Schwarzer Kanal
„Mögliche Kriegsverbrechen“– darauf wäre selbst Ursula Haverbeck nicht verfallen
Erschienen in FOCUS 45 / 2026 • 28.10.2026
Verharmlosung des Holocaust war gestern. Die neueste Nummer heißt: Leugnung des 7. Oktober. Ganz vorne mit dabei: führende Leute der Linkspartei. Wie lange wollen die Grünen noch so tun, als hätten sie das im Griff?
Eine Kolumne von Jan Fleischhauer
Dieser Text ist für Felix, Franziska, Katharina und Britta. An alle anderen Leser richtet er sich selbstverständlich auch. Aber die vier von den Grünen sind in besonderer Weise gemeint, weil sie darüber entscheiden, ob künftig noch gilt, dass wir aus der Geschichte gelernt haben.
Beginnen wir mit der Erinnerung an eine Frau, die dafür berühmt wurde, dass sie an einem besonderen Gebrechen litt, der Leidenschaft für die Holocaustleugnung. Zeit ihres Lebens behauptete Ursula Haverbeck, dass der Holocaust nie stattgefunden habe. Ihre Leidenschaft brachte ihr eine Reihe von Strafverfahren und Verurteilungen ein, aber auch glühende Bewunderung.
In Teilen der rechten Szene ist Frau Haverbeck bis heute ein Idol, über das man nur im flüsternden Ton der Verehrung spricht. Als sie 2024 im Alter von 96 Jahren starb, kurz vor dem nächsten Haftantritt, wurde ihr im Kreis der Getreuen als „Deutschlands mutigster Dissidentin“ gedacht.
Ursula Haverbeck ist zurück. Sie ist deutlich jünger geworden. Sie heißt jetzt Martha oder Vanessa und ist nicht mehr bei den Neonazis, sondern bei der Linkspartei. Auch das Verbrechen, das Denken und Fühlen konsumiert, hat ein Update erfahren. Nicht der Tod in den Gaskammern wird länger relativiert oder in Abrede gestellt. Es ist der 7. Oktober 2023 und damit der Tag des größten Massakers, das an Juden nach dem Zweiten Weltkrieg verübt wurde, der eine Umdeutung erfährt.
Das neue Gesicht des Antisemitismus
Ansonsten ist alles wie gehabt. Da ist die auftrumpfende Rechthaberei; der Stolz der Antisemitin, die sich im Besitz einer Wahrheit wähnt, die andere nicht sehen wollen; die Verachtung für alle, die sich von den Juden einreden lassen, sie seien Opfer geworden.
Es gibt kaum ein Verbrechen, das so gut dokumentiert ist wie der Überfall auf israelische Kibbuzim an der Grenze zu Gaza. Viele der Täter trugen Kameras bei sich, mit denen sie ihre Taten per Livestream in die Welt schickten. Andere hielten ihre Taten mit dem Handy fest, um sich mit ihnen zu schmücken.
1200 Menschen wurden an diesem Tag ermordet, viele davon Kinder und junge Erwachsene. Das israelische Militär hat anschließend einen Film aus dem vorhandenen Bildmaterial zusammenstellen lassen. Auch dem Bundespräsidenten wurde er bei einem Besuch in Jerusalem vorgeführt. Dem Vernehmen nach bat er nach zehn Minuten darum, die Vorführung abzubrechen, weil er die Monstrosität des Gezeigten nicht länger ertrug.








