13 Oktober 2026

Steuergeld - 400 Milliarden Euro – jetzt liegt die Gesamtrechnung für die deutsche Migrationspolitik vor

Steuergeld
400 Milliarden Euro – jetzt liegt die Gesamtrechnung für die deutsche Migrationspolitik vor
Von Björn Harms, 13.10.2026, Lesedauer: 5 Minuten
Während andere Industriezweige zusammenbrechen, floriert der Asylkomplex. Leerstehende Hotels werden zu Goldgruben, landeseigene Firmen und NGOs profitieren. Unser Gastautor hat die Gesamtkosten recherchiert.
Gegenüber dem Berliner Volkspark Hasenheide zieht sich ein neunstöckiger Bürokoloss Hunderte Meter weit die Straße entlang, beige und leicht abgewetzt. Bis Ende 2022 saß hier die Deutsche Rentenversicherung, danach stand das Gebäude leer – ehe die Eigentümerin, die KapHag-Unternehmensgruppe, im Herbst 2023 auf eine geschäftstüchtige Idee kam: Sie bot den Bürokomplex dem Berliner Senat zur Miete an, der ihn zur Asylunterkunft umbauen ließ.
Seit dem 1. Oktober 2026 ist die Unterkunft für 921 Personen in Betrieb. Unterlagen des Berliner Senats aus dem November 2024 zeigen: Bei Abschluss des Mietvertrags kalkulierte die Hauptstadt für die Anmietung bis 2035 mit fast 165 Millionen Euro. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) spricht mittlerweile auf Nachfrage von knapp 150 Millionen Euro für Miete und Nebenkosten. Die Gesamtkosten ließen sich „noch nicht abschließend beziffern“. Auch die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die den Deal für den Senat eingefädelt hatte, hält dabei die Hand auf. Allein für den Vertragsabschluss erhielt sie eine Vergütung von über 930.000 Euro, dazu kommen bis 2035 monatliche Zahlungen in fünfstelliger Höhe.
Neben der Eigentümerin und den Verhandlern kassieren künftig auch Betreiber, Wachschutz oder Caterer ab – auf Kosten des deutschen Steuerzahlers. An der Berliner Hasenheide lässt sich im Kleinen besichtigen, wie der Asylkomplex im Großen funktioniert. Rund um die Masseneinwanderung nach Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Industrie gebildet.
Vom Notfall zum Geschäftsmodell
Zur Entfaltung kam dieser Komplex erstmals nach der Wiedervereinigung, als die Zahl der Asylanträge 1992 auf fast 440.000 stieg. Schon damals bildeten sich Strukturen, die bis heute an der Einwanderung verdienen oder von ihr profitieren: Heimbetreiber, Sicherheitsdienste, Immobilienbesitzer, Migrationsanwälte, Flüchtlingsräte oder Wohlfahrtsverbände.

12 Oktober 2026

DJV bemuttert Fabian Köster - Und jetzt Weichei gegen rechts (Cicero)

DJV bemuttert Fabian Köster -
Und jetzt Weichei gegen rechts (Cicero)
Wenn AfD-Politiker Siegmund und ZDF-Satiriker Köster ironisch streiten, bedient jeder sein Publikum. Eigentlich eine Win-Win-Situation. Doch jetzt erklärt der Deutsche Journalisten-Verband einen Witz zur Drohung – und Köster ungewollt zum Weichei.

11 Oktober 2026

«Alle machen alles mit KI» – erleben wir gerade das Ende der Universität, wie wir sie kennen? (NZZ)

«Alle machen alles mit KI» –

erleben wir gerade das Ende der Universität, wie wir sie kennen? (NZZ)
Es gibt keine Möglichkeit zu erkennen, ob eine Arbeit aus einem Hirn oder einer Maschine stammt. Damit bricht der Hochschulbildung ihre wichtigste Säule weg. Der grosse Report.
Reto U. Schneider (Text), Max Guther (Illustrationen), 


Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die schriftliche Arbeit zum Merkmal akademischer Bildung. Studierende sollten nicht nur passiv den Ausführungen der Professoren zuhören, sondern selbst forschen, die Seminararbeit als Miniaturform der grossen Wissenschaft. Am Ende der Ausbildung machte man eine Arbeit, die je nach Studium, Epoche und Schwierigkeit Diplom, Lizenziat, Bachelor, Master oder Dissertation hiess.
Ein dicker Packen bedrucktes Papier wurde zum Symbol höherer Bildung. In den vergangenen Jahrzehnten breitete sich diese Prämisse in der gesamten Bildungslandschaft aus wie eine Seuche. Keine Weiterbildung im Blumenstecken mehr ohne zehn Seiten mit vier Unterkapiteln und dreissig Fussnoten in Chicago-Style.
Der Weg zur schriftlichen Arbeit ist das Ziel - nicht die Arbeit selbst
Dabei geriet in Vergessenheit, worum es eigentlich ging: nicht um das Schriftstück selbst, sondern um seine Entstehung. Zwei Jahrhunderte galt die schriftliche Arbeit als verlässliches Fenster in den Kopf der Studenten. Wer eine Arbeit verfasste, lieferte nicht nur ein Dokument ab, sondern erbrachte den indirekten Beweis, dass er über ein Thema gescheit nachdenken kann, dass er fähig ist, zu recherchieren, zu argumentieren, abzuwägen und zu schreiben.

Der andere Blick - Warum der Iran-Krieg ganz anders verläuft, als die meisten Experten vorhergesagt haben (NZZ)

Der andere Blick

Warum der Iran-Krieg ganz anders verläuft, als die meisten Experten vorhergesagt haben (NZZ)
Iran wird gewinnen, Trump muss kapitulieren. Das war die Einheitsmeinung bald nach Ausbruch des Krieges. Der aber dauert immer noch an. Ein Lehrstück, wie blinder Hass auf Trump den nüchternen Blick trübt.
Von Eric Gujer, 07.10.2026, 6 Min
Selten waren sich die Beobachter einiger: Trump hatte sich von Israels finsterer Regierung in einen Krieg gegen Iran ziehen lassen, aus dem er nicht siegreich hervorgehen konnte. Sie fühlten sich nach dem Waffenstillstandsabkommen bestätigt: Trump müsse klein beigeben.
Wie man sich irren kann.
Mehr als sieben Monate dauert der Krieg schon an. Im Moment wird er zwar nicht mit Waffen ausgefochten, sondern mit einer Seeblockade.
Nachdem Teheran die Strasse von Hormuz gesperrt und den Rohölpreis nach oben getrieben hat, riegelt die US-Navy nun ihrerseits die Meerenge ab. Diese ist für iranische Schiffe unpassierbar, während Frachter unter amerikanischem Schutz das Öl zu den vor Hormuz ankernden Tankern bringen. Inzwischen erreichen die Exporte das Vorkriegsniveau.
Die Seeblockade ist eines der ältesten Mittel der Seekriegsführung. Schon die Spartaner wandten sie im Peloponnesischen Krieg erfolgreich gegen Athen an.
Die Grundidee ist einfach. Man muss nicht die gegnerischen Streitkräfte vernichten. Es genügt, den Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen zu unterbinden. Die Briten entwickelten die Methode gegen Napoleon und später gegen Deutschland zur Meisterschaft.
Amerika kann noch lange so weitermachen

Landtagspräsident Rausch - Inzwischen ist die AfD eine Partei, deren Mäßigung man fürchtet (WELT)

Landtagspräsident Rausch
Inzwischen ist die AfD eine Partei, deren Mäßigung man fürchtet (WELT)
Von Harald Martenstein, Freier Kolumnist und Autor, 11.10.2026, 4 Min
Tobias Rausch hielt als erster Landtagspräsident der AfD eine Rede, deren faire Grundhaltung so gar nicht zum Framing der AfD als neue Nazipartei passt. Ihr Inhalt wurde ignoriert.
Wer sich über den Aufstieg des Populismus immer noch wundert, sollte sich die berufliche Vergangenheit einiger AfD-Politiker anschauen. Tobias Rausch, neuer Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt, ist gelernter Kfz‑Mechaniker. Später hat er eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann draufgesattelt. Sein Stellvertreter Hans-Thomas Tillschneider ist promovierter Islamwissenschaftler und war Akademischer Rat in Bayreuth. Solche Karrieren gab’s früher auch in anderen Fraktionen. Heute sind sie dort selten geworden. Kein Wunder, dass viele Politiker die Welt da draußen nicht mehr verstehen.
Der erste machtpolitisch relevante Amtsträger aus der AfD hielt im Landtag eine Rede, an der nichts auszusetzen war. Hier zwei gekürzte Zitate.
„Ich werde dieses Amt nicht als Präsident einer Fraktion führen, sondern als Präsident des gesamten Landtages von Sachsen-Anhalt. Wer heute in der Minderheit ist, kann morgen Verantwortung für die Mehrheit tragen. Gerade deshalb müssen wir Regeln schaffen und bewahren, die wir auch dann noch für richtig halten, wenn sie unseren politischen Gegnern zugutekommen.“
„Diese parlamentarischen Gepflogenheiten dürfen nicht aus Partei- oder Fraktionskalkül außer Kraft gesetzt werden. Mein Versprechen lautet: Für jeden werden dieselben Regeln gelten. Für die größte Fraktion genauso wie für die kleinste. Für die Regierung genauso wie für die Opposition.“
Diese Rede, deren faire Grundhaltung so gar nicht zum Framing der AfD als neue Nazipartei passt, wurde medial eher klein gespielt. In der laut Umfragen stärksten deutschen Partei wird inzwischen auch darüber nachgedacht, nicht mehr einen Austritt aus der EU und dem Euro zu fordern. Nötig sei lediglich eine „Reform“ der EU.
Nazikeule nonstop

Mail von Martenstein: Lieber Peter Altmaier,

Mail von Martenstein: 07.10.2026
Lieber Peter Altmaier,
Sie waren lange für die CDU aktiv, auch als Minister. Auf X fragten Sie: „Warum schaffen wir es nicht, dass 50.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor für jüdisches Leben in Deutschland und gegen Antisemitismus demonstrieren?“
Gute Frage.
In Deutschland gibt es ganz sicher mehr als 50.000 Menschen, die entschieden gegen Antisemitismus sind. Aber die Straße gehört halt seit Langem der Linken. Für Großdemos sind ihre NGOs zuständig. Die Linke liefert zum „jüdischen Leben“ bestenfalls Pflichtbekenntnisse ab.
Falls nur deutsche Juden demonstrieren würden, alleine, kämen auch 50.000 zusammen, es gibt ja noch mehr als 200.000. Aber das wäre gefährlich für sie. Es gibt gar nicht genug Polizei, um sie in Deutschland zu schützen.
Wir beide wissen, welcher politischen Entscheidung des Jahres 2015 wir das zu verdanken haben.
Ich glaube, dass Judenhass auch mit der Tatsache zu tun hat, dass Juden oft erfolgreich sind. (Anm.: Juden stellen mehr als 220 und damit rund 22 % aller Nobelpreisträger, aber nur 0,2 % der Weltbevölkerung.) Als Kind hörte ich: „Fast alle Ärzte waren früher Juden!“ Ich fragte mich, was an Ärzten so schlecht sein soll.
Es war Neid. Auch deshalb kann Antisemitismus bei der Linken so gut andocken. Sie mag Erfolg nicht. Wenn jemand durch Willenskraft zu etwas kommt und sich nicht mehr für Opfererzählungen eignet, wird die Person meist zum Feindbild.
Lieber Herr Altmaier, warum veranstaltet nicht die CDU diese Großdemo, die Sie gern sehen würden?
Hochachtungsvoll 
Harald Martenstein

09 Oktober 2026

Linksbündnis „Rotlackierte Faschisten!“ (WELT)

Linksbündnis
„Rotlackierte Faschisten!“ (WELT)
Während Politik und Medien nach rechts starren, wo das Böse wohnt, marschiert der Extremismus von links ein. Wer das geschehen lässt, hat jedes Recht verwirkt, im Namen der Demokratie von „Brandmauern“ zu fabulieren.
Von Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, 09.10.2026, 6 Min
Der politische und mediale Betrieb in Deutschland – genannt die „Berliner Blase“ – hat sich über die letzten Jahrzehnte deutlich nach links verschoben. Dabei ist eine bemerkenswert einseitige Prägung der Begriffe gelungen: Rechts ist böse. Links ist gut – oder zumindest gut gemeint. Die Folgen dieser manipulativen Meisterleistung haben längst die Sphären der Psychologie verlassen und sind mit Wucht in der Realpolitik angekommen.
Während die Bevölkerung auf Bundesebene seit Jahren immer konservativer wählt (wenn man denn Union, FDP und AfD als konservativ, also zumindest nicht links bezeichnen will – von 45,9 Prozent 2002 auf 53,7 Prozent 2025), haben die meisten Politiker und Journalisten eine Negativfixierung auf alles, was rechts ist, entwickelt. „Rechts“ wird sogar in Schlagzeilen überregionaler Zeitungen als Schimpfwort benutzt. Die Abgrenzung nach rechts, wo das Böse wohnt, ist zum Comment, zur freiwilligen Selbstverpflichtung geworden. Nach links hingegen existiert diese Abgrenzung nicht. Verloren gegangen ist dabei auch die Differenzierung zwischen rechts und rechtsextrem und links und linksextrem.
So konnte es passieren, dass sogar eine von der CDU geführte Bundesregierung zwar jede Koalition und Kollaboration (inklusive Minderheitsregierung) mit der AfD kategorisch und mit gewichtigen Argumenten ausschließt, Beschlüsse mit Stimmen der Linken aber unbescholten herbeigeführt hat und eine Zusammenarbeit auf Landesebene vor der Wahl in Sachsen-Anhalt bewusst in der Schwebe hielt. Mal wurde es ausgeschlossen, mal nicht. Man müsse das Wahlergebnis abwarten, hieß es auf Nachfrage mehrfach. In Thüringen, wo Ministerpräsident Mario Voigt eine Minderheitsregierung anführt, hat sich die CDU soeben auf eine wöchentliche Abstimmung mit der Linken verständigt.
Doppelstandards samt Doppelmoral

Linke in Berlin „Die Linkspartei ist derzeit eindeutig die gefährlichste deutsche Partei“ (WELT)

Linke in Berlin
„Die Linkspartei ist derzeit eindeutig die gefährlichste deutsche Partei“ (WELT)
Ist Berlin noch sicher für Juden, wenn die Linke regiert? Für die Partei ist schon die Frage eine Frechheit. Viele Betroffene sehen es anders – und fürchten noch weiter reichende Folgen.
Von Marc Felix Serrao, Global Reporter, Stand: 05.10.2026, Lesedauer: 9 Minuten
Wer den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin treffen will, muss mehrere Sicherheitsschleusen passieren. Über dem historischen Gebäude im Herzen der Hauptstadt glänzt die goldene Kuppel der Neuen Synagoge. Vor dem Eingang fragen Polizisten den Besucher nach dessen Namen und Ziel. Hinter der Sicherheitstür laufen die Tasche und Jacke durch den Scanner. Danach folgen weitere, extradicke Türen.
Gideon Joffe, 54, führt die Gemeinde seit 2012 und hat sich an ein abgeschirmtes Leben gewöhnt. Kraftvoller Händedruck, breite Schultern, durchdringende Stimme: Kleinlaut wirkt der frühere Geschäftsmann nicht. Und doch sucht er an diesem Herbstnachmittag an seinem Konferenztisch oft lange nach den richtigen Worten. So schlecht wie jetzt sei die Stimmung selten gewesen, sagt er: „99 Prozent der Berliner Jüdinnen und Juden sind von dem Wahlerfolg der Linken alarmiert.“
25,7 Prozent: So viel holte die Linke bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September. Das Rekordergebnis könnte ihr erstmals die Führung der Hauptstadt bescheren. Seither streitet die Republik. Denn der Berliner Landesverband gilt nicht nur als besonders radikal, sondern als Brutstätte des Antisemitismus.
Unfair, sagen die Funktionäre. Gewiss, es habe Probleme gegeben, aber nichts, was sich nicht beheben ließe. Mit dieser Botschaft wirbt die Linke aktuell um Partner. 47 der 158 Sitze im Abgeordnetenhaus hat sie erobert, 80 braucht sie für eine Mehrheit. Mit SPD (22 Sitze) und Grünen (26) wäre Dunkelrot-Rot-Grün möglich – falls die beiden vergleichsweise moderat linken Parteien sich trauen.
Als Juniorpartner trügen sie das größte Risiko. Viele Beobachter fürchten, dass Kriminalität und Judenhass unter einem linksgeführten Senat eskalieren. In dem Fall wären SPD und Grüne in der Mithaftung. Und die Quittung bekämen sie vermutlich auch im Rest des Landes.
„Elif! Elif! Elif!“ Als die zierliche Frau in der schwarzen Bomberjacke einige Tage nach der Wahl den Saal betritt, springen die Genossinnen und Genossen auf und skandieren ihren Namen im Takt. Es ist ihr erster großer Auftritt seit dem Sieg, in einem rappelvollen Saal im Haus des „Neuen Deutschland“. Das Blatt war einst das Zentralorgan der SED. Heute heißt es „nd“ und steht der Linken nah, der Erbin der diktatorischen Staatspartei.