14 Oktober 2026

Links der Mitte demütigt die Union - Stockholm-Syndrom im Endstadium (Cicero)

Links der Mitte demütigt die Union -
Stockholm-Syndrom im Endstadium (Cicero)
Die SPD marschiert zum Bebelplatz, paktiert mit Linksradikalen und entmenschlicht die Union. Rot-Rot-Grün formiert sich offenkundig zum letzten Gefecht – doch die CDU hört die Signale nicht. Das ist Stockholm-Syndrom im Endstadium.
VON BEN KRISCHKE am 13. Oktober 2026 8 min
„Welches Interesse sollte die Linke oder die SPD oder die Grünen daran haben, die CDU dort weiter auseinanderzubauen?“, fragte kürzlich rhetorisch Robin Alexander in seinem Podcast Machtwechsel. Anlass waren die vier Stimmen für den AfD-Politiker Tobias Rausch bei seiner Wahl zum Landtagspräsidenten, die weder von der AfD noch vom BSW gekommen waren.
Robin Alexander gehört zu jenen Hauptstadtjournalisten, die ganz nah dran sind an der Politik. Einer, der das System wirklich kennt, seine Protagonisten, seine Schauplätze, seine Zusammenhänge. Wenn Alexander politische Vorgänge analysiert, hat das entsprechend Gewicht. Deshalb hockt er auch ständig bei Markus Lanz. Er beobachtet das politische System aber nicht nur, er ist auch Teil davon.
Kein Wunder also, dass Alexander die Fantasie fehlt, sich vorzustellen, dass Linke, SPD oder Grüne für Rausch stimmten. Das widerspricht nämlich der bisherigen Brandmauer-Logik des Systems: Bloß nicht mit der AfD! Ich bin da offener – und hier sogar bei Friedrich Merz. Der stellte kurz nach Rauschs Wahl eine mögliche „False-Flag-Operation“ immerhin in den Raum.
Trio Infernale
Was man so hört, neigt der Bundeskanzler zur Paranoia. Er soll zum Beispiel glauben, dass manche konservativen Medien – alte wie neue – ihm schaden und dadurch den Weg frei machen wollten für die AfD. Der Axel-Springer-Verlag etwa und Angebote wie Nius. Ich glaube, da liegt Merz falsch. Rechts der Mitte will man die Union nicht kaputtmachen. Man will, dass die Union rechte Politik macht – und links endlich vorbei ist. Wie Merz es versprochen hat nach dem Wahlsieg der Union bei den Bundestagswahlen. 
Links der Mitte sieht es da schon anders aus. Vieles deutet gerade darauf hin, dass sich SPD, Grüne und Linke jetzt als Trio Infernale auf das letzte Gefecht vorbereiten – und dafür der Union noch maximal schaden wollen, bevor die Koalition endet und der Lagerwahlkampf beginnt. Und was bietet sich dafür besser an in der Nazi-Psychose-Republik Deutschland als irgendwas mit Nazis? Eben. 
Wie gesagt, es ist nur eine Theorie: Aber wäre ich einer aus dem linksgrünen Milieu, der der Union maximal schaden wollte, hätte ich genau das getan: Ich hätte in einer geheimen Wahl für Tobias Rausch gestimmt, das der Union in die Schuhe geschoben und dann einen wort- und bildgewaltigen Protestmarsch zum Bebelplatz organisiert. Dort hätte ich der Union dann vorgeworfen, sich zum Steigbügelhalter des Faschismus gemacht zu haben – und mich selbst zum Widerstandskämpfer erklärt. Besser gehts ja kaum.
Aber selbst wenn das keine „False-Flag-Operation“ war, wenn also wirklich vier Christdemokraten für Rausch stimmten, war dieser Protestmarsch trotzdem völlig drüber – und vor allem: schlecht inszeniert. Die SPD – das merkt sofort, wer sich die Bilder ansieht und keine Nazi-Psychose hat – leistet keinen Widerstand, sie inszeniert einen. Als hätte man Widerstandskampf bei Temu bestellt. Und warum? Weil sie damit die Union ab- und sich selbst aufwerten wollte. Mit dem größtmöglichen Schrecken, den deutsche Debatten zu bieten haben: dem Nationalsozialismus.

Was für ein Theater

Dass man links der Mitte der Union nichts Gutes will, zeigt sich auch sehr deutlich am neuerlichen Theater um den Rücktritt von Bärbel Bas. Am Spin der SPD nämlich, dass die Union total gemein gewesen sei, ja, Bas „unmenschlich“ behandelt hätte, wie es Manuela Schwesig formuliert – und an den Reaktionen vom Spiegel bis zu „Hart aber fair“, die diesen Spin eins zu eins zu übernommen haben: böse Union, arme Bärbel Bas.

Wobei der dümmste Beitrag vom Handelsblatt kam. Ausgerechnet von einer Zeitung also, welche die Ökonomie im Namen trägt und von der man erwarten würde, die Dringlichkeit von Reformen zu verstehen – Todesfall hin oder her. Laut Handelsblatt sollen Bas „Grenzüberschreitungen widerfahren“ sein. Hinter den Kulissen sollen CDUler nämlich „gestichelt“ haben. Das ist kein Journalismus, das ist SPD-Pressestelle.

Wir reden von einer jetzt ehemaligen Arbeitsministerin, die so inkompetent war, dass ihre Ausführungen am Arbeitgebertag 2025 spontanes Gelächter auslösten. Wir reden von einer jetzt ehemaligen SPD-Chefin, die innerhalb der schwarz-roten Koalition so destruktiv war, dass sie Reformen blockierte und verschleppte – und Kanzler Merz unterstellte, „Bullshit“ zu erzählen. Bas war kein Opfer. Bas war eine Fehlbesetzung. 

Und zweitens, weil die SPD das kann

Wenn Sie mich fragen, ist das Verhalten der SPD hinterfotzig, wie man in Bayern sagt. Weil man ein Streithansl ist, aber einen auf armes Hascherl macht: Die SPD marschiert zum Bebelplatz, wo Boris Pistorius und Matthias Miersch der Union unterstellen, sich zum Steigbügelhalter des Faschismus gemacht zu haben. Und nur eine Woche später beschwert sich dieselbe SPD über einen zu rauen Ton in der „politischen Mitte“. Wie SPD-Chef Lars Klingbeil im „Brennpunkt“ der ARD. 

Dort sprach der SPD-Chef über den Trauerfall von Bas und über „politische Attacken“ der Union. Auf die Frage, ob er eine konkrete Attacke nennen könne, wich Klingbeil aus. Es soll, sagte er, intern „Druck“ bezüglich der Reformen gegeben haben. Obwohl man doch von Schicksalsschlag wusste. Jetzt mal ernsthaft, Herr Klingbeil: Bärbel Bas war als Arbeitsministerin keine Ich-AG. Bas hatte einen ganzen Apparat unter sich. Vom Staatssekretär bis zur Verwaltungsfachkraft. 

Doch offenbar gelten im besten Deutschland, in dem wir jemals lebten, gewisse Selbstverständlichkeiten nicht mehr: dass eine Ministerin einfach ihren Job macht zum Beispiel. Den Job, für den sie sehr gut bezahlt wird und der ihr sehr viele Privilegien beschert. Nein, offenbar zählen die Gefühle einer Ministerin jetzt mehr als das Wohl des deutschen Volkes. Jedenfalls versucht die SPD, uns das weiszumachen. In eigener Sache, versteht sich. Weil man die Union als Partei der Unmenschen darstellen will. Und warum? Weil man's kann.

CDU in der Defensive

Zur Demontage einer Partei gehören immer zwei dazu. Die, die demontieren, und die, die das mit sich machen lassen. Zu beobachten auch am Dienstag wieder bei „Hart aber fair“. Der Linken-Politiker Jan van Aken warf der Union wegen Bärbel Bas vor, „keinen Anstand“ mehr zu haben und ein „herzensloser Verein von karrieregeilen Männern“ zu sein. Und was macht der ebenfalls anwesende CDU-Politiker Nathanael Liminski?

Liminski geht nicht etwa in die Offensive und zeigt van Aken, wo der Christdemokrat den Kampfgeist hat. Nein, er geht in die Defensive. Er spricht davon, dass der Tod der 53-jährigen Stieftochter von Bas nicht jedem in Berlin bekannt gewesen sei. Das ist derselbe Liminski übrigens, der vor einigen Wochen bei der taz zu Gast war und dort im Brustton der Überzeugung erzählte, er würde nie zu Nius gehen. Derselbe Liminski, der einst als konservative Hoffnung der Union galt – und sich heute von Linksaußen demütigen lässt. 

Übrigens die Krux an der Sache: Das linke Lager hasst die Union. Ganz egal, wie sehr sich die CDU auch anbiedert. Im Gegenteil: Je mehr sich die CDU unterwirft, desto mehr wird sie getreten. Was Bundesfamilienministerin Karin Prien allerdings nicht davon abhält, einen Kurswechsel zu fordern, weil ihre Partei angeblich zu konservativ geworden wäre. Was, frei nach Bärbel Bas, offenkundig Bullshit ist. Das Gegenteil ist richtig: Die CDU ist nicht konservativ genug, um dem linken Lager irgendwas entgegenzusetzen. Das macht jetzt die AfD. 

Niemals mit der AfD!

Die Union wird fortlaufend geprügelt und gedemütigt von links der Mitte. Von „Hart aber fair“ – wo es freilich viel Applaus gab für Jan van Aken, weil Klamroth halt Antifa-TV für Wohlstandsverwahrloste macht – bis zur Regierungskoalition mit der SPD, die ganz offensichtlich eine toxische Beziehung ist. Und alles, was der CDU-Führung dazu wirklich einfällt, ist ein Bekenntnis, das links der Mitte eingefordert wird, weil es einer Machtgarantie für das linke Lager gleichkommt: Niemals mit der AfD! Währenddessen paktieren SPD und Grüne ganz selbstverständlich mit Linksradikalen.

Keinen Mut. Keine Courage. Keine Solidarität mit den eigenen Leuten. Was die CDU treibt, ist keine Politik mehr. Das ist Stockholm-Syndrom im Endstadium. Links der Mitte formiert man sich zum letzten Gefecht – und die CDU glaubt immer noch, dass das alles schon wieder wird mit der SPD. Das ist wie mit dem Mann, der seine Frau prügelt und trotzdem wieder reingelassen wird. Weil er doch eigentlich ein guter Kerl ist. Die CDU rennt ihrem Untergang entgegen – und reißt das Land mit in den Abgrund. Einfach unfassbar.

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