In
komplexen Zeiten ist das amerikanische „Negative Campaigning“ auch
hierzulande eine erfolgreiche Wahlkampfstrategie. Nun prägt das Vorgehen
auch die Landtagswahl in Baden-Württemberg rund um den CDU-Politiker
Manuel Hagel.
Gabor Steingart, 03.02.2026, 7 Min
Die großen Wahlkämpfe der heutigen Zeit haben Fragen der
grundsätzlichen Art aufgeworfen: Sind Politiker selbst schuld, wenn sie
wegen ihres Charakters am Pranger stehen und damit in den Abwärtssog
geraten?
Die kurze Antwort lautet: Ja, unbedingt. Wer denn sonst?
Warum muss Kanzlerkandidat Armin Laschet im
Angesicht von Überschwemmungstoten bei laufender Fernsehkamera in
Gelächter ausbrechen, während der Bundespräsident Worte der Trauer
spricht?
Wieso fällt einem CDU-Politiker wie Manuel Hagel nach dem Besuch einer Schulklasse nichts anderes ein, als über minderjährige Mädchen in anzüglicher Weise zu sprechen?
„Eine
Klasse, 80 Prozent Mädchen, da gibt es für einen 29-jährigen
Abgeordneten schlimmere Termine als diesen“, hatte er vor acht Jahren in
einem Interview mit Regio TV Schwaben gesagt und hinzugefügt:
Dann begann, das werde ich nie vergessen, die erste Frage. Sie hieß Eva: braune Haare, rehbraune Augen …
Selbst schuld, sollte man meinen.
Doch die professionelle Antwort fällt differenzierter aus. Nicht weil
das Gelächter und die Bemerkungen über die Mädchen relativiert gehören,
wohl aber, weil das Zusammenspiel von politischen Strategien und
medialen Reflexen nicht minder fragwürdig ist als die Vorwürfe selbst.
Beides gehört hinterfragt.
Warum das wichtig ist:
Die beiden genannten Politiker sind nicht nur Täter, sondern auch
Opfer. Opfer einer politischen Strategie, die aus Amerika zu uns kam und
sich „Negative Campaigning“ nennt. Was für den unbedarften Beobachter
wie ein „zufälliges“ Auftauchen eines acht Jahre alten Videos oder das
„unglückliche“ Timing eines Lachers aussehen, ist das Ergebnis einer
Methode.








