20 Januar 2026

The Pioneer - Edition Erbschaftssteuer: Die Irrtümer der Linken

Business Class Edition
Erbschaftssteuer: Die Irrtümer der Linken
Gabor Steingart, 19.01.2026
Guten Morgen,
es gibt viele Motive, die Erbschaftssteuer zu erhöhen. Aber ausnahmslos alle – man muss das so deutlich sagen – beruhen auf Irrtümern. Diese Motive bleiben auch dann Irrtümer, wenn Politiker sie für Fakten ausgeben, Wissenschaftler ihnen nach dem Munde reden und viele Medien in Unkenntnis der ökonomischen Zusammenhänge es den beiden nachbeten.Irrtum #1: Unser Staat braucht mehr Geld
Hierbei handelt es sich um die Mutter aller Irrtümer. Frisches Geld ist genau das, was unser Staat nicht braucht. Der deutsche Staat mit seinen hohen Steuern, seinen exorbitanten Abgaben und seiner neuerdings auch rekordverdächtigen Verschuldungsquote hat schon heute ein Ausgaben-, kein Einnahmenproblem.
Dieser Staat ist kein Spargeltarzan, wie die Politiker uns glauben machen wollen, sondern ein schwerer Fall von Adipositas.
Der staatliche Heißhunger nach dem Geld anderer Leute ist nicht die Folge echter Finanznot, sondern Ausdruck der eigenen Ineffektivität. Unternehmen in Staatsbesitz – früher die Post, heute Bahn und Bundeswehr – sind nur noch bedingt einsatzfähig. Großprojekte in staatlicher Regie – der Flughafen BER oder der Bahnhof Stuttgart 21 – sprengen erst die Zeitpläne und dann den Kostenrahmen.
Das jüngste Beispiel staatlicher Ineffektivität liefert das Bürgergeld. In den vergangenen zehn Jahren erhöhten sich die Kosten für die Verwaltung um 39 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Regional landen bis zu 70 Prozent der Hilfsgelder in der Verwaltung und nicht bei den Bedürftigen. Das sind die schockierenden Ergebnisse einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung.
Irrtum #2: Der Erbe ist träge und steckt das Geld in den Konsum
Das Gegenteil ist richtig. Die Erben tragen das Geld nachweislich nicht in die Champagnerabteilung des KaDeWe oder zum Uhrenhersteller Rolex, sondern investieren es – in der Absicht einer weiteren Vermehrung.
Nicht nur das Betriebsvermögen, sondern auch das Bargeld, Wohn- und Aktienvermögen verbleiben im produktiven Kern unserer Volkswirtschaft und streben nach weiterer Rendite. Alle Studien dazu, zuletzt die 2024 von der Deutschen Bank in Zusammenarbeit mit dem Allensbach-Institut herausgegebene Studie „Erben und Vererben in Deutschland“, zeigen, dass diese Gelder mehrheitlich in die Investition und nicht in den Konsum fließen.

Anders der Staat: Er entnimmt mit der Erbschaftssteuer wieder nur Geld aus dem produktiven Kern, um es in die eigene Verwaltung oder in die Umverteilung, also in die Konsumtion, zu stecken. Jede neuerliche Umwandlung dieser Art lässt Deutschlands produktiven Kern weiter erkalten.

Wichtig zu wissen: Deutschland befindet sich mit einer Sozialleistungsquote von über 31 Prozent des Inlandsprodukts schon heute in der Spitzengruppe aller Staaten. Es gibt hierzulande keinen Nachholbedarf.

Irrtum #3: Erhöhte Erbschaftssteuersätze schaffen mehr Gerechtigkeit

Die Erbschaftssteuer wird vor allem von der politischen Linken als gerecht erfunden: Unvergessen das Plakat der Linkspartei bei der NRW-Kommunalwahl.

Von denen, denen man das Geld wegnimmt, das die Väter- und Müttergeneration ehrlich verdient hat, wird dieser Zugriff des Staates als große Ungerechtigkeit empfunden. Denn das Erbe ist Lohn für Lebensleistung und stammt bereits aus mehrfach versteuertem Geld.

Der Firmengründer hat dafür Zeit seines Lebens an den Staat gezahlt – Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Kapitalertragsteuer und für sein Geschäftsführergehalt die Einkommensteuer. Das Erbe ist das Substrat einer lebenslangen Besteuerung der Faktoren Arbeit und Kapital und keineswegs ein Windfall-Profit. Warum der Familie in der Sekunde des Todes des Firmengründers ein Nachteil und dem Staat ein Vorteil entstehen soll, bleibt ethisch nicht erklärbar.

Irrtum #4: Alle westlichen Länder verlangen von ihren Erben eine Erbschaftssteuer

Auf keinen Fall ist das so. 14 von 24 OECD-Staaten erheben keine Erbschaftssteuer. Professor Clemens Fuest vom Ifo-Institut
"Wir sind von Ländern umgeben, die gar keine Erbschaftssteuer kennen."

Schweden etwa hat die Steuer 2004 abgeschafft, Österreich 2008 und Norwegen 2014. Litauen und Estland haben sie nie erhoben. Singapur hat sie abgeschafft, genauso wie Katar und Saudi-Arabien.

Das Kalkül ist immer ein ökonomisches: Man möchte eine Kultur schaffen, in der Unternehmer sich wohlfühlen, und auch ein dynastisches Motiv („Ich möchte, dass meine Kinder erben“) gilt anderswo nicht als ehrenrührig, sondern wird sozial akzeptiert.

Irrtum #5: Diese Steuer trifft genau die Richtigen: die Reichen

Diese Steuer trifft genau die Falschen: die Fleißigen. Denn das Erbe in Deutschland führt nicht zum Substanzverzehr, sondern zur Weiterführung von Betrieben, zur Bewirtschaftung von Wohnraum und zum weiteren Vermögensaufbau am Kapitalmarkt. Das Begehr der traditionellen Erben ist nicht die Steigerung von Konsum, sondern die Vermehrung der Hinterlassenschaft.

Hinzu kommt: Die Erbschaftssteuer betrifft zwar scheinbar nur den Erben, bekümmert und beschäftigt aber in Wahrheit vor allem die Generation der Gründer. Der Eigentümer weiß um seine eigene Endlichkeit und möchte durch die Hinterlassenschaft weiterwirken. Eine Erbschaftssteuer, die noch dazu aus der Substanz der Firma bezahlt werden muss, bedeutet für ihn den Anschlag auf sein Lebenswerk.
Fazit: Überall auf der Welt weiß man mittlerweile, dass es keinen anderen Weg zum Wohlstand gibt als den über Mut, Ideenreichtum und Anstrengung. Der Weg über Enteignung und Umverteilung dagegen führt ganze Staaten in eine Sackgasse, an deren Ende ein Schild mit der Aufschrift steht: Bis hierher und nicht weiter. Deutschland ist auf diesem Weg weit vorangeschritten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen