermittwoch-Rhetorik nicht übertünchen.
Von Malte Fischer, 18.02.2026
An diesem Mittwoch ist es wieder so weit: Landauf, landab heizen die Politiker aller Parteien zum politischen Aschermittwoch ihren Parteifreunden mit krachledernen Sprüchen gegen die politische Konkurrenz ein. Dass sie damit die Parteiseele wärmen und die Stimmung im Saal zum Kochen bringen, darf als gesichert gelten.
Dass sie mit ihrer Dampfplauderei auch die Bevölkerung von den Stühlen reissen, ist hingegen weniger wahrscheinlich. Lediglich 42 Prozent der Deutschen haben noch Vertrauen in die Regierung, wie eine aktuelle Umfrage der Kommunikationsagentur Edelman zeigt.
Die Autorität politischer Institutionen leidet seit mehreren Jahren. Ämterpatronage, Vetternwirtschaft, dubiose Erinnerungslücken, Plagiats-Doktorarbeiten und gebrochene Versprechen, die meist ohne persönliche Konsequenzen für die Delinquenten geblieben sind, haben sie erodieren lassen.
Wachsende Existenzängste
Jenseits der Schar treuer Parteisoldaten dürften die Bürger den verbalen Schlagabtausch in aufgeheizter Bierzelt-Atmosphäre daher mit Gefühlen zwischen Überdruss und Gleichgültigkeit betrachten.
Denn den Alltag vieler Menschen prägen inzwischen Existenzängste. Sie nähren sich aus der Überforderung durch die jahrelang ungesteuerte Migration, wachsende Kriminalität und durch die schlechte wirtschaftliche Lage. Die täglichen Hiobsbotschaften aus der Unternehmenswelt, die von Stellenabbau und Produktionsverlagerungen künden, lassen mehr als jeden zweiten Arbeitnehmer um seinen Job fürchten, wie die Edelman-Umfrage zeigt. Nur noch 8 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass die künftige Generation über einen höheren Wohlstand verfügen wird als die heutige. Dieser Zukunftspessimismus ist alarmierend.
Kaum besser sieht es in den Unternehmen aus. Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 26 000 Unternehmen fürchtet ein Viertel der Befragten, dass sich ihre Geschäfte in den nächsten 12 Monaten verschlechtern werden. Nur 16 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. 31 Prozent der Befragten wollen daher weniger investieren, 23 Prozent Stellen abbauen.
Wirkmächtige Softpower

Netzfund - ICH KANN ES NICHT MEHR LEUGNEN – DER KIPPPUNKT IST ÜBERSCHRITTEN

Netzfund
ICH KANN ES NICHT MEHR LEUGNEN – DER KIPPPUNKT IST ÜBERSCHRITTEN
Von Ismael Jonas
Jeden Morgen öffne ich die Schlagzeilen.
Früher war das ein Hintergrundrauschen.
Heute ist es ein Druck auf der Brust, der jeden Tag stärker wird. Denn etwas hat sich verschoben.
Und ich merke: Ich kann es nicht mehr wegatmen.
Ich sehe Muster – und sie lassen mich nicht mehr in Ruhe.
Ich lese von Gewalt. Von Betrug. Von etwas, das vor 10 Jahren nicht in diesem Land war.
Erst vor wenigen Tagen in Kanada: Eine 18-Jährige Trans-Person tötet in Tumbler Ridge acht Menschen, darunter sechs Kinder an ihrer alten Schule.
In Hamburg: Ein polizeibekannter Mann aus dem Südsudan zerrt eine 18-Jährige vor die U-Bahn – beide sterben.
In den Niederlanden: 258 Messerstiche auf eine junge Frau – und das Gericht verhängt nur 5 Jahre plus Psychiatrie.
Das sind keine einzelnen Schlagzeilen mehr.
Das sind Symptome eines Systems, das an mehreren Stellen gleichzeitig bricht.
Ich rechne: Migration, Demografie, Sozialstaat, Sicherheit, Wirtschaft, Schulden, Militär.
Alles gleichzeitig unter Druck.
Und ich frage mich ehrlich:
Wie viel hält ein Land aus, wenn an allen Ecken gleichzeitig gezogen wird – finanziell, sozial, kulturell, sicherheitspolitisch? Wann bricht es?
Denn Systeme kollabieren selten plötzlich. Sie kollabieren, wenn zu viele Dinge gleichzeitig instabil werden:
Sicherheit. Vertrauen. Geld. Zugehörigkeit. Sprache. Regeln. Moral.
Ich sehe das jeden Tag. Nicht nur in Talkshows. Oder auf x und Facebook.
Sondern beim Bäcker. Am Spielplatz. In den Gesprächen mit Kollegen.

Der andere Blick - Das ZDF will ein Bollwerk gegen Desinformation sein. Doch der Sender scheitert an seinem eigenen Anspruch (NZZ)

Der andere Blick
Das ZDF will ein Bollwerk gegen Desinformation sein. Doch der Sender scheitert an seinem eigenen Anspruch (NZZ)
Das «Heute Journal» des ZDF illustrierte eine Sendung über die Ausschaffungspolitik der Amerikaner mit einem KI-Fake und beantwortete kritische Fragen mit halbgaren Ausreden. Für den Sender ist das ein Desaster.
Wann immer in Deutschland eine Diskussion über den öffentlichrechtlichen Rundfunk entbrennt, halten Mitarbeiter der Sender mit einem zentralen Argument dagegen. Es lautet: Gerade in Zeiten aufgeheizter Debatten und manipulierter Inhalte im Internet brauche es den Rundfunk mehr denn je. Nur er biete verlässliche Orientierung. Der öffentlichrechtliche Rundfunk, ein Bollwerk gegen Desinformation.
Spätestens jetzt hat diese Erzählung Risse bekommen. Am Sonntag sendete das «Heute-Journal» des ZDF einen Beitrag über die Ausschaffungen der ICE-Behörde in Amerika. Illustriert war der Beitrag mit mehreren Videos, die zeigten, wie Beamte nicht einmal davor zurückschreckten, Jugendliche oder eine Mutter mit Kindern abzuführen. Doch eines der Videos war ein Fake. Es war von einer KI generiert. Die Szene hat sich so nie abgespielt. Alle Personen in dem Video sind frei erfunden, Trugbilder gewissermassen.
Und das ZDF hat auch in der darauffolgenden Sequenz geschlampt. Darin war ein Junge zu sehen, der laut einer englischsprachigen Bildunterschrift direkt aus seiner Schule von ICE-Beamten abgeholt werde. Tatsächlich aber handelt es sich um einen Verdächtigen, der im Jahr 2022 nach einer Amokdrohung in Gewahrsam genommen wurde, wie unter anderem die «Bild»-Zeitung berichtete.
Pikant ist, dass die Moderatorin Dunja Hayali kurz davor noch vor gefälschten Abschiebevideos gewarnt hatte. Nicht alle Bilder, die in den sozialen Netzwerken zu den Abschiebungen in den USA kursierten, seien echt, sagte sie da, «aber doch sehr viele». Damit entstand beim Zuschauer der Eindruck, dass es im Beitrag um reale Vorkommnisse gehe. Hayali brachte also das Kunststück fertig, in einem Atemzug vor falschen Inhalten im Netz zu warnen und diese gleichzeitig ungefiltert weiterzuverbreiten.
Die Reaktion des ZDF machte alles schlimmer

16 Februar 2026

Großübung zeigt Missstände auf "Wir sind am Arsch": Zehn Ukrainer besiegen bei Manöver zwei Nato-Bataillone (ntv)

Großübung zeigt Missstände auf

"Wir sind am Arsch": Zehn Ukrainer besiegen bei Manöver zwei Nato-Bataillone (ntv)
14.02.2026
Der Ukraine-Krieg hat das militärische Denken und Handeln in Europa und der Nato grundlegend verändert. Allerdings hat das Bündnis die Entwicklungen der modernen Kriegsführung noch nicht adaptiert. Das wird bei einer Übung erschreckend deutlich.
Eine Großübung der Nato im vergangenen Mai in Estland hat einem Medienbericht zufolge gravierende taktische Schwächen und eine Verwundbarkeit im hochintensiven Drohnenkampf offengelegt. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, haben zehn ukrainische Soldaten bei einer Übung zwei Nato-Bataillone im Alleingang besiegt. Demnach hat es nur einen halben Tag gedauert, bis die Ukrainer mithilfe ihrer Drohnen-Strategie die Truppen mitsamt 17 Fahrzeugen ausgeschaltet hatten. Die Nato-Truppen "liefen einfach durch die Gegend, ohne irgendwelche Tarnung zu nutzen, stellten ihre Zelte und Fahrzeuge einfach ab", beschreibt ein Teilnehmer das Manöver. Mehreren Quellen der Zeitung zufolge fasste ein Nato-Kommandeur die Übung mit drastischen Worten zusammen: "Wir sind am Arsch."
...
Während der Operation "Hedgehog" setzten die Ukrainer ihr hochentwickeltes Gefechtsfeldmanagementsystem Delta ein. Es sammelt in Echtzeit Informationen vom Gefechtsfeld, analysiert mithilfe Künstlicher Intelligenz riesige Datenmengen, identifiziert Ziele und koordiniert Angriffe über Kommando- und Einheitengrenzen hinweg. Dies ermögliche eine schnelle "Tötungskette", heißt es. Sehen, Teilen und Angreifen sei demnach im Gefecht innerhalb weniger Minuten möglich. Ein einzelnes Team von etwa zehn Ukrainern, die die Rolle des Gegners spielten, habe einen Gegenangriff auf die Nato-Truppen gestartet. Innerhalb von etwa einem halben Tag sollen sie so die Zerstörung von 17 gepanzerten Fahrzeugen simuliert und 30 Angriffe auf andere Ziele durchgeführt haben. "Alles war zerstört", erinnerte sich ein Teilnehmer, der eine Feindrolle spielte.
"Schockierende Ergebnisse"
Insgesamt seien die Ergebnisse für die Nato-Streitkräfte "katastrophal" gewesen, wird der Koordinator für unbemannte Luftfahrtsysteme der estnischen Verteidigungsliga, Aivar Hanniotti, zitiert. Die Nato-Seite "konnte nicht einmal unsere Drohnenteams einsetzen", so der Experte. Die Ergebnisse dieser Übung seien für Militärangehörige und Bodentruppen "schockierend" gewesen, sagte der ehemalige Kommandeur des estnischen Militärnachrichtendienstes, Sten Reimann. Dies sei auch ein Beispiel dafür, wie die Ukraine zur europäischen Sicherheit beitragen könne.

The Pioneer - Edition Marco Rubio: Trumpismus light

Jetzt fürchten Trump-Kritiker, ihr Feincbild zu verlieren
Business Class Edition
Marco Rubio: Trumpismus light
Nach der versöhnlichen Rubio-Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz wollen Trump-Kritiker partout nichts Positives entdecken. Dabei hat die US-Regierung ihren Europa-Kurs mittlerweile angepasst.
Gabor Steingart, 16.02.2026
Guten Morgen,
nicht wenige Kommentatoren und Politiker leiden derzeit unter Verlustangst. Sie fürchten, ihnen könnte jener Donald Trump, den sie so leidenschaftlich ablehnen, verloren gehen.
Auch nach der versöhnlichen Rede von US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz blieben die Worte der Trump-Kritiker scharf geschaltet. Der Kommentator der Tagesthemen, Clemens Verenkotte vom Bayerischen Rundfunk, konnte partout nichts Positives entdecken:
                          "Wer sich von den sanften Tönen des US-Außenministers täuschen lässt, ist falsch gewickelt."
Pia Fuhrhop, Politikwissenschaftlerin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), pflichtete bei. Rubios Rede habe zwar vordergründig höflich gewirkt, doch er versuche, Europa in die MAGA-Mentalität hineinzuziehen. „Es ist ein vergiftetes Geschenk“, sagte sie über seine Botschaft der Zusammenarbeit.
Dabei zeigt der amerikanische Präsident durchaus ernst zu nehmende Anzeichen, dass er das besitzt, was die Mediziner „psychologische Plastizität“ nennen. Der Begriff beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, so die Max-Planck-Gesellschaft, „neuronale Strukturen in Reaktion auf veränderte Anforderungen verhaltensrelevant“ zu verändern.
Der Befund ist angesichts der Umdispositionen im politischen Gehirn von Trump eindeutig: Sinkende Umfragewerte, Widerspruch aus der eigenen Partei und die Widerborstigkeit der Europäer haben in drei entscheidenden Feldern verhaltensrelevante Veränderungen bewirkt.
#1 Die Europäer werden nicht mehr angegiftet, sondern umarmt
Noch bevor der erste Arctic Warrior ausrücken konnte, blieb Trumps Grönlandoffensive im Planungsstadium stecken. Nach hitzigen Debatten – auch innerhalb der eigenen Reihen – schickte der amerikanische Präsident nicht Soldaten ins ewige Eis, sondern Marco Rubio nach München.
Der 54-Jährige hat sein politisches Vorleben als Trump-Gegner abgestreift und wurde für seine Loyalität mit dem 
Doppelposten als Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater belohnt. Er besitzt zusätzlich zum State Department ein Büro im West Wing des Weißen Hauses, wie vor ihm nur Henry Kissinger.

15 Februar 2026

Harald Martensteins Anti-AfD-Verbot-Rede (Cicero) und (WELT)

Martenstein sprach nicht als Verteidiger einer Partei, sondern als Verteidiger einer Ordnung.
Wir reden hier über das Ende der Demokratie (WELT) 
und
Harald Martensteins Anti-AfD-Verbot-Rede (Cicero)
Ein Plädoyer von Harald Martenstein gegen ein AfD-Verbot ist viral gegangen. Gehalten hat er es im Rahmen der Inszenierung „Prozess gegen Deutschland“ am Thalia Theater. Mit eindrücklichen Worten warnt der Kolumnist vor einem solchen Schritt. Ein Fundstück von Ben Krischke.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hielt der Außenminister der USA, Marco Rubio, eine Rede über gemeinsame Werte, Energie und Migrationspolitik.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz hielt der Außenminister der USA, Marco Rubio, eine Rede über gemeinsame Werte, Energie und Migrationspolitik.
Standing Ovations von exakt den Politikern, die all das seit Jahren nicht hören wollen.
"So erfuhr das Publikum, welches bei uns gemeinhin als Elite bezeichnet wird, dass die Massenmigration unsere westlichen Gesellschaften destabilisiert habe, die Deindustrialisierung eine törichte Entscheidung war, und unsere Menschen verarmen, weil wir zahllose Gesetze  erlassen, um einen Klima-Kult zu besänftigen. Im Grunde empfahl Rubio wie einst Helmut Schmidt allen unter roten und grünen Visionen Leidenden: Sie sollten zum Arzt gehen." (Stephan Paetow)
Eine grandiose Rede von Marco Rubio, historisch, verbindlich im Ton und glashart in der Sache. Großer Applaus im Saal.
Damit Sie nicht auf die Interpretation der meinungsbildenden Medien angewiesen sind, hier die gesamte Rede zum Nachlesen auf Deutsch von NIUS.
„Wir versammeln uns heute hier als Mitglieder einer historischen Allianz – einer Allianz, die die Welt gerettet und verändert hat. Als diese Konferenz 1963 begann, fand sie in einer Nation statt – ja, auf einem Kontinent –, der gegen sich selbst gespalten war. Die Trennlinie zwischen Kommunismus und Freiheit verlief mitten durch das Herz Deutschlands. Die ersten Stacheldrahtzäune der Berliner Mauer waren erst zwei Jahre zuvor errichtet worden. Und nur wenige Monate vor dieser ersten Konferenz, bevor unsere Vorgänger sich hier in München zum ersten Mal trafen, hatte die Kubakrise die Welt an den Rand einer nuklearen Vernichtung gebracht.
Während der Zweite Weltkrieg sowohl Amerikanern als auch Europäern noch frisch in Erinnerung war, standen wir erneut am Abgrund einer neuen globalen Katastrophe – einer Katastrophe mit dem Potenzial für eine neue Art der Zerstörung, apokalyptischer und endgültiger als alles zuvor in der Geschichte der Menschheit.
Zur Zeit dieser ersten Zusammenkunft war der sowjetische Kommunismus auf dem Vormarsch. Tausende Jahre westlicher Zivilisation standen damals auf dem Spiel. Ein Sieg war keineswegs sicher. Aber uns trieb ein gemeinsamer Zweck. Uns einte nicht nur, wogegen wir kämpften. Uns einte auch, wofür wir kämpften. Und gemeinsam setzten sich Europa und Amerika durch. Ein Kontinent wurde wiederaufgebaut. Mit der Zeit wurden unsere Menschen wohlhabender. Ost und West wurden wiedervereint. Eine Zivilisation wurde erneut ganz. Diese berüchtigte Mauer, die diese Nation in zwei Teile gespalten hatte, fiel – und mit ihr ein böses Imperium. Ost und West wurden wieder eins.
Doch die Euphorie dieses Triumphs führte uns in eine gefährliche Selbsttäuschung: dass wir – so hieß es – das „Ende der Geschichte“ erreicht hätten; dass jede Nation nun eine liberale Demokratie werden würde; dass die Bindungen, die allein durch Handel und Wirtschaft entstehen, die Nationen und das Nationale ersetzen würden. Dass die sogenannte regelbasierte globale Ordnung – ein überstrapazierter Begriff – das nationale Interesse ersetzen würde. Und dass wir fortan in einer Welt ohne Grenzen leben würden, in der jeder zum Weltbürger wird.
Das war eine törichte Idee. Sie ignorierte die menschliche Natur – und sie ignorierte die Lehren von über 5000 Jahren aufgezeichneter Menschheitsgeschichte. Und sie hat uns teuer zu stehen kommen lassen.