05 September 2026

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk - Die übervollen Mülltonnen (Cicero)

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Die übervollen Mülltonnen (Cicero)
Wer von Gebühren lebt, wird für Beschwerden taub. Das zeigt sich bei Müllentsorgern ebenso wie beim ÖRR. Zwangsfinanzierung schafft Gleichgültigkeit: Kritik versandet, Verantwortung wird abgewehrt, und Manipulation gilt plötzlich als „Schnittfehler“.
VON BERND STEGEMANN am 28. Januar 2026 5 min
Was hat der Berliner Abfallentsorger Alba mit dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) gemeinsam? Die Antwort ist verblüffend: Beide werden aus Zwangsgebühren finanziert und scheren sich einen Dreck um den Bürger. Alba bekommt den Preisaufschlag, den jeder Konsument beim Kauf eines Produkts mit Recycling-Logo bezahlt. Der ÖRR erhält eine monatliche Gebühr in Höhe von 18,36 Euro, die jeder Haushalt bezahlen muss. Alba und ÖRR leben im Paradies der nie versiegenden Geldströme. 
Aus dieser seligen Lage folgt leider ein unangenehmes Verhalten: Beide Unternehmen haben gänzlich taube Ohren für Beschwerden. Alba leert in dem Haus, in dem ich wohne, seit Wochen nicht mehr die gelben Tonnen. Alle Versuche der Beschwerde versanden im Nirgendwo einer kafkaesken Bürokratie. Die Tonnen quellen über. Und in einer teuflischen Dialektik wird das als Argument genommen, nun die Leerung der überfüllten Tonnen zu verweigern. Am vermüllten Ende steht der ohnmächtige Gebührenzahler. 
Haltung statt Verantwortung
Beschwerden beim ÖRR laufen ebenfalls ins Leere. Als jüngst der Direktor der BBC zurückgetreten ist, wurde mir die Schwerhörigkeit des deutschen ÖRR abermals bewusst. Der Direktor der BBC trat aus berufsethischen Gründen zurück, die für Mitarbeiter des deutschen ÖRR unverständlich sind. Es gab Schlampereien bei der Aufarbeitung eines Missbrauchsfalls eines BBC-Mitarbeiters, und es gab einen tendenziösen Bericht über Donald Trump. „Na und?“, sagt der unkündbare ÖRR-Redakteur, „tendenziöse Berichte sind unser Alltag, deswegen muss doch niemand um seinen Posten zittern.“
Doch bei der BBC trat der Direktor zurück, und deutsche Zeitungen und der ÖRR bringen darüber ihre Fassungslosigkeit zum Ausdruck. Man hörte die Verantwortlichen klagen: Wenn das in Deutschland Schule macht, dann gibt es bald viele freie Stellen beim ÖRR. Damit das nicht passiert, gibt es nur eine Erklärung: Die BBC ist Opfer einer rechten Kampagne. 
Gewohnt eloquent in der Selbstverteidigung, erklärt der deutsche ÖRR den Rücktritt zur Verirrung und die ganze BBC auf dem Holzweg. Die BBC hat ein Fairness-Gebot. Was für ein Quatsch. Deutsche „Journalist:innen“ haben eine Haltung, und die ist gegen rechts. Sonst wären sie gar nicht beim ÖRR. Nur ein verrückter Engländer kann auf die Idee kommen, dass es guter Journalismus ist, wenn alle Seiten zu Wort kommen. Natürlich sollen nicht alle zu Wort kommen. Wenn doch mal einer von der falschen Seite ins Programm gerutscht ist, dann erfolgt postwendend eine umfangreiche Einordnung, sodass auch der dümmste Zuschauer wieder weiß, wer gut und wer böse ist. Fairness gilt deutschen Medienmachern als Verrat an „unserer“ Demokratie. 

Der BBC-Rücktritt erfolgte aber vor allem wegen eines tendenziösen Beitrags über Trump. Aus einer langen Rede wurden zwei Stellen so aneinandergeschnitten, dass Trump eine falsche Aussage in den Mund gelegt wurde. Dieses Beispiel aus der Klippschule der Film-Manipulation wird von deutschen Medien als harmloser „Schnittfehler“ bezeichnet. Wozu also die Aufregung bei der BBC? Der tendenziöse „Schnittfehler“ gehört zum Standard deutscher Nachrichtensendungen. 

Manipulation ist kein Versehen

Die Wahrheit des „Schnittfehlers“ ist aber eine ganz andere. Denn es handelt sich beim manipulierenden Filmschnitt nicht um einen Fehler, sondern um eine politische Absicht. Ein Schnittfehler läge vor, wenn zwei Sequenzen fehlerhaft aneinandergeschnitten werden. Ein Wort wird verstümmelt oder eine unpassende Sequenz wird hineingeschnitten. Es ist aber kein Schnittfehler, wenn jemand aus einer Rede zwei Aussagen so aneinanderschneidet, dass ein neuer Sinn dabei entsteht. Diese Schnitttechnik ist seit Eisenstein bekannt und heißt einfach: Manipulation.

Wenn nun deutsche Journalisten eine bekannte Manipulationstechnik als „Schnittfehler“ bezeichnen, offenbaren sie ihr beklagenswertes Berufsethos. Sie scheinen zu glauben, dass der normale Beitragszahler zu dumm ist, um die Manipulation zu bemerken. Und sollte es ihm doch auffallen, dann murmeln sie: „Sorry, ein Schnittfehler.“ 

Wer Manipulation als „Schnittfehler“ bezeichnet, lügt. Denn ein solcher Schnitt zwischen zwei Textpassagen passiert niemals durch Unvermögen, sondern er benötigt den Willen, dem Redner eine Aussage unterzuschieben. Ein solcher Schnitt ist das Gegenteil von einem Fehler. 

Die Reaktionen des ÖRR auf den BBC-Rücktritt entsprechen der Bräsigkeit des Berliner Abfallentsorgers. Da der Gebührenzahler keine Chance zur Beschwerde hat, lässt man die Kritik ins Leere laufen. Und sollte es einmal brenzlig werden, werden haarsträubende Gründe angeführt, warum es kein Verschulden gibt. Der Bürger hat etwas falsch gemacht (Mülltonne zu voll) oder etwas falsch verstanden (einen „Schnittfehler“ für Manipulation gehalten). Gibt er sich mit der Zurechtweisung nicht zufrieden und beschwert sich weiter, dann ist er wohl ein Nazi. Damit ist wie immer alles geklärt, und die Gebühren sprudeln weiter. 

Über den Unterschied zwischen Müllabfuhr und ÖRR sprechen wir ein anderes Mal. Die eine holt den Müll von zu Hause ab, der andere…

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