Wie ein intoleranter Islam den Schulalltag erobert (Cicero)
Aber auch Schulbeschäftigte wie Lehrkräfte und Sozialpädagogen werden häufig zu Opfern und beklagen eine zunehmende Verrohung der Kinder und Jugendlichen. Dem Gewalt- und Konfliktbarometer zufolge spricht jeder zehnte Schüler von der 9. bis zur 12. Klassenstufe von einem Druck, religiöse Regeln, darunter beim Essen oder bei der Kleidung, befolgen zu müssen. 40 Prozent der muslimischen Neuntklässler sind der Ansicht, dass religiöse Regeln vor den Schulregeln Vorrang haben. Derselben Ansicht sind außerdem 33 Prozent der christlichen und 18 Prozent der atheistischen Schüler.
Diese Zahlen sind alarmierend. Sie belegen, dass das säkulare Konzept von Schule, das in Deutschland seit 1949 gilt, massiv in Frage gestellt wird. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Handys in den Schulen soziale und religiöse Konflikte schüren, wird er durch diese Studie erbracht. Die Bildungspolitik sollte die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.
Das Christentum schwindet, der Islam erstarkt
Mit den Migrationsströmen aus Nahost, Nordafrika und Afghanistan seit 2015 ist auch ein streng gehandhabter Islam nach Deutschland eingewandert. Er trifft auf ein Nachlassen der konfessionellen Bindung der Deutschen, die sich in der hohen Zahl an Menschen manifestiert, die aus beiden christlichen Kirchen austreten. Mehr als 600.000 Menschen haben sich im Jahr 2025 von den beiden großen Kirchen verabschiedet. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) registrierte 2025 rund 350.000 Austritte, der Katholischen Kirche kehrten gut 307.000 Menschen den Rücken. Zum ersten Mal in der Geschichte ist weniger als die Hälfte der Deutschen Mitglied in einer christlichen Kirche.
Bei den nach Deutschland
kommenden Muslimen bestätigt sich eine Eigenart, die Migrationsforscher
„Identitätsvergewisserung“ nennen. Die strenge Pflege der mitgebrachten
religiösen und kulturellen Identität hilft den Flüchtlingen in der
Diaspora, das als fremd empfundene Lebensumfeld zu meistern. Die grüne
Politikerin Katrin Göring-Eckardt, ehemalige Vize-Präsidentin des
Deutschen Bundestags, hat schon auf dem Parteitag der Grünen am 20.
November 2015 – also im Jahr des großen Flüchtlingszustroms –
vorhergesagt, was auf Deutschland zukommt: „Deutschland wird bunter
werden. Ja, wie toll ist das! Das haben wir uns immer gewünscht.
Wahrscheinlich wird es auch religiöser werden. Na klar. Unser Land wird
sich ändern, und zwar drastisch. Und ich sag’ euch eins: Ich freu mich
drauf!“
Als Lehrer kann ich mich noch gut daran erinnern, wie die Grünen in Berlin (damals nannten sie sich „Alternative Liste“) dem christlichen Religionsunterricht den Kampf angesagt hatten. Die Unterweisung im Christentum galt den Grünen als reaktionär und weltfremd. Im Verein mit der SPD drängten sie in den Sekundarschulen den Religionsunterricht in eine Nische, indem sie ihm den verpflichtenden Ethik-Unterricht entgegensetzten. So wurde Religion zum freiwilligen Zusatzfach herabgestuft. Der grüne Selbsthass und die dazu komplementäre Fremdenliebe führten dazu, dass man sich über die Zuwanderung von strenggläubigen Muslimen freute, gleichzeitig aber ein bewährtes System des christlichen Religionsunterrichts preisgab.
Gottesstaat statt Grundgesetz
Die massive Zuwanderung von Muslimen hat unangenehme Nebenwirkungen. 2024 veröffentlichte das Kriminologische Forschungsinstitut in Niedersachsen (KFN) eine Studie, aus der hervorgeht, dass die Hälfte der befragten muslimischen Schüler einen islamischen Gottesstaat der Demokratie vorzieht. Auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ sind, decken sie sich mit den Eindrücken anderer Erhebungen, wie die der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) oder die des Vereins für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung (DeVi e.V.). Linke Parteien und Gruppierungen – auch die Grünen – stellten diese Umfragen sofort unter Rassismusverdacht, weil sie das positive Bild, das sie selbst von den Migranten zeichnen, in Frage stellen.
Dabei liegen die Ursachen für die undemokratischen Einstellungen muslimischer Schüler auf der Hand. Keines der Länder, aus denen die muslimischen Migranten kommen, ist eine Demokratie. Es sind Autokratien, die den Islam als Staatsreligion pflegen, der seinerseits keine andere Religion neben sich duldet. Es sind gleichzeitig Stammesgesellschaften, die patriarchalisch strukturiert sind und eine Einübung demokratischer Verhaltensweisen verhindern. Warum sollten die Migranten, wenn sie die deutsche Grenze überschreiten, plötzlich zu Demokraten werden? Die Schüler, die ihre Mitschüler zu einem gottgefälligen Glaubensverständnis und Verhalten auffordern, zeigen nur, dass sie die Gesetze ihrer Religion für wichtiger halten als die Schulgesetze, die sich in ihren Präambeln auf die Menschenrechte unseres Grundgesetzes, auch auf die religiöse Toleranz, berufen.
Neutralitätsgesetz aufgeweicht
Inzwischen
gibt es auch viele Lehrkräfte muslimischen Glaubens in unseren Schulen.
Einige Lehrerinnen sorgten auf Aufsehen, als sie mit dem Kopftuch im
Klassenzimmer erschienen. In Berlin mussten sie bislang das Kopftuch
ablegen, wenn sie Lehrerin bleiben wollten. Grundlage der Entscheidung
des Berliner Schulsenats war das Berliner Neutralitätsgesetz, das
Lehrern eine neutrale Haltung und Kleidung vorschreibt. Die Klage einer
Lehrerin führte bis zum Bundesverfassungsgericht. Dieses urteilte im
Jahr 2015, dass ein pauschales Verbot religiöser Bekleidung gegenüber
Lehrerinnen mit der Verfassung unvereinbar sei. Verfassungsgemäß sei
eine Verbotsregelung allein für Situationen, in denen „das äußere
Erscheinungsbild von Lehrkräften zu einer hinreichend konkreten
Gefährdung oder Störung des Schulfriedens oder der staatlichen
Neutralität führt oder wesentlich dazu beiträgt“.
Die Neufassung des Neutralitätsgesetzes, die der Berliner Senat aus CDU und SPD im Jahr 2025 auf den Weg brachte, sieht vor, dass das Tragen religiöser Kleidung in der Schule erlaubt ist, es sei denn, es liege eine „hinreichend konkrete Gefährdung oder Störung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität“ vor. Es müssen also objektive und nachvollziehbare Gründe vorliegen, um ein Verbot auszusprechen. Für die Auslegung solcher Gründe gibt es staatlicherseits klare Vorgaben: Nur wenn Lehrerinnen missionarisch auftreten oder Schüler direkt religiös oder weltanschaulich beeinflussen, darf das Tragen eines Kopftuchs verboten werden. Trotz der geplanten Liberalisierung für Schulen bleibt in Berlin das Verbot für die Arbeit in Justiz und Polizei bestehen. Beamtinnen und Beamte dürfen weiterhin keine religiösen Symbole sichtbar tragen. Dies betrifft beispielsweise Polizisten mit Turban oder Justizangestellte mit Kippa. Der Senat hielt vor allem in der Justiz die Neutralität für unerlässlich, da dort staatliche Autorität unmittelbar und für alle sichtbar ausgeübt werde.
Verfassungsrichter sind keine Anwälte des Schülerwohls
Die Verfassungsrichter haben mit ihrer Kritik am Neutralitätsgesetz die Schleusen für eine schleichende Islamisierung der Lehrkörper an unseren Schulen geöffnet. Durch ihr Urteil haben sie das Persönlichkeitsrecht muslimischer Lehrerinnen höher bewertet als das Schutzbedürfnis der Kinder. Dabei haben sie übersehen, dass die religiöse Beeinflussung nicht erst beginnt, wenn gläubige Lehrerinnen die Schüler missionieren. Allein das Tragen des Kopftuchs, das von den islamischen Verbänden schon seit Jahren vehement gefordert wird, ist sichtbarer Ausdruck eines Rollenmodells der Frau, das in den Augen heranwachsender Schülerinnen dazu angetan ist, Religion höher zu gewichten als Bildung.
Dabei wäre es gerade für muslimische Mädchen wichtig, dass sie darin gestärkt werden, das Abitur anzustreben und nicht mit 16 Jahren die Schule zu verlassen, um früh zu heiraten. Auch wenn in vielen muslimischen Ländern das Heiratsalter von Mädchen inzwischen auf 16 bzw. 18 Jahre heraufgesetzt wurde, wird im ländlich-traditionellen Bereich häufig noch früher geheiratet. Mädchen gehen dort nicht selten im Alter von zwölf bis 16 Jahren die Ehe ein, z.T. aus wirtschaftlichen Erwägungen, z.T. zum Erhalt ihres guten Rufes. Wandern Muslime aus ländlichen Gebieten nach Deutschland ein, bringen sie die traditionellen Heiratsmuster mit und praktizieren sie bei uns heimlich. Ich habe an einer Gesamtschule erlebt, dass ein türkisches Mädchen aus der 8. Klasse nach den Sommerferien nicht mehr in die Klasse zurückkehrte. Ihre beste Freundin erzählte mir, Ayshe sei in den Sommerferien in der Türkei mit einem älteren Cousin verheiratet worden.
Verunsicherte Lehrerkollegien
Die
Muster, nach denen sich muslimische Schüler gegenüber der Schulleitung
und ihren Mitschülern äußern, gleichen sich. Sie lesen sich wie
Anweisungen aus einem Lehrbuch des Islamismus: Mädchen und Jungen
sollten getrennten Unterricht haben, Schwimmunterricht sei für Mädchen
nicht akzeptabel; Mädchen sollten ab der Pubertät von einem männlichen
Erwachsenen von der Schule abgeholt werden; Mädchen dürfen erwachsenen
Männern – auch ihren Lehrern – nicht die Hand geben; an jeder Schule
müsse ein Gebetsraum eingerichtet werden, in dem die muslimischen
Schüler ihre rituellen Gebete verrichten können.
Schulleiter und Lehrerkollegien sind verunsichert, wie sie mit solchen Forderungen umgehen sollen. Sie wollen ja tolerant sein. Gleichzeitig wissen sie, dass die meisten dieser Forderungen, wie z.B. die Trennung der Geschlechter, den Schulgesetzen widersprechen. Sie ahnen auch, dass Schüler nicht von sich aus auf solche Forderungen kommen, dass sie vielmehr von den Eltern über ihre Söhne in die Schulen getragen werden. Dahinter steht oft eine politische Agenda der muslimischen Community.
Verharmlosung durch Schulbehörden
Von den Schulbehörden werden die Forderungen muslimischer Schüler häufig verharmlost, um das Bild von der heilen Welt Schule nicht zu beflecken. Der Leiter der Beratungsstelle Gewaltprävention in der Hamburger Schulbehörde, Christian Böhm, äußerte sich im Spiegel, als er mit den Vorfällen an der besagten Stadtteilschule befragt wurde, abwiegelnd: „Ein religiöser Konflikt ist nicht gleich Extremismus.“
Realistischer sind die Vorschläge des Kultusministeriums von Niedersachsen. In seiner „Handreichung für Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogische Fachkräfte“ mit dem Titel „Wie kann Schule präventiv handeln?“ wird die Schwelle benannt, an der bei Schülern die Radikalisierung zum Islamismus droht: „Wenn Jugendliche mit einem Wahrheitsanspruch auftreten, wenn sie andere abwerten (,mobben‘) oder sie unter Druck setzen, weil diese anders denken und leben, als sie es für richtig halten. Das sind ,problematische‘ Positionen und konkrete Anlässe, darüber mit den Jugendlichen ins Gespräch zu gehen.“ Die Radikalisierung findet häufig in den sozialen Netzwerken statt, wo sich Islamisten zuhauf tummeln und in einfühlsam gestalteten Videos die „männliche Ehre“ (Jungen) und die „züchtige Ehre“ (Mädchen) der heranwachsenden Jugendlichen streicheln.
Muslimische Grenzüberschreitungen zurückweisen
Ich
habe in meiner langjährigen Lehrtätigkeit an unterschiedlichen Schulen
viele politische Moden in die Schule schwappen sehen: die politische
Agenda von Hausbesetzern, Autonomen, Atomkraftgegnern,
Greenpeace-Aktivisten, Anhängern von Fridays for Future und der Letzten
Generation. Am besten kam man mit aktivistisch gestimmten Schülern klar,
wenn man ihr Engagement akzeptierte, sie aber im Unterricht zwang, ihre
politische Agitation in fachliche Argumentation zu „übersetzen“.
Neu waren für uns Lehrer die religiösen Forderungen muslimischer Schüler, die mit dem Zuzug der Migranten aus muslimischen Ländern seit 2015 einhergingen. Kein Angehöriger einer der vielen in unseren diversen Schulen vertretenen Religionen hatte zuvor Ansprüche gestellt, religiöse Rituale im Schulleben offen ausleben zu dürfen. Alle verrichten ihre Gebete still für sich, ohne dass Mitschüler und Lehrer davon Notiz nehmen. Die Muslime hingegen wollen Sichtbarkeit: beim Fasten im Ramadan, beim Beten im Gebetsraum und bei der Verhüllung heranwachsender Mädchen. Dadurch soll die wachsende Macht des Islam in unserem Land für alle wahrnehmbar gemacht werden.
Wenn muslimische Schüler die Regeln setzen
Was passiert, wenn muslimische Schüler an einer Schule die Mehrheit bilden, konnte man 2025 in der Carl-Bolle-Grundschule in Berlin-Moabit erleben. Die Süddeutsche Zeitung war über ihren Schatten gesprungen und hatte einen ganzseitigen – zutiefst erschütternden – Bericht über die Vorfälle an dieser Schule veröffentlicht. An dieser Grundschule wurde ein schwuler Lehrer von muslimischen Schülern so massiv gemobbt, dass er sich krankschreiben lassen musste. Ein zehnjähriger Schüler hatte zu ihm gesagt: „Du Schwuler, geh weg von hier. Der Islam ist hier der Chef.“ Eine Schülerin der fünften Klasse hatte gesagt, der Islam werde bald siegen, bald würden die Christen „zerstört werden“. Eine Lehrkraft, die anonym bleiben wollte, sagte der Süddeutschen Zeitung: „Der Islam zieht an unserer Schule immer weitere Kreise. Wir Deutschen gehen hier unter.“
Deprimierend war, dass der gemobbte Kollege durch die Schulleitung und die Schulaufsicht des Bezirks Mitte keine Unterstützung erfuhr. An ihm wurde sogar Kritik laut, er habe mit seinem Outing unsensibel gehandelt, weil er die besonderen Bedingungen – sprich: die Vorurteile muslimischer Schüler – nicht berücksichtigt habe. Die Vorfälle zeigen, wie ein dominantes Ausländermilieu – hier der Islam – versucht, an der Schule eigene Regeln durchzusetzen, die dem Erziehungsauftrag der Schule und dem Berliner Schulgesetz diametral widersprechen. Er zeigt auch, dass es an einer Schule einen numerischen Kipppunkt gibt, bei dem die Regeln der Aufnahmegesellschaft von einer durchsetzungsstarken Migrantenschar außer Kraft gesetzt werden können.
Es gibt auch einen Kipppunkt in einem belasteten Wohnquartier. Die Integrationsbeauftragte des Berliner Bezirks Neukölln, Güner Balci, berichtete in einem Interview mit Bild, dass sich die Regeln eines strengen Islam in der islamischen Community immer mehr durchsetzen. Dass junge Menschen nicht frei ihre Partner wählen können, sei „weit verbreitet“, sagte sie: „Für viele gehört das mittlerweile zum Selbstverständnis. Auch, dass Frauen und Mädchen gezwungen sind, jungfräulich in die Ehe zu gehen oder das zumindest vorzutäuschen.“ Immer wieder erfahre sie von konkreten Fällen, weil sich Angehörige hilfesuchend an sie wenden.
Vorbild Dänemark?
Die
dänischen Sozialdemokraten haben erkannt, dass unkontrollierte
Einwanderung ganze Stadtteile zum Kippen bringen kann, wenn sich
Einwanderer für kulturell und religiös überlegen und die angestammten
Bewohner für schwach halten. Sie erobern dann das neue Terrain und
setzen die Regeln des Zusammenlebens. Die dänische Ministerpräsidentin
Mette Frederiksen richtete in ihrer Neujahrsansprache 2026 deutliche
Worte an die muslimische Community: „Und in Dänemark ist es so: Wenn
Demokratie und Religion zusammenstoßen, dann hat Gott Nachrang. Und
deshalb an die Menschen, die hierhergekommen sind und Kriminalität
begehen: Ihr sollt nicht hier sein. (…) Wir haben eure Dominanzkultur
satt. Ihr zerstört das schönste Land der Welt, und das werden wir euch
schlicht nicht erlauben.“
Dänemark hat durch eine konsequente Wohnungspolitik die zuvor bestehenden Ausländergettos aufgelöst. In allen Wohnanlagen dürfen nur 50 Prozent Ausländer wohnen. Die soziale Mischung sorgt für eine soziale Kontrolle, die stark zur Befriedung beigetragen hat. Während in den Brennpunkten von Duisburg, Dortmund, Essen, Ludwigshafen und Berlin-Neukölln der Anteil ausländischer Schüler bis zu 100 Prozent beträgt, dürfen in dänischen Schulen nicht mehr als 30 bis 40 Prozent ausländischer Herkunft sitzen. Wenn sich mehr ausländische Schüler anmelden, wird zwischen den Schulen des Stadtteils umverteilt. Im Mittelpunkt steht der Erwerb von Sprachkompetenz. Kinder müssen vor der Einschulung Dänisch beherrschen. Nur so glaubt man, die Chancengleichheit ausländischer Kinder sichern und den Teufelskreis der Gettobildung durchbrechen zu können.
Toleranz einüben
Das dänische Modell fände im Deutschen Bundestag keine Mehrheit. Die SPD hält die Ausländerpolitik der Sozialdemokratin Frederiksen nämlich für rassistisch. Von der Politik alleingelassen, müssen sich die Schulen selbst etwas einfallen lassen, um den friedlichen Umgang in der Schulgemeinschaft zu sichern. Es gibt ein probates Mittel gegen religiöse Intoleranz. An einer Schule, an der ich unterrichtete, organisierte der Lehrkörper an einem Projekttag ein Trainingsprogramm in Toleranz. Die Schüler wurden in kleine Gruppen unterteilt, die sich jeweils eines Grundrechts aus unserer Verfassung annahmen. Sie sollten zu den Rechtsnormen ein Rollenspiel entwickeln, das seine Anwendung im Alltag verdeutlicht. Es ging um folgende Grundrechte: die Menschenwürde (Art. 1), die freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2), die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Verbot, jemanden wegen seines Glaubens zu benachteiligen (Art. 3), die Freiheit des Glaubens und des Gewissens (Art. 4), die Meinungsfreiheit (Art. 5).
Ein wichtiges Lernziel war die Einsicht, dass die Wahrnehmung eines Grundrechts dort endet, wo die Interessen von Mitschülern tangiert werden. Die muslimischen Schüler lernten, dass Religion bei uns Privatsache ist und dass sie ihre religiösen Interessen nicht gegen die Mehrheit der Schüler durchsetzen dürfen. Die Schule hat nämlich die Aufgabe, das Lernen aller Schüler dadurch zu sichern, dass man sie vor weltanschaulichen, politischen und religiösen Ansprüchen anderer Personen schützt.
Unser Schulleiter war mutig genug, die Eltern von muslimischen Schülern, die sich mit dieser Regelung nicht abfinden konnten, zum Gespräch zu bitten. Er riet ihnen, den Sohn an einer türkischen Privatschule anzumelden. Toleranz ist bei Heranwachsenden immer in Gefahr, durch Unduldsamkeit und Übermotivation in den Hintergrund gedrängt zu werden. Deshalb gehört die Einübung in Toleranz zu den wichtigsten Aufgaben, die unsere Lehrkräfte von der Grundschule bis zum Abitur zu erfüllen haben.
Religiöse Verfeindung wird verharmlost
Wie ein Blick in die Geschichte zeigt, sind religiöse Konflikte potenziell gefährlich. Wenn es um die „letzten Dinge“ geht, sind Menschen bereit, für den richtigen Glauben zu kämpfen, ja ihr Leben dafür zu opfern. Es gehört zu den verstörenden Tatsachen, dass bei uns keinerlei pädagogische Diskussion darüber entstanden ist, wie es dazu kommen konnte, dass zwischen 2014 und 2016 mehr als 1000 Jugendliche – Mädchen wie Jungen – in die Bürgerkriegsländer Syrien und Irak reisten, um als Kämpfer des Islamischen Staats (IS) „Ungläubigen“ den Kopf abzuschneiden und damit vor der Kamera zu posieren.
Diese Jugendlichen haben, bevor sie in die Kampfgebiete ausreisten, in der Schule in Sozialkunde den Menschenrechtskatalog unseres Grundgesetzes kennengelernt, im Literaturunterricht vielleicht sogar die Ringparabel von Lessing gelesen. Bildung hat hier offensichtlich ihre segensreiche Wirkung verfehlt. Sie hat dem religiösen Fanatismus kein demokratisches Wertefundament entgegensetzen können. In unserer offenen Gesellschaft, in der traditionelle konfessionelle Bindungen immer mehr an Bedeutung verlieren, können wir uns nicht mehr vorstellen, was es heißt, sich als Mensch einer religiösen Sache voll – bis zur letzten Konsequenz – hinzugeben.

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