Focus Briefing -
Wadephul sagt, Wadephul meint
Tanit Koch 04.03.2026
Wadephul sagt, Wadephul meint
Tanit Koch 04.03.2026
Liebe Leserin, Lieber Leser,
ich war noch niemals in Dubai. Ich finde auch nicht, dass die Bundesregierung für die Urlaubsplanung der Bürger verantwortlich ist. Doch für ihre Sicherheit schon.
Diese Schutzpflicht gilt auch für die gut 30.000 Gestrandeten in den Wüstenstaaten. Sie brauchen Hilfe. Von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) gab es stattdessen Belehrungen
ich war noch niemals in Dubai. Ich finde auch nicht, dass die Bundesregierung für die Urlaubsplanung der Bürger verantwortlich ist. Doch für ihre Sicherheit schon.
Diese Schutzpflicht gilt auch für die gut 30.000 Gestrandeten in den Wüstenstaaten. Sie brauchen Hilfe. Von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) gab es stattdessen Belehrungen
Erst Sonntagabend bei „Caren Miosga“:
- Wadephul sagt: „Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte.“ Wadephul meint: selber schuld.
- Wadephul sagt: „Ich will hier natürlich keine Vorwürfe erheben.“ Wadephul meint: das Gegenteil.
- Wadephul sagt: „Wir haben nur das gemacht, was wir konnten, nämlich Reisewarnungen aussprechen. Keiner wusste, dass es zu dieser Zuspitzung kommen würde, aber es musste natürlich damit gerechnet werden.“ Wadephul meint: told you so.
Dann Montagabend im „heute journal“:
- Marietta Slomka: „Aber es gab keine förmliche Reisewarnung (...)“
- Wadephul sagt: „Doch …“ Wadephul meint: Doch.
- Slomka entgegnet: „Ja, am Samstag, als bereits die ersten Raketen flogen.“
- Wadephul sagt: „Doch, die gab es, die gab es. Es gab seit Januar Hinweise darauf, dass wir davon abraten, es gab auch eine förmliche Reisewarnung.“ Wadephul meint: ...bin schließlich auch hier in der Kälte geblieben.
- Wadephul sagt: „Aber es hilft ja jetzt nichts, die Menschen sind dort, wir müssen ihnen helfen.“ Wadephul meint: seufz.
- Slomka insistiert: „Aber, für Israel und Teheran, aber nicht für Dubai zum Beispiel.“
- Wadephul sagt: „Doch, Frau Slomka, für die Region auch.“ Wadephul meint: Ich weiß es besser, bin schließlich Minister.
Gestern korrigierte er den „Irrtum“.
Der Unterschied zwischen einer Reisewarnung und keiner Reisewarnung? Teils Tausende Euro. Warnt das Auswärtige Amt, kann eine Buchung meist ohne Abzüge storniert werden.
Ohne Warnung bleibt man womöglich auf den Kosten einer lange gebuchten
Fernreise sitzen. Hand aufs Herz: Hätten Sie storniert?
Deutsche Familien, die in Dubai festsitzen, berichten nun von psychischer Belastung, Detonationen, Dankbarkeit für die Raketenabwehr, fehlenden Kellern, geschlossenen Konsularschaltern und von der Hotline des Auswärtigen Amts, wo es heißt: „Wir kriegen auch keine Informationen.“
Krisenkommunikator Wadephul hatte Evakuierungen zunächst ausgeschlossen. Dann sagte er: „Für besonders vulnerable Gruppen (…) werden wir auch selber Maschinen bereitstellen. Das ist sozusagen das Mittel der zweiten Wahl.“ Schließlich gehe es um „Steuerzahlergeld“.
Auf einmal? Bei Menschen unter Raketenbeschuss? Klar müssen die Reiseveranstalter finanziell ran. Da es aber schnell gehen soll, ist Steuergeld, um Deutsche aus Gefahrenzonen zu holen, sinnvoller angelegt als an vielen anderen Stellen.
Heute soll der erste Rückholflug aus dem Oman starten. Allen weiterhin Gestrandeten kann man nur wünschen, dass auch sie bald in Sicherheit sind.

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