VON BEN KRISCHKE am 7. Januar 2026 5 min
„Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“, grölten im Mai 2024 junge Menschen vor dem Club „Pony“ auf Sylt.
Auf die Melodie von Gigi D’Agostinos „L’amour toujours“. Das war
zweifellos eine dumme Aktion. Obgleich erstens die Frage, ob dahinter
blanker Rassismus steckte oder primär die Lust an der Provokation,
gesondert zu diskutieren wäre. Und immerhin war dabei zweitens niemand
zu Schaden gekommen. Wie auch? Es war ja nur ein Gesang. Ein
Gesang allerdings, der zur Staatsaffäre wurde. Nahezu alle
Spitzenpolitiker meinten, sich zu dem Vorfall äußern zu müssen. Die
damalige Bundesinnenministerin und SPD-Politikerin Nancy Faeser – mit
ihrem seltsamen Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit auch
nicht gerade die Vorzeigedeutsche, die man seiner ausländischen
Schwiegermutter vorstellen würde – nannte die Jugendlichen „eine Schande
für Deutschland“. Und Grünen-Politikerin Ricarda Lang, damals noch
Parteichefin, sagte, bei solchen Bildern werde ihr schlecht.
Sogar
der Kanzler meldete sich zu Wort, nannte die Aktion „eklig“ und „nicht
akzeptabel“. Die „Tagesschau“ berichtete ausführlich über den Vorfall,
und zwar mehrfach. Und das Magazin Stern konnte endlich mal
wieder etwas mit Hitler machen und druckte ein Hakenkreuz im
Champagnerglas aufs Cover. Unterm Strich wurden die Jugendlichen also
von höchster demokratierettender Instanz – von etablierter Politik und
Schnappatmungsmedien – zum Abschuss freigegeben. Und das alles wegen
eines dummen Liedes.
Irgendwas mit Faschismus
Dieser Beitrag hätte auch mit der absurd großen Aufregung um den von Correctiv erfundenen „Geheimplan gegen Deutschland“ beginnen können. Oder mit der Aufregung über Alexander Gaulands „Nachbar“-Aussage
über den Fußballer Jerome Boateng im Jahr 2016. Oder mit irgendeiner
anderen Aufregung um irgendeinen anderen Vorfall der vergangenen Jahre,
der von irgendwelchen Leuten als irgendetwas mit Rassismus oder
Faschismus gewertet wurde. Weil die Muster immer die gleichen sind: Ein
Ereignis, das irgendwie „rechts“ sein soll, tritt ein, und die Republik
bläst zum „Kampf gegen rechts“. Auf den Straßen, im Parlament, in den
Gazetten.
Gemessen an den Reaktionen auf Sylt – geschweige denn auf das Correctiv-Märchen
über die „Wannseekonferenz 2.0“, welche Teile der Bundesrepublik in
eine kollektive Massenhysterie versetzte – sind die Reaktionen auf den linksextremistischen Terroranschlag auf das Berliner Stromnetz,
sagen wir, überschaubar. Die „Tagesschau“ berichtete zunächst gar
nicht. Der X-Account von Ricarda Lang schweigt. Ebenso wie Nancy Faeser
und Olaf Scholz. Und in seiner aktuellen Titelgeschichte (ET: 8. Januar
2026) sagt der Stern nicht etwa dem Linksextremismus den Kampf
an, sondern dem Zucker. Der Vollständigkeit halber sei außerdem erwähnt,
dass es bisher selbstredend nicht zu Demonstrationen gegen links mit
Hunderttausenden Teilnehmern gekommen ist. Vogelschiss der deutschen Mediengeschichte Linksextremisten
– ach was: Linksterroristen – machen also 45.000 Berlinern die
Stromversorgung kaputt, lassen sie in der Folge über mehrere Tage im
Dunkeln und in der Kälte sitzen, und bundesweit bläst niemand zum
Angriff auf irgendwen. Im Gegenteil: Während das Thema in und um Berlin
schon wegen des möglichen Totalversagens des Regierenden Bürgermeisters
und der Behörden größer diskutiert werden mag, wird es beispielsweise in
meinen bayerischen Gefilden als lokales Ereignis behandelt. Das liegt
aber nicht an Bayern oder an irgendeinem anderen Bundesland, wo das
genauso ist, sondern daran, dass die Verrückten hinter dem Anschlag
keine Rechten sind.
Mit der Pseudo-Zivilgesellschaft, der etablierten Politik und den
Schnappatmungsmedien verhält es sich nämlich so, dass gewisse kognitive
Dissonanzen dazu führen, dass ein und dieselbe Tat unterschiedlich
bewertet wird. Je nachdem, ob sie von Linken oder von Rechten –
respektive von Menschen, deren Weltsicht entsprechend einsortiert wird –
begangen wurde. Man stelle sich nur vor, um ein anderes Beispiel zu
nennen, die linksextreme Hammerbande einer gewissen Lina E. wäre eine
rechte Schlägertruppe gewesen und nicht Katrin Göring-Eckardt (Grüne),
sondern Tino Chrupalla (AfD) hätte einen dieser Schläger – einen Typ,
der sich heute Maja nennt – im Knast in Ungarn besucht. Da wäre etwas
los gewesen. So taugte die Sache allerdings, wenn überhaupt, nur als Randnotiz. Quasi als Vogelschiss der deutschen Mediengeschichte.
Merz sorgt sich mehr um die Arktis
Vom
linksextremistischen Terroranschlag auf das Berliner Stromnetz
jedenfalls sind Zehntausende betroffen. Dafür ist die Aufregung
allerdings lächerlich klein. Nicht nur die Langs und Faesers
dieser Welt finden es offenbar unnötig, sich zu dem Anschlag zu äußern.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hat es in den vergangenen Tagen
partout nicht auf die Reihe bekommen, auch nur ein einziges kurzes
Statement zu veröffentlichen. Auf X gratulierte der Bundeskanzler
stattdessen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag zum
Geburtstag und erklärte am Dienstag Folgendes:
„Die
Sicherheit in der Arktis bleibt eine wichtige Priorität für Europa. Wir
sind uns einig: Dänemark – einschließlich Grönlands – ist Teil der
Nato. Die Sicherheit der Arktis muss mit den Nato-Partnern,
einschließlich der USA, gewährleistet werden. Grönland gehört seinem
Volk.“
Der Bundeskanzler der Bundesrepublik
Deutschland sorgt sich also mehr um die Sicherheit der Arktis als um die
Sicherheit der eigenen Bevölkerung in der deutschen Hauptstadt. Der
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland macht lieber eine Ansage an
Donald Trump, als an jene Linksextremisten, die in Berlin Zehntausenden
die Energieversorgung gekappt haben. Und der Bundeskanzler der
Bundesrepublik Deutschland reist lieber als Staatsmann um die Welt, als
sich zu Hause um den Ökoterrorismus zu kümmern. Keine Pointe.
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