03 April 2026

FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer - Adieu Rechtsstaat? Fernandes, Ulmen und die neue Ordnung

FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer
„Eine Unschuldsvermutung nützt wenig, wenn der soziale Tod schon eingetreten ist." Deshald neues Social-Media-Recht:
"Der Schuldspruch des Gerichts wird durch das Votum des Volkes ersetzt. An die Stelle der Jury tritt ein Schnellgericht aus Justizministerin, Talkshowmoderatorin und Journalisten. Am Ende gibt es wie beim Eurovision Song Contest einen Zuschauer-Entscheid, bei dem jeder über das Versenden eines Likes oder Nicht-Likes sein Votum abgeben kann. Hand aufs Herz: Ist das nicht auch viel demokratischer."
Adieu Rechtsstaat? Fernandes, Ulmen und die neue Ordnung
Freitag, 03.04.2026
Beharren auf der Unschuldsvermutung? Sorgfaltspflicht bei der Verdachtsberichterstattung? Verzicht auf Pauschalisierungen? Auf dem Weg zu einer radikal gerechten Gesellschaft muss alles auf den Prüfstand.
Der Rechtsstaat ist eine Zumutung. Er verlangt von uns, mit dem Schuldspruch zu warten, bis ein ordentliches Gericht sein Urteil fällt. Und das, obwohl man sich in der Regel längst über die Schuld des Täters einig ist. Wir sind sogar gehalten, anschließend gegen besseres Wissen einen etwaigen Freispruch zu akzeptieren. Das ist doch eine Farce!Im Grunde gehört dieses System abgeschafft und durch eine fortschrittlichere Variante ersetzt, die den Erfordernissen einer radikal gerechten Gesellschaft entspricht. Zum Glück sind wir dank vieler mutiger Menschen in den vergangenen Tagen auf dem Weg einen großen Schritt vorangekommen.
Mit Tätern macht man kurzen Prozess
Die Bundesjustizministerin hat bei "Caren Miosga" gezeigt, wie feministische Rechtspflege aussieht. Anstatt sich auf die Neutralitätspflicht zu berufen, die von allen Regierungsmitgliedern Zurückhaltung in offenen Verfahren verlangt, hat sie sich an die Seite der Schauspielerin Collien Fernandes gestellt.
Die Ministerin selbst hat das bescheiden zurückgewiesen. Sie wolle sich nicht zum Fall selbst äußern. Aber das Signal, das von ihrem Auftritt ausging, haben alle verstanden: 100 Prozent Solidarität mit der bedrängten Frau. Hätte sie sich auch mit dem angeklagten Mann in eine Talkshow gesetzt? Selbstverständlich nicht! Mit Tätern macht man kurzen Prozess, da wird nicht lange diskutiert.
"Entdecke den Ulmen in dir"
Wir lernen dieser Tage vieles neu. Wir lernen zum Beispiel, dass auch Pauschalisierungen wieder in Ordnung sind. Dass man nicht vom Verhalten Einzelner auf die Gruppe schließt, das war gestern. Der fortschrittliche Mensch denkt weiter. Deshalb sind auch alle Männer aufgefordert, ihre Mitschuld zu bekennen. "Entdecke den Ulmen in dir", lautet die Aufforderung.
Gut, für muslimische Männer brechen schwere Zeiten an. Bei Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung führen Zuwanderer aus Afghanistan, Marokko oder Syrien im Vergleich zu ihren deutschen Geschlechtsgenossen im Verhältnis zehn zu eins. Bereinigt man die sogenannte Tatverdächtigenbelastungszahl um den Einfluss von Alter und sozialer Herkunft, liegt die Zahl immer noch etwa viermal so hoch. Das sind sozusagen vier Ulmen pro Syrer oder Afghane.
Generalverdacht ist das Gebot der Stunde

Der Wal und der Wolf - „Timmy“, der Wolf – und der Kitsch der Großstädter (WELT+)

Der Wal und der Wolf
„Timmy“, der Wolf – und der Kitsch der Großstädter (WELT+)
Von Franziska Zimmerer, Mitglied der Redaktionsleitung, 03.04.2026, 4 Min
Tagelang verfolgen die Menschen das Schicksal eines Wales und eines Wolfes. Gerade städtische Milieus neigen dabei zur Romantisierung. Aber Wildnis bedeutet immer auch Grausamkeit und Brutalität.
Großstädter haben ein kurioses Verhältnis zu Tieren. Sie lassen ihre Wuschelwesen in ihren Boxspringbetten schlafen, basteln ihnen Leckerlis zum Geburtstag und ziehen sie angeleint über vielbefahrene Straßen. Sie nennen sich Tierschützer, während sie ihre „besten Freunde“ auf 60 Quadratmetern einsperren und von der Natur fernhalten. Für Städter ist dieses Verhalten nicht widersprüchlich. Sie halten die Natur für beherrschbar und für ein Ausflugsziel am Wochenende. Und so schauen die Städter gerade auf zwei wilde Tierstars, über die seit Tagen berichtet wird: Es geht um das Schicksal eines namenlosen Wolfes und um Buckelwal „Timmy“.
Der Nahe Osten brennt, Donald Trump denkt über einen Nato-Austritt nach, und ein Ex-Dschihadist wird vom Bundespräsidenten hofiert. Doch nichts produziert mehr Buzz als die Schnüffelroute des Wolfes ohne Namen in Hamburg, nichts erregt mehr Seufzer als „Timmys“ Gesundheitszustand: „Alle vier Minuten ein Atemzug“ oder „Minister schließt Euthanasie aktuell aus“, heißt es da.
Dem Wolf war von der Umweltbehörde Hamburg zunächst „ein stark ausgeprägtes Fluchtverhalten“ attestiert worden, von dem „keine unmittelbare Bedrohung für Menschen ausgehe“. Was richtig war bis zu jenem blutigen Moment, als der Wolf ohne Namen einer Hamburgerin ins Gesicht biss. Kurze Zeit später wurde er am Jungfernstieg an der Binnenalster gefangen.
Noch mehr Medienspektakel löst nur die Ostsee-Odyssee von „Timmy“ aus. Der Buckelwal strandete mehrmals auf Sandbänken vor Timmendorf, Wismar und Poel, konnte von Behörden und Wissenschaftlern immer wieder ins Wasser begleitet werden. Der Boulevard livetickert seit Tagen den „Krimi um Timmy“. Am Mittwoch trat Till Backhaus, Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, mit brüchiger Stimme vor die Presse und sagte: „Es ist ein sehr emotionaler Tag.“ Die Hilfsbemühungen würden eingestellt, der Wal brauche Ruhe. „Er muss sich selbst helfen können. Er muss es wollen.“ Der Minister äußerte „absolute Hochachtung“ vor dem Tier. Man hat selten einen Politiker aus Norddeutschland so emotional gesehen.
Die Aufregung um die beiden Tiere ist weniger eine Geschichte über die Natur, sie ist eher ein Spiegel. Die Gesellschaft erlebt die Rückkehr des Unverfügbaren und eine Wildnis mit Grausamkeit und Brutalität.

02 April 2026

Der andere Blick - Das Gerichtsurteil aus Saarbrücken wirft Fragen auf. Wer einen Polizisten tötet, verdient keinen Freispruch (NZZ)

Der andere Blick

Das Gerichtsurteil aus Saarbrücken wirft Fragen auf. Wer einen Polizisten tötet, verdient keinen Freispruch (NZZ)
Ahmet G. tötete einen Streifenpolizisten auf besonders brutale Weise. Psychische Probleme mögen dabei eine Rolle gespielt haben. Doch der Schluss der Richterin, er sei schuldunfähig gewesen, wirkt nicht plausibel. Und das Urteil sendet ein fatales Signal.
von Nathan Giwerzew, Berlin, 02.04.2026, 4 Min
Polizisten tragen im demokratischen Rechtsstaat eine besonders grosse Verantwortung. Indem sie die Bürger schützen, sorgen sie zugleich dafür, dass das gesamte Gemeinwesen funktioniert. Dafür haften sie mit ihrem Leben. Zu Recht werden deshalb in Deutschland Angriffe auf Polizisten besonders hart bestraft.
Gerade vor diesem Hintergrund wirft das Gerichtsurteil gegen den 19-jährigen Ahmet G. Fragen auf. Die Saarbrücker Richterin Jennifer Klingelhöfer sprach den Deutschtürken, der einen Polizisten getötet hatte, vom Vorwurf des Mordes frei. Sie liess bloss den Tatbestand des besonders schweren Raubes gelten und ordnete die unbefristete Einweisung des Mannes in eine forensische psychiatrische Klinik an.
Ein Blick zurück auf den 21. August 2025: Gegen 18 Uhr stürmte G. eine Tankstelle im saarländischen Völklingen, er erbeutete 600 Euro. Als der 34-jährige Streifenpolizist Simon Bohr mit einem Kommissaranwärter anrückte, um ihn festzunehmen, entriss G. dem Kommissaranwärter die Dienstwaffe. Nach einigen Schüssen ging Bohr zu Boden. G. schoss auf ihn das gesamte Magazin leer. Der letzte Schuss traf Bohr in den Kopf.
Die Richterin befand, dass alles bis auf den Raub im Wahn geschehen sei. Sie argumentierte, dass G. nicht nur an einer paranoiden Schizophrenie leide, sondern auch an einer Angststörung. Dabei stützte sie sich auf ein vom Gericht bestelltes psychologisches Gutachten. Die Angst habe während des Polizeieinsatzes «sein Denken übernommen», sagte sie. Das mag zumindest teilweise so gewesen sein. Ausserdem sei er aufgrund seiner Schizophrenie nicht schuldfähig gewesen. Das ist nicht plausibel.
Das Urteil der Richterin wirkt weltfremd
Sicher, wer als Richter über psychisch kranke Straftäter urteilt, betritt einen schmalen Grat. Und doch ist das Urteil gleich aus mehreren Gründen fragwürdig. Zum einen wirken die Ausführungen der Richterin so, als habe sich G. bedroht gefühlt und aus eingebildeter Notwehr gehandelt. Der Tathergang spricht aber weniger für eine Panikreaktion als für ein gezieltes, kontrolliertes Vorgehen.
Zum anderen widersprechen die Ausführungen des Gutachters dem Bild vom Schizophrenen, der wie fremdgesteuert gehandelt habe. Zwar kam auch der Gutachter zu dem Schluss, dass G. nur vermindert schuldfähig gewesen sei. Er stellte aber auch fest, dass G. nicht nach dem Befehl eingebildeter Stimmen gehandelt habe – weder beim Überfall selbst, noch als er auf Bohr schoss. Er sei bloss nicht dazu in der Lage gewesen, sein Tun zu kontrollieren und zu reflektieren.
Doch selbst da stellen sich Fragen. Wie kann jemand, der einen geplanten Raubüberfall begeht, nur kurz darauf so sehr psychisch entgleisen, dass er einem Polizeianwärter die Waffe entreisst und dessen Kollegen erschiesst? Die Erzählung vom Kontrollverlust strotzt nur vor Widersprüchen. Und auch vermindert Schuldfähige können zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt und bis auf weiteres in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden, wie etwa der Fall des Mannheimer Amokfahrers Alexander S. belegt.

Steinmeiers Warnung - Konsequent werden alle zu Demokratiefeinden erklärt, die einen anderen Wertekompass haben (WELT+)

Steinmeiers Warnung
Konsequent werden alle zu Demokratiefeinden erklärt, die einen anderen Wertekompass haben (WELT+)
Von Michael Sommer, 31.03.2026, 8 Min
Nur ein Prozent aller Deutschen sind mit der Demokratie grundsätzlich unzufrieden. Trotzdem wird ständig vor ihrem Untergang gewarnt, auch vom Bundespräsidenten. Warum die identitäre Wertedemokratie von Steinmeier & Co eine Gefahr ist.
Wie gefährdet ist die Demokratie? „Wir alle in Deutschland spüren es: Unsere Art zu leben, unsere Freiheit und Demokratie sind heute so bedroht wie seit Langem nicht mehr“, schrieb zum „Tag der Demokratiegeschichte“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Gastbeitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, mit dem er der Ausrufung der Mainzer Republik am 18. März 1793 gedachte. „Verächter der Demokratie im Innern“ und „imperiale Großmächte von außen“ seien die Akteure, von denen die Gefahr ausgehe. „Selbstbehauptung“ sei „das Gebot der Stunde“.
Er sagt es nicht, aber man ahnt, wer die Großmächte mit der dicken Hose sind, die Steinmeier unter die Gefährder listet: Putins Russland, die Volksrepublik China, vielleicht auch Regime mit imperialen Ambitionen wie Erdogans neo-osmanistische Türkei und die Mullah-Diktatur im Iran. Wer an Grönland und Venezuela denkt, könnte versucht sein, auch die USA der MAGA-Ära in diese Liga zu reihen. Kein Zweifel: Gegen das Recht des Stärkeren, das diese Akteure auf der internationalen Bühne durchsetzen wollen, ist Selbstbehauptung gefragt. 
Und natürlich gibt es hierzulande so manche Verächter der Demokratie. Wieder hüllt sich Steinmeier in Schweigen, wen konkret er meint, aber einem kommen spontan Links- und Rechtsextremisten, Islamisten und aus dem Ausland importierte Ultranationalisten wie die Grauen Wölfe in den Sinn. Jeder dieser Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FdGO) ist einer zu viel. Die Frage ist: Gibt es von diesen ohne Frage unappetitlichen Gestalten so viele, dass „unsere Demokratie“ deswegen in Gefahr ist? Oder anders gefragt: Laufen wir Gefahr, wie einst Weimar, eine Demokratie ohne Demokraten zu werden?

Aufschluss darüber, mit wie vielen Gefährdern wir es zu tun haben, gibt die Ausgabe 2025 des von Forschern aus Halle, Jena und Mannheim regelmäßig erhobenen „Deutschland Monitor“. Wie immer wurden die insgesamt rund 4000 Befragten um ihre Meinung zur Demokratie, zur Verfassungsordnung in der Bundesrepublik und zum Funktionieren der Demokratie gebeten. Wie schon in den Vorjahren gab die überwältigende Mehrheit an, mit der Demokratie „sehr“ (74 Prozent) oder „eher zufrieden“ (24 Prozent) zu sein. Zwischen West- und Ostdeutschland unterschied sich das Ergebnis lediglich mit Blick auf den Intensitätsgrad der Zufriedenheit. 

01 April 2026

100 Jahre zurück - Alle deutschen Kanzler – von Bismarck bis heute.

Alle deutschen Kanzler – von Bismarck bis heute.
Die Geschichte Deutschlands ist untrennbar mit den Persönlichkeiten verbunden, die das Land geführt haben – hier ein kompakter Überblick in je einem Satz pro Kanzler
Norddeutscher Bund & Deutsches Kaiserreich
• Otto von Bismarck (1867–1890) — Der „Eiserne Kanzler“, der Deutschland einte und mit geschickter Machtpolitik das Kaiserreich formte.

• Leo von Caprivi (1890–1894) — Leitete einen moderateren innen- und außenpolitischen Kurs ein und baute Handelsbeziehungen aus.

• Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1894–1900) — Galt als eher schwacher Vermittler zwischen Kaiser und Politik.

• Bernhard von Bülow (1900–1909) — För­derte eine aggressive Weltpolitik und stärkte Deutschlands internationale Rolle.

• Theobald von Bethmann Hollweg (1909–1917) — Führte Deutschland in den Ersten Weltkrieg und verlor zunehmend die Kontrolle über die Lage.

• Georg Michaelis (1917) — Erster bürgerlicher Kanzler, blieb jedoch politisch bedeutungslos.

• Georg von Hertling (1917–1918) — Versuchte vergeblich, das Reich in der Endphase des Krieges zu stabilisieren.

• Max von Baden (1918) — Leitete den Übergang zur Demokratie ein und verkündete die Abdankung des Kaisers.

Weimarer Republik

• Philipp Scheidemann (1919) — Rief die Republik aus und setzte erste demokratische Strukturen um.

• Gustav Bauer (1919–1920) — Unterzeichnete den Versailler Vertrag unter großem innenpolitischem Druck.

• Hermann Müller (1920; 1928–1930) — War einer der letzten stabilen demokratischen Kanzler vor der Krise.

• Constantin Fehrenbach (1920–1921) — Bemühte sich um politische Stabilität in schwierigen Nachkriegsjahren.

• Joseph Wirth (1921–1922) — Verfolgte eine Politik der Verständigung mit den Siegermächten.

• Wilhelm Cuno (1922–1923) — Regierte während der Hyperinflation und Ruhrbesetzung.

• Gustav Stresemann (1923) — Stabilisierte kurzfristig die Wirtschaft und wurde später Friedensnobelpreisträger.

• Wilhelm Marx (1923–1925; 1926–1928) — Führte mehrere Koalitionen durch politisch turbulente Zeiten.

• Hans Luther (1925–1926) — Setzte wichtige Finanz- und Währungsreformen um.

• Heinrich Brüning (1930–1932) — Regierte mit Notverordnungen und strenger Sparpolitik.

• Franz von Papen (1932) — Schwächte die Demokratie und ebnete indirekt den Weg für Hitler.

• Kurt von Schleicher (1932–1933) — Scheiterte mit dem Versuch, die politische Krise aufzuhalten.

Drittes Reich

• Adolf Hitler (1933–1945) — Errichtete eine totalitäre Diktatur und führte Deutschland in den Zweiten Weltkrieg.

Bundesrepublik Deutschland

• Konrad Adenauer (1949–1963) — Baute die Bundesrepublik auf und verankerte sie fest im Westen.

• Ludwig Erhard (1963–1966) — Stand für die soziale Marktwirtschaft und das Wirtschaftswunder.

• Kurt Georg Kiesinger (1966–1969) — Führte die erste Große Koalition in der Nachkriegszeit.

• Willy Brandt (1969–1974) — Leitete die Ostpolitik ein und erhielt den Friedensnobelpreis.

• Helmut Schmidt (1974–1982) — Bewies Führungsstärke in Krisen wie Terrorismus und Wirtschaftslage.

• Helmut Kohl (1982–1998) — Gilt als Kanzler der deutschen Wiedervereinigung.

• Gerhard Schröder (1998–2005) — Setzte tiefgreifende Arbeitsmarkt- und Sozialreformen um.

• Angela Merkel (2005–2021) — Prägte Europa durch lange Stabilität und pragmatische Politik.

• Olaf Scholz (2021–2025) — Führte das Land durch Zeiten multipler Krisen.

• Friedrich Merz (seit 2025) — Steht für einen wirtschaftsliberalen Kurs und neue politische Erwartungen.

Dieses Bild wurde mit Hilfe von KI (Künstlicher Intelligenz) erstellt.

31 März 2026

Der Fall Fernandes und die Gefahr der Empörungsgesetzgebung (Cicero+)

"Ich habe in meiner Praxis zu oft erlebt, dass am Anfang ein Vorwurf steht, der die Öffentlichkeit elektrisiert – und am Ende ein Freispruch, den niemand mehr liest. Dass ein Mensch öffentlich vernichtet wird, bevor auch nur eine Beweisaufnahme stattgefunden hat. Dass die Empörung das Urteil ersetzt. Und ich sehe dieses Muster gerade in Echtzeit – nur dass es diesmal nicht nur einen Einzelnen trifft, sondern die Grundrechte aller." (Rechtsanwalt Patrick Baumfalk)
Der Fall Fernandes und die Gefahr der Empörungsgesetzgebung (Cicero+)
Die Empörung im Fall Fernandes scheint zu ermöglichen, dass ein Überwachungsgesetz gemacht wird, obwohl der zentrale Vorwurf, auf dem die gesamte Debatte fußt, laut Verteidigung gar nicht erhoben wird. Die Folgen betreffen die Grundrechte aller Bürger.

100 Jahre zurück - Deutsche Unternehmensgründungen in den USA (Netzfund)

100 Jahre zurück - Deutsche Unternehmensgründungen in den USA (Netzfund)
🌍🇩🇪 10 deutsche Einwanderer, die in den USA Unternehmen gegründet haben – und deren Firmen seit über 100 Jahren existieren. Im 19. Jahrhundert wanderten Millionen Deutsche in die USA aus – oft ohne Geld, aber mit Handwerk, Wissen und Unternehmergeist. Einige von ihnen nutzten diese Chance und bauten Unternehmen auf, die bis heute bestehen und ganze Branchen geprägt haben. Hier sind 10 beeindruckende Beispiele 👇
💊 1. Charles Pfizer → Pfizer
📍 Auswanderung: 1848 → USA
1849 gründete er gemeinsam mit seinem Cousin Charles Erhart ein kleines Chemieunternehmen in Brooklyn. Das erste Produkt war ein Antiparasitenmittel, das durch seinen angenehmen Geschmack erfolgreich wurde – ein ungewöhnlicher Vorteil zu dieser Zeit.
Mit der Industrialisierung spezialisierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Chemikalien und später auf Pharmazeutika.
👉 Heute ist Pfizer eines der weltweit führenden Pharmaunternehmen und spielt eine zentrale Rolle in der modernen Medizin.
🎹 2. Henry E. Steinway → Steinway & Sons
📍 Auswanderung: 1850 → USA
Geboren als Heinrich Engelhard Steinweg in Deutschland, baute er bereits dort erste Klaviere. Nach der Auswanderung gründete er 1853 in New York „Steinway & Sons“.
Durch zahlreiche Innovationen im Klavierbau setzte er neue Qualitätsstandards und erhielt mehrere Patente.
👉 Bis heute gelten Steinway-Flügel als Maßstab für Konzertpianisten weltweit.
👖 3. Levi Strauss → Levi Strauss & Co
📍 Auswanderung: 1847 → USA
Levi Strauss kam während des Goldrausches nach Kalifornien und begann zunächst mit dem Verkauf von Stoffen und Waren für Goldsucher.
1873 entwickelte er gemeinsam mit einem Schneider die erste vernietete Arbeitshose – die Geburtsstunde der Jeans.
👉 Heute ist Levi’s eine der bekanntesten Modemarken der Welt.

The Pioneer - Der stille Tod des Industriearbeiters

Studie: Ein Industrieroboter ersetzt 3,3 menschliche Arbeitskräfte
Business Class Edition
Der stille Tod des Industriearbeiters
Gabor Steingart, 31.03.2026
Guten Morgen,
die neue Zeit meint es nicht gut mit dem deutschen Industriearbeiter. Er war der Held des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine ganze Gesellschaftsformation – die Industriegesellschaft – und eine eigene soziologische Kategorie – die Arbeiterklasse – wurden nach ihm benannt. Wacht auf, Verdammte dieser Erde!
„Schluss mit diesem System“, stand auf dem Wahlplakat der KPD von 1932. Und jetzt? Macht nicht der Arbeiter Schluss mit dem Kapitalismus. Sondern der Kapitalismus macht Schluss mit dem Arbeiter.
Dieser nunmehr tragische Held ist in eine gefährliche Zangenbewegung geraten. Die Verteuerung der fossilen Energie, der Vormarsch der Industrieroboter und die Unfähigkeit der deutschen Politik, den Sozialstaat von der Lohnarbeit zu entkoppeln, nehmen ihm die Luft zum Atmen. Wer sich ein feines Gehör bewahrt hat, hört, wie im Hintergrund bereits das Requiem angestimmt wird.
Todesursache #1: Der Ölpreisschock
Das Wort Energiewende ist mit dem Wort Deindustrialisierung synonym zu setzen. Die Gleichzeitigkeit von Kohleausstieg, Kernenergieausstieg, Frackingverbot und der Beendigung der deutsch-russischen Energiepartnerschaft drückt dem klassischen Industriearbeiter in Deutschland die Luft ab.
Die politisch erhöhten Energiekosten werden durch den Krieg im Nahen Osten in immer neue Höhen getrieben. Wichtig zu wissen: 80 Prozent der deutschen Energieversorgung hängen von fossilen Energien ab, von denen Deutschland wiederum 90 Prozent importieren muss.
Jeder blockierte Öl-Container in der Straße von Hormus und jede gesprengte Gasförderanlage in den Golfstaaten ist ein Anschlag auf den Industriearbeiter in Deutschland. Er kann diesen Preisschock durch Produktivitätssteigerungen und selbst durch Lohnverzicht nicht absorbieren.
Nicht unser Krieg, sagt Kanzler Merz. Wenn der wüsste: Der Krieg mit seinen Preiseffekten reißt dem Industriearbeiter den Boden unter den Füßen weg.
Todesursache #2: Der Investorenstreik