19 April 2026

Kriminalität Etwa jeder zweite Verdächtige ausländisch – die umkämpfte Wahrheit über Gewalt in Deutschland (WELT+)

Reines Männerproblem? Nein. Das zeigt auch ein Blick auf die Tatverdächtigenbelastungszahl in Berlin: Weibliche Tatverdächtige aus Syrien (539) und Afghanistan (569) erreichen höhere Werte als deutsche männliche Tatverdächtige (387).
Kriminalität
Etwa jeder zweite Verdächtige ausländisch – die umkämpfte Wahrheit über Gewalt in Deutschland (WELT+)
Von Philipp Woldin, Ricarda BreytonStand: 17.04.2026, Lesedauer: 4 Minuten
Syrer und Afghanen fallen besonders auf: Nicht-deutsche Verdächtige sind bei Gewaltdelikten deutlich überrepräsentiert. Das zeigen exklusive Zahlen, die WELT AM SONNTAG vorliegen. Was daraus folgen soll, ist politisch hochumstritten.
Gewalt in Deutschland ist ein umkämpftes Debattenfeld. Die einen sehen ein Land, das aus dem Gleichgewicht gerät: Sie verweisen auf brutale Mordfälle im öffentlichen Raum, auf Schießereien – und warnen vor wachsender Unsicherheit im Alltag. Für sie gehört auch die gestiegene Zuwanderung der vergangenen Jahre zu dieser Entwicklung.
Die anderen halten dagegen: Sie sprechen von Dramatisierung und weisen solche Warnungen als rechtes Narrativ zurück. Das Land sei sicher, früher sei es gefährlicher gewesen – und selbst wenn, spiele Migration allenfalls eine Nebenrolle. Gewalt sei vor allem ein Männerproblem, unabhängig von der Nationalität.
Die Gewaltkriminalität ist laut Daten, die WELT AM SONNTAG bei den Bundesländern abgefragt hat, zwar im Vergleich zum Rekordjahr 2024 um rund zwei Prozent gesunken. Doch bei den Tatverdächtigen zeigt sich weiterhin eine deutliche Schieflage: Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von bundesweit rund 15 Prozent stark überrepräsentiert. In Bundesländern wie Bayern, Berlin oder Baden-Württemberg hat laut Umfrage von WELT AM SONNTAG etwa jeder zweite Tatverdächtige bei Gewaltdelikten keinen deutschen Pass.
Bevor sich diese Zahlen bewerten lassen, lohnt ein Blick auf ihre Grundlage: die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Sie ist der Arbeitsnachweis der Polizei – und hat bekannte Grenzen. Erfasst werden polizeiliche Ermittlungen, nicht rechtskräftige Urteile; ein Tatverdächtiger ist noch kein verurteilter Täter. Zudem fließen nur Fälle ein, die der Polizei bekannt werden. Große Bereiche wie Wirtschafts- und Finanzkriminalität bleiben weitgehend im Dunkeln. Dennoch bleibt die jährliche PKS – ergänzt um Dunkelfeldstudien – die wichtigste Annäherung an die Kriminalitätslage in Deutschland.
Am Beispiel Bayern zeigen sich die Trends besonders deutlich: Die Gewaltkriminalität sinkt im Freistaat um 4,5 Prozent im Vergleich zu 2024 – gleichzeitig steigt der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger weiter. Vor allem tatverdächtige Zuwanderer fallen dabei ins Gewicht – nach Definition des Bundeskriminalamts Asylbewerber, Schutzberechtigte, Geduldete oder Personen ohne Aufenthaltsrecht.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach bei der Vorstellung dieser Zahlen von einem „klaren Zusammenhang mit der hohen Zuwanderung der vergangenen Jahre“. Es müsse gelten: „Wer kein Bleiberecht hat, wer Straftaten begeht oder unsere Werte ablehnt, muss unser Land verlassen.“
Syrische Verdächtige laut BKA-Kennzahl 16-mal so stark „belastet“

Der schwarze Kanal "Wenn gar nichts mehr hilft, ist es eine rechte Kampagne" (Focus-Online)

Der schwarze Kanal
"Wenn gar nichts mehr hilft, ist es eine rechte Kampagne" (Focus-Online)
Eine krankgeschriebene SPD-Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Berlin-Mitte zog ihre Kandidatur zurück, nachdem ihr Fall öffentlich wurde. Jetzt fühlt sie sich ungerecht behandelt. FOCUS-Kolumnist Jan Fleischhauer erkennt ein Muster.
Uta Francisco dos Santos' Geschichte kann man sich kaum ausdenken. Seit 2024 war sie überwiegend krankgeschrieben. Trotzdem wollte sie für einen der härtesten Verwaltungsposten der Hauptstadt antreten. Denn: Sie war SPD-Kandidatin für das Bezirksbürgermeisteramt in Berlin-Mitte. 
Und ihre Partei? Setzte sie auf Platz eins der Liste und will von den Umständen nichts gewusst haben. FOCUS-Kolumnist Jan Fleischhauer kann darüber im Podcast "Der Schwarze Kanal" nur den Kopf schütteln. "Ich weiß nicht, wie die sich das vorgestellt hat als krankgeschriebene Mutter. Dass man sich da einfach hinsetzt als Bezirksbürgermeisterin und dann sagt, andere machen meinen Job."
Arzt der SPD-Frau stellte Attest für Wahlkampf aus
Fleischhauer erinnert daran, dass Berlin-Mitte kein Provinz-Bezirk ist. "Das sind 400.000 Menschen. Ich weiß nicht, wie viele Städte in Deutschland es gibt, die mehr haben. Viel mehr als ein Dutzend können das nicht sein." Anders gesagt: Dort Bezirksbürgermeisterin zu sein, ist ein Vollzeitjob mit Ansage.
Der Arzt der Politikerin sah darin offenbar kein Problem. Per Attest bescheinigte er ihr, dass ehrenamtliche Arbeit und Wahlkampf der Genesung zuträglich seien. Offiziell also arbeitsunfähig, praktisch aber voll kampagnenfähig.
Politik hält sich nicht an die eigenen Regeln
Als die Sache aufflog, folgte ein bekanntes Ritual: Francisco dos Santos zog ihre Kandidatur zurück – als Reaktion auf eine angebliche Hetzkampagne der Medien. "Wenn gar nichts mehr hilft, dann war’s ’ne Kampagne. Am besten eine rechte Kampagne, gegen die du nicht ankommst", meint Fleischhauer.Der Fall wirkt weniger wie ein Ausrutscher als ein Muster. Immer wieder entsteht der Eindruck, in der Politik wären Regeln dehnbar, solange es den eigenen Leuten nutzt. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Bürger vor kurzem noch dafür rügte, sie seien zu oft krank, könnte sich ein Blick auf den Koalitionspartner lohnen.

„Delegitimierung des Staates“ - Kritik ist keine Agitation (Cicero)

„Delegitimierung des Staates“
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Kritik ist keine Agitation (Cicero)
Der Verfassungsschutz hat die vor fünf Jahren geschaffene „Delegitimierung des Staates“ wieder abgeschafft. Das ist gut so, reicht aber nicht. Wichtig wäre es, das Denken zu ändern, das zu dieser unsinnigen Kategorisierung geführt hat.

Krisenaktionismus in der Politik Lasst mich lieber allein! (Cicero)

Krisenaktionismus in der Politik

Lasst mich lieber allein! (Cicero)
Krieg im Iran, hohe Spritpreise und aktivistische Regierungs-Populisten: Je tiefer die Krise, desto inniger wollen Lars Klingbeil und Konsorten die Menschen an die Hand nehmen. Dabei hat die deutsche Politik die meisten Probleme mitverursacht.

17 April 2026

Haben SMR (Small Modular Reaktors) eine Zukunft?

Übersicht mit KI
Haben SMR eine Zukunft?
Die AfD-Fraktion (Anm.: also die falsche Fraktion) ist für den Ausbau von kleinen, modularen Reaktoren, sogenannten Small Modular Reactors (SMRs), um „Deutschlands zukünftige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität zu gewährleisten“. Einen entsprechenden Antrag (21/5324) hat der Bundestag am Donnerstag, 16. April 2026, erstmals debattiert
SMR steht für Small Modular Reactors, eine neue Generation von kleineren Kernreaktoren. Sie haben eine geringere Leistung (meist <300 MW) und werden in Fabriken gefertigt, um Kosten zu senken, bevor sie vor Ort montiert werden. SMRs gelten als flexibel einsetzbar, könnten zur Netzstabilisierung bei erneuerbaren Energien beitragen, bergen aber weiterhin Fragen zu Sicherheit und Abfallentsorgung.
SMRs gelten als flexible, potenziell günstigere Zukunftstechnologie der Kernkraft, die durch modulare Bauweise schneller realisiert werden soll. Sie sollen bis in die 2030er Jahre eine Schlüsselrolle in der CO2-freien Energieversorgung spielen, sind jedoch mit hohen Kosten, Genehmigungshürden und technischen Skalierungsproblemen konfrontiert.
  • Technologie und Vorteile: SMRs sind kompakte Kernreaktoren (meist <300 MW), die im Werk vorgefertigt und vor Ort montiert werden. Sie sollen flexibel (auch dezentral) einsetzbar sein und für Prozesswärme oder Stromversorgung genutzt werden.
Wenn es heißt, Small Modular Reactors steckten in den Kinderschuhen, würden aber kaum die Zukunft sein, weil es trotz eines medialen Hypes erhebliche Hürden und Kritikpunkte gäbe, muss ich an den Spot von Mercedes Benz denken: 
Bertha Benz - Die Fahrt, die alles veränderte.


Allensbach-Umfrage - Grünen-Anhänger regen sich am häufigsten über andere Meinungen auf (WELT+)

Meinungsfreiheit: Anspruch und Realität klaffen oft weit auseinander. Vor allem bei denen, die sich für besonders tolerant halten.
Allensbach-Umfrage
Grünen-Anhänger regen sich am häufigsten über andere Meinungen auf (WELT+)
Stand: 17.04.2025, Lesedauer: 2 Minuten
Anhänger der Grünen sind laut einer Allensbach-Umfrage am wenigsten tolerant, wenn ihr Gegenüber eine andere Meinung hat. Nur jeder Zehnte gibt zudem an, dass in seinem Bekanntenkreis eine andere Partei bevorzugt wird, als der Befragte selbst wählen würde.
Anhänger der Grünen haben einer Umfrage zufolge die niedrigste Toleranz, wenn die Meinung anderer von der eigenen abweicht. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Institut für Meinungsforschung Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ durchgeführt hat.
Auf die Frage „Wenn Sie mit jemandem zu tun haben, der ganz andere Meinungen vertritt als Sie selbst: Regt Sie das oft auf, oder haben Sie damit meist kein Problem?“ gaben 28 Prozent der Grünen-Wähler an, sie regten sich darüber auf. 
Es folgen die AfD-Wähler mit 24 Prozent, unter den Unionswählern sind es 19 Prozent, unter den SPD-Wählern 18 Prozent. Der Bevölkerungsdurchschnitt liegt demnach bei 21 Prozent.Die Ergebnisse der Umfrage stellen zudem die verbreitete Auffassung infrage, dass Nutzer sozialer Medien weitgehend nur in ihrer eigenen Meinungsblase kommunizieren. Die „analogen Freundeskreise“ sind laut Umfrage politisch noch homogener als die digitalen.
Nur rund ein Zehntel der Befragten, die angaben, sich regelmäßig mit einem Kreis von Freunden und Bekannten zu treffen, sagten, in diesem Bekanntenkreis herrsche eine Stimmung zugunsten einer anderen Partei, als der Befragte selbst bevorzugt.
Von denen, die sich regelmäßig mit anderen in den sozialen Netzwerken über Politik austauschen, machten demnach rund doppelt so viele die gleiche Angabe.
Die Umfrage wurde vom 23. März bis zum 9. April 2026 durchgeführt, befragt wurden 1057 Personen. Sie ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren.

16 April 2026

Focus Briefing - Feindbild in Uniform: Polizisten im Visier

Focus Briefing - 
Feindbild in Uniform: Polizisten im Visier
Von Tanit Koch, 15.04.2026
Liebe Leserin, Lieber Leser,
heute Abend läuft die erste Folge des Formats „Klar“ in diesem Jahr (um 22 Uhr im NDR & BR, falls Sie sich beim Bayern-Spiel gegen Real Madrid langweilen). Der Titel: „Zielscheibe Polizei: Pöbeln, Hass und Gewalt“.
Die „Klar“-Redaktion und ich haben in den letzten Monaten intensiv für die Sendung recherchiert.
Ansonsten sind 30 Minuten Sendezeit natürlich endlich. Eine Szene aus Mülheim an der Ruhr beispielsweise schaffte es nicht in die Sendung, ist mir aber in Erinnerung geblieben.
Der Hintergrund: In einer türkischen Hochzeitshalle, mitten im Gewerbegebiet, tagen ein paar hundert AfD-Regionalvertreter aus NRW mit Star-Gast Alice Weidel. Draußen, bei strahlend blauem Himmel und Eiseskälte, wacht die Polizei, damit die Gegendemonstrationen nicht aus dem Ruder laufen.
Die organisierte Linke hat aber offenbar spät von der Veranstaltung erfahren und ist nicht gerade in Bataillonsstärke erschienen. Um Polizeibeamte lauthals zu beschimpfen, reicht es aber: „Bin nichts, kann nichts, gebt mir eine Uniform”, skandiert eine Gruppe Vermummter. Und natürlich: „Lügner, Mörder, Bullenschweine“.
Warum sie das tun, verraten sie mir nicht – auf das ARD-Mikro reagieren sie eher aggressiv. Ein Mülheimer Bürger ist da offener. Er hätte, sagt er, lieber „bei den Grünen gestanden“, aber „da war nichts mehr frei“. Erst macht er Witze über die Antifa-Vertreter neben sich. Doch auf meine Frage, wie er denn auf die bepöbelten Polizeibeamten zwischen diesen und anderen Fronten blickt, sagt er achselzuckend: „Augen auf bei der Berufswahl“.
Diese Nicht-Wertschätzung ist nur eine Anekdote. Doch Polizeibeamte – die keineswegs blauäugig in ihren Beruf schlittern – schildern vielfach, dass der Respekt ihnen gegenüber nachgelassen hat. Jeder wisse es besser, jeder absolviert offenbar gerade Jura für Anfänger via TikTok.
Zu offenen Drohungen durch Randgruppen – „Scheiß Bulle“, „Ich schlag Dich tot“, „Du gehörst verbrannt“ – scharen sich zudem herablassende Sprüche aus der Mitte der Gesellschaft. Warum man sich nicht „um die richtigen Kriminellen” kümmere. Auch das nerve.
Der Psychotherapeut Sven Steffes-Holländer, Chefarzt in Berlin, hat viel Erfahrung im Umgang mit Polizeibeamten, die wegen der beruflichen Dauerbelastung irgendwann Hilfe brauchen. „Körperliche Angriffe“, sagte er uns, „sind stabil auf hohem Niveau“. Was allerdings deutlich zugenommen habe, so schilderten es ihm Polizeikräfte, „seien Beleidigungen, Respektlosigkeiten, auch Störungen in der Polizeiarbeit.“
Hinzu komme der Druck, dass jeder Einsatz heute durch Handys mitgeschnitten werde. Die Befürchtung, „dass jeder unserer Schritte, jeder Satz später im Netz landet“ – für Polizeiangehörige sei das oftmals Alltag. Der krank machen kann.
Das ist nur ein Aspekt dessen, womit Polizeikräfte zunehmend konfrontiert sind. Es lohnt, einmal ihre Perspektive einzunehmen – das haben wir mit der Sendung versucht.