Islamistischer Terror
Noch mehr Poller und Verbotszonen? Sorry, das sind Nebelkerzen (WELT)
Noch mehr Poller und Verbotszonen? Sorry, das sind Nebelkerzen (WELT)
Nach dem CSD-Attentat fordert Berlins Innensenatorin, den Tiergarten mit
„Überfahrschutz“ gegen Angriffe abzusichern. Der Vorschlag könnte nicht
weiter entfernt von den Erfahrungen der Opfer sein.
Von Benjamin Scherp, Volontär Axel-Springer-Academy, 29.08.2026, 3 Minuten
Sebastian S. und Luise D. haben einen Machetenangriff im Berliner Tiergarten am Abend des CSD nur knapp überlebt. Gesehen fühlen sie sich bis heute nicht. „Meine Tat hat bis heute nicht stattgefunden“, sagt Luise gegenüber WELT. In der Öffentlichkeit dominierte bislang lediglich die Erzählung einer Amokfahrt durch Abdul Ballout. Die Machetenattacke, bei der beide lebensgefährlich verletzt wurden, geriet dagegen schnell in den Hintergrund.
Immer wieder müssen die Überlebenden erklären, dass sie nicht von einem Auto verletzt wurden. Teilweise, so berichten sie, hätten Menschen ihnen ihre Schilderungen kaum geglaubt. Als der Berliner Bürgermeister Kai Wegner sie ins Rote Rathaus einlud, sei laut den Betroffenen fast nur von dem Fahrzeug-Anschlag und einem allgemeinen Angriff auf die queere Community die Rede gewesen. Von der Machete kaum ein Wort.
Nun erleben die Betroffenen, wie auch die realpolitische Debatte um Maßnahmen nur um das Tatfahrzeug kreist, obwohl sie selbst Opfer einer völlig anderen Tat wurden. Berlins Innensenatorin Iris Spranger fordert, den Großen Tiergarten mit Bänken, Skulpturen und anderen Sperren gegen Fahrzeugangriffe abzusichern. Ein „Großveranstaltungs-Hotspot“ wie der Tiergarten brauche einen festen Überfahrschutz, so die SPD‑Politikerin. Die Forderungen könnten nicht weiter entfernt von der Realität der Geschädigten sein. Luise D. sagt gegenüber WELT: „Ich habe kein Auto gesehen. (…) Also schön, dass sie da Poller aufbauen wollen. Den [Täter] hätten sie damit nicht verhindert.“
Der Täter im Tiergarten sprang mit einer Machete aus dem Gebüsch, rannte
auf die Freundesgruppe zu. Auch Sebastian S. überlebte nur knapp. Seine
Lunge wurde getroffen, mehrere Rippen sind zertrümmert. Auch er kann
der aktuellen Diskussion wenig abgewinnen. Die ständige Debatte über Poller und Verbotszonen bezeichnet er als eine Art „Nebelkerze“.
Wer Menschen angreifen wolle, finde immer eine Waffe. Wie Luise D.
sagt: „Das Problem ist, dass Islamisten durch Deutschland rennen.“ Die
Frage, die hier also ignoriert wird, lautet: Warum können Islamisten in
Deutschland immer wieder solche Taten verüben?
Nach jedem Anschlag beginnt die Suche nach neuen symbolpolitischen Maßnahmen. Gewiss, Poller haben ihren Zweck, wenn es um den Schutz vor Fahrzeugen geht. Der Preis dafür ist aber hoch. Seit dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz im Dezember 2016 gleicht der Ort von Jahr zu Jahr mehr einer Festung. Mittlerweile gehören solche Bilder bei Veranstaltungen bundesweit zur Normalität.
Und all dieser maximale Aufwand für minimalen Ertrag. Die Mehrheit der islamistischen Täter wählte in den vergangenen Jahren eben nicht Pkws oder Transporter, sondern Messer und Macheten. Dagegen hilft auch keine Ausweitung von sogenannten Messerverbotszonen.
Wir pflastern Städte mit Beton zu und zäunen öffentliche Orte ein. Diese Politik der Abschottung steigert die Sicherheit nicht, sie schürt Angst und nimmt das Gefühl der Lebensfreude. Sie erzeugt Unfreiheit und hält die Furcht permanent am Leben, während die echte Bedrohung weiterwabert. Das Problem heißt Islamismus. Und das lässt sich nicht hinter Absperrungen verstecken.

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