15 Juli 2026

Zahlen über Sozialleistungsbetrüger - Der Kampf gegen Sozialbetrug ist eine Ersatzhandlung der Reformunwilligen (Cicero)

Zahlen über Sozialleistungsbetrüger

Der Kampf gegen Sozialbetrug ist eine Ersatzhandlung der Reformunwilligen (Cicero)
In der Empörung angesichts grassierenden Missbrauchs von Sozialleistungen sind sich alle einig. Doch hinter dem Regierungsaktionismus gegen Betrüger steht die Weigerung der Sozialpolitiker, die strukturelle Wucherung des Sozialstaats endlich radikal abzustellen.
VON FERDINAND KNAUSS am 14. Juli 2026, 3 min
Die Zahlen, die die Bundesregierung zum Sozialleistungsbetrug kürzlich bekannt gegeben hat, entsprechen nicht dem gesamten Ausmaß der missbräuchlichen Zahlungen im deutschen Umverteilungsstaat. Die rund 110.000 Fälle im Jahr 2025 sind nur die per Strafanzeige angezeigten oder eindeutig bestätigten Verdachtsfälle. Und die Jobcenter in ausschließlich kommunaler Trägerschaft sind gar nicht dabei. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sagt selbst in seiner Antwort auf eine Anfrage der Welt am Sonntag: „Leistungsmissbrauch bleibt oft unentdeckt, weil verschiedene betroffene Behörden nicht oder nicht ausreichend miteinander vernetzt sind.“ Tatsächlich wird es also noch sehr viel mehr Fälle geben.
Der auch im Rahmen der Reform vom Bürgergeld zur Grundsicherung verkündete Aktionismus von Bundessozialministerin Bärbel Bas und nicht zuletzt der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die mit großen Razzien gegen das Unwesen der Schrottimmobilien vorgeht, soll die verunsicherten Steuerzahler (und Wähler) beruhigen: Die Politik unternimmt etwas, zeigt Härte gegen Kriminelle.
Diese Maßnahmen kann man schwerlich kritisieren. Aber sie haben vor allem eine Ablenkungsfunktion. Denn sie ersparen es Bas und ganzen Heerscharen von Sozialpolitikern und Funktionären des Umverteilungsstaates, das eigentliche Übel anzugehen: nämlich die Wucherungen eines Systems, das zum Missbrauch einlädt und vor allem zur Einwanderung von Versorgungssuchenden. 
Bas hat aber mit ihrer unvergesslichen Aussage vom Mai – „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein“ – ein Beispiel gegeben für die anhaltende Weigerung der politisch Verantwortlichen, die grundlegende Fehlkonstruktion des Sozialstaats anzuerkennen. Die deutschen Jobcenter sind nicht nur, aber nicht zuletzt für kriminelle Roma-Clans aus den EU-Mitgliedstaaten Bulgarien und Rumänien zu einer Haupteinnahmequelle geworden.  
Der Sozialstaat als schiefe EbeneDieser Sozialstaat ist eine schiefe Ebene, die durch Einwanderung immer noch schiefer wird. Er wächst dauerhaft stärker als die Wirtschaft und wird nur noch mit steigender Steuer- und Abgabenlast und Schulden erhalten. Ein solcher für Armutseinwanderer und arbeitsunwillige Betrüger offener Sozialstaat, in dem ein „soziokulturelles Existenzminimum“ von wirklichkeitsfremden Verfassungsrichtern zum unbedingten Menschenrecht erklärt wurde, verletzt seine eigene Voraussetzung: Er kann nur solide und nachhaltig sein, wenn er auf eine personell begrenzte Solidargemeinschaft bezogen ist, in der die potenziellen Empfänger mit den Einzahlern identisch sind, und Arbeitsfähige sich grundsätzlich selbst versorgen müssen.

Die meisten Sozialpolitiker und Bas erst recht wollen den eigentlichen Charakter der Krise des Sozialstaats nicht wahrhaben, da diese Erkenntnis identisch wäre mit dem Eingeständnis einer jahrzehntelangen grundlegenden Fehlentwicklung der Entgrenzung. Und auf dieser Fehlentwicklung beruhen die Karrieren von Sozialpolitikern und unzähliger anderer Profiteure.

Der Konflikt ist unvermeidlich

Missbrauch zu bekämpfen ist unter diesen Bedingungen eine politische Ersatzhandlung für die eigentliche Reformaufgabe: Die schiefe Ebene des Sozialstaats muss begradigt werden. Die absurden und hybriden Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs dürfen kein Grund sein, diese notwendige Reform zu verweigern. 

Wer erkennbar unwillig ist, selbst zu arbeiten, oder wer auf illegalen Wegen und ohne belegten Asylgrund einwandert, hat keinen Anspruch auf ein von den Steuerzahlern finanziertes „soziokulturelles Existenzminimum“, das oft kaum unter dem Einkommen mancher Steuerzahler liegt, die es finanzieren sollen.  

Der Konflikt ist unvermeidlich. Denn wenn diese Begradigung der schiefen Ebene nicht erfolgt, rutscht auf ihr langfristig das ganze Land einer fiskalischen und ökonomischen Katastrophe entgegen. 

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