VON BEN KRISCHKE am 17. September 202, 5 Min„Die Angeklagte kam bauchfrei und auf High Heels ins Gericht: Vor dem Landgericht Traunstein hat ein Prozess gegen eine inzwischen vom Dienst suspendierte Polizistin begonnen, die eine 14-Jährige vergewaltigt und hunderte kinderpornografische Dateien besessen haben soll“, schreibt die Welt. Der Satz hat einen Widerhaken. An ihm bleibt hängen, wer noch gewohnt ist, Wörter nach ihrer herkömmlichen Bedeutung zu verstehen. Die Frage drängt sich auf: Wie vergewaltigt eine Frau eine Frau? Gar nicht, lautet die Antwort. Denn „die Angeklagte“, die auf High Heels ins Gericht kam, ist keine Frau, sondern ein Mann, der sich heute „Maja S.“ nennt. Das Dilemma, in dem die Welt hier steckt, ergibt sich aus der Rechtslage. Offenbar hat der Angeklagte seinen Geschlechtseintrag ändern lassen. Laut Behörden ist er also eine Frau. Trotz Penis wahrscheinlich, mit dem er mutmaßlich vergewaltigt hat. „Wahrscheinlich“ deshalb, weil nichts über gewisse Operationen überliefert ist.
Der Tatort: eine Toilette. Das Opfer: die 14-jährige Tochter einer Freundin. Vergewaltigung ist zudem nicht die einzige Tat, für die der 55-Jährige vor Gericht steht. Bei ihm sollen außerdem tierpornografische sowie kinderpornografische Inhalte gefunden worden sein. „Auf den Dateien, die bei der 55-Jährigen gefunden wurden, sind laut Ermittlern brutale Gewaltszenen an Kindern zu sehen. Die jüngsten Opfer sollen etwa drei Jahre alt gewesen sein“, schreibt hierzu Welt.
Die große Verwirrung ums Geschlecht Es ist ein Fall, der über das Strafrechtliche hinaus deshalb so interessant ist, weil er eine Debatte über Glauben und Wirklichkeit eröffnet, die so noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre: Vor Gericht sitzt ein mutmaßlicher Täter, der ein Mann ist. Diesem Mann wird eine Tat vorgeworfen, die er in der ihm vorgeworfenen Art und Weise nur deshalb hätte begehen können, weil er ein Mann mit einem Penis ist. Und dennoch nennt die Welt ihn eine Frau.
Die Welt ist nicht das einzige Medium, dass den Mann, der sich heute „Maja S.“ nennt, als Frau bezeichnet. Das Schwesterblatt Bild druckte die Schlagzeile „Mädchen vergewaltigt! Polizistin gesteht furchtbare Tat“. Auch beim Spiegel ist von einer „Polizistin“ die Rede, ebenso beim Stern und bei der Süddeutschen Zeitung, auch bei ntv. Anderswo steht immerhin „Trans-Frau“, was zwar näher dran ist an der Wirklichkeit, das wahre Geschlecht aber dennoch verschleiert.
Der Fall erinnert nicht der Tat, aber der großen Verwirrung ums Geschlecht wegen an zwei weitere Fälle, die bei Cicero ebenfalls thematisiert wurden. An den des verurteilten Rechtsextremisten, der sich heute Marla-Svenja Liebich nennt. Und an den des in Ungarn verurteilten Linksextremisten Simeon T., der sich heute „Maja“ nennt. In beiden Fällen war in den Medien immer wieder von einer Frau die Rede, obwohl es sich eigentlich um einen Mann handelte. Mit dem Unterschied, dass in beiden Fällen das Geschlecht nicht Voraussetzung war für die Tat.
Wie eine groteske Idee Wirklichkeit wurde
Dass die Sprache der Wirklichkeit heute einfach davonlaufen kann, ist der wahrscheinlich größte ideologische Erfolg der postmodernen Linken, insbesondere des Wokismus. Seinen Jünger*innen (sic!) ist gelungen, Menschen einzureden, dass Geschlecht nichts Objektives sei, sondern etwas Subjektives, nur ein Gefühl. Wahrlich eine ideologische Meisterleistung, die sich in mehreren Schritten vollzogen hat.
Erst brauchte es die Theorie, die erdacht werden musste. Dahingehend, dass Geschlecht ein Spektrum sei und das binäre Geschlechtersystem nur ein gesellschaftliches Konstrukt. Anschließend musste man die objektiven Erkenntnisse der Biologie negieren. Und dann brauchte es noch den richtigen Zeitpunkt, um mit dieser verrückten Theorie aus der akademischen Nische auszubrechen und sie einer breiteren Öffentlichkeit als Wahrheit und „neues Normal“ einzureden.
Ehrlicherweise ist dem Autor dieser Zeilen bis heute nicht klar, wie das final gelingen konnte; wie man selbst klugen Menschen einreden konnte, dass ein Mann kein Mann, sondern eine Frau sei, oder irgendwas dazwischen. Zumal dieselben Leute, die an so etwas glauben, einen Weißen, der sich zum Schwarzen erklärt, für verrückt erklären würden. Und das, obwohl sich ein schwarzer und ein weißer Mann biologisch viel ähnlicher sind als ein Mann und eine Frau.
Hört auf, Unsinn zu verbreiten!
Denken wir kurz nach: Hartnäckigkeit ist sicher wichtig. Selbst der größte Unsinn wurde schon geglaubt, wenn man ihn den Leuten nur lange genug eingeredet hat. Ein schlechtes Gewissen hilft auch. In der Regel will man ja niemanden verletzen. Auch emotional nicht. Also klammert man gewisse Fakten lieber aus. Unsinn setzt sich außerdem über Masse durch. Je mehr Menschen ihn glauben, desto besser. Und über Nähe, also über das eigene Milieu, das sich in seinem Unsinn gegenseitig bestätigt.
Dies und mehr kann dazu führen, dass Menschen irgendwann anfangen, irrational zu denken. Und das ist das eigentlich Tragische an dieser großen Verwirrung ums Geschlecht. Dass sie nur dadurch zustande kommen kann, dass sich ausreichend Menschen der eigenen Vernunft widersetzen. Sie widersetzen sich dem, was sie sehen: dem Offensichtlichen. Und sie widersetzen sich dem, was sie wissen: den Tatsachen. Gewissermaßen fallen sie damit hinter die Aufklärung zurück – in die selbstverschuldete Unmündigkeit (Kant).
Ähnliches gilt für den Journalismus: Wenn die Medien ihre Sprache nicht mehr nach der Wirklichkeit ausrichten, sondern nach einem Geschlechtseintrag, dann hat der Journalismus ein Problem. Dann sagt die vierte Gewalt nicht mehr, was ist. Dann kapituliert sie vor einer irren Idee. Dann wird sie ihrer originären Aufgabe nicht mehr gerecht – und zum Komplizen eines Wahnsinns, der Tatsachen negiert und Gefühle verabsolutiert. Liebe Kollegen, der mutmaßliche Vergewaltiger „Maja S.“ ist ein Mann! Hört auf, Unsinn zu verbreiten!
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