Abgewandelt: Mit Fröschen, statt "Milei", lassen sich keine Teiche trocken legen
Der deutsche digitale Stotterstaat (Cicero)
Eine oft unterschätzte Verbindung von
Digitalisierung und Demokratie lautet: Ein moderner Staat muss fähig
sein, seine Leistungen effizient, verständlich und bürgernah zu
organisieren. Denn ein Staat, der im Alltag nicht funktioniert, verliert
Autorität.
Die Nachricht klingt unscheinbar, fast bürokratisch: Die Kfz-Steuer
wird nun einheitlich erhoben, in einem Jahresbetrag, ohne die bisher
mögliche Ratenzahlung. Auf den ersten Blick ist das nur eine
verwaltungstechnische Änderung. Auf den zweiten Blick ist es ein kleines
Lehrstück über den Zustand des deutschen Staates. Denn sofort drängt
sich die größere Frage auf: Erlebt Deutschland endlich einen
Digitalisierungsruck, oder wird hier wieder nur eine Mini-Reform als
Modernisierung verkauft?
Genau darin liegt das deutsche Problem.
Deutschland verwechselt zu oft Verwaltungsänderung mit Digitalisierung.
Ein neuer Bescheid, ein neues Portal, ein etwas veränderter Ablauf – und
schon wird der Eindruck erzeugt, der Staat bewege sich energisch ins
digitale Zeitalter. In Wahrheit bleibt der deutsche Staat häufig das,
was er schon seit Jahren ist: ein Stotterstaat. Er kündigt an,
pilotiert, testet, verschiebt, harmonisiert, evaluiert – aber er
reformiert nicht durch.
Das ist nicht bloß ein technisches
Defizit. Es ist ein politisches Problem. Denn für die Bürger zeigt sich
die Leistungsfähigkeit des Staates nicht in Sonntagsreden über
Innovation, sondern im Alltag: Wie schnell kann ich ein Auto anmelden?
Wie einfach kann ich meine Daten ändern? Wie oft muss ich dieselben
Angaben mehrfach machen? Warum weiß die eine Behörde nicht, was die
andere längst weiß? Und warum wird selbst bei einfachen Vorgängen immer
wieder so getan, als beginne Verwaltung bei null?
Die einheitliche Kfz-Steuer ist deshalb kein Beweis für einen
digitalen Aufbruch, sondern eher ein Beispiel für das deutsche
Missverständnis von Modernisierung. Digitalisierung wäre hier nicht
einfach eine neue Zahlungsweise. Digitalisierung hieße: ein
konsistenter, bürgerfreundlicher Prozess von Zulassung, Besteuerung,
Halterwechsel, Adressänderung und Abmeldung – ohne Medienbrüche, ohne
Papierlogik, ohne das Gefühl, dass verschiedene Ämter nebeneinander
statt miteinander arbeiten. Ein echter digitaler Staat denkt in
Prozessen. Deutschland denkt noch immer in Zuständigkeiten.
Der deutsche Verwaltungsstaat ist historisch stark, aber digital schwach