Während Politik und Medien nach rechts starren, wo das Böse wohnt, marschiert der Extremismus von links ein. Wer das geschehen lässt, hat jedes Recht verwirkt, im Namen der Demokratie von „Brandmauern“ zu fabulieren.
Von Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, 09.10.2026, 6 Min
Der politische und mediale Betrieb in Deutschland – genannt die „Berliner Blase“ – hat sich über die letzten Jahrzehnte deutlich nach links verschoben. Dabei ist eine bemerkenswert einseitige Prägung der Begriffe gelungen: Rechts ist böse. Links ist gut – oder zumindest gut gemeint. Die Folgen dieser manipulativen Meisterleistung haben längst die Sphären der Psychologie verlassen und sind mit Wucht in der Realpolitik angekommen.
Während die Bevölkerung auf Bundesebene seit Jahren immer konservativer wählt (wenn man denn Union, FDP und AfD als konservativ, also zumindest nicht links bezeichnen will – von 45,9 Prozent 2002 auf 53,7 Prozent 2025), haben die meisten Politiker und Journalisten eine Negativfixierung auf alles, was rechts ist, entwickelt. „Rechts“ wird sogar in Schlagzeilen überregionaler Zeitungen als Schimpfwort benutzt. Die Abgrenzung nach rechts, wo das Böse wohnt, ist zum Comment, zur freiwilligen Selbstverpflichtung geworden. Nach links hingegen existiert diese Abgrenzung nicht. Verloren gegangen ist dabei auch die Differenzierung zwischen rechts und rechtsextrem und links und linksextrem.
So konnte es passieren, dass sogar eine von der CDU geführte Bundesregierung zwar jede Koalition und Kollaboration (inklusive Minderheitsregierung) mit der AfD kategorisch und mit gewichtigen Argumenten ausschließt, Beschlüsse mit Stimmen der Linken aber unbescholten herbeigeführt hat und eine Zusammenarbeit auf Landesebene vor der Wahl in Sachsen-Anhalt bewusst in der Schwebe hielt. Mal wurde es ausgeschlossen, mal nicht. Man müsse das Wahlergebnis abwarten, hieß es auf Nachfrage mehrfach. In Thüringen, wo Ministerpräsident Mario Voigt eine Minderheitsregierung anführt, hat sich die CDU soeben auf eine wöchentliche Abstimmung mit der Linken verständigt.
Doppelstandards samt Doppelmoral







