Die
deutsche Rechtspartei kann man mit guten Gründen kritisieren. Sie
selbst teilt rhetorisch kräftig aus. Ihre Gegner haben aber jedes Mass
verloren.
Die
AfD ist nicht gerade für ihre vornehme Zurückhaltung bekannt.
Regelmässig zielen Funktionäre der Partei rhetorisch unter die
Gürtellinie ihrer politischen Mitbewerber. Von «Flachzangen» sprach die Parteivorsitzende Alice Weidel kürzlich abschätzig. Gemeint waren niemand anderes als der Kanzler Friedrich Merz und sein Stellvertreter Lars Klingbeil.
Die
Chefin gibt den Ton vor, aus der zweiten und dritten Reihe schallt es
entsprechend zurück. So nannte der Bundestagsabgeordnete René Springer
einen Kollegen von der CDU eine «Ratte». Bayerns Ministerpräsident
Markus Söder musste sich aus AfD-Reihen gar als «Södolf» und
«Landesverräter» verunglimpfen lassen.
In
den wenigsten Fällen sind die Äusserungen strafbar. Jenseits des guten
Geschmacks liegen sie häufig freilich schon. Eine Mässigung ist nicht
abzusehen. Wozu auch. Laut Umfragen liegt die Partei stabil vor allen
anderen. Es liegt nahe, zu vermuten, dass ein Teil des Publikums den
schrillen Ton erwartet, ein anderer ihn achselzuckend, ein dritter ihn
unter Bauchschmerzen hinnimmt.
Die frühen Grünen teilten kräftig aus
Junge Parteien neigen zu derber Sprache. Zu erinnern ist an den grünen Übervater Joschka Fischer.
Der spätere deutsche Aussenminister bat kurze Zeit nach dem Einzug der
Grünen in den Bonner Bundestag zunächst förmlich um Verlaub, ehe er den
Parlamentspräsidenten mit einem deftigen Ausdruck belegte, der an dieser
Stelle nicht wiederholt zu werden braucht.
Dazu
passt, dass der Begriff der Altparteien zuerst von den Grünen benutzt
wurde, ehe er in den Reihen der AfD seinen zweiten Frühling erlebte.
Heute freilich führen sich die Grünen als Gouvernanten des politischen
Betriebs auf. Aus den Newcomern von gestern ist das Establishment von
heute geworden.
Der
Ton in deutschen Debatten war übrigens schon vor der AfD und den frühen
Grünen scharf. Die älteren Bundesbürger erinnern sich nicht ohne
Sympathie an die hitzigen Wortgefechte samt Verbalinjurien, die sich die
Antipoden Franz Josef Strauss und Herbert Wehner lieferten.







