Nicht alles ist Gewalt: Wie Linke einen Begriff aufgeweicht haben
Verbale, virtuelle, strukturelle Gewalt: Der Gewaltbegriff dehnt sich aus. Damit werden schlimmste Verbrechen bagatellisiert (NZZ)
Schon eine plumpe Anmache oder eine soziale Benachteiligung gelten heute
als Gewalt. Ein aufgeweichter Gewaltbegriff verharmlost körperliche
Übergriffe und stellt den Menschen als schwächer dar, als er ist.
Kommentar von Birgit Schmid, 21.05.2026, 6 Min
Laut
prangte der Satz auf der Titelseite des «Spiegels»: «Du hast mich
virtuell vergewaltigt». Es war ein Zitat der Moderatorin und
Schauspielerin Collien Fernandes. In einem langen Artikel im deutschen
Nachrichtenmagazin warf sie ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian
Ulmen, vor, er habe online Fake-Profile von ihr erstellt, um unter ihrem
Namen sexuelle Chats mit Männern zu führen. Auch habe er Pornos mit
Frauen verschickt, die ihr ähnlich sähen.
Die Ermittlungen laufen, Ulmen bestreitet einen wesentlichen Teil der Vorwürfe und lässt sie rechtlich prüfen.
Seit
Fernandes Ende März an die Öffentlichkeit getreten ist, wird in
Deutschland eine Debatte über «digitale sexualisierte Gewalt» geführt
und darüber, ob es strengere Gesetze braucht, um gegen «sexuellen
Missbrauch im Netz» vorzugehen. Dabei geht es vor allem auch um
pornografische Deepfakes, also KI-generierte Videos mit realen Personen.
Deepfakes wirft Fernandes Ulmen allerdings nicht vor.
Auch
so sind die Vorwürfe schwerwiegend und die mutmasslichen Taten
abstossend. Die Herstellung und Verbreitung solchen Materials, um
jemandem zu schaden, offenbaren die dunklen Seiten des digitalisierten
Lebens. Sieht man bereits in Beleidigungen und Hasskommentaren im Netz
eine Form digitaler Gewalt, so markieren gefälschte Nacktfotos und
Sexfilme eine neue Stufe davon.
Die
unterschiedslose Verwendung des Gewaltbegriffs wirft aber auch Fragen
auf. Dabei ist vor allem die Bezeichnung der «virtuellen Vergewaltigung»
zwiespältig.
«Der virtuelle Fall Pelicot»
Fernandes’
Leid soll nicht in Abrede gestellt werden. Sie sah eine innere und
politische Notwendigkeit, nicht länger zu schweigen. Sie spricht von
massiven Ängsten und dem Gefühl, die Kontrolle über ihre eigene
Identität zu verlieren.







