Neuer Forscher-Streit droht Weltklimarat zu zerreißen (Focus-Online)
Jacqueline Arend, Mittwoch, 14.10.2026,
Jacqueline Arend, Mittwoch, 14.10.2026,
Der Weltklimarat IPCC ist die wichtigste Instanz der Klimawissenschaft, sein Wort hat Gewicht. Jetzt aber entzweit ein großer Streit die Gemeinschaft der Klimaforscher – mit möglichen Folgen für den weltweiten Klimaschutz.
Eigentlich sollte es eine Sache von Minuten sein. Doch seit fast drei Jahren wird verhandelt, gestritten, gerungen. Im Weltklimarat geht es um eine scheinbar simple Frage: Wann soll die Welt erfahren, was die neueste Klimaforschung über den Zustand unseres Planeten verrät? Eine Entscheidung über einen Termin. Mit Folgen weit über den Kalender hinaus.
Diese Woche beraten Vertreter der 195 Mitgliedstaaten des Weltklimarats IPCC in Addis Abeba, Äthiopien, über den Zeitplan für den nächsten großen Klimabericht. Die drei Teilberichte sollen nach dem Vorschlag der wissenschaftlichen Arbeitsgruppen bis September 2028 vorliegen – rechtzeitig zum UN-Klimagipfel COP33 im November. Dort sollen die Staaten überprüfen, wie weit sie bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens gekommen sind.
Doch darüber herrscht Streit: Saudi-Arabien und Russland, unterstützt unter anderem von China und Indien, wollen Teile des Berichts auf 2029 verschieben. Andere Staaten pochen auf den bisherigen Zeitplan. Hinter der Terminfrage steckt ein grundsätzlicher Konflikt: Wer bestimmt, welche Klimaforschung Gehör findet – und wann sie politische Konsequenzen haben soll?
Mehr Zeit für wen – und wofür?
Team Verschiebung verweist auf ein strukturelles Problem: Die globale Klimaforschung sei ungleich verteilt.
- Wohlhabende Industriestaaten verfügen über größere Forschungsbudgets und mehr Personal.
- Forschende aus ärmeren Ländern haben es schwerer, eigene Studien rechtzeitig einzubringen.
- Weil sie weniger Geld verdienen als ihre westlichen Kollegen, ist es für sie komplizierter, neben ihrer regulären Arbeit an den umfangreichen IPCC-Berichten mitzuwirken.
„Wenn ein Prozess sehr schnell abläuft, wäre er nicht inklusiv“, sagt die kenianische Klimawissenschaftlerin Joyce Kimutai der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Indien kritisiert, dass Gerechtigkeit und Teilhabe bislang zu kurz kämen.
Dahinter steht die Grundsatzfrage, wer für die Erderwärmung verantwortlich ist und wer die Kosten des Klimaschutzes tragen soll: Industriestaaten haben über Jahrzehnte von fossilen Energien profitiert. Entwicklungsländer pochen deshalb auf ihre Verantwortung für die eigene wirtschaftliche Entwicklung.








