29 September 2026

FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer - Rot-Rot-Grün: Das ist dann das Ende der Brandmauer zur AfD

FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer
Rot-Rot-Grün: Das ist dann das Ende der Brandmauer zur AfD
Montag, 28.09.2026,
Ein Bekenntnis gegen Antisemitismus ist die Bedingung, die die Grünen in Berlin für ein Bündnis mit der Linkspartei stellen. Wenn es nicht mehr braucht, dann ist auch die AfD koalitionswürdig.
Der Weg für ein Bündnis mit der AfD ist frei. Die AfD muss nur ein „klares Bekenntnis“ abgeben, dass Verfassungsfeinde in ihren Reihen keinen Platz haben, und die Verhandlungen mit der Union können beginnen.
Das ist der Weg, den ausgerechnet die Grünen eröffnet haben. Ein „klares Bekenntnis gegen Antisemitismus“, das verlangt der grüne Parteichef Felix Banaszak von der Linkspartei, dann steht den Koalitionsverhandlungen nichts mehr entgegen. Eine Unschuldserklärung in eigener Sache, das ist alles, was es braucht.
Linke kann „klares Bekenntnis“ völlig gefahrlos abgeben
Jeder weiß, was von so einem Bekenntnis zu halten wäre. Man muss sich ja nur anschauen, wer mit der roten Welle ins Berliner Abgeordnetenhaus geschwemmt wurde. Die Linkspartei ist durchsetzt mit Leuten, die sich nicht mal mehr die Mühe machen, ihre wahren Absichten zu bemänteln. „Heute ist eine Wahlintifada“, so lautete der Aufruf eines jungen Linke-Politikers aus Neukölln, der sich rasend schnell verbreitete.
Man braucht nicht viel Recherche, um auf Bilder zu stoßen, die Elif Eralp, die Spitzenkandidatin und Regierende Bürgermeisterin in spe, Seit an Seit mit einer Aktivistin zeigen, die nach eigenem Bekenntnis erst ruhen will, wenn Tel Aviv palästinensisch ist. Das parteiinterne Palästinakomitee, in dem man die Vergewaltigung jüdischer Frauen als „Akt des Widerstands“ preist, postete eine Liste von Kandidaten, auf die Verlass sei.
Das ist das Schöne am „klaren Bekenntnis“: Man kann es völlig gefahrlos abgeben, weil es einen in keiner Weise bindet. Das funktioniert wie das Beten des Rosenkranzes in der katholischen Kirche.
Ferat Koçak erklärte treuherzig, er wolle jüdisches Leben schützen
In der „Zeit“ tauchte vor der Wahl der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak auf, einer der rabiatesten Vertreter der neuen Migrantifa. Mit treuherzigem Augenaufschlag erklärte er den Reportern, dass ihm kaum etwas so am Herzen liege wie der Schutz jüdischen Lebens.

Am Wahlabend stand er dann einträchtig neben Ibrahim Ibrahim, dem Vertreter des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“, der Dachorganisation der Hamas in Deutschland. Er habe gar nicht gewusst, wer das sei, erklärte Koçak anderntags. So wie er schon nicht gewusst hatte, wer Ibrahim ist, als er ein Jahr zuvor zusammen mit ihm auf der Bühne stand.

SPD-Politikerin schreibt, was Sarrazin prophezeit hat

Ich habe nach langer Zeit das berühmte Skandalbuch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin in die Hand genommen. Ich kann mich noch gut an die Aufregung erinnern, die es nach Erscheinen verursachte. Sarrazins These war, kurz gefasst, dass Deutschland sich keine weitere Migration aus muslimischen Ländern leisten könne, wenn es auf Dauer das Deutschland bleiben wolle, das seine Bürger schätzten. Der Teil, der am anstößigsten empfunden wurde, waren die Ausführungen zur demografischen Entwicklung.
Es war die Zwangsläufigkeit eines Bevölkerungsaustauschs, die seinem Buch die Zugkraft verlieh und gleichzeitig auch solche Abwehr eintrug. Sarrazin argumentierte, dass die Entwicklung irgendwann unumkehrbar sei, wenn man nicht gegensteuere, weil muslimische Haushalte im Schnitt eine höhere Kinderzahl hätten als deutsche.

Die ehemalige Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Sawsan Chebli, hat vor ein paar Monaten in den sozialen Netzen einen Post hinterlassen, in dem sie ihrer Hoffnung auf einen Bevölkerungswechsel Ausdruck verlieh. Man müsse nur noch ein wenig durchhalten, dann werde man die Mehrheit stellen, erklärte sie. Wörtlich schrieb sie: „Vor allem der 3. und 4. Generation sage ich: Dieses Land ist auch euer/unser Land. Kämpft dafür. Demografie wird Fakten schaffen.“

Was genau sie sich vorstellt, was dann passieren würde, blieb offen. Aber es war klar, dass sie davon träumt, dass Leute wie sie die Regeln bestimmen und nicht mehr die anderen. Das war ziemlich genau das, was Sarrazin prophezeit hatte. Nur dass es jetzt nicht als Angstversion, sondern als Verheißung formuliert war.

Sawsan Chebli war mal das Postergirl der Berliner SPD

Sawsan Chebli war einmal das Postergirl der Berliner SPD. Aufgewachsen in Berlin-Moabit mit zwölf Geschwistern, Vater Palästinenser, mehrfach abgeschoben und irgendwie immer wieder zurückgekehrt. Ein Leben am Rande und dann der phänomenale Aufstieg, der sie bis ins Außenministerium trug. Auch deshalb war ihre Äußerung so bemerkenswert.

Im Nachhinein war der Post ein Wetterleuchten, eine Ankündigung des neuen, auftrumpfenden Selbstbewusstseins, das die Welt wieder in „ihr“ und „wir“ teilt. „Steht auf für unsere Kinder, unsere Gemeinschaften und unsere Zukunft. Geht raus und wählt Die Linke“, hieß es am Wahlsonntag. Wer mit „uns“ gemeint ist? Jedenfalls nicht Sören, Finn, Maren und Louisa aus Kreuzberg-Friedrichshain, auch wenn die bis heute denken, sie gehörten dazu.

An den Schulen ist schon länger zu beobachten, was die Tribalisierung in der Praxis bedeutet. Wer als Christenkind zu erkennen ist, tut besser daran, den Mund zu halten und sich unterzuordnen, sonst kann es sehr schnell sehr hässlich werden. In den Zeitungen finden sich regelmäßig Berichte über Kinder, die gemobbt wurden, weil sie keine Muslime sind. Viele Grüne haben ihre Kinder in Sicherheit gebracht, indem sie diese an den Stadtrand fuhren, wo man noch unter sich ist. Auch das wird nicht mehr funktionieren, wenn im Roten Rathaus Frau Eralp sitzt.

Remmo-Besuch auf Wahlparty war eine Machtdemonstration

Das migrantische „uns“ ist ebenfalls inklusiv, nur anders, als man es kennt. In der Wahlnacht machte auch Issa Remmo, der berühmteste Clan-Boss der Stadt, seine Aufwartung, erst auf der Wahlparty in Neukölln, dann auf der zentralen Feier in Kreuzberg. Anschließend hieß es, man habe nicht gewusst, um wen es sich handelte. Dann tauchte ein Chat-Verkehr mit dem Neuköllner Linkspartei-Bubba Koçak auf, in dem sich dieser als guter Freund der Familie („mein Respekt“) vorstellte.

In Wahrheit war der Besuch eine Machtdemonstration. „Wir sind die neuen Herren der Stadt“, das war die Botschaft. Er fühle sich von keiner Partei so unterstützt wie von der Linkspartei, gab Remmo noch zu Protokoll, bevor er das Victory-Zeichen machte und wieder von dannen zog. „Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team“, heißt es bei seinem Sohn.

Anderseits, wäre ich im Clan-Geschäft, würde ich mich auch verstanden fühlen von einer Bürgermeisterin, die am liebsten die Polizei auflösen und durch Sozialarbeiter ersetzen würde. Und mit Enteignung kennt sich Remmo aus. Bei ihm läuft es jetzt, wenn er Glück hat, umgekehrt: Er bekommt alles zurück, was die Staatsanwaltschaft an Eigentum konfisziert hat.

Bei den Grünen gibt es zwei Teile

Es ist nun an den Grünen, ob sie dem Wahnsinn freien Lauf lassen – oder ob sie einer Koalition mit der Linkspartei eine Absage erteilen. Ein Teil des grünen Publikums mag Verstaatlichung goutieren und auch nicht viel für Juden übrig haben. Aber es gibt einen mindestens so bedeutsamen Teil, der vom Antisemitismus und vom Vulgärmarxismus der Linken angewidert ist.

Der Pianist Igor Levit, Anwohner aus Berlin-Mitte, veröffentlichte am Tag nach der Wahl ein Video, in dem er einen jüdischen Witz erzählte. Treffen sich zwei Juden, ein Optimist und ein Pessimist. Der Pessimist sagt: „Es kann nicht mehr schlimmer kommen, als es ist.“ Der Optimist entgegnet: „Doch.“

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