Schon 2024 hatte Fernandes maßgeblich bei einer ZDF-Doku zum Thema Deepfake-Pornos mitgewirkt, in deren zweitem Teil sie schließlich Anzeige erstattet hatte. Über Jahre hinweg habe ein Unbekannter unter ihrem Namen im Internet sein Unwesen getrieben, sexuell konnotierte Beziehungen mit Männern aufgebaut und sogar gefakte Nacktfotos und Pornovideos von ihr verschickt. Ende 2024, so Fernandes kürzlich auf Instagram, habe ihr Ehemann schließlich seine Urheberschaft eingestanden . Ob es sich tatsächlich so verhält, werden die Gerichte entscheiden müssen, denn auch für Ulmen gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Wer nun denkt, damit sollte die Öffentlichkeit es bis zur Urteilsverkündung bewenden lassen, hat nicht mit den diesbezüglich unbelehrbaren Teilen des politmedialen Komplexes gerechnet. Vergessen sind all die Fälle der vergangenen Jahre, in denen sich die Wahrheit im Lichte sauberer Gerichtsarbeit nachträglich ganz anders darstellte. Zu denken ist da an den Reputationsschaden zu Lasten eines Leipziger Hotels im Fall von Gil Ofarim, das im Rahmen der öffentlichen Vorverurteilung eine Antisemitismusdemonstration mit 600 Teilnehmern über sich ergehen lassen musste .
Grünen-Politikerin Ricarda Lang lobt währenddessen die NGO HateAid, welche in den letzten Jahren „Frauen wie Collien Fernandes geschützt“ habe . Tatsächlich hatte Geschäftsführerin Josephine Ballon ihren großen Auftritt gemeinsam mit Fernandes bereits in der ZDF-Doku zum Thema gehabt. Dabei handelt es sich um dieselbe Josephine Ballon, die in der CBS-Sendung „60 Minutes“ naseweis verkündet hatte: „Free speech needs boundaries!“, auf Deutsch: Freie Rede braucht Grenzen. Die amerikanische Regierung hatte sie aufgrund dessen zum Schutz der freien Rede mit einem Einreiseverbot belegt.
Das eigentliche Opfer
Eine
zarte Frau wie Collien Fernandes, digital gepeinigt durch ihren
ruchlosen Ehemann: Auf der Suche nach neuer Legitimation für die eigenen
autoritären Anwandlungen kann einer NGO wie HateAid nichts Besseres
passieren. Auch die Befürworter einer Klarnamenpflicht im Internet
dürften nun Morgenluft wittern. Doch wer denkt im Auge dieses
emotionalen Orkans an die dritte betroffene Person? Wer jetzt plant, den
Fall weiter politisch auszuschlachten, sollte innehalten und an die
13-jährige Tochter der beiden Kontrahenten denken. Sie ist das
eigentliche Opfer, wenn die Eltern zu Todfeinden werden und dabei von
Politikern, NGOs und Medien immer weiter angefeuert werden.
Ein Blick in die Vergangenheit hilft dabei, etwas Beruhigung in die Geschehnisse zu bringen. Denn es ist zu erahnen, dass die Beziehung der Eheleute von jeher eher unkonventionell verlaufen sein könnte. Welcher Film zwischen den beiden ablief, ist für Außenstehende nicht so einfach zu durchschauen. So kündigte Ulmen vor 13 Jahren vor laufender Kamera seine neue Show an, während seine Frau begeistert grinsend neben ihm stand. Jede andere hätte sich wahrscheinlich sofort scheiden lassen. Denn der Titel fasste den Inhalt perfekt zusammen. Er lautete: „Who wants to fuck my girlfriend?“ Die angeblich satirisch gemeinte Spielshow ging wenig später auf Sendung und hielt, was der Titel versprach.
Der Boden, der hier vorbereitet wird, trägt keine freiheitlichen Früchte
Auch
der spätere gemeinsame Werbevertrag für eine Online-Apotheke brachte
eher Fragwürdiges hervor. So zeigt ein Spot das Ehepaar gemeinsam im
Bett. Beide leiden vorgeblich unter Durchfall. Fernandes greift zum
Smartphone und tätigt souverän ihre Medikamentenbestellung. Der eher
hilflos wirkende Ulmen fragt erstaunt: „Kannst du das für mich auch
machen?“ Ihre rotzige Antwort darauf: „Du kannst es dir selber machen!“ –
Da ist selbst Ulmen plötzlich sprachlos und bleibt mit dem
Gesichtsausdruck eines gedemütigten Losers zurück. Sehen wir hier
wirklich ein Paar, das nach dem Dreh in archaisch-patriarchale Muster
zurückfällt, mit einer wehrlosen Frau als Opfer? Oder werden wir von
beiden Beteiligten unfreiwillig zu Spannern degradiert, zu Zeugen eines
würdelosen Ehekriegs, dessen tiefere Gründe wir nicht verstehen können?
Und warum sollten wir als unbeteiligte Öffentlichkeit das alles
eigentlich wissen wollen?
Ja. Fernandes’ Vorwürfe gegen Ulmen wiegen schwer. Doch es ist nun an
einem ordentlichen Gericht, sie aufzuklären. Die Politik sollte endlich
aufhören, sich zur Durchsetzung fragwürdiger Ziele des geifernden Mobs
zu bedienen. Erfreulicherweise verstehen immer mehr Menschen die
politische Absicht hinter dem plötzlichen Fokus auf einen prominenten
Einzelfall. Klar ist schon jetzt: Der Boden, der hier vorbereitet wird,
trägt keine freiheitlichen Früchte.

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