21 September 2026

"Wir sind ein wundervolles Land" - Wie Jürgen Kopp den woken Zeitgeist schockt

"Wir sind ein wundervolles Land"
Wie Jürgen Klopp den woken Zeitgeist schockt
In seiner Pressekonferenz zur Kadernominierung für die anstehenden und seine ersten Länderspiele als Bundestrainer wurde Klopp auch zu einer Erklärung nach der Bedeutung seines Capps gefragt, was ihn zu einem fünf minütigen "politischen" Statement veranlasste, das in der medialen Wiedergabe schamhaft unterging. 
Mit seinem emotionalen Appell sorgte er für Aufsehen. Er sprach über Patriotismus, Nationalstolz und die Deutschland-Fahne. Klopp erklärte, warum er „die Fahne zurückholen“ möchte und weshalb positive Identifikation mit Deutschland nicht den politischen Rändern überlassen werden dürfe.
Während die einen die bemerkenswerten Aussagen des Bundestrainers diskutierten, und heraushoben, was Politik und Gesellschaft daraus lernen können, meinte der Sport-Informations-Dienst, dass er eine Grundsatzrede gegen rechts gehalten habe. Ich sehe es genau umgekehrt.
  • Wer ein Capp mit einem Addidas-Emblem in Nationalfarben trägt - düppiert die Linken
  • Wer eine Wahl anspricht (ohne die AfD zu erwähnen) "die die einen okay finden, viele andere aber gedacht haben: Du lieber Himmel, was passiert den da.", verhält sich neutral.
  • Wer sagt: "Ich würde mir oder uns gern die Fahne wieder zurückholen, wenn ich ganz ehrlich bin und ich möchte, dass, wenn man sie schwingt, niemand denkt, was ist mit dem nicht in Ordnung, sondern dass man nur das Gefühl hat, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du im wundervollen Land geboren, aufgewachsen, zugezogen und wie auch immer, dass du hier lebst "- der meint nicht die Regenbogenfahne und bringt Linke in Wallung.
  • Wer meint: "Es ist unser Auftrag, für Stimmung zu sorgen. ich weiß das. Aber dafür braucht man Leute, die das auch annehmen. Ich gehe mal davon aus, dass alle die ins Stadion kommen, dass die bereit sind dazu und alle anderen wollen wir gerne mitnehmen." - will vereinen.
  • Wer schon mal "den Gedanken im Kopf hatte, den Nationalstolz nicht den falschen Leuten zu überlassen", will ihn wieder in der gesamten Gesellschaft verankern. 
  • Wer erschrocken feststellt, "dass er nicht weiß, ob man "Nationalstolz" noch sagen darf, ohne falsch verstanden zu werden", kritisiert den woken, links gefärbten Zeitgeist.
  • Wenn man meint, man könne das besser "Positiven Patriotismus" nennen, sei ihm das auch egal.
  • Wenn er feststellt, das er unheimlich stolz ist, die Rolle des Nationaltrainers auszufüllen, "weil ich finde, dass wir ein wundervollen Land sind"- widerspricht er Linken und Grünen, die mit Deutschland nichts anfangen können.

Also: "Kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein und trotzdem offen und trotzdem vielfältig und trotzdem nett, freundlich? Kann man Mitgefühl haben? Kann man all diese Dinge haben? Ich bin hundertprozentig sicher, ja.“

"Und wenn das so ist, kann man so eine Kappe aufsetzen oder man macht das halt ohne."
Was ist an diesen Aussagen eine Grundsatzrede gegen rechts?
Hier die Aussagen in der Pressekonferenz ab Minute16

17 September 2026

Medien-Wirrwarr um „Polizistin“ - Liebe Kollegen, der Täter ist ein Mann! (Cicero)

Medien-Wirrwarr um „Polizistin“ -  
Liebe Kollegen, der Täter ist ein Mann! (Cicero)
Ein Polizist steht wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und des Besitzes von Kinderpornografie vor Gericht. Weil er seinen Geschlechtseintrag hat ändern lassen, nennt ihn sogar die „Bild“ eine Frau. Das ist einfach nur irre.

The Pioneer - Kanzlersturz: Das Playbook des Wechsels

Business Class Edition

Kanzlersturz: Das Playbook des Wechsels
Gabor Steingart, 17.09.2023, 18 Min
Guten Morgen,
das Wort des Jahres lautet: Kanzlertausch. Es ist das Tuschelthema der Abgeordneten in Berlin und der Staatskanzleien in den Bundesländern. Hintergrund ist die anhaltende und sich verhärtende Ablehnung des Bundeskanzlers durch eine deutliche Mehrheit der Wählerinnen und Wähler und mittlerweile auch eine Mehrheit der eigenen Anhänger.
Friedrich Merz ist es nicht gelungen, seine Macht zu festigen. Außer der historischen Höhe der Schuldenaufnahme gleich zu Beginn seiner Regierungszeit hat er inhaltlich bisher keine Spuren hinterlassen. Die Rentenreform? Existiert nur als Design. Die Steuerreform? Politische Homöopathie. Die Aufrüstung der Bundeswehr? Ein Papiertiger in Oliv.
Wenn er morgen früh abtreten würde, wüssten die Historiker nicht, womit sie das Kapitel Merz substanziell zu füllen hätten. Womöglich würde es die Überschrift tragen: Friedrich Merz, ein Missverständnis.
Wenn sich jetzt die Ministerpräsidenten der CDU schriftlich hinter dem Bundeskanzler versammeln, dann ist das nicht das Ende einer Kanzlerkrise, sondern ihr bisher markantester Höhepunkt. Denn alle Unterzeichner haben Motive, die in diesem Dokument nur scheinbar synchron geschaltet wurden.
Der Wortlaut des Schreibens:

Die Menschen können darauf vertrauen, dass wir ihre Probleme angehen. Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten.

Dieses Bekenntnis ist nicht zum Nennwert zu nehmen. Das zeigt sich schon daran, dass der Name Friedrich Merz im Ursprungstext stand und später von den Unterzeichnern gelöscht wurde, wie The Pioneer aus CDU-Kreisen hört. Sie bekennen sich zur Institution des Kanzlers, aber nicht zum derzeitigen Amtsinhaber. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
Hintergrund: Merz kann Deutschland derzeit nicht den Rücken kehren. Deshalb wurde seine für die kommende Woche geplante Reise nach New York zur Vollversammlung der Vereinten Nationen gecancelt. Vorstand, Präsidium und Fraktion sollen in dieser für ihn entscheidenden Stunde nicht allein tagen. Merz hofft auf Autorität durch Anwesenheit.
Doch in der CDU kursieren andere Gedankenspiele. Eines geht so:

16 September 2026

The Pioneer - Die drei größten Gemeinheiten des Steuerstaates

Business Class Edition

Die drei größten Gemeinheiten des Steuerstaates
Gabor Steingart, 16.09.2026, 18 Min
Guten Morgen,
Soziale Gerechtigkeit ist ein anderer Begriff für Neid geworden. Mit dem Ruf nach Gerechtigkeit glaubt man heutzutage, Eingriffe ins Eigentum bis hin zur Enteignung rechtfertigen zu können.
Der Kern des Kerns: Viele derjenigen, die meinen, zu wenig zu verdienen oder qua Geburt zu kurz gekommen zu sein, wollen nicht zuerst bei sich anfangen: mit mehr Fleiß, gesteigerter Ambition und dem Risiko des Unternehmertums. Sie wollen pflücken, ohne zu pflanzen. Und zwar bevorzugt die Früchte vom Baum des Nachbarn.
Gerechtigkeit und Gemeinwohl sind die süßlichen Tarnworte, in deren Namen man heute jede Gemeinheit begehen darf. Bedeutet im Alltag des Hochsteuerlandes Bundesrepublik: Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums greift schon da, wo noch gar keine Eigentumsbildung hat stattfinden können – auch unter einem CDU-Kanzler Friedrich Merz.
Ungerührt (und unreflektiert) spricht Finanzminister Lars Klingbeil mehrfach täglich von „leeren Kassen“, obwohl die Gesamtheit der Steuerzahler jährlich rund eine Billion bei ihm und den anderen Einzahlstellen des Staates abliefert. Noch nie waren die öffentlichen Kassen praller gefüllt als heute.
Diese Erkenntnis allerdings nutzt dem „Reichen“, wie er im politischen Diskurs abfällig genannt wird, herzlich wenig. Er hat sich durch den Besitz schuldig gemacht. Er wird nicht einfach nur besteuert, er wird gejagt. Auch mithilfe der von den Nazis genutzten „Reichsfluchtsteuer“, die heute natürlich anders heißt.
Betrachten wir also die Liste der größten Gemeinheiten des Steuerstaates Bundesrepublik der Reihe nach.
Gemeinheit 1: Die Wegzugssteuer

Mail von Martenstein - Lieber Markus Söder - 16.09.2026

Mail von Martenstein 

Lieber Markus Söder,

es hat eine Weile gedauert, bis ich Sie gut fand. Der Moment war gekommen, als Sie in der ARD bei „Inas Nacht“ einen Song von Freddy Quinn gesungen haben, „Sie hieß Mary Ann“.

Jetzt haben Sie gesagt: „Wer per Haftbefehl gesucht wird, darf keinen Anspruch auf Grundsicherung haben. Das muss sich sofort ändern.“

Eine überwältigende Mehrheit unserer Bevölkerung dürfte Ihnen da zustimmen. Beim ZDF heißt es auf der Homepage: Die per Haftbefehl Gesuchten könnten doch auch unschuldig sein! Gewiss. Mein Rat: Dann stellt euch der Polizei.

Das, was Sie heute fordern, Herr Söder, hat schon vor einiger Zeit die AfD im Bundestag als Antrag gestellt, Drucksache 21/2222, keine Grundsicherung bei Haftbefehl. Es wurde abgelehnt, mit den Stimmen von CDU, CSU, SPD, Grünen und Linken.

Das ist der Wahnsinn, in den die Brandmauer unser Land hineingetrieben hat: Wer CDU-Politik will, kann nicht mehr CDU wählen. Wer genau das möchte, was Söder fordert, wird sich gut überlegen, ob er bei der CSU an der richtigen Adresse ist.

Sie haben sich von der Linken und manchen Medien Handschellen anlegen lassen. Ich verstehe, dass Sie Angst haben vor dem Sturm. Sie werden zehn Mal auf dem „Spiegel“-Titel mit Hitlerbärtchen zu sehen sein. Aber das sollte Ihnen egal sein. Helmut Kohl war so was auch egal.

Denn richtig ist richtig. Und falsch ist falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Martenstein

11 September 2026

Mail von Martenstein - Sehr geehrte Silke Müller - 11.09.2026

Mail von Martenstein

Sehr geehrte Silke Müller,

das Deutschland der Zukunft könnte ein Land sein, in dem zwar alle ein Einser-Abitur haben, aber niemand mehr lesen, schreiben und rechnen kann. So lassen sich die Ergebnisse der neuen PISA-Studie zusammenfassen.
Wo liegt das Hauptproblem? Ich glaube, Deutschland ist ein Land geworden, in dem zu viele „Leistung“ und „Anstrengung“ für überflüssig halten. Deshalb steigen wir ab.

Sie traten in der „Tagesschau“ als „Bildungsexpertin“ auf. Sie sagen: Bildungsförderalismus soll abgeschafft werden.

Das wichtigste Ergebnis dieser Reform wäre wohl, dass auch in Bayern der Analphabetismus wächst.

Sie wollen, dass schon ab Klasse 1 „digitale Ethik“ und „Medienkompetenz“ gelehrt wird – Kindern, die noch nicht lesen können? Eine Schnapsidee. Es sollen überall „Pädagogen für Beziehungsarbeit“ eingestellt werden. Wie wäre es zusätzlich mit einem Meerschweinchenkäfig in jedem Klassenzimmer? Diese satirische Idee verdanke ich der Journalistin Susanne Gaschke.

Expertinnen wie Sie sind Teil des Problems. Wir leben „im Luftreich des Traums“, wie Heinrich Heine über die Deutschen schrieb.

Unter Kaiser Wilhelm, 1912, lag die Analphabetenrate bei 0,02 Prozent. Heute können 20 Prozent höchstens einzelne Worte entziffern.

Für Staaten, die versagen, gibt es in China den hübschen Ausdruck „ein Land, in dem die Vögel keine Eier legen“.

Harald Martenstein

10 September 2026

Mail von Martenstein - Sehr geehrter Herr Bundeskanzler - 10.09.2026

Mail von Martenstein
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
gestern Ihre Bundestagsrede. Also, wir haben uns im häuslichen Kreis stellenweise fast weggeschmissen vor Lachen. Ich meine natürlich die Stelle, in der Sie dem sachsen-anhaltinischen Gottseibeiuns Ulrich Siegmund vorwerfen, er begehe „Wahlbetrug“.
Vor der Wahl hatte er gesagt, er wolle nur mit absoluter Mehrheit regieren. Jetzt, nach der Wahl, sucht  dieser Schlingel sich doch glatt eine Regierungsmehrheit.

Siegmund „täuscht die Wähler“, behaupten Sie. Was ist mit Ihrem Gedächtnis los?

Ich glaube, Sie haben nach Ihrer Wahl zum Links-ist-vorbei-Kanzler bis ins letzte Detail das exakte Gegenteil dessen getan, was Sie den Leuten vorher versprochen hatten. Okay, ich übertreibe, aber nur leicht. Ihr Vorwurf ist etwa so abwegig, als ob ausgerechnet Donald Trump einer Filmdiva vorwirft, sie schwindele mit ihrem Alter.

Die AfD plant, laut ihrer Aussage, „ethnische Säuberungen“. Mit diesem Wort ist die gewaltsame Vertreibung von Bevölkerungsgruppen gemeint. Gibt es dafür einen Beleg? Wieso nennen Sie ihn nicht? Falls ja, muss diese Partei verboten werden. Falls nein, sagen Sie die Unwahrheit. Sie sollten Verständnis haben für Leute, die’s mit der Wahrheit nicht genau nehmen.

Ich weiß, Ihnen steht das Wasser bis zum Hals. Sie werden auf diese Art aber keinen einzigen AfD-Wähler zurückholen. Sich selbst retten Sie so auch nicht.

Hochachtungsvoll

Harald Martenstein

09 September 2026

Mail von Martenstein - Lieber Hendrik Wüst - 09.09.2026

Mail von Martenstein

Lieber Hendrik Wüst,

Sie haben in Berlin angekündigt, dass Sie ein AfD-Verbot prüfen lassen. Verbotsexperten sollen herausfinden, ob das geht und wie man`s macht. „Wenn auf dem Tisch liegt, diese Partei kann verboten werden“, dann, so sagten Sie, sei das für Sie ein „Handlungsbefehl“.
Es geht dabei darum, so sagen Sie, „die Verfassung zu schützen“. Davon, dass CDU-Ministerpräsidenten wegen der vielen AfD-Wähler ihr Amt verlieren könnten, steht nämlich kein Wort im Grundgesetz. Ich habe nachgeschaut: Es steht wirklich nicht drin!

Ich sehe zwei praktische Probleme.

Erstens, die AfD könnte sich unter anderem Namen einfach neu gründen. Deshalb wäre es praktischer, wenn man das Verbot allgemeiner fasst. Etwa so: Oppositionsparteien, die mehr Stimmen als die CDU bekommen, sind laut Demokratie-Schutz-Gesetz automatisch verboten. Außerdem gehen mit so einem Parteiverbot fast immer Massenverhaftungen einher. Beim letzten Verbot – die KPD, 1956 – landeten Zigtausende im Knast, allein 6400 Mitglieder der Jugendorganisation FDJ.

Wir müssen also erst mal Platz in unseren überfüllten Gefängnissen schaffen. Wenn man Koks-Dealer freilässt, um stattdessen Ulrich Siegmund hinter Gitter zu bringen, könnte das allerdings landesweit für eine gewisse Unruhe sorgen, also für weitere Verhaftungen. Zum Glück haben wir in Berlin eine Menge Platz für Zelte, zum Beispiel das Tempelhofer Feld.

Das wollen Sie!

Fragt Ihr Harald Martenstein

08 September 2026

Mail von Martenstein - Lieber Sven Schulze - 08.09.2026

Mail von Martenstein - 

Lieber Sven Schulze,

Sie haben als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt nicht einfach nur eine Wahl desaströs verloren. Vielleicht wird diese Niederlage in ein paar Jahren als historischer Wendepunkt gelten – der Beginn auf dem Weg der AfD zur Regierungspartei, der Beginn des Endes der Brandmauer, der Anfang vom Ende der CDU, was weiß ich.
Sie waren ein guter Verlierer. Das schafft nicht jeder. Sie haben dem Wahlsieger von der AfD gratuliert. Und Sie haben gesagt: „Das ist Demokratie.“

Sie haben also mehr Größe gezeigt als viele andere, die an diesem Abend im Fernsehen waren. Besonders klein war Luigi Pantisano von der Linken, als er den AfD-Chef Tino Chrupalla als „Flachzange“ beschimpfte.

Jeder weiß, dass Sie nicht der Alleinschuldige am CDU-Desaster sind. Es kam viel zusammen.

Die Richtung, in die es geht, bestimmt das Volk. Die Mehrheit will keine Pantisanos. Sie will auch keine Nazis.

Viele wollen ein Deutschland, wie Gerhard Schröder es einst an Angela Merkel übergeben hatte, mit maßvoller Migration, konkurrenzfähiger Wirtschaft, guter Infrastruktur und sicheren Parks.

Wegen der Brandmauer kann die CDU dem Volk das nicht liefern. Deshalb setzen immer mehr Leute ihre Hoffnungen in die AfD. Ob zu Recht, wird man sehen.

Wie gesagt: Das ist Demokratie. Ein weiser Satz, Herr Schulze.

Herzlich Ihr

Harald Martenstein

07 September 2026

Mail von Martenstein - Euer Durchlaucht Heinrich Prinz von Reuß - 07.09.2026

Mail von Martenstein - 
Euer Durchlaucht Heinrich Prinz von Reuß
rede ich Sie korrekt an? Sie gelten als Chef der „Rollator-Gang“. Das ist eine Gruppe meist nicht mehr ganz junger Mitbürger, die einen Putsch geplant haben soll.
Das Ganze lief, so weit bekannt, recht dilettantisch ab, obwohl Sie immerhin bewaffnet waren. Unter anderem mit Schwertern und Bajonetten. Mein knallrotes Gummiboot hätte also gut in Ihre Streitmacht gepasst, mit mir als Admiral.

Der Prozess läuft seit Mai 2023, eine Angeklagte ist bereits verstorben. Sie (74) sitzen seit bald vier Jahren in U-Haft. Allmählich stellt sich die Frage, ob das mit rechtsstaatlichen Prinzipien zu vereinbaren ist: lebenslang U-Haft?

Enise Ö. ist erst 34. Bei ihrem Baby wurden Hirnblutungen festgestellt, vielleicht Folge von Misshandlung. Das Kind und Enise kamen in Stade in eine Mutter-Kind-Einrichtung. Der Vater Fatih G. wurde zu einem Gespräch gebeten. Er nutzte diesen Termin zu einem Massaker. Sechs städtische Mitarbeiter sind tot. Einer Frau gelang zunächst schwerverletzt die Flucht, Enise verfolgte sie, schlug auf sie ein und beschimpfte sie als „Hure“. Die Frau starb.

Was ist der größte Unterschied zwischen Ihnen, Prinz, und Enise Ö.? Sie haben keinen Tropfen Blut vergossen und sitzen, ohne Urteil, seit Jahren im Knast. Enise ist in einen Mordfall verstrickt und war laut Ermittlungsakten womöglich selbst gewalttätig. Sie befindet sich auf freiem Fuß.

Wir leben in einem seltsamen Land. Habe die Ehre!

Harald Martenstein

The Pioneer - Die fünf unbequemen Wahrheiten der Wahlnacht

Morning Briefing
Die fünf unbequemen Wahrheiten der Wahlnacht 
Gabor Steingart, 07.09.2026
Guten Morgen, die Sehnsucht der Mächtigen, die Wirklichkeit gedanklich so lange zu verschönern, bis sie dem eigenen Wunsch entspricht, gab’s zu allen Zeiten. In dieser Hinsicht zumindest gleicht das politische Berlin der Weimarer Republik. Kurt Tucholsky hat es 1930 in seinem Gedicht „Zuckerbrot und Peitsche“ so auf den Punkt gebracht:
„Das Bürgertum erliegt der Wucht:
Flucht, Flucht, Flucht.
Sie wollen sich mit Kunst betäuben,
sie wollen nur noch Märchen sehe an
sie wollen ihre Welt zerstäuben
und neben der Epoche gehen.“
Dieses „neben der Epoche gehen“ war gestern Abend in Kompaniestärke zu besichtigen. Aus den Parteizentralen von CDU und SPD, aber auch aus Kanzleramt, Unionsfraktion und Bundesregierung waren in den TV-Studios von ARD und ZDF professionelle Beschwichtiger unterwegs, die nur das sahen, was sie sehen wollten.
Flucht. Flucht. Flucht.
Da aber Demokratie zuweilen nur ein anderes Wort für Tapferkeit ist, hier fünf unbequeme Wahrheiten, die sich aus dem Ergebnis von gestern Abend ableiten:
#1 Hochamt der Demokratie

05 September 2026

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk - Die übervollen Mülltonnen (Cicero)

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
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Die übervollen Mülltonnen (Cicero)
Wer von Gebühren lebt, wird für Beschwerden taub. Das zeigt sich bei Müllentsorgern ebenso wie beim ÖRR. Zwangsfinanzierung schafft Gleichgültigkeit: Kritik versandet, Verantwortung wird abgewehrt, und Manipulation gilt plötzlich als „Schnittfehler“.
VON BERND STEGEMANN am 28. Januar 2026 5 min
Was hat der Berliner Abfallentsorger Alba mit dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) gemeinsam? Die Antwort ist verblüffend: Beide werden aus Zwangsgebühren finanziert und scheren sich einen Dreck um den Bürger. Alba bekommt den Preisaufschlag, den jeder Konsument beim Kauf eines Produkts mit Recycling-Logo bezahlt. Der ÖRR erhält eine monatliche Gebühr in Höhe von 18,36 Euro, die jeder Haushalt bezahlen muss. Alba und ÖRR leben im Paradies der nie versiegenden Geldströme. 
Aus dieser seligen Lage folgt leider ein unangenehmes Verhalten: Beide Unternehmen haben gänzlich taube Ohren für Beschwerden. Alba leert in dem Haus, in dem ich wohne, seit Wochen nicht mehr die gelben Tonnen. Alle Versuche der Beschwerde versanden im Nirgendwo einer kafkaesken Bürokratie. Die Tonnen quellen über. Und in einer teuflischen Dialektik wird das als Argument genommen, nun die Leerung der überfüllten Tonnen zu verweigern. Am vermüllten Ende steht der ohnmächtige Gebührenzahler. 
Haltung statt Verantwortung
Beschwerden beim ÖRR laufen ebenfalls ins Leere. Als jüngst der Direktor der BBC zurückgetreten ist, wurde mir die Schwerhörigkeit des deutschen ÖRR abermals bewusst. Der Direktor der BBC trat aus berufsethischen Gründen zurück, die für Mitarbeiter des deutschen ÖRR unverständlich sind. Es gab Schlampereien bei der Aufarbeitung eines Missbrauchsfalls eines BBC-Mitarbeiters, und es gab einen tendenziösen Bericht über Donald Trump. „Na und?“, sagt der unkündbare ÖRR-Redakteur, „tendenziöse Berichte sind unser Alltag, deswegen muss doch niemand um seinen Posten zittern.“
Doch bei der BBC trat der Direktor zurück, und deutsche Zeitungen und der ÖRR bringen darüber ihre Fassungslosigkeit zum Ausdruck. Man hörte die Verantwortlichen klagen: Wenn das in Deutschland Schule macht, dann gibt es bald viele freie Stellen beim ÖRR. Damit das nicht passiert, gibt es nur eine Erklärung: Die BBC ist Opfer einer rechten Kampagne. 

Factchecker oder Fakten-Tscheka? - Die Factchecker des MDR zeigen, wie aus Faktenchecks Desinformation werden kann (Cicero)

Factchecker oder Fakten-Tscheka? - 
Die Factchecker des MDR zeigen, wie aus Faktenchecks Desinformation werden kann (Cicero)
Der MDR möchte Desinformation mit professionellen Faktenchecks begegnen. Eine Analyse seiner jüngsten Prüfungen zeigt jedoch erhebliche handwerkliche Schwächen – und wirft die Frage auf, warum die Fehler auffällig oft zulasten von AfD und BSW gehen.

Steckt Russland hinter dem Drohnenanschlag von Leipzig? - Nichts Genaues weiß man nicht (Cicero)

Steckt Russland hinter dem Drohnenanschlag von Leipzig? - 
Nichts Genaues weiß man nicht (Cicero)
Wie sicher ist die russische Spur beim versuchten Anschlag am Leipziger Flughafen? Die Bundesregierung verhängt bereits Sanktionen – doch die vorgelegten Belege werfen Fragen auf. Der Fall Nord Stream zeigt, wie schnell aus Vermutungen vermeintliche Gewissheiten werden können.

03 September 2026

Und noch einmal: Streit um Briefwahl - Warum die Briefwahl unter Verdacht steht (WELT)

Warum die Briefwahl unter Verdacht steht (WELT)
Von Volker Boehme-Neßler, 03.09.2026, Lesedauer: 5 Minuten
Die Diskussion über die Risiken von Briefwahlen ist dieses Jahr besonders heftig. Der Rechtsprofessor Volker Boehme-Nessler sieht zwei Gründe und fordert: Am Ende darf nicht der Hauch eines Zweifels bleiben.
Die Wahlen in Magdeburg werden zu weiten Teilen eine Briefwahl sein. In Halle haben bisher deutlich über 20 Prozent der Wähler Briefwahlunterlagen beantragt. In Magdeburg rechnet man mit 55.000 Briefwählern: 30 Prozent der Wähler wären Briefwähler. Die Briefwahl kann also durchaus wahlentscheidend sein. Gleichzeitig wird immer mehr über die Gefahr von Wahlfälschungen diskutiert. Sind Wahlfälschungen in großem Stil möglich? Und was bedeutet diese Entwicklung für die Demokratie?
Der Trend ist eindeutig. Bei Bundestagswahlen stieg der Briefwahlanteil von 4,9 Prozent (1957) auf 37,0 Prozent (2025). Die Briefwahl war ursprünglich als Notlösung für Bürger gedacht, die – etwa wegen Krankheit oder aus Altersgründen – nicht ins Wahllokal kommen können. Inzwischen hat sie sich von der absoluten Ausnahme zur gern genutzten Alternative zur Urnenwahl entwickelt. Auch die Diskussion über ihre Gefahren ist nicht neu. Bei der Briefwahl kann nicht kontrolliert werden, ob die Wahl wirklich frei und geheim vorgenommen wird. Wahlen müssen aber frei und geheim sein. Sonst sind sie nicht demokratisch.
Die aktuellen Diskussionen sind so intensiv wie noch nie. Die Debatten sind politisch aufgeladen. Sie zielen auf den Kern einer Demokratie: Kann man dem Wahlergebnis vertrauen, wenn die manipulationsanfälligere Briefwahl so wichtig geworden ist?
Riskante Briefwahl
Es liegt auf der Hand: Eine Briefwahl lässt sich leichter manipulieren und fälschen als die traditionelle Urnenwahl. Im Wahllokal wird streng kontrolliert, dass die Abgabe der Stimme frei und geheim geschieht. Zum Wählen geht jeder Wähler allein in die Wahlkabine. Wie er wählt, lässt sich nicht feststellen. In der Einsamkeit der Wahlkabine ist er frei.
Bei der Briefwahl ist das anders. Wenn zu Hause am Küchentisch gewählt wird, ist das sicher keine geheime Wahl – und möglicherweise auch keine freie. Und wie ist das im Altenheim? 2011 verurteilte das Oberlandesgericht in Celle die Betreiberin zweier Alten- und Pflegeheime wegen Wahlfälschung zu einer Geldstrafe. Sie hatte bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2008 eine zentrale Abgabe der Briefwahlzettel in den Heimen organisiert. Dabei gab es praktische Unterstützung durch das Pflegepersonal, aber keine Wahlkabinen; eine geheime Wahl war nicht möglich.
Das beweist nicht, dass Briefwahlen in Altenheimen manipuliert werden. Es zeigt aber, dass solche Fälle vorkommen.
Fälschungen kommen vor

Mail von Martenstein: Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, aus „alternativlos“ wurde die AfD

Mail von Martenstein
:  03.09.2026

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, aus „alternativlos“ wurde die AfD
Sie haben kürzlich, als Ex-Kanzlerin, an alle Deutschen appelliert. Also auch an mich. Wir sollen „für die Demokratie kämpfen“. Wie tut man das? Sie raten mir, ich soll „mutig sein“. Und ich soll „sagen, das ist eine tolle Art zu leben.“
Sie haben in der DDR gelebt. Ich habe oft gehört, dass man auch in der DDR ganz gut leben konnte, sogar toll vielleicht. Man musste halt vorsichtig sein bei politischen Themen. Man musste Ja sagen zu fast allem. Toll ist Demokratie für mich nur dann, wenn man zu fast allem auch Nein sagen darf und dazu keinen Mut braucht. Und es muss immer Alternativen geben zu denen, die an der Macht sind.
Für Demokratie zu kämpfen heißt für mich auch, für das Recht auf Opposition zu kämpfen. Natürlich kann die Opposition völlig falsch liegen. Aber geben muss es sie. Sie haben als Kanzlerin viele Male das Wort „alternativlos“ verwendet. In gewisser Weise sind Sie durch dieses Wort die Patin der „Alternative für Deutschland“ geworden. Ich verstehe, dass Sie dieses Patenkind nicht mögen, das sich, ohne zu fragen, nach Ihnen benannt hat.
Aber es muss doch irgendeine Alternative geben in der Demokratie? Man darf sagen „so, wie es ist, gefällt es mir nicht“. Oder? Wie finden Sie Ihr Wort „alternativlos“ heute? Immer noch toll?
Ich habe gesucht und nichts gefunden. Offenbar meiden Sie dieses Thema. 
Hochachtungsvoll Ihr Harald Martenstein

Mail von Martenstein: Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz!

Mail von Martenstein
: 02.09.2026
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz!
Ich habe Sie beim Wahlkampf an der Ostsee gesehen, in Kühlungsborn. Klar, eine schwierige Situation für Sie. Wieder einmal haben Sie nicht die richtigen Worte gefunden. Es fällt Ihnen schwer, auf Leute zuzugehen. Sie reden von oben herab, oft mit gestrecktem Zeigefinger. Ihre Körpergröße ist kein Vorteil in diesem Job. Die Leute haben das Gefühl, nicht gemocht zu werden von Ihnen. 
Man ist, wer man ist. Aber dann kommen Fehler dazu, die einem Profi nicht passieren sollten. Die Drohung, dass Firmen nicht mehr im Osten investieren, falls dort die AfD regiert, war so ein Fehler. Sie müssten werben, statt zu drohen. Sie müssten signalisieren: Ich halte euch, die Wähler, nicht für Voll­idioten. Stattdessen warnen Sie vor „Wutbürgern“. Das ist ein autoritäres Scheißwort. 
Es wurde zum ersten Mal benutzt, um die Demonstranten gegen das irrsinnige Bahnprojekt „Stuttgart 21“ pauschal zu diffamieren. Dann wurde es gegen Kritiker der Coronamaßnahmen in Stellung gebracht. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat sinngemäß geschrieben, dass mit diesem Wort legitimer Unmut als bloße „Wut“ lächerlich gemacht werden soll. 
Wer im Osten unbedingt gehasst werden will, sollte das Wort „Wutbürger“ verwenden. Sie werden das nicht gern hören, aber: Ihnen fehlt der Instinkt, den Angela Merkel hatte, wenn sie aufs Volk traf. Ich bin kein Merkel-Fan. Aber sie konnte Wärme zumindest gut simulieren und wusste nicht immer, aber oft, wo die Fettnäpfchen stehen. 
Hochachtungsvoll Ihr Harald Martenstein

Mail von Martenstein: Liebe Bärbel Bas

Mail von Martenstein
:  01.09.2026
Liebe Bärbel Bas,
viele wundern sich darüber, dass Leute, die in Deutschland per Haftbefehl gesucht werden, von Ihrem Ministerium weiter Bürgergeld überwiesen kriegen. 
Ich weiß, das heißt jetzt wieder irgendwie anders. Diese ständigen Umbenennungen machen einen fertig. Heißen Sie überhaupt noch Bärbel Bas? Minister werden ja auch manchmal umbenannt.
Ich glaube, Sie machen das, weil auch flüchtige Straftäter irgendwie Geflüchtete sind. Deutschland unterstützt Geflüchtete, Punkt, aus. 
Aber ist Ihnen klar, dass Ihor Libychs Firma in Düsseldorf 54 Millionen Tabaksteuer hinterzogen haben soll? Er wird jetzt mit Haftbefehl gesucht. Von Ihrer SPD, Frau Bas, erwarte ich, dass sichergestellt wird: Sozialhilfen nur für Kriminelle, die keine Besserverdiener sind. Und: kein Bürgergeld für Rechte mit Haftbefehl. 
Aktuell werden 148.000 Leute in Deutschland per Haftbefehl gesucht. So viele Knäste haben wir eh nicht. Könnte man nicht einfach eine besonders hässliche Stadt in „Haftanstalt“ umbenennen? Problem gelöst! 
Damit man die Stütze nicht verliert, muss man bereit sein, Jobs anzunehmen. Gesuchte Einbrecher sollten also fleißig einbrechen, um nachzuweisen, dass sie arbeiten. Ich finde, die SPD sollte auch dafür sorgen, dass jeder Mensch beim Erlass eines Haftbefehls automatisch den deutschen Pass erhält. Diese Menschen identifizieren sich mit unserem Land, sonst würden sie anderswo kriminell sein. Außerdem ist die SPD Partei der Haftbefehlopfer. Brüder zur Sonne, zur Straftat! 
Ihr Harald Martenstein

Prognostizierte Ausreden der CDU am Wahlabend

Prognostizierte Ausreden der CDU am Wahlabend
Von Christian Stecker, Deutscher Politikwissenschaftler bei WELT
"Am Wahlabend wird die infantile Realitätsverweigerung natürlich auffliegen. Danach werden wir Dinge hören, mit denen sich sonst Zehntklässler versuchen herauszuwinden, wenn sie beim Schummeln erwischt wurden. Ein eigener Kandidat werde ja nicht dadurch falsch, dass die falsche Partei für ihn stimmt. Bloße Zustimmung ohne Absprache sei doch noch keine Zusammenarbeit. Gespräche seien noch keine Verhandlungen. Und irgendwie könne man das Land vielleicht ja mit Zufallsmehrheiten regieren beziehungsweise retten."

The Pioneer - Seine eigene Ministerin entlarvt Steuer-Trickbetrüger Merz

The Pioneer
Seine eigene Ministerin entlarvt Steuer-Trickbetrüger Merz
Das Kabinett Merz soll die Steuerreform von Finanzminister Klingbeil verabschieden. Doch Wirtschaftsministerin Reiche begehrt auf und entlarvt das Vorhaben als Trickbetrug.
Gabor Steingart, 03.09.2026
Wer zum Kern des Kerns der Unbeliebtheit dieses Bundeskanzlers vordringen will, darf sich vom Festival der Nebensächlichkeiten nicht ablenken lassen. Schuld sind weder sein Alter noch seine Leidenschaft für die Privatfliegerei, und auch die verunglückten Auftritte wie jüngst bei RTL spielen keine besondere Rolle.
All diese Dinge stören vor allem diejenigen, die sich ohnehin an der Kanzlerschaft eines Konservativen reiben. Hier kommt es schon habituell zur Abstoßungsreaktion. Die Feindseligkeit gegenüber einem Mann des privaten Kapitalmarktes ist in diesen Kreisen angeboren. Wer einst für BlackRock gearbeitet hat, gilt hier als Fürst der Finsternis.
Die Wählerschaft von CDU und CSU schaut mit milderem Blick auf Merz. Auch die Tatsache, dass dieser Regierungschef ein kommunikativer Underperformer ist, wäre hier kaum der Rede wert. Viele erinnern sich noch mit Frösteln an Helmut Kohl, der Saumagen als sein Leibgericht bezeichnete, Deutschland als Freizeitpark titulierte und ausgerechnet den Sowjetreformer Michail Gorbatschow mit NS-Propagandachef Joseph Goebbels verglich.
Merz macht Politik ohne das CDU-Parteivolk
Die tiefe Enttäuschung der Merz-Anhänger rührt aus dem Verrat an zentralen Werten der CDU. Im Wahlkampf trat er als Verteidiger von Maß und Mitte auf. Wenn er über die Schuldenbremse sprach, konnte man denken, er spricht von einer Geliebten.
Und dann das: Mit den Stimmen der Grünen genehmigte er sich, noch bevor der neue Bundestag zusammentrat, den größten Schluck aus der Kreditpulle, den sich je ein deutscher Regierungschef genehmigt hat. Das war Politik ohne Volk, zumindest ohne das CDU-Parteivolk.
Regierung führt Stellenabbau ad absurdum
Beim Stellenabbau im Staatsapparat das Gleiche: Im vergangenen Mai erst hatte die Union die SPD-Spitzen noch dazu gebracht, ihre Unterschriften unter einen Koalitionsvertrag zu setzen, in dem es hieß: „Stellenabbau in der Bundesverwaltung um acht Prozent“.
Wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft nun in einer Studie untersucht hat, ist die Bundesregierung derzeit dabei, dieses Ziel ad absurdum zu führen. Über 4700 neue Stellen sollen allein von 2026 auf 2027 neu entstehen, davon die allermeisten nicht als „herkömmliche“ Arbeitnehmer, sondern als Beamte. Für die Krustentiere der Verwaltung herrschen dieser Tage angenehme Witterungsverhältnisse.
Planmäßig verschlechtert die Regierung die Angebotsbedingungen