22 Februar 2026

Frauen gefährden die Demokratie (Weltwoche)

Frauen gefährden die Demokratie

Daniela Niederberger, 11.02.2026, Weltwoche
Viele wichtige Institutionen sind heute von Frauen dominiert. Das ist nicht nur positiv. Frauen ziehen Empathie der Rationalität vor. Und: Sie zensurieren lieber als Männer.
Wir leben in einer Zeit der grossen Feminisierung. An den Unis sind Frauen in der Mehrheit, in den Medien vielerorts auch, in den Firmen sind weibliche Verhaltensmuster zum Massstab geworden, seit die Personalabteilungen fest in Frauenhand sind. «The Great Feminization» nennt das die amerikanische Autorin Helen Andrews in ihrem Essay, der grosse Beachtung fand. Ist das nicht eine gute Sache?, werden viele fragen. Nein, sagt sie. Die Feminisierung gefährdet wichtige Institutionen.
Es bilden sich Parallelwelten.
Die Art, wie der Präsident der Harvard-Universität von Frauen gecancelt worden sei, war für sie ein Augenöffner. Er hielt 2005 einen Vortrag darüber, wie man technische Fächer wie Engineering diverser gestalten könne. Frauen seien dort unterrepräsentiert, weil es «im High-End-Bereich unterschiedliche Verfügbarkeiten in puncto Fähigkeiten gebe». Was heisst: Bei den super Begabten finden sich weniger Frauen. Eine Biologin aus dem Publikum sagte danach, sie habe «fast nicht mehr atmen können». Alles Entschuldigen und Verweisen auf Studien zu biologischen Unterschieden half nichts.
Keine Ideologie, sondern Demografie
Der Mann sei auf feminine Art gecancelt worden, sagt Andrews. Mit Emotionen statt logischen Argumenten. Canceln sei weiblich. Cancel-Culture passiere, sobald es in einem Bereich oder in einer Organisation genügend Frauen gebe. Und Wokeness sei keine Ideologie, sondern Demografie. Wokeness bedeute, das Weibliche dem Männlichen vorzuziehen: Empathie vor Rationalität, Sicherheit vor Risiko, Zusammenhalt vor Wettbewerb. Die Differenzen betreffen Frauen und Männer als Gruppen. Natürlich gibt es auf beiden Seiten Ausnahmen. Aber Frauen als Gruppen ziehen Konsens und Kooperation vor. Männer tragen Konflikte aus. Frauen unterminieren und ächten ihre Kontrahentinnen im Verdeckten.
Wichtige Institutionen sind heute mehrheitlich weiblich. An der Universität Zürich gibt es mehr Studentinnen (60 Prozent) als Studenten. Viel mehr Frauen sind es in den Rechtswissenschaften (67 Prozent), in der Medizin und mit gegen 80 Prozent in der Psychologie. In Deutschland ist es nicht anders.

Studentinnen sind häufiger für Zensur und Sprechverbote. Umfragen an amerikanischen Unis zeigen dies. Gefragt, was wichtiger sei, die freie Meinungsäusserung oder Inklusion, sagten 61 Prozent der Männer die freie Rede, aber nur 35 Prozent der Frauen. Ausserdem können oder wollen Frauen objektive Wissenschaft und Anwaltschaftlichkeit oft nicht trennen. Soziologieprofessoren wurden 2018 danach gefragt, und bloss 31 Prozent der Frauen waren für eine klare Trennung; 57 Prozent waren dagegen. Bei den Männern war es umgekehrt.

Männer tragen Konflikte aus. Frauen unterminieren ihre Kontrahentinnen im Verdeckten.
In Deutschland zeigte eine aktuelle Umfrage an Unis, dass eine beträchtliche Anzahl der Studentinnen und Studenten Debatten einschränken möchte, indem Vorträge gestrichen oder Bücher entfernt werden. Dabei geht es eher um das Canceln von konservativen Meinungen. (Hier wurde zwar nicht aufgeschlüsselt nach Männern und Frauen, aber die Mehrheit der Studierenden sind Frauen.) Frauen wählen deutlich linker. Und Linke sind intoleranter gegenüber anderen Meinungen als Konservative.

Auch grosse Medien sind frauendominiert oder werden es bald sein. Beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) liegt der Anteil Redaktorinnen bei über 50 Prozent, beim Tages-Anzeiger sind es 43 Prozent (ohne Sport). Die New York Times ist seit 2018 mehrheitlich weiblich. Was in der New York Times stehe, sagt Andrews, entscheide, was öffentlich als Wahrheit akzeptiert werde. In der Schweiz gilt das so ähnlich für SRF und den Tages-Anzeiger.

Was heisst das nun, wenn an den Universitäten, die ja Orte der offenen Debatte, der Wahrheitssuche sein müssen (und wo die Eliten ausgebildet werden), wenn dort die freie Rede nicht mehr uneingeschränkt gilt? Sogar Zensur nicht abgelehnt wird?

Über dem Buchstaben des Gesetzes

Was bedeutet es für die Meinungsbildung in einer Demokratie, wenn über bestimmte Themen nicht mehr berichtet wird, weil auf den Redaktionen «gruppeninterner Konsens unpopuläre Fakten unterdrücken kann», wie Andrews sagt? Journalisten sollten «stachlige Individualisten» sein.

Katja Rost ist Soziologieprofessorin an der Universität Zürich. Sie sieht nicht allzu schwarz. Es sei eine starke horizontale Gender-Segregation zu beobachten: Frauen bevorzugten andere Gebiete als Männer. An der Uni studierten sie Fächer, die mit weiblichen Gender-Rollen eher übereinstimmen, wie Medizin oder Psychologie.

Die Forschung zeigt zudem, dass Männer Berufs- und Forschungsfelder mit hohem Frauenanteil eher meiden – oder gleich verlassen. «Wenn zu viele Frauen kommen, ziehen sich Männer zurück», so Rost. Das zeige sich im Hochschulbereich: Während der Frauenanteil bei Professuren an den öffentlichen Universitäten stark gestiegen sei, gingen männliche Spitzentalente oft in den boomenden Markt der Firmenforschung. Der Grund: Öffentliche Unis reagieren oft zu träge auf neue technologische Trends.

Ähnliche Dynamiken sieht Rost in den Medien. Viele Männer machten sich selbständig, etwa mit erfolgreichen Podcasts. «Da passiert viel, da entsteht Innovation. Orte der Innovation sind nach wie vor oft männlich geprägt – das hat mit Risiko und Wettbewerb zu tun.»

Es bilden sich also Parallelwelten. Die öffentlichen Unis werden Einfluss verlieren, ebenso Zeitungen und das Fernsehen. Doch vorerst bleiben sie wichtig – und weiblich.

Wie die Justiz. Deren Feminisierung macht Helen Andrews am meisten Angst. «Wir sind alle abhängig von einem funktionierenden Rechtssystem, und, um offen zu sprechen, die Rechtsstaatlichkeit wird es nicht überleben, wenn der Anwaltsberuf mehrheitlich weiblich ist.»

Politisch Unerwünschtes

Das heisst, wenn Gefühle und Empathie über dem Buchstaben des Gesetzes stehen. In Zürich stand ein Mann vor dem Arbeitsgericht, der gegen eine missbräuchliche Kündigung klagte. Ihm sei vermutlich wegen seiner kritischen Haltung gegenüber den Corona-Massnahmen gekündigt worden. In der Pause liess er sein Telefon mitschneiden und hörte die Richterin sagen, es gebe keine Belege für eine mangelhafte Leistung des Entlassenen. Sie glaube, das «Geschwurbel» sei der Entlassungsgrund. Trotzdem suchte sie nach Möglichkeiten, ihm nicht recht geben zu müssen. Sie überging Fakten und liess sich vom Gefühl leiten.

Frauen haben Empathie für Bösewichte. Dies zeigte ein Psychologie-Experiment von 2006. Frauen und Männer schauten einer Gruppe von Spielern zu, von denen einige offensichtlich schummelten. Allen Spielern wurden regelmässig schmerzhafte Stromstösse verabreicht. Wenn es einen fairen Spieler traf, reagierten Männer wie Frauen mit Empathie. Traf es unfaire Spieler, sank die Empathie bei Männern deutlich – bei den Frauen blieb sie ungebrochen hoch.

In Deutschland vergewaltigten zehn Männer, mehrheitlich Migranten, ein fünfzehnjähriges Mädchen. Die Richterin sprach acht von ihnen frei. Grenzenlose Empathie für die ganze Welt bedeutet grenzenlose Immigration. Werden diese Männer gewalttätig, heisst es von Politikerinnen und Richterinnen gerne, sie seien halt traumatisiert, man müsse ihnen eine Chance geben. Zu welchem Preis?

Grenzenlose Empathie für die ganze Welt bedeutet grenzenlose Immigration.

Was sind die Folgen für die Politik? Etwa für die Bewältigung von internationalen Konflikten? Männer hätten im Verlauf der Geschichte Fähigkeiten für Kampf und Krieg optimiert, so Andrews. Im Krieg würden Dispute zwischen zwei Stämmen geregelt. «Das geht nur, wenn nachher Frieden geschlossen wird.» Männer entwickelten Methoden, um sich mit Opponenten zu versöhnen.

Frauen können das offensichtlich nicht, wie seit Jahren im Ukraine-Krieg zu beobachten ist. EU-Aussenministerin Kaja Kallas sagt, Putin sei ein Kriegsverbrecher, und mit solchen rede man nicht. Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, äussert sich ähnlich, und Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, hat Schaum vor dem Mund, wenn immer sie über den russischen Präsidenten spricht.

Das Handwerk der Diplomatie? Inexistent. Moralische Empörung verlängert den Krieg.

Architektur zur Meinungssteuerung

In Europa wird das Internet zunehmend zensuriert. Ursula von der Leyen will «Hassrede» und «Desinformation» einschränken. Doch wer bestimmt, was Desinformation ist? Digitale Plattformen sollen auch faktisch Richtiges einschränken, wenn es politisch unerwünscht ist. Entsprechende Aussagen von Tech-CEOs machte die Justizkommission des US-Repräsentantenhauses publik. Auch hier: Es geht nicht um objektive Straftaten, es geht um Meinung, Aktivismus – weibliche Vorlieben.

In Deutschland waren in den letzten Jahren SPD und Grüne an der Macht, Parteien, die von Frauen dominiert werden. In der Zeit baute das Land ein riesiges Zensurnetzwerk aus 330 grossteils vom Staat finanzierten NGOs auf. Eine wahre Architektur zur Meinungssteuerung, wie es der US-Forscher Andrew Lowenthal in der NZZ nannte. Ein Staat aber, in dem zensuriert wird, in dem die öffentliche Meinung von oben gesteuert ist, der ist keine Demokratie mehr. Frauen gefährden die Demokratie.

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