Die neuen deutschen Helden: Belohnt werden die Faulen, die Abzocker und die Duckmäuser (NZZ)
Damit es in Deutschland wieder aufwärts geht, genügen nicht nur Strukturreformen. Es braucht eine andere Mentalität. Drei konkrete Beispiele.
Eric Gujer, 13.03.2026, 5 Min.
Wer Kritik an der real existierenden Bundesrepublik übt, hört schnell, das sei Deutschland-Bashing. Das meist in beleidigtem Tonfall vorgetragene Argument lautet stets: «So schlimm ist es doch gar nicht!»
Dem kann man kaum widersprechen. Mindestens 90 Prozent der Weltbevölkerung würden sich glücklich schätzen, könnten sie am deutschen Wohlstand teilhaben – weshalb so viele ja auch versuchen, Asyl in der Bundesrepublik zu erhalten. Doch dazu später.
Das Leben spielt sich in Relationen ab. Entscheidend für die Wahrnehmung sind daher nicht die absoluten Zahlen, sondern die relativen Veränderungen.
Das gilt für die Migranten, deren Lebensstandard sich in Deutschland verbessert. Das gilt aber auch für die Deutschen, die registrieren, wie sich ihr Land zum Schlechteren verändert. Drei Beispiele, die kürzlich Schlagzeilen machten, sollen das verdeutlichen.
Der rheinische Sozialschmarotzer: Seit 23 Jahren lebt ein Bosnier in Köln. Sein Asylantrag wurde kurz nach der Einreise im Jahr 2003 ein erstes Mal abgelehnt und dann 2007 ein zweites Mal. In der Zwischenzeit beging er kleinere Straftaten, doch es geschah: nichts.
Das ist an sich schon ein Skandal. Mit seiner Frau hat er acht Kinder, was dem Paar eine jährliche Sozialhilfe von 87 000 Euro beschert. Bei solch einem Einkommen müsste er den Spitzensteuersatz zahlen. Weil die Familie schon so lange in Deutschland lebt, erhält sie nicht nur Grundleistungen, sondern einen angehobenen Satz.
Die Stadt Köln findet, dass hier alles seine Richtigkeit hat. Wegen der in Deutschland geborenen Kinder sei eine Abschiebung nicht zumutbar.
Die bayrischen Schlafmützen: Weil es, was im Winter immer wieder vorkommen soll, schneite, mussten 600 Menschen auf dem Flughafen München eine ganze Nacht in den Flugzeugen ausharren. In der Kälte, ohne ausreichende Verpflegung, ohne Hilfe.
Die sechs Maschinen erhielten zwar eine Ausnahmegenehmigung für einen nächtlichen Start, doch erst verzögerte sich die Enteisung, dann musste Schnee geräumt werden. Die Flugzeuge blieben auf dem Rollfeld.












