Das Märchen von der Energiewende: 75 Prozent des dt. Energieverbrauchs aus fossilen Brennstoffen
Gabor Steingart, 10.03.2026
Auf Deutschlands Flüssen wird mit schwerem Schiffsdiesel gefahren. Die zwei Medienschiffe von The Pioneer mit einer kombinierten Antriebsleistung von 420 Kilowatt (oder 571 PS) sind die ökologischen Spitzenreiter einer Binnenschifffahrt, die ansonsten wie vor einhundert Jahren betrieben wird.
Das Segment der Elektroautos wächst, aber so langsam, dass bisher keine Verkehrswende herbeigeführt wurde. Zwei Millionen reine Elektroautos fahren derzeit in Deutschland, das entspricht einem Anteil von rund vier Prozent aller Autos auf deutschen Straßen. Damit ist das Elektroauto noch immer ein Nischenprodukt.
#3 Die Industrie ist nach jetzigem Stand kaum zu elektrifizieren
Die Industrie verbraucht etwa 25 bis 30 Prozent der deutschen Energie. Viele Prozesse benötigen sehr hohe Temperaturen und chemische Reaktionen mit fossilen Rohstoffen – so zum Beispiel die Stahlproduktion mit Koks, die Chemieindustrie mit Erdgas als Rohstoff oder auch die Zementproduktion mit Kohle oder Gas.
Diese Prozesse sind technisch schwer zu elektrifizieren. Die Physik ist regelmäßig stärker als die Politik.
#4 Es gab keine Wärmewende
Die Gebäude und damit die privaten Haushalte sind für 40 bis 45 Prozent des nationalen Energieverbrauchs verantwortlich. Im Wärmesektor hat es de facto keine Energiewende gegeben. Hier gab es mit dem Heizungsgesetz des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck lediglich den untauglichen Versuch, den Hausbesitzern ihre Fossilität mit der Brechstange auszutreiben.
Erst weigerte sich das Bundesverfassungsgericht, dem Ansinnen zu folgen, im Schnelldurchlauf das entsprechende Gesetz durchs Parlament zu jagen. Danach fehlte die gesellschaftliche Akzeptanz für die zügige (und kostspielige) Elektrifizierung der Wohngebäude.
Gebäude stehen zwischen 50 und 200 Jahre, und damit ist dieser Teil der Energieversorgung der langsamste. Die Wärmewende wird kommen, aber in Jahrzehnten.
#5 Nur die Energiepreise sind rekordverdächtig
Deutschland
hat sich mit seiner Energiepolitik weltweit isoliert. Der staatlich
gewollte Ausbau der erneuerbaren Energien hat über die Stromsteuer, die
Netzentgelte und den Bau einer fossilen Doppelstruktur die Energiekosten in die Höhe getrieben, sodass Deutschland heute weit vor seinen Wettbewerbern, China, den USA und Frankreich liegt.
Fazit: Kurzfristig gibt es bei den Turbulenzen an den fossilen Energiemärkten für Deutschland kein Entkommen. Aber zeitnah muss das Land seine Energieversorgung neu organisieren. Der beste Zeitpunkt für ein Umsteuern wäre gestern gewesen – der zweitbeste ist heute.


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