Der andere Blick
Ein Gesetz gegen politische Werbung – und gegen den Rechtsstaat (NZZ)
Mit einem neuen Transparenz-Gesetz droht jedem Besuch von der Polizei, der «politische Werbung» nicht korrekt auszeichnet. Hausdurchsuchungen sollen notfalls ohne richterlichen Beschluss möglich sein. Durchsetzen soll das die deutsche Bundesnetzagentur. Mit wehrhafter Demokratie hat das nichts zu tun.
Elke Bodderas, Berlin, 16.01.2026, 4 Min
Er sei der «Sheriff der Nation», hatte einmal der «Spiegel» über den Chef der deutschen Bundesnetzagentur Klaus Müller gespottet. Das war vor zwei Jahren. Jetzt scheint es ernst zu werden. Die Bundesregierung hat vor, Müller für einen robusten Einsatz zu bewaffnen, der tatsächlich an Wildwest erinnert. Kurz vor Weihnachten verabschiedete das Kabinett den Entwurf zu einem Gesetz, das als Fangschuss für die Meinungs- und Pressefreiheit gelten kann.
Dieses Gesetz soll Durchsuchungen von Social-Media-Konzernen und journalistischen Redaktionen erlauben, «bei Gefahr im Verzug auch ohne richterliche Anordnung», wie es im Entwurf heisst. Den Autoren von «Drucksache 766/25» ist völlig klar, was das bedeutet. Durch das Gesetz, so schreiben sie freimütig, werde «das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt». Das geplante «Politische-Werbung-Transparenz-Gesetz», kurz PWTG, setzt in Deutschland eine EU-Verordnung um. Sie betrifft alle, die in digitalen Medien, in Zeitungen oder auf Social Media politische Werbung verbreiten. Sie sollen künftig offenlegen, wer sie unterstützt, seien es politische Parteien, Verbände, NGO oder Einzelpersonen.
Die Verordnung sieht vor, dass bei jeder politischen Werbung offenkundig sein muss, wer als Sponsor oder Financier beteiligt ist und um welche Beträge es sich handelt. Die EU erhofft sich davon, die Hintermänner politischer Influencer zu ermitteln, speziell «aussereuropäische Geldgeber». Kontrollieren sollen das die Bundesnetzagentur und ihr Präsident Klaus Müller. Die Behörde «steht gut im Stoff», wie es so schön heisst, ist sattelfest in ihrem Bereich, sie entscheidet schon jetzt mit ihren «Meldestellen», was als «Hass» und «Fake News» verfolgt werden darf.
Debattenkontrolle statt funktionierende Infrastruktur










