04 Januar 2023

Zukunftsfrage der Union Merz-Lager gegen einflussreiche „Merkel-Truppe“ – das Ringen um den Migrationskurs (WELT+)

Zukunftsfrage der Union
Merz-Lager gegen einflussreiche „Merkel-Truppe“ – das Ringen um den Migrationskurs (WELT+)
In Berlin laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Abgebranntes Feuerwerk, Flaschen und Müll, beschädigte Fahrzeuge, die Überreste straßenschlachtartiger Auseinandersetzungen müssen zusammengekehrt werden. In der Silvesternacht erlebte die Hauptstadt in manchen Vierteln eine Explosion der Gewalt, die so zum Jahreswechsel ohne Beispiel ist.
Und während Politiker der Ampel-Koalition wie Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) vorsichtig und ganz allgemein von „Chaoten und Gewalttätern“ sprechen, die die „ganze Härte des Gesetzes“ treffen solle, und das Land nun über den Einsatz von Bodycams und Böllerverbot diskutiert, ging als erster der CDU-Politiker Jens Spahn aus der Deckung. Er sprach einen der entscheidenden Hintergründe des Gewaltausbruchs mit verletzten Polizeibeamten und Rettungskräften an: „Da geht es eher um ungeregelte Migration, gescheiterte Integration und fehlenden Respekt vor dem Staat statt um Feuerwerk“, sagte der Fraktionsvize dem Portal „t-online“
Spahn erntete prompt massive Kritik und den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit. Auch aus der eigenen Partei.

Silvester: Der andere Blick Jung, männlich, fremd geblieben (NZZ)

Der andere Blick
Jung, männlich, fremd geblieben
Marc-Felix Serrao, Chefredakteur NZZ Deutschland
Wenn Politiker hilflos sind, aber entschlossen wirken wollen, dann kommen drei Mittel fast immer zum Einsatz: die Feststellung der eigenen Fassungslosigkeit, die scharfe Verurteilung und die Forderung nach einer Debatte. Seit den Gewaltorgien gegen deutsche Feuerwehrleute und Polizisten in der Silvesternacht sind diese rhetorischen Nebelmaschinen im Dauereinsatz.

Nach der Silvestergewalt - werfen jetzt in den Medien viele weiter Nebelkerzen

Nach der Silvestergewalt ...
… werfen jetzt in den Medien viele weiter Nebelkerzen
Roland Tichy
Nach den Gewaltexzessen der Silvesternacht und der offenkundig gewordenen Unfähigkeit der Staatsgewalt, die öffentliche Ordnung in deutschen Städten gegen migrantische Gewalttäter aufrecht zu erhalten, (und womöglich auch dem Unwillen der deutschen Innenpolitik dazu) geht das Drama des Versagens nun in der medialen Nachbearbeitung weiter.
Was jeder in den unzähligen Video-Dokumenten über die Gewaltexzesse sehen und hören kann, wird von vielen Journalisten und sogenannten Experten erneut hinter Phrasen vernebelt: Die Täter waren junge Männer mit Migrationshintergrund. Typisch dafür ist ein Reporter der Tagesschau, der auf die Frage „Wer sind denn die Täter?“ meint, „von den Tätern zu sprechen“ sei „in solchem Kontext immer ein bisschen schwierig“, und dann über „gruppendynamische Prozesse“ und „gesamtgesellschaftlichen Druck“ nach der Pandemie doziert. Er zitiert dabei die Berliner Polizei, deren Führung offensichtlich höchst bemüht ist, nichts von sich zu geben, was dem regierenden rot-rot-grünen Senat missfallen könnte.
Weitere Artikel zu den Konsequenzen nach der Silvestergewalt:
Wir brauchen kein Böllerverbot, sondern etwas ganz anderes (t-Online)

Silvester: Business Class Edition: Das Stadtversagen

Business Class Edition: 

Das Stadtversagen
Guten Morgen,
die Hauptstadt der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt gibt in diesen Tagen ein erschütterndes Bild ab. Die Ausschreitungen und Übergriffe auf Rettungsdienste und Polizisten in einigen Stadtteilen am Silvesterabend nähren das Bild einer versagenden Staatlichkeit in Berlin.
Die Bilanz: 16 verletzte Beamtinnen und Beamte. Sachschaden inMillionenhöhe.103 Festsetzungen, aber alle Personen sind wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen laufen, heißt es. 
In den sozialen Netzwerken kursieren Videos der Schande.Jugendliche und junge Männer zünden Pyro-Raketen und nutzen sie als Waffen, Böller fliegen in Menschenmengen, pure Gewalt.
In einem Video läuft eine Mutter mit zwei Kindern durch eine Straße, neben ihr schießen Männer mit Schreckschusspistolen in die Luft. Raketen fliegen über den Bürgersteig.
Ein junger Mann ballert neben einem Feuerwehrmann mit seiner Schreckschusspistole in die Luft und zeigt stolz den Doppeladler in die Kamera, das Zeichen für den albanisch besiedelten Teil im ehemaligen Jugoslawien.
Er ruft:
"Wir haben gewonnen"
Szenen wie aus einem Banlieue in Paris.
Szenen wie im Krieg
Zu dem Hintergrund der Täter? Keine Angaben. Ein Polizeisprecher betont, man halte sich an die Empfehlungen des Pressekodex. Die Herkunft werde nur genannt, wenn ein begründetes öffentliches Interesse besteht.
Aber wenn man nicht nach einem solch staatsverachtenden Gewaltexzess nach den Tätern fragen sollte, wann dann?
Könnte vielleicht auch die kulturelle Herkunft einiger dieser jungen Männer und ihre offenbar tief verwurzelte Ablehnung der Staatlichkeit Teil des Problems sein? Klartext kommt von Persönlichkeiten, die selbst Migrationshintergrund haben. Güner Balci, Integrationsbeauftragte in Neukölln, sagte dem Spiegel:

"Gehen Sie bei uns in die Sonnenallee. Jeder zweite Ladenbesitzer wird Ihnen sagen: Die muss man alle ins Gefängnis stecken. Die Mehrheit der Menschen in Neukölln wünscht sich ein härteres Durchgreifen, einen stärkeren Staat".

Ahmad Mansour, deutsch-arabischer Psychologe und Extremismus-Forscher in Berlin, kommentierte nüchtern:

"Am dringendsten braucht Berlin eine Debatte über Integration".

Und Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey? Sie regte ein Böllerverbot an und wünscht sich eine bundesweite Debatte über die „neue Art der Gewalt“.

02 Januar 2023

Silvester: Angriff auf Helfer - Deutschland weiß selbst nicht so genau, wer und was es ist (WELT+)

Angriff auf Helfer
Deutschland weiß selbst nicht so genau, wer und was es ist (WELT+)
02.01.2023
Migration ist eine hoch identitäre Bewegung. Und Deutschland ist offenbar kein Land, das darauf eine Antwort findet. Außer, die Latte des Geforderten immer tiefer zu hängen und Sonntagsreden über Integration zu halten.
Deutsche Debatten sind oft kurios. Gern gehen sie konsequent am Kern der Sache vorbei. In der Silvesternacht griff – was viele Videos nahelegen – Berlins Migrantenjugend mit allem, was zur Hand war, mit Feuerwerkskörpern, Feuerlöschern oder Schreckschusswaffen, Berlins Rettungskräfte und Polizei an.
Und wir? Wir reden darüber, wie schlimm das Böllern sei. Wir moralisieren das Thema. Wir reden über das klima- und gesundheitsschädliche Böllern. Über ein Böllerverbot. Kann man machen, aber nur, wenn man beide Augen fest vor der Realität verschließt.
Der Unterschied zwischen Böllern und bewaffnetem Angriff ist einfach zu erklären: Wo fröhliche Menschen mit ihren Kindern und Freunden das neue Jahr mit Feuerwerk begrüßen, da steigen ihre Raketen senkrecht nach oben, gen Himmel.
Wo aber hasserfüllte Menschen in Kompaniestärke Feuerwehren und Polizisten angreifen, da gebrauchen sie ihre Raketen als Waffen und feuern sie horizontal auf Menschen. Um sie zu treffen. Um sie möglichst schwer zu verletzen. Um diese Taten per Video zu dokumentieren und sich in ihren Milieus damit zu brüsten. Das eine hat mit dem anderen nichts, aber auch gar nichts zu tun. Das eine ist Silvester. Das andere ist Bürgerkrieg.

Kurioser Auftritt der Verteidigungsministerin - Lambrecht sendet Neujahrsbotschaft, während um sie Raketen und Böller knallen (Focus)

Kurioser Auftritt der Verteidigungsministerin - Lambrecht sendet Neujahrs-botschaft, während um sie Raketen und Böller knallen (Focus)
Während im Hintergrund bereits die Silvesterraketen in die Berliner Luft gehen und Böller knallen, spricht die 57-Jährige am Samstagabend unbeirrt in die Handykamera. Dabei ist sie stellenweise nur schwer zu verstehen.
Lambrechts Ansprache im Wortlaut: 
„Das Jahr 2022 neigt sich dem Ende zu und Berlin bereitet sich auf den Jahreswechsel vor. Was war das für ein Jahr, dieses Jahr 2022. Es hat uns vor unglaubliche Herausforderungen gestellt. Mitten in Europa tobt ein Krieg. Und damit verbunden waren für mich ganz viele besondere Eindrücke, die ich gewinnen konnte. Viele, viele Begegnungen mit interessanten, mit tollen Menschen. Dafür sage ich ein herzliches Dankeschön. Ich werde jetzt diesen Jahreswechsel begehen mit Familie und Freunden. Und all denjenigen, die das nicht können, weil sie für uns im Dienst sind, ob als Soldat oder als Polizistin, im Krankenhaus oder in anderen Bereichen, sage ich ein herzliches Dankeschön. Und uns allen wünsche ich jetzt einen guten Rutsch in ein Jahr 2023, das hoffentlich gesund, glücklich und hoffentlich friedvoller ist.“
 

30 Dezember 2022

Die demokratische Vernunft der Berufspolitiker ist ein alter Mythos, der politische Teilhabe reduziert und den Technokraten in die Hände spielt (NZZ)

Die demokratische Vernunft der Berufspolitiker ist ein alter Mythos, der politische Teilhabe reduziert und den Technokraten in die Hände spielt (NZZ)
Repräsentative Systeme waren ursprünglich nicht darauf ausgerichtet, die Partizipation der Bürger zu ermöglichen. Sie sollten die Vorherrschaft der wenigen sichern.
Oliver Zimmer 27.12.2022
Am 28. Oktober 1969 forderte Willy Brandt als frisch gekürter Regierungschef die Mitglieder des Bundestags auf, in Deutschland künftig mehr Demokratie zuzulassen. «Wir wollen mehr Demokratie wagen.» So lautete der kurze Satz, der eine naturgemäss eher technische Regierungserklärung zur vielleicht berühmtesten politischen Rede der deutschen Nachkriegszeit machte.
Brandt argumentierte, dass die deutsche Demokratie nur durch erhöhte bürgerliche Teilnahme zu sichern sei. Zu dieser Einschätzung passt die doppelte Selbstkritik am Schluss seiner Rede – eine Selbstkritik, die sich auf die Politiker wie auf die Bürger der jungen Republik bezog: «Die Regierung kann in der Demokratie nur erfolgreich wirken, wenn sie getragen wird vom demokratischen Engagement der Bürger. Wir haben so wenig Bedarf an blinder Zustimmung, wie unser Volk Bedarf hat an gespreizter Würde und hoheitsvoller Distanz.»

Die Schweiz und Deutschland verschlafen die Renaissance der Kernkraft (NZZ)

Japan war Anlass für den Atomausstieg in Deutschland. Nun setzt Japan wieder voll auf die Kenrenergie. Auch das ein Anlass für Deutschland?
Kommentar
Die Schweiz und Deutschland verschlafen die Renaissance der Kernkraft (NZZ)
Ob in den USA, Schweden, Polen, den Niederlanden oder Japan: Die Kernkraft feiert ein Comeback. Doch die deutschsprachigen Länder glauben, aus ideologischen Gründen auf diese CO2-freie Stromquelle verzichten zu können.
Christoph Eisenring ,

Neben dem drohenden Strommangel und dem starken Ausbau der Solarenergie ist die Renaissance der Atomkraft wohl die wichtigste energiepolitische Entwicklung des zu Ende gehenden Jahres. Jüngst hat sogar Japan, wo sich vor elf Jahren die Kernschmelze im AKW Fukushima ereignet hatte, seinen Kurs geändert. In Nippon sollen bestehende Reaktoren bis zu 70 Jahre am Netz bleiben und neue gebaut werden.
«Keine Durchbrüche zu erwarten»