Schliesslich
die Geopolitik. Selbst die USA können die Weltordnung nicht mehr nach
Belieben setzen, weder im Nahen Osten noch in der Ukraine. China, Indien
und andere Akteure verfolgen eigene Interessen und fühlen sich weniger
an gemeinsame Regeln gebunden. Macht ist stärker verteilt als früher.
Was heisst das für Deutschland? Falsch wäre der Schluss, Politik könne ohnehin nichts mehr. Dieses Gefühl aber teilen viele Bürger, wie Umfragen nahelegen. Wird Ohnmacht zum dominanten Eindruck, verliert Politik ihren Kern. Dann wählt man keine Parteien mehr, denen man Gestaltung zutraut, sondern jene, die versprechen, was man gerne hören möchte.
Hier kann – und muss – der Staat steuern
Ebenso falsch wäre der gegenteilige Schluss, auch wenn er nicht zuletzt im Kommentariat weit verbreitet ist: Politik könne alles, wenn sie nur wolle. Das ist ein Irrtum.
Der Handlungsrahmen ist begrenzt. Aber er ist nicht verschwunden. Es gibt Bereiche, in denen der Staat volle oder weitgehende Hoheit hat.
Dazu gehören in hohem Masse die Sozialsysteme. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit, über die gerade gesprochen wird. Die immer weiter steigenden Lohnnebenkosten hängen an Regulierung und deutscher Gesetzgebung. Die Anreize, zu arbeiten, und die Anreize, früh in Rente zu gehen – sie sind hausgemacht. Das Genehmigungsrecht ist komplex, endet aber weitgehend an den deutschen Grenzen. Energieabgaben und bürokratische Lasten stammen teilweise aus Europa, werden in Deutschland aber oft noch einmal verschärft.
Nicht Brüssel ist dafür verantwortlich. Nicht Washington. Nicht Peking. Sondern Berlin.
Viele
demokratische Parteien glauben inzwischen, Bürger vor allem mit dem
Versprechen entschlossener Problemlösung von den politischen Rändern
zurückgewinnen zu können.
Bürger verlangen keine Wunder – aber Arbeit
Allmacht erwarten die Leute nicht, aber sichtbare Priorisierung. Das Verständnis für die Grenzen von Politik ist durchaus vorhanden. Bürger akzeptieren Grenzen – wenn sie sehen, dass dort gehandelt wird, wo Handlung möglich ist.
Bürger akzeptieren auch schwierige politische Entscheidungen und hohe Belastungen – solange sie den Eindruck haben, dass der Staat weiss, was er tut. Vertrauen entsteht durch sichtbare Kompetenz im Alltag. Wenn Behörden funktionieren. Wenn Infrastruktur funktioniert. Wenn politische Entscheidungen als Entscheidungen erkennbar sind und nicht als blosses Reagieren auf Ereignisse.
Diese Regierung wird die Welt nicht umstürzen. Nicht mit ihren inneren Widersprüchen. Nicht mit ihren begrenzten Möglichkeiten, international Führung auszuüben. Und nicht mit dem Grad an Einigkeit darüber, wohin die Reise überhaupt gehen soll.
Den eigenen Vorgarten kann sie umgraben. Das muss reichen. Aber es muss jetzt geschehen.

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