Fake News im ZDF
Liebe Leserin, Lieber Leser,
persönliche Ergriffenheit gehört zum Handwerkszeug der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali wie für andere TV-Promis das Haarspray. In ihren Social-Media-Posts scheint sie manchmal fast über sich selbst weinen zu müssen. Haltung ist ihr wichtig. Flagge zeigen, wo Unrecht geschieht. Schade, dass sie das ausgerechnet bei einer Affäre nicht schafft, die ihren Sender seit nunmehr zehn Tagen erschüttert. Mit ihr mittendrin.
Ausgerechnet von Frau Hayali, die den Quatsch anmoderiert hat, um den es hier gleich geht, gab’s bis heute kein Statement, nur ein paar eher leise Repliken auf Leser-Kommentare via Instagram. Dabei böten sich auch hier mannigfaltige Haltungsmöglichkeiten.
Am 15. Februar sendete das „heute journal“ einen Report über die bösen Schergen der US-Einwanderungsbehörde ICE. Blöd nur: Eine der Video-Sequenzen von der Festnahme einer Mutter mit ihren Kindern war gar nicht echt, sondern von einer KI gebastelt. Die zweite war Jahre alt und hatte mit ICE überhaupt nichts zu tun. In ihrer Anmoderation orakelte Hayali frivolerweise noch, bei dem Thema gebe es so viele Fake News. Oh ja! Leider auch im eigenen Beitrag.
Aber um Karl Kraus zart zu variieren: Manchmal beginnt ein Skandal erst damit, dass das ZDF ihm ein Ende bereiten will. Erste ZDF-Reaktion auf das Fiasko: vermurmelte Ignoranz. Zweite Reaktion: Okay, man hätte das KI-Material kennzeichnen müssen. Fake-Videos auf einem Flaggschiff des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sind also okay, wenn man sie kennzeichnet? Finde den Fehler! Dritte Reaktion: Das ZDF löschte den Beitrag aus der Mediathek, um ihn dann mit leichten Korrekturen wieder hochzuladen. Da war der Shitstorm nicht mehr aufzuhalten.
Zwei Tage später erklärte Vize-Chefredakteurin Anne Gellinek
live in der abendlichen Sendung: „Der Beitrag entspricht nicht unseren
Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen.“ Sie
sprach von einem „Doppelfehler“ und bat „ausdrücklich um
Entschuldigung“.
Die US-Korrespondentin Nicola Albrecht wurde aus New York abberufen. Sie habe sich schwerer Verstöße gegen Richtlinien des Senders und journalistische Standards schuldig gemacht, hieß es. Von Hayali weiter kein Ton. Am 20. veröffentlichte das ZDF neue Details „In eigener Sache“. Und der für die ZDF-Rechtsaufsicht zuständige hessische Staatskanzleichef Benedikt Kuhn (CDU) forderte eine Stellungnahme: „Der Vorfall erfüllt mich mit Sorge.“
Vorerst letzter Akt: Am Montag gab’s eine Online-Betriebsversammlung mit einem „regen, selbstkritischen, aber auch wertschätzenden Austausch“, erklärte mir das ZDF gestern. Nach allem, was ich so höre, war Halligalli unter den über tausend Beschäftigten: Verunsicherung, Angst vor der gebührenzahlenden Kundschaft, eine erneut unsichtbare Dunja Hayali, Gejammer über zu wenig Geld.
2,75 Milliarden Euro kann der Sender dieses Jahr verfrühstücken, das Gros davon aus Gebührengeldern. Da sollte man sich ein bisschen Sorgfalt leisten können. „Wir sind beschädigt, aber auch klüger“, bilanzierte im „SZ“-Interview die ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten, die Hayali verteidigte. Sie habe ja von nichts gewusst. Dann ist ja alles gut, oder? (Auf Nachfrage bestätigte das ZDF nun, dass Hayali diese Anmoderation selbst verfasst habe).
Nur mal zur Erinnerung: US-Präsident Donald Trump verklagt gerade die britische BBC auf Schadensersatz von zehn Milliarden Dollar. Der Sender hatte Bildschnipsel so montiert, dass es aussah, als habe Trump den Sturm aufs Kapitol 2021 aktiv angeheizt. Das ist die aktuelle Benchmark.
Und die Haltungsexpertin Hayali? Duckt sich weg. Kennt man gar nicht von ihr.
Die US-Korrespondentin Nicola Albrecht wurde aus New York abberufen. Sie habe sich schwerer Verstöße gegen Richtlinien des Senders und journalistische Standards schuldig gemacht, hieß es. Von Hayali weiter kein Ton. Am 20. veröffentlichte das ZDF neue Details „In eigener Sache“. Und der für die ZDF-Rechtsaufsicht zuständige hessische Staatskanzleichef Benedikt Kuhn (CDU) forderte eine Stellungnahme: „Der Vorfall erfüllt mich mit Sorge.“
Vorerst letzter Akt: Am Montag gab’s eine Online-Betriebsversammlung mit einem „regen, selbstkritischen, aber auch wertschätzenden Austausch“, erklärte mir das ZDF gestern. Nach allem, was ich so höre, war Halligalli unter den über tausend Beschäftigten: Verunsicherung, Angst vor der gebührenzahlenden Kundschaft, eine erneut unsichtbare Dunja Hayali, Gejammer über zu wenig Geld.
2,75 Milliarden Euro kann der Sender dieses Jahr verfrühstücken, das Gros davon aus Gebührengeldern. Da sollte man sich ein bisschen Sorgfalt leisten können. „Wir sind beschädigt, aber auch klüger“, bilanzierte im „SZ“-Interview die ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten, die Hayali verteidigte. Sie habe ja von nichts gewusst. Dann ist ja alles gut, oder? (Auf Nachfrage bestätigte das ZDF nun, dass Hayali diese Anmoderation selbst verfasst habe).
Nur mal zur Erinnerung: US-Präsident Donald Trump verklagt gerade die britische BBC auf Schadensersatz von zehn Milliarden Dollar. Der Sender hatte Bildschnipsel so montiert, dass es aussah, als habe Trump den Sturm aufs Kapitol 2021 aktiv angeheizt. Das ist die aktuelle Benchmark.
Und die Haltungsexpertin Hayali? Duckt sich weg. Kennt man gar nicht von ihr.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen