Deutschland droht ein Prekariat bei Jugendlichen. Das hat auch mit der Einwanderung zu tun (NZZ)
von Malte Fischer, 17.08.2026, 4 Min
Vielmehr ist die Gefahr gross, dass junge Einwanderer in der Gruppe der NEET (Not in Education, Employment or Training) landen. Statistiker erfassen damit Personen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren, die weder zur Schule gehen noch eine Ausbildung absolvieren und auch nicht arbeiten. Ende 2023 lebten rund 626 000 solcher Personen in Deutschland. An diesem Montag gibt das Statistische Bundesamt die neuen NEET-Zahlen für den Zeitraum von 2022 bis 2025 bekannt.
Zur Gruppe der NEET gehören unterschiedliche Personen. Unter ihnen befinden sich Drop-outs, die die Schule abgebrochen haben und nichts tun, sowie Schulabgänger, die keinen Ausbildungsplatz finden. Auch Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, sowie Hochschulabsolventen, die nach ihrem Examen eine Pause einlegen, werden zur Gruppe der NEET gezählt.
2023 gehörten in Deutschland 7,5 Prozent der Wohnbevölkerung zwischen 15 und 24 Jahren zum NEET-Segment. Damit lag die Quote im internationalen Vergleich im unteren Drittel. Am höchsten war sie in Rumänien und Bosnien-Herzegowina mit jeweils 16,5 Prozent.
Doch Deutschland kann sich vor dem Hintergrund seiner Wachstumskrise nicht mit einer Quote von 7,5 Prozent zufriedengeben.
Mehr Betriebspraktika in Schulen
Was also ist zu tun, damit diese sinkt?
Neben einer strikt an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes ausgerichteten Einwanderungspolitik bedarf es einer Wirtschaftspolitik, die mehr Ausbildungsplätze entstehen lässt. Studien zeigen: Je mehr Lehrstellen es in einer Region gibt, desto niedriger fällt die NEET-Quote aus. Ohne durchgreifende Reformen bei Bürokratie, Abgaben und Energiepreisen werden die Unternehmen aber kaum bereit sein, mehr Azubis einzustellen. Und Hochqualifizierte werden nicht in Deutschland bleiben.
Darüber hinaus braucht Deutschland eine Bildungspolitik, die den Schülern, etwa durch längere Betriebspraktika, schon früh eine Orientierung für die spätere Berufswahl vermittelt. In letzter Zeit hatte nahezu jeder Fünfte zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. Unter den Hauptschulabsolventen lag der Anteil bei fast 40 Prozent. Bei den jungen Menschen ohne Hauptschulabschluss waren es sogar 75 Prozent. Das ist für ein Industrieland wie Deutschland eine bildungspolitische Bankrotterklärung.
Der Mindestlohn muss weg
Dies hat auch mit dem Mindestlohn zu tun. Auf Betreiben der Regierung wurde er in den vergangenen Jahren rasant erhöht. Mit 13 Euro 90 pro Stunde verhilft er Ungelernten zu einem Monatseinkommen von über 2200 Euro. Das ist doppelt so viel, wie ein Auszubildender bekommt, und somit ein Anreiz, eine Hilfsarbeit zum Mindestlohn einer Ausbildung vorzuziehen.
Die Bundesregierung sollte den Mindestlohn daher abschaffen. Mit ihm würde nicht nur ein Fehlanreiz für Jugendliche verschwinden, sondern auch ein Hindernis für innovative Geschäftsmodelle.
Soll die deutsche Wirtschaft wieder wachsen, müssen mehr Menschen arbeiten, statt sich in die Frührente, ins Ausland oder ins Nichtstun zu verabschieden. Es ist höchste Zeit, dass die Regierung das erkennt und entsprechend handelt.

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