27 September 2026

Der Tankrabatt kostet den Staat 2,5 Milliarden Euro.

Der Tankrabatt kostet den Staat 2,5 Milliarden Euro.

Nein. Tut er nicht.

Der Staat gibt niemandem 2,5 Milliarden Euro.

Er baut keine Tankstellen.

Er kauft keinen Sprit.

Er überweist den Autofahrern kein Geld.

Er nimmt einfach für ein paar Monate weniger Steuer ein.

Und daraus wird dann sprachlich: „Wir stellen 2,5 Milliarden Euro für eure Entlastung bereit.“
Das ist ungefähr so, als würde ich meinem Nachbarn jeden Monat 500 Euro wegnehmen, im Dezember nur 400 und ihm anschließend feierlich erklären: „Ich habe dir gerade 100 Euro Weihnachtsgeld gegeben.“
Nein. Du hast mir einfach weniger weggenommen.

Und genau das ist auch beim Tankrabatt der Fall.

Die Bundesregierung senkt die Energiesteuer um 14 Cent je Liter. Weil auf die Steuer wiederum Umsatzsteuer anfällt, ergibt sich insgesamt eine rechnerische Entlastung von rund 17 Cent pro Liter.

Wunderbar. Nur sollten wir dann vielleicht sprachlich sauber bleiben: Der Tankrabatt „kostet“ den Staat nicht 2,5 Milliarden Euro. Der Staat kassiert 2,5 Milliarden Euro weniger. Kleiner Unterschied.

Und jetzt kommen wir zum eigentlich deutschen Teil der Geschichte. Denn natürlich macht man nicht einfach das Naheliegende und sagt:

Sprit ist zu stark besteuert. Wir senken die Belastung dauerhaft.

Nein. Wir machen daraus ein politisches Ereignis.

Beschluss.
Befristung.
Verhandlungen zwischen Bund und Ländern.
Gesetz.

Pressekonferenz.

Evaluierung.

Danach vielleicht Preisdeckel.

Dann wahrscheinlich Kommission.

Dann Begleitmonitoring.

Dabei wäre die Lösung geradezu erschreckend einfach. Wenn Energie teuer ist, könnte der Staat aufhören, Energie zusätzlich teuer zu machen. Die Energiesteuer auf Kraftstoffe ist schließlich keine Naturkonstante. Sie wurde politisch beschlossen. Ebenso der CO₂-Preis.

Und genau deshalb ist die aktuelle Konstruktion so herrlich absurd: Zuerst verteuert der Staat Kraftstoff durch Steuern und Abgaben.
Dann steigen die Preise stark.
Dann entdeckt derselbe Staat plötzlich die Belastung der Bürger. Dann senkt er einen Teil der vorher selbst erhobenen Steuer. Und anschließend verkündet er: „Wir entlasten euch!“

Entwicklungshilfe - 407,7 Milliarden Euro. Und keiner in Berlin wird rot.

Entwicklungshilfe
407,7 Milliarden Euro. Und keiner in Berlin wird rot.
Netzfund, 26.09.2026

Man muss sich diese Zahl einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen: 407,7 Milliarden Euro. So viel Steuergeld hat die Bundesrepublik seit dem Jahr 2000 in die sogenannte Entwicklungshilfe gesteckt. Das ist keine Schätzung eines Bundes der Steuerzahler, das ist keine Hochrechnung aus irgendeinem Blog. Das ist die offizielle Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage. Schwarz auf weiß, abgestempelt, amtlich.

Rechnet man das herunter, landet man bei knapp 16 Milliarden Euro. Pro Jahr. Jedes Jahr. Seit einem Vierteljahrhundert. Und zwar in einem Land, in dem Brücken gesperrt werden, weil sie einsturzgefährdet sind, in dem Schulklos seit Jahrzehnten auf Sanierung warten und in dem der Bürger bei jeder Gelegenheit hört, für ihn sei leider kein Geld da. Für ihn nicht. Für Radwege in Lima schon. Peru lässt grüßen

Die Radwege in Peru sind längst zum Symbol geworden, und das völlig zu Recht. 44 Millionen Euro flossen in dieses Projekt. Wer glaubt, im Ministerium sei man darüber inzwischen peinlich berührt, irrt gewaltig. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan von der SPD verkauft das Ganze bis heute als Musterbeispiel moderner Entwicklungszusammenarbeit. Musterbeispiel. Man weiß nicht, ob man lachen oder schreien soll.

Und Peru ist nur die Spitze. Da ist China, mit dem es offiziell seit 2010 keine bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mehr gibt. Trotzdem finanziert das Ministerium über kirchliche Umwege Gender-Trainings im Reich der Mitte, 522.000 Euro für den Zeitraum 2023 bis 2027. Man stelle sich das vor: Ein Land, das Flugzeugträger baut und den Weltmarkt mit Elektroautos flutet, bekommt vom deutschen Steuerzahler Nachhilfe in Geschlechterfragen bezahlt.

Da ist Indien, das 2023 zu den größten Empfängern deutscher bilateraler Hilfe zählte. Dasselbe Indien, das Sonden zum Mond schickt. Und da sind Tourismusprojekte im Ausland, deren Erfolg die Bundesregierung nach eigenem Eingeständnis nur per Zufallsstichprobe überprüft. Zufallsstichprobe. Bei Steuergeld. Jeder Handwerksmeister, der seine Bücher so führen würde, hätte das Finanzamt schneller im Haus, als er "Betriebsprüfung" buchstabieren kann.

Der Buchhaltungstrick mit den Flüchtlingen

21 September 2026

"Wir sind ein wundervolles Land" - Wie Jürgen Kopp den woken Zeitgeist schockt

"Wir sind ein wundervolles Land"
Wie Jürgen Klopp den woken Zeitgeist schockt
In seiner Pressekonferenz zur Kadernominierung für die anstehenden und seine ersten Länderspiele als Bundestrainer wurde Klopp auch zu einer Erklärung nach der Bedeutung seines Capps gefragt, was ihn zu einem fünf minütigen "politischen" Statement veranlasste, das in der medialen Wiedergabe schamhaft unterging. 
Mit seinem emotionalen Appell sorgte er für Aufsehen. Er sprach über Patriotismus, Nationalstolz und die Deutschland-Fahne. Klopp erklärte, warum er „die Fahne zurückholen“ möchte und weshalb positive Identifikation mit Deutschland nicht den politischen Rändern überlassen werden dürfe.
Während die einen die bemerkenswerten Aussagen des Bundestrainers diskutierten, und heraushoben, was Politik und Gesellschaft daraus lernen können, meinte der Sport-Informations-Dienst, dass er eine Grundsatzrede gegen rechts gehalten habe. Ich sehe es genau umgekehrt.
  • Wer ein Capp mit einem Addidas-Emblem in Nationalfarben trägt - düppiert die Linken
  • Wer eine Wahl anspricht (ohne die AfD zu erwähnen) "die die einen okay finden, viele andere aber gedacht haben: Du lieber Himmel, was passiert den da.", verhält sich neutral.
  • Wer sagt: "Ich würde mir oder uns gern die Fahne wieder zurückholen, wenn ich ganz ehrlich bin und ich möchte, dass, wenn man sie schwingt, niemand denkt, was ist mit dem nicht in Ordnung, sondern dass man nur das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du im wundervollen Land geboren, aufgewachsen, zugezogen und wie auch immer, dass du hier lebst "- der meint nicht die Regenbogenfahne und bringt Linke in Wallung.
  • Wer meint: "Es ist unser Auftrag, für Stimmung zu sorgen. ich weiß das. Aber dafür braucht man Leute, die das auch annehmen. Ich gehe mal davon aus, dass alle die ins Stadion kommen, dass die bereit sind dazu und alle anderen wollen wir gerne mitnehmen." - will vereinen.
  • Wer schon mal "den Gedanken im Kopf hatte, den Nationalstolz nicht den falschen Leuten zu überlassen", will ihn wieder in der gesamten Gesellschaft verankern. 
  • Wer erschrocken feststellt, "dass er nicht weiß, ob man "Nationalstolz" noch sagen darf, ohne falsch verstanden zu werden", kritisiert den woken, links gefärbten Zeitgeist.
  • Wenn man meint, man könne das besser "Positiven Patriotismus" nennen, sei ihm das auch egal.
  • Wenn er feststellt, das er unheimlich stolz ist, die Rolle des Nationaltrainers auszufüllen, "weil ich finde, dass wir ein wundervollen Land sind"- widerspricht er Linken und Grünen, die mit Deutschland nichts anfangen können.

Also: "Kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein und trotzdem offen und trotzdem vielfältig und trotzdem nett, freundlich? Kann man Mitgefühl haben? Kann man all diese Dinge haben? Ich bin hundertprozentig sicher, ja.“

"Und wenn das so ist, kann man so eine Kappe aufsetzen oder man macht das halt ohne."
Was ist an diesen Aussagen eine Grundsatzrede gegen rechts?
Hier die Aussagen in der Pressekonferenz ab Minute16

17 September 2026

Medien-Wirrwarr um „Polizistin“ - Liebe Kollegen, der Täter ist ein Mann! (Cicero)

Medien-Wirrwarr um „Polizistin“ -  
Liebe Kollegen, der Täter ist ein Mann! (Cicero)
Ein Polizist steht wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und des Besitzes von Kinderpornografie vor Gericht. Weil er seinen Geschlechtseintrag hat ändern lassen, nennt ihn sogar die „Bild“ eine Frau. Das ist einfach nur irre.

The Pioneer - Kanzlersturz: Das Playbook des Wechsels

Business Class Edition

Kanzlersturz: Das Playbook des Wechsels
Gabor Steingart, 17.09.2023, 18 Min
Guten Morgen,
das Wort des Jahres lautet: Kanzlertausch. Es ist das Tuschelthema der Abgeordneten in Berlin und der Staatskanzleien in den Bundesländern. Hintergrund ist die anhaltende und sich verhärtende Ablehnung des Bundeskanzlers durch eine deutliche Mehrheit der Wählerinnen und Wähler und mittlerweile auch eine Mehrheit der eigenen Anhänger.
Friedrich Merz ist es nicht gelungen, seine Macht zu festigen. Außer der historischen Höhe der Schuldenaufnahme gleich zu Beginn seiner Regierungszeit hat er inhaltlich bisher keine Spuren hinterlassen. Die Rentenreform? Existiert nur als Design. Die Steuerreform? Politische Homöopathie. Die Aufrüstung der Bundeswehr? Ein Papiertiger in Oliv.
Wenn er morgen früh abtreten würde, wüssten die Historiker nicht, womit sie das Kapitel Merz substanziell zu füllen hätten. Womöglich würde es die Überschrift tragen: Friedrich Merz, ein Missverständnis.
Wenn sich jetzt die Ministerpräsidenten der CDU schriftlich hinter dem Bundeskanzler versammeln, dann ist das nicht das Ende einer Kanzlerkrise, sondern ihr bisher markantester Höhepunkt. Denn alle Unterzeichner haben Motive, die in diesem Dokument nur scheinbar synchron geschaltet wurden.
Der Wortlaut des Schreibens:

Die Menschen können darauf vertrauen, dass wir ihre Probleme angehen. Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten.

Dieses Bekenntnis ist nicht zum Nennwert zu nehmen. Das zeigt sich schon daran, dass der Name Friedrich Merz im Ursprungstext stand und später von den Unterzeichnern gelöscht wurde, wie The Pioneer aus CDU-Kreisen hört. Sie bekennen sich zur Institution des Kanzlers, aber nicht zum derzeitigen Amtsinhaber. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
Hintergrund: Merz kann Deutschland derzeit nicht den Rücken kehren. Deshalb wurde seine für die kommende Woche geplante Reise nach New York zur Vollversammlung der Vereinten Nationen gecancelt. Vorstand, Präsidium und Fraktion sollen in dieser für ihn entscheidenden Stunde nicht allein tagen. Merz hofft auf Autorität durch Anwesenheit.
Doch in der CDU kursieren andere Gedankenspiele. Eines geht so:

16 September 2026

The Pioneer - Die drei größten Gemeinheiten des Steuerstaates

Business Class Edition

Die drei größten Gemeinheiten des Steuerstaates
Gabor Steingart, 16.09.2026, 18 Min
Guten Morgen,
Soziale Gerechtigkeit ist ein anderer Begriff für Neid geworden. Mit dem Ruf nach Gerechtigkeit glaubt man heutzutage, Eingriffe ins Eigentum bis hin zur Enteignung rechtfertigen zu können.
Der Kern des Kerns: Viele derjenigen, die meinen, zu wenig zu verdienen oder qua Geburt zu kurz gekommen zu sein, wollen nicht zuerst bei sich anfangen: mit mehr Fleiß, gesteigerter Ambition und dem Risiko des Unternehmertums. Sie wollen pflücken, ohne zu pflanzen. Und zwar bevorzugt die Früchte vom Baum des Nachbarn.
Gerechtigkeit und Gemeinwohl sind die süßlichen Tarnworte, in deren Namen man heute jede Gemeinheit begehen darf. Bedeutet im Alltag des Hochsteuerlandes Bundesrepublik: Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums greift schon da, wo noch gar keine Eigentumsbildung hat stattfinden können – auch unter einem CDU-Kanzler Friedrich Merz.
Ungerührt (und unreflektiert) spricht Finanzminister Lars Klingbeil mehrfach täglich von „leeren Kassen“, obwohl die Gesamtheit der Steuerzahler jährlich rund eine Billion bei ihm und den anderen Einzahlstellen des Staates abliefert. Noch nie waren die öffentlichen Kassen praller gefüllt als heute.
Diese Erkenntnis allerdings nutzt dem „Reichen“, wie er im politischen Diskurs abfällig genannt wird, herzlich wenig. Er hat sich durch den Besitz schuldig gemacht. Er wird nicht einfach nur besteuert, er wird gejagt. Auch mithilfe der von den Nazis genutzten „Reichsfluchtsteuer“, die heute natürlich anders heißt.
Betrachten wir also die Liste der größten Gemeinheiten des Steuerstaates Bundesrepublik der Reihe nach.
Gemeinheit 1: Die Wegzugssteuer

Mail von Martenstein - Lieber Markus Söder - 16.09.2026

Mail von Martenstein 

Lieber Markus Söder,

es hat eine Weile gedauert, bis ich Sie gut fand. Der Moment war gekommen, als Sie in der ARD bei „Inas Nacht“ einen Song von Freddy Quinn gesungen haben, „Sie hieß Mary Ann“.

Jetzt haben Sie gesagt: „Wer per Haftbefehl gesucht wird, darf keinen Anspruch auf Grundsicherung haben. Das muss sich sofort ändern.“

Eine überwältigende Mehrheit unserer Bevölkerung dürfte Ihnen da zustimmen. Beim ZDF heißt es auf der Homepage: Die per Haftbefehl Gesuchten könnten doch auch unschuldig sein! Gewiss. Mein Rat: Dann stellt euch der Polizei.

Das, was Sie heute fordern, Herr Söder, hat schon vor einiger Zeit die AfD im Bundestag als Antrag gestellt, Drucksache 21/2222, keine Grundsicherung bei Haftbefehl. Es wurde abgelehnt, mit den Stimmen von CDU, CSU, SPD, Grünen und Linken.

Das ist der Wahnsinn, in den die Brandmauer unser Land hineingetrieben hat: Wer CDU-Politik will, kann nicht mehr CDU wählen. Wer genau das möchte, was Söder fordert, wird sich gut überlegen, ob er bei der CSU an der richtigen Adresse ist.

Sie haben sich von der Linken und manchen Medien Handschellen anlegen lassen. Ich verstehe, dass Sie Angst haben vor dem Sturm. Sie werden zehn Mal auf dem „Spiegel“-Titel mit Hitlerbärtchen zu sehen sein. Aber das sollte Ihnen egal sein. Helmut Kohl war so was auch egal.

Denn richtig ist richtig. Und falsch ist falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Martenstein

11 September 2026

Mail von Martenstein - Sehr geehrte Silke Müller - 11.09.2026

Mail von Martenstein

Sehr geehrte Silke Müller,

das Deutschland der Zukunft könnte ein Land sein, in dem zwar alle ein Einser-Abitur haben, aber niemand mehr lesen, schreiben und rechnen kann. So lassen sich die Ergebnisse der neuen PISA-Studie zusammenfassen.
Wo liegt das Hauptproblem? Ich glaube, Deutschland ist ein Land geworden, in dem zu viele „Leistung“ und „Anstrengung“ für überflüssig halten. Deshalb steigen wir ab.

Sie traten in der „Tagesschau“ als „Bildungsexpertin“ auf. Sie sagen: Bildungsförderalismus soll abgeschafft werden.

Das wichtigste Ergebnis dieser Reform wäre wohl, dass auch in Bayern der Analphabetismus wächst.

Sie wollen, dass schon ab Klasse 1 „digitale Ethik“ und „Medienkompetenz“ gelehrt wird – Kindern, die noch nicht lesen können? Eine Schnapsidee. Es sollen überall „Pädagogen für Beziehungsarbeit“ eingestellt werden. Wie wäre es zusätzlich mit einem Meerschweinchenkäfig in jedem Klassenzimmer? Diese satirische Idee verdanke ich der Journalistin Susanne Gaschke.

Expertinnen wie Sie sind Teil des Problems. Wir leben „im Luftreich des Traums“, wie Heinrich Heine über die Deutschen schrieb.

Unter Kaiser Wilhelm, 1912, lag die Analphabetenrate bei 0,02 Prozent. Heute können 20 Prozent höchstens einzelne Worte entziffern.

Für Staaten, die versagen, gibt es in China den hübschen Ausdruck „ein Land, in dem die Vögel keine Eier legen“.

Harald Martenstein