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Der andere Blick NGO-Förderung in Deutschland: Endlich werden Mittel gestrichen (NZZ)
Der andere Blick NGO-Förderung in Deutschland: Endlich werden Mittel gestrichen (NZZ)
Der
deutsche Staat nimmt viel Geld in die Hand und will damit die
Demokratie stärken. Nun kommt das Programm auf den Prüfstand. Gut so –
doch es wäre auch nicht verkehrt, es ganz abzuschaffen.
Die
Demokratie in Deutschland ist ein schwächliches Pflänzlein, das
unentwegt gestärkt werden muss. Sonst kehrt eines Tages der Faschismus
zurück. Diesen Unfug glauben manche Politiker in Deutschland wirklich –
oder tun zumindest so. Daher lässt sich der Staat die sogenannte
Demokratieförderung einiges kosten.
Allein für das Programm «Demokratie leben»
gibt er dieses Jahr 191 Millionen Euro aus. Die Bildungs- und
Familienministerin Karin Prien will nun aber zum Jahresende 200 Projekte
auslaufen lassen. «Wir stellen das Programm grundsätzlich neu auf», sagte die Christlichdemokratin der «Welt am Sonntag».
Die Verteilung der Fördergelder an zahlreiche
Nichtregierungsorganisationen (NGO) solle anders geregelt werden, da
manches an dem Programm fragwürdig sei.
Längst
ist klar: Das gesamte Programm ist ausser Kontrolle geraten. Selbst das
Ministerium scheint keinen Überblick mehr zu haben darüber, was genau
gefördert wird. Es gibt kaum Mechanismen, um zu prüfen, ob das Programm
seinen Zweck erfüllt. Das liegt freilich auch in der Natur der Sache,
denn Demokratie ist keine messbare Grösse.
Programm mutmaßlich verfassungswidrig
Doch
damit nicht genug: Das Programm ist mutmasslich verfassungswidrig, weil
die gesetzliche Grundlage fehlt. Darauf wiesen zum Beispiel der
Bundesrechnungshof, die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags und
der Staatsrechtler Hubertus Gersdorf hin.
Wieso
finanziert der Staat ein mutmasslich verfassungswidriges Programm, über
das er den Überblick verloren hat? Weil SPD, Grüne und Linke das so
wollen. Es werden damit vor allem Nichtregierungsorganisationen aus dem
rot-grünen Milieu gefördert. Somit ist «Demokratie leben» nicht zuletzt
ein Instrument der linken Parteien – zur Förderung eines ihnen genehmen
Vorfelds.
Das
umfangreiche Programm hat viele Facetten. Nicht alles daran mag
schlecht sein. Die weltanschauliche Schlagseite ist aber nicht zu
übersehen. Ein prima Beispiel dafür ist eine Pressemitteilung der bayrischen Stadt Deggendorf,
die Anfang der Woche veröffentlicht wurde. Laut ihr investiert Priens
Bildungsministerium dieses Jahr allein in Deggendorf 50 000 Euro für
«zivilgesellschaftliche Aktionen».
Die
Bürger bekamen dort einen Vortrag über «Verschwörungsglauben und rechte
Esoterik in Krisenzeiten» zu hören – vom Beauftragten für Sekten- und
Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche. An den Schulen
findet ein sogenanntes Präventionstheater statt. Der Titel des Stücks:
«Ich bin kein Nazi, aber . . .». Jugendliche sollen damit über
«rechtspopulistische Manipulationstechniken» aufgeklärt werden.
Viel
einseitiger geht es kaum. Als ob Verschwörungsglaube und Esoterik
zwangsläufig von rechts kämen. Als ob es keine linkspopulistischen
Manipulationstechniken gäbe. Auch die Vermischung des
Nationalsozialismus mit dem Rechtspopulismus ist unsauber.
Rechtspopulisten sind keine Neonazis, genauso wie Linkspopulisten keine
Stalinisten sind.
Reichinneks Kritik ist überdreht Braucht
Deutschland ein Programm wie «Demokratie leben», und müssen dahin
Hunderte Millionen Euro Steuergeld fliessen? Die Frage drängt sich auf,
und es war höchste Zeit, dass Prien sie stellt. Die Reaktionen aus dem
linken Lager fielen überdreht aus. Die Linken-Fraktionschefin Heidi
Reichinnek fabulierte, dass Prien «die kühnsten Träume der AfD wahr
werden lässt».
Würden
sich die wildesten Träume der AfD auf das Gerangel um Fördermittel
beschränken, könnte der Verfassungsschutz sofort aufhören, die Partei zu
beobachten. Prien sollte sich von solchen Tönen jedenfalls nicht
beirren lassen.
Sie
will mit den Mitteln des Programms künftig verstärkt Schulen einbinden;
aber auch freiwillige Feuerwehren, Sportvereine und Bibliotheken. Gut
so, denn diese Institutionen entsprechen viel eher dem Ideal des
demokratischen Miteinanders als Vereine wie die Amadeu-Antonio-Stiftung
oder Hate Aid, die voraussichtlich von der Anpassung des Programms
betroffen sein werden. Die Stiftung steht weit links, und das Weltbild
von Hate Aid basiert auf einem verengten Begriff der Meinungsfreiheit.
Priens
Plan ist richtig, man kann aber auch die grundsätzliche Frage stellen,
ob staatliche Demokratieförderung überhaupt sinnvoll ist. Im Idealfall
konzentriert sich der Staat auf seine Kernaufgaben: Unheil von den
Bürgern abwenden und die Rahmenbedingungen für eine florierende
Wirtschaft schaffen. Wenn ihm das gelingt, warum sollte dann ein
relevanter Anteil der Bürger ernsthafte Zweifel an der Demokratie hegen
oder sie abschaffen wollen?
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