Das war nie so recht überzeugend, denn auch das Pentagon kennt die Militärgeschichte. Heute wirkt es allerdings so, als besässen im Gegenteil die Militärs und Mullahs keine Strategie gegen den «grossen Satan».
Die iranische Wirtschaft geht vor die Hunde.
Zwar bunkert das Regime Öl auf Schiffen ausserhalb der Strasse von Hormuz. Doch diese Vorräte schmelzen, und damit auch die überlebenswichtigen Einnahmen.
Die Inflation hat astronomische Höhen erreicht. Lebensmittel verteuern sich, wenn sie überhaupt noch erhältlich sind.
Unternehmen müssen die Produktion einstellen, was wiederum die Arbeitslosigkeit anheizt.
Das Volk leidet, muckt aber nicht auf. Allerdings müssen die Revolutionswächter die Schraube der Repression immer weiter anziehen.
Noch halten sie auch an der Charade des unsichtbaren religiösen Führers fest. Mit jedem Tag, an dem sich Mojtaba Khamenei nicht in der Öffentlichkeit zeigt, wird diese Fiktion fadenscheiniger.
Irgendwann wird der Betrug auffliegen, und die herrschende Junta verliert eine weitere Legitimationsquelle.
Derzeit rechnet niemand mit einer innenpolitischen Explosion. Zumal das britische Beispiel die Grenzen einer Seeblockade aufzeigt.
Der Feind wird zwar langsam stranguliert, muss aber nur selten unmittelbar kapitulieren. Weder Napoleon noch Deutschland wurden allein auf diese Weise bezwungen.
Doch lange schien es, als arbeite die Zeit für Iran und gegen Trump. Dem ist nun nicht mehr so. Amerika kann den Krieg, den es angeblich schon verloren hat, zu tragbaren Kosten fortführen – jedenfalls bis zur Wahl des nächsten Präsidenten.
Es sind die Mullahs, die jeden Tag ein bisschen mehr ums Überleben kämpfen müssen.
Bisher galt in Washington ein unverrückbares Axiom: «Trump always chickens out.» Trump gibt immer nach.
Doch das zählt zu den zahllosen Klischees, die über den Präsidenten kursieren. Der probiert gerne aus, wie weit er gehen kann, und krebst zurück, wenn die Nachteile überwiegen. So im Zollstreit mit der ganzen Welt und im Konflikt mit der EU um Grönland.
Im Krieg gegen Iran zeigt Trump hingegen Härte. Er lässt sich nicht davon beeindrucken, dass er bei den Zwischenwahlen eine saftige Niederlage erleiden könnte.
Der Präsident straft seine zahllosen Kritiker Lügen. Diese sollten sich endlich zu der Einsicht durchringen, dass Emotionen keine nüchterne Analyse ersetzen.
Abscheu und Hass allein genügen nicht, um das Phänomen Trump zu erklären. Trotz Sprunghaftigkeit und bizarren Reden beweist er ein erkleckliches Mass an Rationalität.
Offensichtlich ist, dass die Revolutionswächter einen besseren Deal bekommen, wenn sie vor den Zwischenwahlen ein Abkommen aushandeln und Trump Wahlkampfhilfe leisten.
Dieses Zeitfenster schliesst sich rasch. Danach ist der Präsident zwar innenpolitisch eine lahme Ente, behält aber aussenpolitisch seine Handlungsfreiheit. Warum sollte er dann nachgeben, wenn er es jetzt nicht tut?
Auf der Strasse zum Sieg befindet sich Trump deswegen noch nicht. Seine Drohung, nach den Wahlen mit frischen Truppen eine vernichtende Offensive zu starten, ist Theaterdonner.
Die iranischen Militärs besitzen erst recht keine Antwort darauf, wie es weitergehen soll.
Zwar haben sie jüngst wieder mehr Schiffe angegriffen. Doch schien die Sperrung der Strasse von Hormuz vorübergehend eine mächtige Waffe in ihren Händen zu sein, erweist sie sich jetzt nur als eine Etappe in einem sich fortlaufend entwickelnden Geschehen.
Kriege nehmen eben immer neue Wendungen. Diese Lehre hätten die Trump-Kritiker schon aus dem Ukraine-Konflikt ziehen können. Man darf nie den Einfallsreichtum von Kriegsparteien unterschätzen: nicht den von US-Generälen, aber auch nicht denjenigen ihrer iranischen Pendants.
Die EU wirft ihre Prinzipien über den Haufen
Teheran kann die Kampfhandlungen an anderer Stelle wieder aufnehmen und erneut seine Nachbarn am Persischen Golf oder Israel beschiessen. Darauf verzichtet das Regime allerdings weitgehend. Es lässt nur Hilfstruppen gelegentlich losschlagen, etwa die Huthi in Jemen und irakische Milizen.
Offenbar schätzen die Revolutionswächter trotz ihren markigen Durchhalteparolen die Rückkehr zu einem bedingungslosen Krieg als zu riskant ein.
Herrscht bei den Revolutionären Ratlosigkeit, oder greifen sie zum letzten Strohhalm aller Fanatiker: zum von allen Fakten befreiten Glauben an den Endsieg? Niemand weiss es. Kriege sind unberechenbar.
Das wollen auch viele Unterstützer der Ukraine nicht wahrhaben, die eine Niederlage Kiews kategorisch ausschliessen, solange der Westen nur genügend Geld und Waffen liefert.
Die Europäer pflegen Trump vorzuhalten, er führe den «falschen» Krieg – gegen Teheran und nicht gegen Moskau.
Doch das offenbart nur den Unterschied zwischen Weltmacht und Vasall. Die Weltmacht führt den Krieg, den sie für richtig hält. Der Vasall muss ihn erdulden.
Europa ist erst dann eine Weltmacht, wenn es ebenso souverän zu handeln vermag.
Das hindert Politiker in der Zwischenzeit nicht daran, starke Meinungen zu artikulieren. Der damalige britische Premierminister Keir Starmer erklärte im Frühjahr, er habe «es satt», wenn wegen Trump und Putin die Energiekosten stiegen.
Der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil spricht von einem «verantwortungslosen Krieg» Trumps und beklagte die «Auswirkungen, die wir an den Zapfsäulen spüren».
Europäische Staatsmänner – vor allem die sozialdemokratischen – betrachten den Persischen Golf aus der Froschperspektive des frustrierten Tankstellenkunden.
Strategische und geopolitische Überlegungen scheinen ihnen fremd zu sein. Keiner von ihnen spricht die einfache Wahrheit aus, dass Iran zusammen mit dem Islamismus die grösste Bedrohung der westlichen Sicherheit im Nahen Osten ist.
Deswegen setzten Grossbritannien, Deutschland und Frankreich vor einem Jahrzehnt alles daran, gemeinsam mit den USA Teheran zu einem Atomabkommen zu bewegen. Die Methoden variieren, das Ziel bleibt dasselbe: die Eindämmung Irans.
Auch die Europäer leiden an «Morbus Trump», einer krankhaft übersteigerten Allergie gegen den Mann im Weissen Haus.
Besonders heftig erkrankt ist Ursula von der Leyen. Sie trug Kanada eine in den Verträgen der Union nicht vorgesehene «assoziierte Mitgliedschaft» an, nur weil dessen Regierungschef Mark Carney momentan die Galionsfigur des Widerstandes gegen Trump ist.
Die Präsidentin der EU-Kommission versprach, sie werde das Verhältnis «auf die höchstmögliche Stufe» heben, in dieser «offen feindlichen Welt».
Bisher gestand Brüssel seinen Partnern keine Extrawürste zu: nicht der Schweiz, nicht Grossbritannien, als es vor dem Brexit um Ausnahmen bei der Personenfreizügigkeit bat. Das gilt nun offenbar nicht mehr.
Vielleicht sollte die Schweiz hart bleiben und das neue Vertragspaket mit der EU ablehnen. Wer kann jetzt noch ausschliessen, dass die Union doch am Ende nachgibt und einem für die Schweiz günstigeren Ergebnis zustimmt?
Aus Antipathie gegen Trump handelt sich Brüssel bereitwillig Probleme an anderer Stelle ein. Gegen so viel Aktionismus und Opportunismus wirkt der amerikanische Präsident geradezu berechenbar.

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