Die Bürgerlichen sind zu bequem, um die Gründe für ihre Niederlagen zu verstehen (WELT)
Eine echte Zivilgesellschaft ist das Herz und im Idealfall die Seele
einer liberalen Demokratie. Sie ist die selbstbewusste Verkörperung
jenes „demos“, der eigentlich herrschen und die Macht seiner
Repräsentanten kritisch einhegen sollte. Doch seit der Klimahysterie,
dem Atomausstieg, der Migrationskrise, Corona und zuletzt einer
antimarktwirtschaftlichen Agenda leiden die Debatten unter der
Asymmetrie der zivilgesellschaftlichen Repräsentation. Eine staatlich
finanzierte Zivilgesellschaft ist nämlich keine Zivilgesellschaft.
Schaden für die Volkswirtschaft
Die Grenzen zwischen Zivilgesellschaft und einem ins Vorpolitische wuchernden Staatsapparat sind auf dramatische Art fließend geworden. Deswegen waren die 551 Fragen von zentraler strategischer Bedeutung, um zu erkennen, wo der Staat politische Meinungs- und Willensbildung finanziert. Nach Auffassung von Staatsrechtlern kann in extremen Fällen einer nahezu vollständigen Staatsfinanzierung sogar die Grenze zur Amtsträgereigenschaft überschritten sein. Deshalb ist es mehr als verdienstvoll, dass jetzt eine NGO, die diesen Namen wirklich für sich beanspruchen kann, dort weitermacht, wo sich die Union vom Acker gemacht hat und die FDP aus dem Relevanz-Set gerutscht ist.
Der gemeinnützige Verein ITD (Initiative Transparente Demokratie) ist privat finanziert und will die Transparenz bei der privaten und staatlichen Finanzierung unterschiedlichster Lobbygruppen erhöhen. Dabei geht es auch um ausländische „Investoren“ in die sogenannte Zivilgesellschaft, die insbesondere in der Klimadiskussion für erheblichen Schaden in der deutschen Volkswirtschaft gesorgt haben. Dieser kleine Verein will sich mit der Amadeu-Antonio-Stiftung anlegen, weil diese formal als zivilgesellschaftlicher Akteur gilt, faktisch jedoch Aufgaben wie Demokratieförderung, Monitoring und Beratung übernimmt, die ansonsten staatlichen Stellen zugeordnet wären, und die dabei zu einem sehr hohen Anteil staatlich finanziert wird.
Eigentlich wäre es Sache bürgerlicher Parteien und Intellektueller, deutlich zu machen, dass der Begriff der Demokratieförderung selbst kein klassischer juristischer Terminus wie Gefahrenabwehr oder Daseinsvorsorge ist, sondern eher ein politisch-programmatischer Begriff, der gewissermaßen zur Unterdrückung unerwünschter Meinungen missbraucht wird, die dann willkürlich als antidemokratisch oder undemokratisch denunziert werden.
Der kleine Verein weist zudem auf einen Personalpool hin, aus dem sich
Teile des Spitzenpersonals von Ministerien, Behörden, Parteienstiftungen
und geförderten Organisationen speisen. Als Beispiel wird der
Bundesverband der Verbraucherzentralen genannt, finanziert vom tiefgrün
geprägten Bundesumweltministerium. Der Präsident des Verbandes war Klaus
Müller (Grüne), inzwischen Chef der Bundesnetzagentur, eingesetzt vom
damaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Müllers
Nachfolgerin an der Spitze des Bundesverbands der Verbraucherzentralen
ist Ramona Pop (Grüne), ehemalige Bürgermeisterin von Berlin.
Die Union wundert sich, warum sich bürgerliche Familienpolitik kaum mehr durchsetzen kann, auch keine Erhardsche Staatsdiät – und dass sie auch sonst, wenn es um die Aktivierung der Gesellschaft geht, keinerlei Transformationsriemen mehr hat, die ihr helfen. Die Konstrukteure des Marsches durch die Institutionen haben ihren Lenin genau gelesen. Das Konzept der „Transmissionsriemen“ (oder Transformationsriemen) der Gesellschaft ist ein zentraler Bestandteil des leninistischen Herrschaftssystems, das später insbesondere von Stalin weitergedacht und genutzt wurde.
Die Bürgerlichen sind zu dumm und zu bequem, um zu verstehen, dass der Kulturkampf der Sortierung dieser Transformations- und Transmissionsriemen dient. Die Unerbittlichkeit der Staats-NGOs kommt aus dem leninistischen Prinzip der revolutionären Avantgarde – inklusive einer gehörigen Portion Verachtung für die Massen. Die Union wird weiter Wahlen verlieren oder gerade so gewinnen, Handlungsspielräume aufgeben und brav dem Zeitgeist hinterhertrotten, wenn sie diese Strukturen nicht ebenso klar zerschlägt wie den ÖRR. Nicht als Kulturkampf, sondern als Ordnungspolitik. Alles gut und schön – nur bitte ohne Steuergeld. Und ja, hallo, liebe FDP, das wäre ein gutes Thema für euch, falls ihr überleben wollt. Obwohl auch einige Grand:innen und Julis in den Links-NGOs gut aufgehoben wären.

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