Von Gabor Steingart, 01.06.2026 (Auszug)
Der Chef von JP Morgan, Jamie Dimon, bei einem Town-Hall-Meeting von Amerikas größter Investmentbank zu seiner Belegschaft gesprochen. Er griff frontal die Homeoffice-Regeln der eigenen Firma an und auch die Neigung, sich in Zoom-Meetings zu verstecken:
"Seit Covid arbeite ich verdammt noch mal sieben Tage die Woche. Ich komme ins Büro – und wo sind alle anderen? Die einen sind hier, die anderen dort, die Zoomer tauchen gar nicht erst auf, und dann heißt es, Dinge seien nicht angekommen oder erledigt worden. So führt man kein großartiges Unternehmen."
Er hält die ganze Selbstbeschäftigung mit dem Handy, das Texten, Kommentieren und vermeintliche Lustig-Sein für einen Irrweg der modernen Arbeitswelt:
"Wenn Sie mit mir in ein Meeting gehen, haben Sie meine volle Aufmerksamkeit und meinen vollen Fokus. Ich nehme mein verdammtes Handy nicht mit, ich schreibe niemandem Nachrichten – so funktioniert das einfach nicht. Für Kreativität funktioniert es nicht, und es verlangsamt die Entscheidungsfindung."
Das Homeoffice hält er für eine Verschwendung von Zeit und Geld.
"Erzähl mir nicht diesen Quatsch, dass Homeoffice am Freitag funktioniert. Ich rufe freitags viele Leute an, und da ist keine verdammte Person erreichbar."
Er arbeite lieber mit weniger Leuten, dafür konzentriert:
"Wenn ich eine Abteilung mit 100 Mitarbeitern leiten würde, garantiere ich Ihnen: Ich könnte sie auch mit 90 Leuten führen – und dabei sogar effizienter sein. Das könnte ich im Schlaf."
So denken auch Deutschlands Top-Manager und Unternehmer. Aber sprechen sie auch so klar mit ihrer Belegschaft?

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