04 August 2022

Überakademisierung - Abstieg durch Bildung (Spiegel)

Überakademisierung - Abstieg durch Bildung (Spiegel)
Eine Kolumne von Nikolaus Blome, 01.08.2022
Deutschland fehlen Handwerker und Facharbeiter. Die vergleichende Literaturwissenschaft ist wichtig – aber nicht im Kampf gegen den Klimawandel oder Putin.
Ich kenne Hans Peter Wollseifer nicht persönlich, aber er muss ein mutiger Mann sein, denn er hat sich gerade die komplette Gerechtigkeitsindustrie an den Hals geholt. Als Handwerkspräsident hat Herr Wollseifer eine »Bildungswende« gefordert, indes nicht so eine, wie sie immer gefordert wird, damit auch noch die andere Hälfte eines Geburtsjahrgangs nach dem 18. Geburtstag studieren geht. Herr Wollseifer hat gesagt, dass im Handwerk eine Viertelmillion Fachkräfte fehlen. Daraus folgert er: »Die Überakademisierung ist ein Irrweg.«
»Überakademisierung stoppen«, das ist für bestimmte Biotope schlimmer als »Atomkraftwerke länger laufen lassen« oder Schweinenackensteak zu essen. Es hinterfragt den Nachkriegs-Imperativ vom Aufstieg durch Bildung. »Überakademisierung stoppen« ist eine Kriegserklärung.
Aufstieg durch Bildung meint in aller Regel nicht eine Lehre bei »Gas, Wasser, Scheiße«, wie das hoch ehrbare Sanitärhandwerk auch genannt wird. Aufstieg durch Bildung meint, gerade auch unter Linken, dass Kinder einen höheren Bildungsabschluss erreichen sollen als ihre Eltern, mithin, dass sie Abitur machen und möglichst studieren. Das Ziel war über Jahrzehnte alle Ehren und manch staatlichen Eingriff wert, mit Ausnahme allerdings der Einser-Inflation auf manchen Zeugnissen und der weiträumigen Abschaffung der Hauptschule, weil allein ihr Name stigmatisiere.
Nun aber stellen wir fest, dass drängendete Zukunftsaufgaben des Landes oder gar des Planeten nicht fristgerecht zu leisten sind, wenn es in Deutschland zu wenig Klempner und andere Gewerke der handfesteren Art gibt. Eine (noch) höhere Abitur- oder Studentenquote wird jedenfalls bei Minister Habecks Projekt von Millionen Wärmepumpen statt Gas- oder Ölheizungen nicht viel helfen, ebenso wenig bei den ganzen Windrädern oder der Reparatur von Straßen, Brücken und Netzen. Das alles nämlich ist Handwerk, weil es nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen gemacht wird. Kurz gesagt: Die vergleichende Literaturwissenschaft ist wichtig. Aber nicht für das Erreichen der Klimaziele oder den Sieg über Putin.
Solange es genug Junge gab, konnte man beides haben: die Aufstiegserzählung der wachsenden Abiturquote und die Handwerksmeister ihre Lehrlinge. Jetzt gehen Deutschland die Jungen aus, und wir müssen uns entscheiden. Selbst die »taz« schreibt, dass es auch »soziale Mobilität nach unten« brauche, wenn nur so gesamtgesellschaftliche Bedürfnisse abzudecken seien. Solche Sätze kannte ich bislang nur von mir selber.
Politiker wie Gewerkschafter singen zwar sonntags gern das Lob des dualen Ausbildungssystems, vulgo: von Lehre und Berufsschule. Doch was für sie zählt und woran sie fast ausschließlich gemessen werden, ist der Aufstieg in der Gesellschaft. Dieser wird nicht zuletzt an der Zahl von Abiturienten und Studienanfänger gemessen. Lehrlingsmangel, Wachstumsbremse, Investitionsstau im Klimaschutz – alles egal, abgerechnet wird nach Akademisierung.
»Akademikerkinder in die Produktion«, kontert nun links-launig die »taz«. Das jedoch würde nach gegenwärtiger Lesart Abstieg bedeuten, und nach bisherigem Verständnis wäre die Gesellschaft dadurch weniger gut und gerecht. Woran man erkennt: Dieses bisherige Verständnis wird immer mehr zur bloßen Zahlenschieberei. Akademisierung ist kein Wert an sich. In den europäischen Ländern, die sehr hohe Studentenquoten und sehr  hohe Jugendarbeitslosenquoten gleichermaßen aufweisen, hat sich das übrigens längst erwiesen.
Von einfacher Arbeit, auch »ungelernt« genannt, will ich hier gar nicht groß reden. Die ist so dermaßen unten durch bei den offiziellen Stellen, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil lieber Tausende Mitarbeiter als Flughafenpersonal aus der Türkei holen lässt, als unter hiesigen Arbeitslosen druckvoll Werbung für diese Arbeit zu machen. Auch im SPIEGEL-Interview mit der neuen Chefin der Bundesagentur für Arbeit geht es um allerlei , aber nicht um die Frage, warum mehrere Hunderttausend freier Stellen für Ungelernte nicht aus der Gruppe der 2,3 Millionen Arbeitslosen zu besetzen sind. Wenn es sich bei den 2,3 Millionen ausschließlich um vormalige Facharbeiter handeln sollte, will ich nichts gesagt haben. Dann allerdings müssten mit ihnen die mehreren
Hunderttausend freien Stellen für Facharbeiter besetzt werden können, was jedoch nicht geschieht, weil es an Weiterbildung der Arbeitslosen fehle. Wie man es dreht und wendet, irgendetwas funktioniert da nicht.
Ganz klar: Bildung ist das Tor zum Leben, jede Aufstiegsgeschichte bedeutet einen Sieg des Einzelnen und eine Ehre für das ganze Land. Wir sind der idealen Gesellschaft nahe, wenn jeder und jede aus dem eigenen Leben machen darf, was er will und kann. Wahr ist aber auch: Es gibt menschliches Leben ohne Abi oder Studium, und vielleicht können es manche ganz normalen Menschen einfach auch nicht mehr hören, was sie bildungsmäßig gefälligst alles aus sich und ihrem Leben machen sollen, um Anerkennung im juste milieu zu finden. Diejenigen mit Abi und Studium wiederum sollten erkennen, dass unser Wohl und Wehe in der nächsten Zeit weniger an ihresgleichen hängen könnte als daran, dass nicht mehr ganz so viele ihrem Bildungs-Beispiel folgen, sondern ein Handwerk erlernen. In dieser Frage die Interessen der Einzelnen und der Allgemeinheit zu versöhnen, ist ein kompliziertes Ding. Doch in Sachen Akademisierung droht der Aufstieg der Einzelnen einen Abstieg des Ganzen auszulösen.

PS. Ich kann sie schon hören, die Entgegnungen und Fragen, ob unsere drei Kinder denn etwa eine Lehre gemacht hätten. Nein, haben sie nicht, sondern studiert. Aber mal ehrlich, was ändert das für die Fragen, die hier aufgeworfen sind?

Business Class Edition: Welt ohne Wasser

Business Class Edition:
 

Welt ohne Wasser
Guten Morgen,
wenn Sie diesen Text lesen, wird irgendwo auf diesem Planeten gerade wieder ein Hitzerekord gebrochen.
Das Jahr 2022 ist heißer und sonniger als die meisten seiner Vorgänger.
Wieder einmal.
Mit einer Temperatur von durchschnittlich 19,2 Grad lag der Juli um 2,3 Grad Celsius über dem Wert der Referenzperiode 1961 bis 1990, sagt der Deutsche Wetterdienst.
Im Vergleich zur Periode 1991 bis 2020 war der Juli 0,9 Grad wärmer.
Nach der Jahrhunderthitze 2021, bei der selbst im arktischen Sibirien mit 38 Grad nie erlebte Werte erreicht wurden, purzeln auch dieses Jahr wieder Rekorde wie etwa die 51 Grad in Indien im April.
Die Höchststände sind nicht das Besondere, sondern die Häufung, sagt der Schweizer Geograf und Klimaforscher Heinz Wanner, Professor am Institut für Klima- und Klimafolgenforschung an der Universität Bern. 
Er prognostiziert: In Mitteleuropa müssen die Menschen im Sommer künftig mit Temperaturen von 43 Grad statt 35 Grad rechnen.
Das ist jetzt die neue Realität. Wir sind in ein neues Klimaregime geraten.
Eine Studie, die 2021 im Fachjournal Nature Geoscience veröffentlicht wurde und in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt hat, kommt zu dem brisanten Ergebnis:

Europa trocknet aus.
Ein internationales Expertenteam hatte nicht die Temperatur als Kriterium herangezogen, sondern die Baumringe von 147 europäischen Eichen untersucht, die teilweise bis in das Jahr 75 v. Chr. zurückreichen.
So konnten erstmals kalendergenaue Informationen über die hydro-klimatischen Veränderungen über lange Zeiträume gesammelt werden.
Damit rückt der wertvollste Rohstoff der Zukunft in den Mittelpunkt, das „Prinzip aller Dinge“, wie schon der griechische Philosoph Thales von Milet wusste: Wasser.
Denn obwohl 70 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, ist Wasser als nutzbares Gut knapp.

Der Welt geht das Wasser aus. 
Und das hat biologische, vor allem aber auch soziale und wirtschaftliche Auswirkungen unbekannten Ausmaßes.

Infantile Politik - Keine Macht der Jugend! (Cicero+)

Infantile Politik
-
Keine Macht der Jugend! (Cicero+)
Junge Politiker wie Emilia Fester (Grüne) inszenieren sich gerne als Repräsentanten der Jugend und sehen sich allein schon wegen ihres Alters am argumentativ längeren Hebel. Der größte Unterstützer dieses Inszenierungsprinzips ist die politmediale Elite, was erklärt, warum das Alter immer mehr zum werbenden Aushängeschild im parteipolitischen Machtkampf wird, schreibt der 17-jährige Sebastian Nötzel am 2. August 2022

Motto:
Keine Macht der Jugend!
Keine Macht den Alten!
Alle Macht den Kompetenten!
Haben Sie sich jemals gefragt, was den Erfolg der grünen Bundestagsabgeordneten Emilia Fester ausmacht? Oder warum die am drohenden Weltuntergang offenbar völlig verzweifelte Luisa Neubauer in den allabendlichen politischen Talkshows fest gebucht erscheint? Diese prägenden Gesichter grüner Umweltbewegungen verkörpern eine Dynamik, die sich zunehmend in der Politik- und Medienlandschaft festsetzt. Sie findet ihre Wurzeln im machtpolitischen Streben und ist schon deshalb von Natur aus kritisch zu betrachten.
„Als jüngste Abgeordnete des deutschen Bundestages vertrete ich im Parlament die Kinder und Jugendlichen, bringe ihre Perspektive ein und kämpfe für Generationengerechtigkeit“, heißt es auf der Website von Emilia Fester. Sie hat es sich zur Marke gemacht, die junge Generation und damit wohl auch mich in politischen Belangen zu vertreten. Ihr prägendes Gütesiegel ist das Alter. Vor kurzer Zeit eröffnete der MDR den Podcast „Generation Zukunftsangst“, der sich mit den angeblichen Sorgen der Jugend befasst. In meiner Generation sei insbesondere die Angst vor einem gesellschaftlichen Rechtsruck oder dem ökologischen Kollaps allgegenwärtig.
Warum haben junge Menschen links zu sein?
Cansin Köktürk, ein prominentes Parteimitglied der Grünen, offenbarte im vergangenen Jahr bei Markus Lanz, es sei für sie ein „Skandal, dass so viele Erstwähler die FDP gewählt haben. (...) Ich finde das schrecklich und es hat mich erschrocken.“ Damit stellt sie die Urteilskraft zahlreicher Erstwähler sowie das Konstrukt der westlichen Demokratie an sich in Frage. Wer nicht wie Köktürk wählt, hat wohl gar nichts verstanden?
Die Semantik solcher gängigen Inszenierungen ist klar: Auch wenn es sich manche von ihnen einfach noch nicht eingestehen könnten, seien junge Menschen in überwältigender Mehrheit links. Damit seien die Überzeugungen der Jugend allen voran von einer ökologistischen Wahrnehmung und von der Angst vor selbstdefinierten Ungerechtigkeiten getrieben. Man ist jung und sei schon allein deshalb am argumentativ längeren Hebel, der sich durch die Mechanik moralischer Appelle in Bewegung setzen lässt.
Der größte Unterstützer dieses Inszenierungsprinzips ist die politmediale Elite, was erklärt, warum das Alter immer mehr zum werbenden Aushängeschild im parteipolitischen Machtkampf wird. Darum lässt sich das Phänomen lückenlos in die aufkommende Kultur eindimensionalen Denkens einreihen.
Das Alter verkommt zum Totschlagargument
Spielt das Sachliche keine Rolle mehr, da die Qualität der Argumente kongenial zur Anzahl der Lebensjahre stehen soll, wird der ohnehin schon zunehmenden Infantilisierung der Politik Vorschub geleistet.

Vince Ebert: Fleisch für das Gehirnwachstum

Vince Ebert: Fleisch für das Gehirnwachstum

Man schätzt, dass unsere Vorfahren vor zirka einer Million Jahren zum ersten Mal den Gebrauch des Feuers entdeckt haben. Keine drei Tage später wurde dann die Grillsaison erfunden. Und das war eine Revolution. Das tierische Eiweiß ließ die Gehirne unserer Vorfahren in einem relativ kurzen Zeitabschnitt auf das dreifache Volumen anwachsen: von 400 auf 1200 Kubikzentimeter.
Denn einerseits ist Fleisch für das Gehirnwachstum ein guter Energielieferant, zum anderen muss man eben wesentlich intelligenter sein, um einen Hasen zu überwältigen als einen Kohlkopf. Große Gehirne lohnen sich nur, wenn man sie auch benutzt. Das ist der Grund, weshalb in der Tierwelt die Pflanzenfresser intellektuell gegenüber den Fleischfressern hinterherhinken.
Für den Frühmenschen kam jedoch rohes Fleisch nicht infrage, weil man, um es verdauen zu können, einen sehr großen Verdauungsapparat braucht. Doch den haben wir Menschen nicht. Unsere direkten Verwandten, die Schimpansen, haben zwar dreimal weniger Hirn als wir, dafür ist ihr Verdauungsapparat um 40 Prozent größer. Und diese 40 Prozent haben wir in die Küche verlegt. Wir haben sozusagen einen Großteil unserer Verdauung outgesourct.
Das Karnickel übrigens hat eine ganz andere Strategie. Karnickel sind Fluchttiere und Vegetarier. Eigentlich sogar Veganer. Fluchttier und Veganer – ernährungstechnisch eine ganz blöde Kombination. Pflanzen sind nämlich viel schlechtere Energielieferanten und daher benötigen Pflanzenfresser einen noch größeren Verdauungsapparat. Deswegen haben Kühe riesige Pansen. Das Karnickel aber kann sich als Fluchttier so eine fette Wampe nicht leisten. Was macht es daher? Es fermentiert die Nahrung in einem speziellen Darmabschnitt und muss dann NACH dem Ausscheiden das fermentierte Zeug zum zweiten Mal fressen, um an das Eiweiß zu kommen. Verstehen Sie...? Ich erwähne das jetzt nur, weil „vegan sein“ gerade so hipp ist …

Affenpocken

Affenpocken
Am 23.07.2022 fand in Berlin der diesjährige Christopher-Street-Day statt und die TV-Medien berichteten entzückt darüber, dass 300.000 Menschen die ungehemmt und exzessiv ausgeübten sexuellen Neigungen von Schwulen, Lesben und sonstigen Randgruppen feierten.
Am gleichen Tag las ich in meiner Heimatzeitung:
95 Prozent der Infektionen mit Affenpocken durch sexuelle Kontakte.
Laut Agence France-Presse (afp) hätten Wissenschaftler für eine Studie 528 Fälle in 16 Ländern ausgewertet.
Der Studienautor, John Thornhill, erklärte: "Der Studie zufolge waren 98 Prozent der Infizierten homosexuelle oder bisexuelle Männer.
Sorgen um die Ausbreitung der Affenpocken gäbe es auch beim heutigen Christopher-Street-Day in Berlin. Berlin gelte bundesweit als „Affenpocken-Hotspot.
Die WHO erklärt laut Focus-Online Affenpocken zur internationalen Notlage und bestätigte, dass es 16.000 Fälle weltweit gäbe. 98 % der betroffenen seien Männer, die Sex mit Männern hatten – insbesondere, wenn sie viele Sexpartner hätten.
Gleichzeitig warnt die WHO natürlich vor einer Stigmatisierung der Betroffenen. Inzwischen seien auch einige Fälle in anderen Bevölkerungskreisen bekannt geworden.
Natürlich. Sexuelle Minderheiten und Randgruppen dürfen nicht stigmatisiert werden. Sie genießen in Deutschland „Artenschutz“. Deshalb traut sich keiner, das Kind beim Namen zu nennen. Wundern Sie sich auch, dass das Thema in den TV-Medien keine Rolle zu spielen scheint? Ich nicht.
Denn in den Führungsgremien und unter den Reportern und Moderatoren und Moderatorinnen wie z.B. im NDR Schleswig- Holstein, im RBB und wahrscheinlich in anderen Sendern sowie im Showbizz sind Schwule und Lesben überproportional vertreten oder werden verhätschelt. Diversity-schwangere Krimis, keine Musikshow, kein Unterhaltungsmagazin oder keine Unterhaltungstalkshow, ohne dass irgendjemand aus der einschlägigen Szene auftritt.
Fakt ist: Schwule, vornehmlich die, die ihre sexuellen Neigungen exzessiv ausleben, haben vor über 40 Jahren Aids unter die Menschheit gebracht und sind jetzt dabei, dafür zu sorgen, dass sich Affenpocken ungehemmt ausbreiten, obwohl es laut Studienautor John Thornhill noch möglich wäre, durch gezielte Maßnahmen in der Szene eine Ausbreitung einzudämmen. Aber, wie gesagt, bloß nicht stigmatisieren. Es sind ja laut RKI erst knapp 3.000 Fälle in Deutschland. Wird schon nicht so schlimm werden…

01 August 2022

Hartz-IV-Paradox (Focus-Online)

Hartz-IV-Paradox (Focus-Online)
Warum gibt es bei 1,7 Millionen freien Jobs noch immer 1,6 Millionen Dauerarbeitslose?
Überall fehlt Personal – in der Gastronomie, im Hotelgewerbe, am Flughafen. Gleichzeitig beziehen 1,6 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter Hartz IV. Wie passt das zusammen? (Kolumne von Jan Fleischhauer, Focus Online)
Auszüge:

  • Niemand kann oder will diese Zahlen zusammenbringen und einen Blick auf die werfen, die arbeiten könnten aber nicht arbeiten wollen
  • Wie muss man sich einen typischen Hartz-IV-Empfänger vorstellen? Alleinerziehende Mutter, Medizinerin, die durch eine Scheidung den Boden unter den Füßen verloren hat?
  • Sind es immer die Verkettung misslicher Umstände, die eben noch mitten im Leben stehende straucheln lässt? 
  • Das ist die sentimentale Sicht auf die Dauerarbeitslosigkeit. Die andere wäre, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die schon so lange einer geregelten Beschäftigung entwöhnt sind, dass sie gar nicht mehr wissen, was Arbeit ist.
  • Wie immer man dazu steht: Man wüsste gerne, woran man ist. 44 Milliarden Euro geben wir im Jahr für den Hartz-IV-Staat aus. Es ist einer der größten Posten im Haushalt, fast so groß wie der Verteidigungsetat, um den gerade so gerungen wird. Aber man liest darüber nichts
  • Auch die Regierung fahndet lieber in der Türkei nach Arbeitskräften, als darüber nachzudenken, wie man diejenigen wieder in Lohn bringen könnte, die angeblich jeden Tag die Stellenanzeigen durchforsten. 
  • Vielmehr bestand eines der ersten Gesetzesvorhaben der neuen Regierung darin, den Druck auf Arbeitsunwillige zu senken. 
  • Es ist kein Zufall, dass es die Grünen waren, die auf die Erleichterung drängten. Wer das Leben am Rand der Gesellschaft nur aus der Zeitung kennt, neigt zur Verklärung der Verhältnisse. 
  • Es war immer ein Missverständnis, dass die sogenannten unteren Lohngruppen besonderes Verständnis für das Leben auf Stütze aufbringen würden. Sozialromantik ist auch eine Klassenfrage
  • Je weiter man weg ist, desto leichter fällt das Mitleid. Die Lidl-Verkäuferin hat nichts als Verachtung übrig für die Nichtsnutze, die sich im Hartz-IV-Leben eingerichtet haben und sie im Zweifel noch dafür verspotten, dass sie sich durch den Tag quält. 
  • Gibt es unverschuldete Armut? Aber ja. Man muss sich nur bei einer Tafel in die Schlange einreihen, um das zu erkennen. 
  • Aber nicht jeder, der Hartz IV bezieht, ist ein Opfer der Verhältnisse. Für manche ist es einfach eine Frage der Kalkulation. Wer heute als Vorstand einer vierköpfigen Familie an der Ladenkasse steht oder Umzugskisten schleppt, könnte morgen den Job quittieren, ohne dass er sehr viel schlechter dastände. Auf 2100 Euro netto belaufen sich die Zuwendungen für einen Hartz-IV-Haushalt mit zwei Kindern inklusive Miete. Sind mehr als zwei Kinder im Haus, sind es noch einmal deutlich mehr. 
  • Die Politik kann sich entscheiden, die Leute in Ruhe zu lassen. Wir nehmen auch künftig hin, dass Hunderttausende auf Kosten derer leben, die den Laden am Laufen halten. 
  • Womit wir aber aufhören sollten, ist so zu tun, als träumte jeder Hartz-IV-Bezieher von einem Job, der sich aus unerfindlichen Gründen nie einstellt.

Wer angesichts von 1,7 Millionen verwaisten Stellen keinen Arbeitsplatz findet, ist entweder arbeitsunfähig oder arbeitsunwillig. Einen anderen Schluss lässt die Lage nicht zu. 

 

Chefarzt spricht Klartext : Corona-Experte Voshaar: Die Pandemie „ist vorbei“ (BZ)

Chefarzt spricht Klartext
:
Corona-Experte Voshaar: Die Pandemie „ist vorbei“ (BZ)
Lungenfacharzt Thomas Voshaar fordert ein Ende des „Panik- und Sorgen-Modus“. Er widerspricht Karl Lauterbach, der vor einem katastrophalen Corona-Herbst warnt. BLZ, 31.7.2022 
Ein renommierter -Experte erklärt die Pandemie für beendet: Professor , Chefarzt am Moerser Bethanien-Krankenhaus, fordert gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern ein Ende des „Panik- und Sorgen-Modus“. Er sagt: „Für einen schweren Herbst mag es viele Gründe geben. Aber Corona wird sicher nicht dazugehören.“
Voshaar widerspricht der Warnung von Gesundheitsminister (SPD), der einen „katastrophalen Corona-Herbst“ befürchtet. Laut Lungen-Experte Voshaar ist Covid-19 „eine Erkrankung, die wir definiert haben als gefährliche Lungenentzündung mit Gefäßbeteiligung“. Seit Omikron gebe es das praktisch nicht mehr. In einem schlussfolgert Voshaar: Die Pandemie sei „vorbei“.

 Chef der deutschen Lungenkliniken :
Voshaar: Kein Grund für neue Corona-Maßnahmen im Herbst
Der Pneumologe, der sich tagtäglich mit den Folgen der aus einer Stellungnahme hervorCorona-Pandemie befasst, sieht keinen Grund für neue Maßnahmen im Herbst. Dies geht auch aus einer Stellungnahme hervor, die er zusammen mit 10 Ärzten und Wissenschaftlern erstellt hat. Sie trägt den Titel: „Haben wir es geschafft? Kein Covid-19 mehr – nur noch ‚Omikronitis‘!“
Reine Covid-Patienten sehe man schon seit Monaten nicht mehr in den Kliniken, so Voshaar im Welt-Interview. Er kenne „keinen befreundeten oder bekannten Arzt in irgendeinem Krankenhaus von München bis Flensburg, der auf Nachfrage sagt, dass auf seiner Station ein Covid-19-Patient liegt“. Die Corona-Pandemie als große Bedrohung mit schweren Krankheitsbildern und Todesfällen liege „hinter uns“.
Voshaar: „Düstere Propheten“ schießen übers Ziel hinaus
Die Corona-Impfung und der Schutz vulnerabler Gruppen seien unabdingbar gewesen, sagt der Lungenfacharzt. Doch die „düsteren Propheten“ würden aktuell übers Ziel hinausschießen. Voshaar resümiert: „In Deutschland hatten wir das Team Vorsicht und das Team Mutig. Die Vernunft ist immer zu kurz gekommen.“ Alles in allem habe die Bundesrepublik die schwierige Pandemie-Zeit aber gut gemeistert.

Hamburger Chef nimmt keine jungen Leute mehr: „Müssen nach 6 Stunden zum Yoga“

Hamburger Chef nimmt keine jungen Leute mehr: „Müssen nach 6 Stunden zum Yoga“
Eine Hamburger Agentur stellt keine jungen Praktikanten mehr ein. Grund: Die anspruchsvolle Generation Z schätzt Freizeit wohl weit mehr als Arbeit. Von: Ulrike Hagen
Lieber arbeitslos als unglücklich. Aktuelle Studien zeigen, dass mit der sogenannten Generation Z Menschen den Arbeitsmarkt betreten, die komplett andere Erwartungen an ihre Jobs haben. Den zwischen 1995 und etwa 2000 geborenen jungen Leuten haftet darum das Vorurteil von hohen Ansprüchen und mangelnder Belastbarkeit an. Eine Hamburger Agentur zog Konsequenzen und stellt keine Praktikanten und Praktikantinnen der Generation Z mehr ein.
Hamburger Unternehmer über Generation Z: „Müssen nach sechs Stunden zum Yoga“
Der Sozial- und Bildungswissenschaftler Klaus Hurrelmann erklärte in der „Zeit“ über die Generation Z: „Diese jungen Leute haben eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Kontaktfähigkeit.“ Der Experte sieht die Ursache für die Schwächen der rund um die Jahrtausendwende geborenen Generation auch in der Überbehütung durch eine allzu fürsorgliche Erziehung. Die fatale Fürsorge von Rasenmäher-Eltern mache aus Kindern „schwache Persönlichkeiten“, warnt auch die Erziehungswissenschaftlerin Christine Falk-Frühbrodt. Immer mehr Schulen wehren sich inzwischen, weil Eltern bis auf den Pausenhof „helikoptern“.
Junge Leute kommen mit Wunschliste zum Vorstellungsgespräch – Hamburger Unternehmen langt es
Diverse Arbeitgeber möchten sich nicht länger mit der Anspruchshaltung dieser verwöhnten, wohlfühlorientierten Generation Z konfrontieren. Eine Hamburger Friseurmeisterin bildet keine Azubis mehr aus – wegen Mangel an Respekt und Leidenschaft. Und auch die Hamburger Gründerfirma „Nerdinstrustries“ sieht davon ab, noch Post-Millennials einzustellen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die jungen Leute teilweise schon im Vorstellungsgespräch eine Wunschliste vorlegen, wie die „Welt“ berichtet. Eine typische, beispielhafte Forderung sei etwa, dienstags und donnerstags ab 17 Uhr freizuhaben, um zum Yoga gehen zu können.
Hamburger Agentur weigert sich, Generation Z einzustellen: „freizeitorientierte Arbeitnehmer“
„Nerdinstrustries“ Co-Geschäftsführer Mathias Keswani schildert der Tageszeitung: „Die Freizeitorientierung hat bei den jungen Menschen in den letzten Jahren zugenommen“. Deren Arbeitshaltung beschreibt er gleich mit: „Ich komme mal vorbei, aber wenn mir das zu stressig wird, dann lasse ich es lieber.“
Helikoptereltern sollen Schuld am mangelnden Biss junger Arbeitnehmer sein
Soziologen führen den mangelnden Biss der Youngster auch auf überbehütende Erziehung zurück, die laut Forschern eine „Generation lebensunfähig“ produziert hat. „Kinder, die nie auf Hindernisse stoßen, lernen nicht, sich aus eigener Kraft durchzusetzen, Konflikte durchzustehen, Spannungen auszuhalten, zu scheitern. All diese Dinge gehören aber eigentlich zu einer gesunden Entwicklung dazu“, erklärt der Sozial- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann gegenüber „Focus online“