„Ein
brutaler Mordversuch auf offener Straße in Belfast. Jemand filmt, das
Video geht viral. Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf
Migranten. Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und
Tech-Milliardär Elon Musk. Das Muster ist nicht neu. Wir wollen wissen:
Was steckt dahinter? Welche Akteure haben ein Interesse daran, ein
Gewaltverbrechen dafür zu nutzen, um zum Bürgerkrieg aufzurufen.“
Verklärung der Lüge zum Fehler
Charlie
Kirk und Elon Musk: Beide Fälle ähneln sich gleich mehrfach. In ihrer
Boshaftigkeit genauso wie in der Haltlosigkeit der Vorwürfe, die vom ZDF
erhoben wurden. Im Weltbild dahinter und in der Selbstverständlichkeit,
mit der die Öffentlich-Rechtlichen immer wieder gegen journalistische
Grundsätze verstoßen, um dieses Weltbild zu verbreiten. Aber auch die
Verklärung der Lüge zum Fehler oder zum Missverständnis hinterher gehört
mittlerweile dazu.
Als sich Elmar Theveßen später „entschuldigte“, räumte er nicht nur
ein, Unsinn über Kirk verbreitet zu haben. Dabei wäre das der richtige
Umgang mit der eigenen Lüge gewesen. Nein, Theveßen relativierte die
eigene Entschuldigung direkt wieder, in dem er davon sprach, den
Sachverhalt „verkürzt“ dargestellt zu haben. Als würde eine Lüge dadurch
zur Wahrheit, dass sie ausführlicher dargelegt wird.
Ähnlich
verhält es sich mit dem öffentlichen Statement des ZDF zur jüngsten
Behauptung über Elon Musk. Statt einzuräumen, eine Lüge über Musk
verbreitet zu haben, wird diese Lüge zum Missverständnis erklärt. Was
übrigens nicht nur doppelt gelogen ist, sondern dem Zuschauer auch noch
eine Mitschuld an der Lüge gibt. Denn zu einem Missverständnis gehören
immer zwei: Sender und Empfänger.
Ein hoffnungsloser Fall
Die
gute Nachricht ist, dass Elon Musk – anders als Charlie Kirk – noch
lebt und sich gegen solche Lügen über ihn wehren kann. Auf X hat er
jetzt angekündigt, juristisch gegen das ZDF vorzugehen. Zuvor hatte Nius-Chefredakteur
Julian Reichelt die Berichterstattung des ZDF Thematisiert. Dessen Post
hatte Musk anschließend mit einer entsprechenden Ankündigung
kommentiert.
Dass sich Musk juristisch gegen das ZDF wehren will,
ist auch deshalb eine gute Sache, weil der Unternehmer eine gigantische
Reichweite und quasi unbegrenzte finanzielle Mittel hat. Sollte er
seine Ankündigung in die Tat umsetzen, sitzt er damit eindeutig am
längeren Hebel. Und nicht, wie in solchen Fällen üblich, das ZDF mit
seinen Gebührenzahlermilliarden.
Die schlechte Nachricht ist, dass auch dieser Streit nicht dazu
führen dürfte, dass man sich beim ZDF wieder konsequent an
journalistische Grundsätze hält. Dabei wurden die ja nicht nur
entwickelt, um diejenigen, über die berichtet wird, vor falscher
Berichterstattung zu schützen. Sondern auch, um Journalisten vor sich
selbst zu schützen, wenn sie bei ihrer Arbeit in einen inneren Konflikt
geraten. Zwischen ihrer Rolle als objektiver Beobachter und ihren
subjektiven Überzeugungen.
Subjektivität sticht Objektivität
Womit
wir beim Hauptproblem des ZDF angekommen wären, das gleichzeitig eines
des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunks geworden ist. Mal mehr,
mal weniger stark ausgeprägt. Die jüngste Lüge über Elon Musk steht
exemplarisch und eben auch symptomatisch für einen ÖRR-Journalismus, der
zu häufig gegen den eigenen Auftrag und damit gegen die eigene
Existenzberechtigung handelt.
Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, dessen Mitarbeiter im
Zweifelsfall agieren wie Aktivisten und journalistische Standards
zugunsten irgendeiner weltanschaulichen Mission hintanstellen, hat
jedoch ein gewaltiges Problem. Weil der Informationsauftrag kein
Erziehungsauftrag ist und öffentlich-rechtliche Sender keine
Tendenzbetriebe sind, über deren Fortbestand der freie Markt
entscheidet.
Und der ÖRR hat ein noch viel größeres Problem, wenn
er in den ohnehin nur wenigen Fällen, bei denen aus Lügen,
Unterstellungen oder einseitigen Betrachtungen eine breite Debatte wird,
nach außen abbügelt und nach innen keine Konsequenzen zieht. Am Ende
schadet er sich damit nur selbst – und riskiert, irgendwann abgeschafft
zu werden. Und zwar völlig zu Recht.
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