VON BEN KRISCHKE am 12. Oktober 2026 5 min
„Erst kritische Journalisten unter Druck setzen, dann Sender abwickeln wollen: Das ist kein Medienkonzept, das ist pure Einschüchterung“, findet der Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Mika Beuster. Und er findet auch: Wer kritische Berichterstattung mit der beruflichen Existenz verknüpfe, überschreite eine rote Linie.
Anlass dieses Echauffierens ist eine Begegnung, die es in den vergangenen Monaten häufiger gegeben hat: zwischen dem AfD-Spitzenpolitiker und vielleicht künftigen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, und dem ZDF-Satiriker Fabian Köster, der im Auftrag der Heute-Show als „Reporter“ unterwegs ist.
Eine Win-Win-Situation
Diese Aufeinandertreffen laufen immer gleich ab: Köster konfrontiert Siegmund auf satirische Art und Weise mit gewissen Vorwürfen – etwa zur politischen Vergangenheit einzelner Mitarbeiter oder zur Vetternwirtschaftsaffäre der AfD – und Siegmund hält dagegen, indem er selbst in Ironie verfällt und sich über Köster lustig macht.
Wie Kohl mit Journalisten umsprang: Der Erkenntnisgewinn dieser Frotzeleien ist gleich null. Was für ihren Erfolg im Netz nicht entscheidend ist. Wichtiger ist ihr Unterhaltungswert. Siegmund und Köster streiten stellvertretend für zwei Lager, die sich spinnefeind sind: linke ÖRR-Zuschauer und AfD-Wähler. Und jeder bedient sein Publikum. Köster sammelt Material für die Heute-Show, das in seinem Sinne aufbereitet und einem Publikum präsentiert wird, das die AfD sowieso schlimm findet. Und Siegmund holt sich Applaus aus dem eigenen Lager, weil er voll draufgeht, statt wegzulaufen. Eine Win-Win-Situation.
Zwangsfinanzierte Zentralorgane
Aufeinandergetroffen sind Siegmund und Köster auch kürzlich wieder. Nach der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt kam es erneut zu einer Frotzelei. Köster gegen Siegmund, Siegmund gegen Köster. Alles wie immer also. Wäre da nicht der DJV, der jetzt versucht, daraus eine Drohung gegen Köster abzuleiten. Hierzu muss man wissen: Der DJV ist eine linke Gewerkschaft, die nur für sich und theoretisch für ihre Mitglieder spricht. Eine Antifa-Butze mit irgendwas mit Medien eigentlich.
Was hat Siegmund also bloß getan? Hat er Köster Prügel angedroht, falls der nicht wenigstens versucht, sich endlich einen Flaum wachsen zu lassen? Hat er ihm gedroht, sein Lastenrad kurz und klein zu hauen, sollte sich Köster auch der nächsten Simson-Ausfahrt verweigern? Hat Siegmund ihn gar am Kragen gepackt, weil Köster die erste Strophe des Deutschlandliedes nicht singen wollte?
Tatsächlich hat Siegmund einen Witz gemacht. Einen, der ein bisschen gemein war, aber nur einen Witz. Im ironischen Wortgefecht mit Köster sagte er: „Was machen Sie, wenn wir dieses Jahr noch den Medienstaatsvertrag kündigen? Haben Sie sich schon einen Job besorgt?“ Außerdem klopfte Siegmund Köster auf die Schulter und begrüßte ihn in der „neuen Welt“.
Der DJV stellt die Szene so dar: „Siegmund hatte Köster nach der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt nahegelegt, sich einen neuen Job zu suchen. Zugleich verwies Siegmund auf die Kündigung des Medienstaatsvertrags“ – und veröffentlicht eine Pressmitteilung, die überschrieben ist mit „Siegmund (AfD) droht ZDF-Reporter mit Jobverlust“.
Doch die Darstellung des DJV ist, frei nach Bärbel Bas, leider Bullshit. Siegmund legte Köster gar nichts nahe. Er fragte ihn etwas. Siegmund drohte Köster auch nicht, er lieferte sich ein ironisches Wortgefecht auf Augenhöhe. Der Rest ist nur böswillige Interpretation des DJV. Was viele Medien, darunter der Stern, ntv und die Frankfurter Rundschau, nicht davon abgehalten hat, den Spin des DJV eins zu eins zu übernehmen.
Antifa-Butze mit irgendwas mit Medien
Hinzu kommt, dass Siegmund, selbst wenn er wollte, Köster gar nicht mit Jobverlust drohen könnte. Wenn Sachsen-Anhalt den Medienstaatsvertrag kündigen würde, wäre das ZDF davon nicht direkt betroffen, sondern nur der MDR als Teil der ARD. Das weiß wahrscheinlich auch der DJV. Und versucht trotzdem, Stimmung zu machen. Wegen eines ironischen Wortgefechts zwischen einem Politiker und einem Satiriker, der übrigens gar kein Journalist ist. Weshalb sich außerdem fragen lässt, warum sich der DJV hier überhaupt zuständig fühlt.
Jedenfalls ist und bleibt der DJV eben eine Antifa-Butze mit irgendwas mit Medien. Und in dem Glauben wahrscheinlich, Köster in seinem Kampf gegen rechts unterstützen zu müssen – schließlich droht das Vierte Reich –, hat sich der DJV jetzt obendrein als Heulsuse geoutet – und Köster ungewollt zum Weichei erklärt. Zu einem Satiriker, der sich nicht ohne Bemutterung mit einem AfD-Politiker anlegen kann. Wenn das mal keine Steilvorlage für Siegmund ist – für die nächste Frotzelei.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen