12 Januar 2026

Focuus- Briefing: Was uns die Kälte lehrt

Focuus- Briefing: 
Was uns die Kälte lehrt  
Von Thomas Tuma, 12.01.2026
Kaum herrschen ein paar Tage Minusgrade, dreht ein Teil der Republik völlig durch. Unsere Probleme mit ein bisschen Kälte verraten viel über das generell dünn gewordene Nervenkostüm mancher Zeitgenossen.
Am Wochenende ging wieder die Welt unter: TV-Reporter mussten vor Bahnhofs-Tafeln voller „Fällt aus“-Meldungen sehr ernst gucken. „Sturmtief ‚Elli‘ peitscht durchs Land“, alarmierte „Bild“. Schulen wurden geschlossen, VW sagte Schichten ab. Warum? Man nennt das mörderische Phänomen landläufig „Winter“.
Die aktuelle Kälte ist laut Meteorologen übrigens ziemlich normal. Aber vielleicht sind wir das einfach nicht mehr gewohnt in unserem Kokon aus Google-Alerts, Vollkasko-Fantasien und staatlichen Schutzmaßnahmen für wirklich jede Lebenslage? Zum Wochenende hagelte es deshalb Behörden-, Experten- und Medien-Warnungen, lieber zu Hause zu bleiben, als zur Arbeit zu fahren. An dem Konzept zweifle ich schon seit Corona.
Damals gab es eine kleine, aber sehr lautstarke Gruppe, die „Zero Covid“ durchsetzen wollte. Ihr Programm: Alles wird so lange dichtgemacht, bis das Virus ausgerottet ist. Zu den Erstunterzeichnern des Manifests gehörten ein paar Hundert Leute wie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der WDR-Journalist Georg Restle.
An unserem Nachwuchs hat man das Wegsperren zu lange getestet. Die psychosozialen Folgeschäden sind bis heute nicht austherapiert. Ansonsten hat sich das totalitäre Konzept erfreulicherweise nicht durchgesetzt. Es hätte eh weniger Covid erledigt als unsere komplette Wirtschaft und die Gesellschaft gleich mit.
Interessanterweise werden solche Bleibt-zu-Hause-Forderungen auch jetzt wieder vielfach von jenen gestellt bzw. beherzigt, für die Homeoffice kein Problem darstellt. Den Leuten, die richtig arbeiten gehen müssen, gilt deshalb mein ganzer Dank. Es sind die Busfahrer, Fabrikarbeiter, Bäcker, Metzger, Elektriker, Ärzte, Pfleger, Kellner, Heizungsmonteure und all die anderen, die das Land noch am Laufen halten für jene, die es gern ins Wachkoma versetzen würden.
Von der „Zero Covid“-Idee ist leider einiges hängengeblieben. Selbst die politisch bislang nicht sonderlich erfolgreiche „Brandmauern“-Idee wurzelt ja in der Hoffnung, Isolation könne uns vor den dunklen Seiten der Realität bewahren. Derlei geht meist schief. Ich will übrigens weder die Gefahren mancher AfD-Funktionäre bestreiten noch die des Klimawandels. Aber der chronische Alarmismus hat sich abgenutzt.
Und mehr noch, er hat sogar scharfe Gegenbewegungen provoziert, wie man am aktuellen Regime von Donald Trump sieht. Der US-Präsident ist unser menschgewordener Wintereinbruch: eisig, scharf, unberechenbar. Und auch vor dem würden ja manche am liebsten ihren Kopf zwischen den Sofakissen vergraben.
Das wird nichts bringen. Wir sollten einfach wieder mehr raus – aus unseren Homeoffices, Freundeskreis-Bubbles und liebevoll gepflegten Klischees und Vorurteilen. Leben heißt, sich jeden Tag mit Überraschungen auseinandersetzen zu müssen. Das hält fit und geistig flexibel.
P.S.: Vielerorts bleiben die Schulen übrigens auch heute zu. Die Straßen sind zwar schon wieder frei. Aber nun drohe Eisregen, heißt es. Die Kids machen das einzig Richtige: Schlitten fahren. Tut auch manchmal weh, bringt einen aber in jeder Hinsicht weiter.

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