Die SPD-Spitze wackelt. Doch die Probleme der Partei sitzen zu tief, als dass ein Führungswechsel sie lösen könnte (NZZ)
Die Debatte über die chronisch erfolglose Spitze Bas-Klingbeil läuft auf die drei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September als Entscheidungsmomente zu. Sowohl Niederlagen als auch ein klarer Sieg der mecklenburg-vorpommerschen Spitzenkandidatin Manuela Schwesig könnten der Diskussion dann abermals Dringlichkeit verleihen.
Die Arbeiter wandten sich in den vergangenen Jahren von der SPD ab, die Partei mutierte immer mehr zur Lobbypartei der Rentner und Transferleistungsempfänger und wurde zugleich immer akademischer – kurzum: Die Sozialdemokratie verlor ihre Seele.
Die SPD wurde auch Opfer ihres eigenen Erfolgs. Der Abbau von Aufstiegsbarrieren hat die sozioökonomische Struktur der Partei so stark verändert, dass sie der ihrer idealen Wählerschaft nicht mehr ähnelt. Eine Lehrerpartei zu sein, ist keine Stärke, wenn man von Arbeitern gewählt werden will. Und gleichwohl hätte es in den Jahren seit Gerhard Schröders Kanzlerschaft genug Gelegenheit gegeben, dieses Missverhältnis anzugehen.
Doch mittlerweile ist der Prozess schon zu weit fortgeschritten. Es ist, als würde man einem Tier dabei zuschauen, wie es sich in einem Drahtzaun verfängt und sich vor Schmerzen jaulend durch jede hektische Bewegung immer fester darin verstrickt.
Tragisch an der Lage der Partei ist auch, dass für eine reformorientierte, pragmatische Sozialdemokratie noch immer Platz im deutschen Parteienspektrum ist, wenn sie nur glaubhaft ein Aufstiegsversprechen für die arbeitende Mitte vertritt. Doch damit verfängt inzwischen die AfD.

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