18 Februar 2026

Der andere Blick - Das ZDF will ein Bollwerk gegen Desinformation sein. Doch der Sender scheitert an seinem eigenen Anspruch (NZZ)

Der andere Blick
Das ZDF will ein Bollwerk gegen Desinformation sein. Doch der Sender scheitert an seinem eigenen Anspruch (NZZ)
Das «Heute Journal» des ZDF illustrierte eine Sendung über die Ausschaffungspolitik der Amerikaner mit einem KI-Fake und beantwortete kritische Fragen mit halbgaren Ausreden. Für den Sender ist das ein Desaster.
Wann immer in Deutschland eine Diskussion über den öffentlichrechtlichen Rundfunk entbrennt, halten Mitarbeiter der Sender mit einem zentralen Argument dagegen. Es lautet: Gerade in Zeiten aufgeheizter Debatten und manipulierter Inhalte im Internet brauche es den Rundfunk mehr denn je. Nur er biete verlässliche Orientierung. Der öffentlichrechtliche Rundfunk, ein Bollwerk gegen Desinformation.
Spätestens jetzt hat diese Erzählung Risse bekommen. Am Sonntag sendete das «Heute-Journal» des ZDF einen Beitrag über die Ausschaffungen der ICE-Behörde in Amerika. Illustriert war der Beitrag mit mehreren Videos, die zeigten, wie Beamte nicht einmal davor zurückschreckten, Jugendliche oder eine Mutter mit Kindern abzuführen. Doch eines der Videos war ein Fake. Es war von einer KI generiert. Die Szene hat sich so nie abgespielt. Alle Personen in dem Video sind frei erfunden, Trugbilder gewissermassen.
Und das ZDF hat auch in der darauffolgenden Sequenz geschlampt. Darin war ein Junge zu sehen, der laut einer englischsprachigen Bildunterschrift direkt aus seiner Schule von ICE-Beamten abgeholt werde. Tatsächlich aber handelt es sich um einen Verdächtigen, der im Jahr 2022 nach einer Amokdrohung in Gewahrsam genommen wurde, wie unter anderem die «Bild»-Zeitung berichtete.
Pikant ist, dass die Moderatorin Dunja Hayali kurz davor noch vor gefälschten Abschiebevideos gewarnt hatte. Nicht alle Bilder, die in den sozialen Netzwerken zu den Abschiebungen in den USA kursierten, seien echt, sagte sie da, «aber doch sehr viele». Damit entstand beim Zuschauer der Eindruck, dass es im Beitrag um reale Vorkommnisse gehe. Hayali brachte also das Kunststück fertig, in einem Atemzug vor falschen Inhalten im Netz zu warnen und diese gleichzeitig ungefiltert weiterzuverbreiten.
Die Reaktion des ZDF machte alles schlimmer
Solche Fehler wären für jedes Medium peinlich. Für einen Sender, der sich so selbstbewusst von Falschinformationen abgrenzt und als Leuchtturm der Objektivität darstellt, sind sie ein Desaster.

Dabei muss man dem ZDF nicht gleich schlechte Motive unterstellen. Wahrscheinlich hat ein Mitarbeiter einfach nur schlampig gearbeitet und die Fälschung übersehen. Möglicherweise hat jemand seine journalistische Sorgfaltspflicht in dem Bedürfnis vernachlässigt, den Beitrag mit möglichst dramatischen Bildern zu untermauern. Dass die Redaktionen der öffentlichrechtlichen Sender linkslastig besetzt sind, ist kein Geheimnis.

Das alles ist schlimm genug. Die Reaktionen des ZDF auf die Berichterstattung machten indes die Sache noch schlimmer.

Zunächst hiess es, man habe lediglich versäumt, das KI-Video zu kennzeichnen. Das klang so, als habe das ZDF mit voller Absicht ein KI-generiertes Video verwendet. Etwas später teilte der Sender dann mit, eigentlich sei es in der Sendung darum gegangen, «dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Inhalten Angst erzeugt wird». Darauf gibt die Sendung aber keinen Hinweis.

Erst am Nachmittag entschuldigte sich der Sender «in aller Form für diese Fehler». Der Beitrag «hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen». Der Schaden aber war da längst angerichtet.

Der BBC-Skandal als warnendes Beispiel

Die späte Einsicht des ZDF ist bemerkenswert. In mehreren europäischen Ländern steht der öffentlichrechtliche Rundfunk unter Beschuss. Erst im November hatte ein Skandal die BBC in Grossbritannien in ihren Grundfesten erschüttert.

Damals kam heraus, dass der Sender für eine Dokumentation eine Rede des damals abgewählten amerikanischen Präsidenten Donald Trump aus dem Jahr 2021 irreführend zugeschnitten hatte: Der Beitrag erweckte den Eindruck, Trump habe direkt zum Sturm auf das Kapitol aufgerufen. Tatsächlich liegen zwischen den zusammengeschnittenen Aussagen fünfzig Minuten. Auch auf amerikanischen Druck hin traten sowohl der Direktor als auch die Nachrichtenchefin umgehend zurück, um weiteren Schaden von der Institution abzuwenden.

Auch in der Schweiz ist eine Diskussion über den öffentlichrechtlichen Rundfunk entbrannt. Die Bürger stimmen am 8. März darüber ab, ob die Rundfunkgebühren halbiert werden sollen. Aus Sicht vieler Bürger werden die Sender ihrem Auftrag, überparteilich zu berichten, nicht vollumfänglich gerecht.

Das zeigt, dass das Vertrauen in einstmals eherne Institutionen ins Wanken gerät. Doch bei den Verantwortlichen in Deutschland scheint das Problembewusstsein gering zu sein.

Die Deutschen sollten sich an der Schweizer Initiative ein Beispiel nehmen. Nur politischer Druck wird die öffentlichrechtlichen Sender dazu bewegen, ihrem Programmauftrag wieder gerecht zu werden.

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