30 August 2026

Studie der TU München- Forscher zerlegen Klimaschutz-Politik der EU im Auto-Sektor (Focus-Online)

Studie der TU München
Forscher zerlegen Klimaschutz-Politik der EU im Auto-Sektor (Focus-Online)
Die Technische Universität München (TUM) hat nach Informationen von „Bild am Sonntag“ irrtümliche Annahmen der EU-Klimaschutzpolitik im Bereich Automotive-festgestellt.
Focus-Online Redaktion - Sonntag, 30.08.2026,
Die TUM stellt am Dienstag in der bayerischen Landeshauptstadt eine entsprechende Studie mit dem Titel „Defossilisation statt Dekarbonisation“ vor. TUM-Präsident Professor Thomas Hofmann, der die Studie initiiert hat, bilanziert in der Einladung zur Pressekonferenz am Dienstag: „Das jetzt vorliegende White Paper der TUM zeigt eine substanzielle Fehlsteuerung der Europäischen Politik in ihrer Klimastrategie.“
Forscher: E-Autos nicht CO2-frei und damit auch nicht klimaneutral
Hauptkritikpunkt der Wissenschaftler ist, dass E-Autos im Gegensatz zur Annahme in der EU‑Klimaverordnung 2019/631 nicht CO2‑frei und damit auch nicht klimaneutral seien. In einer Zusammenfassung der TUM-Studie, über die „Bild am Sonntag“ berichtet, heißt es: Die „systematische Auswertung von 19 Studien und 47 Szenarien“ zeige, dass batterieelektrische Fahrzeuge im Vergleich zum Verbrenner die CO2‑Belastung in aller Regel zwar reduzierten, aber im Durchschnitt nur um 41 Prozent. Das ist weit entfernt von der Klimaneutralität, die die EU der Elektromobilität zuspricht. 
Die TUM-Professoren verwerfen den bisherigen Ansatz der EU-Regulatorik, die CO2-Emissionen ausschließlich in den Abgasen und damit am Auspuff zu messen, als wissenschaftlich nicht haltbar. Denn sie berücksichtige nicht die CO2‑Emissionen, die bei der Beschaffung von Rohstoffen, der Produktion, im Betrieb und beim Recycling von E-Autos entstünden. Dabei geht es vor allem um CO2, das in Stahl oder Aluminium eingelagert ist, und um die Frage, wieviel grüner oder fossiler Strom bei der Herstellung und im Betrieb eines E-Autos zum Einsatz kommt. Eine Rolle für den fossilen Fußabdruck eines Autos spielt zudem, wie viele Materialien am Ende der Lebenszeit eines Autos zurückgewonnen werden können.
Ändern sich jetzt die EU-Klimaschutz-Regeln?
Die Fronten sind verhärtet: Auf der Auspuff-Logik beruhte schon die Bevorzugung elektrischer Fahrzeuge, als 2011 unter der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) E-Autos von der Kfz-Steuer befreit wurden – begründet mit Emissionsfreiheit und Klimaschutz. Und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen verkündete im Dezember 2025, ihr „Automobil-Paket“ mit leichten Korrekturen am Verbrenner-Aus stehe für „Innovation, saubere Mobilität, Wettbewerbsfähigkeit“.
Studie: EU könnte eigene Klimaziele massiv verfehlen
Die EU-Regulatorik aber erfasst – so der TUM‑Vorwurf – im Gegensatz zu dieser Betrachtung über den kompletten Lebenszyklus eines Autos erhebliche potenzielle Beiträge zur Dekarbonisierung überhaupt nicht. Dies habe „gravierende industriepolitische Konsequenzen“. 
Sollte die EU weiterhin allein auf den Hebel einer Reduktion von CO2 in Abgasen setzen, werde sie ihre eigenen Klimaziele – Reduktion der Netto-Treibhausemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 – massiv verfehlen. Denn die Gesamtflotte werde auch in vier Jahren voraussichtlich noch zu 78 Prozent aus Verbrennern bestehen. Im November steht das „Automobil-Paket“ im Europaparlament und im EU-Rat zur Abstimmung. Deshalb schlägt TUM-Präsident Hofmann jetzt Alarm. Die Erkenntnisse der Studie müssten vor den Beratungen in Brüssel „Eingang in die politische Debatte finden“. „Anderenfalls drohen ökonomische und ökologische Fehlsteuerungen erheblichen Ausmaßes.“ Es gehe um den „industriellen Kern Deutschlands und Europas“.

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