15 Juli 2022

Business Class Edition: Euro-Schwäche: Ursachen und Folgen des Abstiegs

Business Class Edition: 

Euro-Schwäche: Ursachen und Folgen des Abstiegs
Guten Morgen,
jetzt hat es auch den Euro richtig erwischt: Die europäische Gemeinschaftswährung verliert gegenüber dem Dollar permanent an Wert. Gestern fiel der Euro auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren und hat das erste Mal seit zwei Dekaden die Parität unterschritten. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 12 Prozent und seit dem Höchststand vom April 2008 unglaubliche 36 Prozent.
Damit sind die multiplen Gegenwartskrisen im Innersten unserer Volkswirtschaft, da wo die monetäre Blutversorgung erfolgt, angekommen. Der Sinkflug des Euros ist keine statistische Erscheinung, sondern ein Ereignis, das unseren Wohlstand spürbar beeinflusst. Von den Devisenmärkten über die Energiekosten bis in die Preise ist es nur ein kurzer Weg.
Es sind insbesondere folgende fünf Wirkungen, die jeden Einzelnen schädigen und am Ende auch diesen Kontinent enorm schwächen:

Der non-binäre Mann mit Migrationshintergrund ist das neue Ideal – für die Mehrheit hat man hingegen nur noch Verachtung übrig (NZZ)

Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit
Der andere Blick
(NZZ) von Eric Gujer, 15.07.2022
Der non-binäre Mann mit Migrationshintergrund ist das neue Ideal – für die Mehrheit hat man hingegen nur noch Verachtung übrig
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Minderheiten stehen derzeit hoch im Kurs.

Deutsche hingegen werden als «Kartoffeln» verunglimpft. Woher kommt der Zusammenhalt einer Gesellschaft in Kriegs- und Krisenzeiten, wenn es keine stabile Mitte mehr gibt?

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Klimajugend das Mass der Dinge. Epigonen von Greta Thunberg bevölkerten die Talkshows, sie erhielten Mandate in Aufsichtsräten angeboten, und sogar wirtschaftsliberale Kommentatoren lobten die antikapitalistischen Parolen als Ausweis echten politischen Engagements. Die Klimajugend war eine Macht, weil sie behauptete, für eine ganze Generation zu sprechen.

Dann kam die Pandemie, und in der Schweiz versenkten die Stimmbürger ein Gesetz, das zwecks Klimaschutz die Energiepreise verteuert hätte. Vor allem zeigte die Abstimmung, dass die Klimajugend mitnichten eine ganze Generation umfasste, sondern nur einen besonders lauten Teil davon.

Junge Erwachsene lehnten das Gesetz wie die meisten anderen Altersgruppen mehrheitlich ab. Nur die akademische Jugend in den grösseren Städten trat enthusiastisch für den Klimaschutz ein. Die junge Coiffeuse auf dem Land konnte weniger damit anfangen. Im Gegensatz zur Studentin aus der Universitätsstadt schaffte es die Coiffeuse aber nie, in eine Talkshow eingeladen zu werden.

Inzwischen sind die Energiepreise gestiegen. Die Regierungen wollen sie nicht weiter verteuern, sondern versprechen den Bürgern Entlastung. Die Klimajugend ist out, dafür sind Gender-Agitator*innen und Trans-Aktivist*innen in.

Aus Banalitäten werden heute Skandale

An der Verzerrung der politischen und medialen Wahrnehmung hat sich nichts geändert. Wer laut und gut vernetzt ist, wer Zugang zu den Zentralen des intellektuellen Überbaus wie Universitäten und Fernsehsendern hat, findet Aufmerksamkeit. Die Mehrheit schweigt wie immer; ihr würde ohnehin niemand zuhören.

Dass es, rein biologisch betrachtet, zwei Geschlechter gibt, dürften deutlich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung für eine banale Selbstverständlichkeit halten. Zugleich definiert sich weniger als ein Prozent als transsexuell. Dennoch untersagte die Humboldt-Universität Berlin einen Vortrag über biologische und soziale Geschlechter. Das versetzt seither die Feuilletons in Wallung: Ist man «transphob», wenn man Männer und Frauen für den Normalfall und alles andere für eine – rein statistisch betrachtet – Ausnahme hält?

Zugleich wählt der Bundestag Ferda Ataman zur Beauftragten für Antidiskriminierung. Sie nennt Deutsche «Kartoffeln». Deutlicher kann man seine Verachtung für die Mehrheit nicht kundtun. Die wenigsten Deutschen bezeichnen sich als Kartoffeln. (Anm.: Wo Kartoffeln sind, sind auch Parasiten, die Kartoffelkäfer, die von der Kartoffelpflanze ernährt werden und sich an ihr laben). Das sagt noch nichts darüber aus, ob ein Migrationshintergrund nicht eine bereichernde Erfahrung ist, sondern beschreibt nur eine weitere banale Selbstverständlichkeit: Niemand lässt sich gerne beleidigen, auch Deutsche nicht.

Banale Selbstverständlichkeiten werden heute zum Skandal. Der Mechanismus dahinter ist jedes Mal derselbe: Eine Gruppe sieht ihre Rechte beschnitten, sie provoziert und setzt damit eine Kettenreaktion von empörten Stellungnahmen und Repliken in Gang.

Die so erzeugte Aufregung hat meist wenig mit der Befindlichkeit der Gesamtgesellschaft zu tun. Über kurz oder lang verebben die Medienhypes wie die Seligsprechung der Klimajugend. Übrig bleiben die für eine Mehrheit relevanten Probleme: Wenn Krieg und Klimawandel die Energie verteuern, wie kann ich mir Strom, Gas und Benzin noch leisten?

14 Juli 2022

Zweifel an der Sanktionspolitik gegen Russland - Wo sind die Realos geblieben? (Cicero+)

Zweifel an der Sanktionspolitik gegen Russland
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Wo sind die Realos geblieben? (Cicero+)
Die EU-Kommission sitzt inzwischen an der Planung des siebten Sanktionspakets gegen Russland – ohne auch nur einmal zu verifizieren, ob diese Methode wirklich die erwünschte Wirkung erzeugt. Derweil verlassen viele Konzerne unter der erpresserischen Knute aktueller und drohender Sanktionen Russland und China. Die materiellen und immateriellen Verluste sind unschätzbar. Warum tut der Westen sich das an?
EIN GASTBEITRAG VON ANTJE VOLLMER am 14. Juli 2022
Vielleicht bin ich ja die Einzige, die allmählich beginnt, den immer gleichen Beteuerungen von der neuen Geschlossenheit und der nie da gewesenen Stärke des Westens nicht mehr zu glauben. Während sich die Gipfeltreffen von EU, G7, Nato, G20 regelrecht jagen und immer neue Posterbilder von schulterklopfenden, von ihrer Mission beflügelten Staatsmännern und -frauen täglich über alle Kanäle flimmern, kommt mir das Ganze allmählich so vor wie das Pfeifen im Walde.

Ich höre: Wir leben in einer „Zeitenwende“, die dieses Vorgehen alternativlos macht. Das sogenannte Neue an dieser Wende ist aber dem Begriff nach zu schillernd, als dass es einen eindeutigen Sinn ergeben würde. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken. Zum Vergleich: 1990 gab es eine echte Zeitenwende, weil die bis dahin geltende Ordnung der Welt, die Teilung in zwei Blocksysteme, die sich mit gegenseitiger atomarer Bedrohung in Machtbalance hielten, auf erstaunlich gewaltfreie Weise aufgelöst wurde.

Heute wird behauptet, seitdem gäbe es eine neue „regelbasierte Ordnung der Welt“, die nur der Diktator im Kreml mit seinem ohne Zweifel völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zerstört habe. Weswegen eben alle aufrechten Demokratien der Welt nun fest zusammenhalten müssten, um diese Ordnung zu verteidigen gegen die am Horizont drohenden neuen Autokratien. So erheben sich aus der blutigen Tragödie eines Krieges die neue Daseinsberechtigung der Nato und der neue Führungsanspruch des Westens wie Phönix aus der Asche – sie erscheinen als die Essenz dieser Wende-Legende.

Rhetorik des Epochenbruchs

Drei Gründe sprechen gegen diese These. Erstens ist der russische, durch nichts zu rechtfertigende Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht der erste Krieg, der nach 1990 gegen die Regeln des Völkerrechts geführt wurde (Kosovo, Irak). Das macht die Sache keineswegs besser, aber sollte doch etwas die Rhetorik des Epochenbruchs bremsen.

Zweitens ist es gerade das größte Versäumnis der Jahre nach 1990, dass keine neue europäische Sicherheitsordnung formuliert wurde, die sowohl den neuen postsowjetischen Demokratien als auch dem damals noch demokratischen Russland einen angemessenen Platz in einem gesamteuropäischen Sicherheitssystem vermittelt hätte. Es gab nie eine Antwort auf die durchaus berechtigten Fragen von Gorbatschow, Jelzin, Putin und Medewew: „Welchen Platz bietet das Nach-Kalte-Kriegs-Europa eigentlich den Russen in dieser Nachkriegswelt an?“

Mehr zum Thema:

Europa hat nach 1990 keine haltbare Form gefunden, die den Namen Friedensordnung verdient hätte. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Mützenich hat deswegen zu Recht festgestellt: „Wir werden es einmal vor unseren Kindern zu verantworten haben, dass wir ihnen keine bessere Welt hinterlassen haben.“

Zum Dritten: Gerade weil die echte Zeitenwende von 1990 keine haltbare Friedensordnung hervorgebracht hat, markiert das Postulat einer heutigen Zeitenwende wohl eher die Rückkehr zum alten Elend der Blockkonfrontation und ihrer Logik der wechselseitigen gegenseitigen Bedrohung. Da sich aber nichts im Leben einfach nur wiederholt, erscheint diese neue mentale Aufrüstung noch gefährlicher – geht es doch diesmal nicht nur um die „größte Bedrohung der Nato durch Russland“ (Generalsekretär Stoltenberg), sondern um die ganz große zukünftige Auseinandersetzung mit China.

Zeitenwende als Teil der Strategie

Vince Ebert: Sensible Stromnetze

Von Vince Ebert
Vince Ebert ist Diplom-Physiker und Kabarettist. Seit 20 Jahren begeistert er mit seinen Bühnenshows tausende Zuschauer, in der ARD moderiert er die Sendung „Wissen vor Acht“.
Seine Bücher verkauften sich über eine Million Mal, er ist einer der gefragtesten Vortragsredner des Landes.
Vince Eberts Stil ist klar und pointiert, seine Aussagen provokant und unkonventionell. Mit intelligentem, trockenem Witz verfolgt er konsequent eine Mission: Make Science Great Again sowie den leidenschaftlichen Appell, das eigene Gehirn zu benutzen.Vince Ebert hat etwas zu sagen – hören Sie ihm zu!

"Den wenigsten ist klar, wie hochgradig sensibel unser Stromnetz ist. Es ist eines der kompliziertesten von Menschenhand geschaffenen geregelten Systeme. Allein das deutsche Netz hat eine Gesamtlänge von fast zwei Millionen Kilometern, was der fünffachen Entfernung von der Erde zum Mond entspricht. Fast 600000 Transformatoren und Umspannstationen sorgen in unserem Land dafür, dass der Strom verlässlich aus der Steckdose kommt. Rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche, kümmern sich einige tausend Menschen nur darum, dass dieses Netz stabil bleibt und nicht zusammenbricht. Dazu muss permanent so viel Strom erzeugt werden wie gerade verbraucht wird. Ablesbar ist das an der bekannten Frequenz von 50 Hertz. Gibt es kurzfristig Über- oder Unterkapazitäten, sinkt diese Frequenz etwas ab oder sie steigt an. Die Schwankungsbreite darf allerdings maximal 0,2 Hertz betragen. Jeder größere Ausschlag nach oben oder nach unten würde das gesamte System zum Kollabieren bringen. Genau das ist ein selten gehörtes Problem bei der Energiewende. Die Erneuerbaren haben keine netzstabilisierende Funktion. Im Gegenteil. Je höher der Anteil an schwankendem Wind- und Sonnenstrom wird, umso instabiler wird das Netz. Denn sowohl Strommangel als auch Stromüberschuss kann das System kollabieren lassen. Mit jedem netzstabilisierenden Kraftwerk, das wir abschalten, steigen die Netzschwankungen weiter an.

Aber mit diesen nervigen Zusammenhängen kann sich eine hippe Gesellschaft natürlich nicht beschäftigen. Es gibt schließlich Wichtigeres als Strom".

Robert Habecks Realitätsverweigerung - Wir haben kein Stromproblem? Noch nicht! (Cicero+)

Robert Habecks Realitätsverweigerung
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Wir haben kein Stromproblem? Noch nicht! (Cicero+)
Wirtschaftsminister Robert Habeck behauptet, Deutschland habe kein Stromproblem. Damit will er die Debatte über eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke beenden. Doch das gelingt ihm nicht. Denn seine Argumentation ist voller Widersprüche. Und in den Bau- und Elektromärkten werden bereits die Heizgeräte knapp. Wenn das Gas fehlt, heizt man mit Strom.
VON DANIEL GRÄBER am 13. Juli 2022
Auch wenn es den Grünen überhaupt nicht gefällt: Die Debatte über einen Ausstieg aus dem Atomausstieg nimmt Fahrt auf und ist nicht zu stoppen – auch innerhalb der Ampelkoalition. Nachdem die FDP vergangene Woche im Bundestag noch gegen einen Vorstoß der CDU/CSU-Fraktion zur Rettung der drei letzten noch laufenden deutschen Kernkraftwerke gestimmt hat, kommen aus der Regierungspartei jetzt sehr deutliche Forderungen, die für Ende des Jahres geplante Stilllegung zu überdenken.

FDP-Fraktionsgeschäftsführer Johannes Vogel forderte von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine ernsthafte technische Prüfung. „Wir sind in der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten und wir wollen mutwillig aus eigener Entscheidung sichere und klimaneutrale Kraftwerke vom Netz nehmen. Das ist absurd“, sagte Vogel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Grüne sperren sich gegen Laufzeitverlängerung

Der wartungsbedingte Lieferstopp über die Ostseepipeline Nord Stream 1 und die Befürchtung, dass Russland den Gashahn zulassen könnte, hat die Diskussion über die drei Atomkraftwerke neu entfacht. Sie sollen laut Ausstiegsbeschluss von 2011 Ende dieses Jahres für immer vom Netz gehen. Auch prominente Unionspolitiker wie Markus Söder, Friedrich Merz und Jens Spahn fordern wegen eines drohenden Gasmangels einen weiteren Betrieb der Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Denkbar wäre sogar, dass auch noch die drei bereits Ende vergangenen Jahres stillgelegten Meiler wieder in Betrieb genommen werden: Brokdorf, Grohnde und Grundremmingen.

Bislang sperren sich innerhalb der Ampelkoalition vor allem die Grünen gegen eine Laufzeitverlängerung. Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (ebenfalls Grüne) hatten in einem Prüfvermerk im März davon abgeraten. Einem kleinen Beitrag zur Energieversorgung stünden große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitstechnische Risiken entgegen. Eine Verlängerung der Laufzeiten brächte im kommenden Winter keine zusätzlichen Strommengen, sondern frühestens im Herbst 2023 nach erneuter Befüllung mit neuen Brennstäben. Fachleute aus der Branche haben dem jedoch vehement widersprochen. Im sogenannten Streckbetrieb könnte mehr Energie aus den vorhandenen Brennstäben herausgeholt werden.

FDP erhöht den Druck

Nun forderte FDP-Politiker Vogel von Habeck eine Bestandsaufnahme, was die Verfügbarkeit von Brennstäben für einen Weiterbetrieb angeht. „Der Energie- und Wirtschaftsminister sollte jetzt ganz kurzfristig dafür sorgen, dass wir eine saubere Inventur kriegen: Wie viele Brennstäbe in welchem Kraftwerk sind noch da? Und dann können wir weiter diskutieren.“ Der energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kruse, schlug einen „Kernkraftgipfel“ vor.

 Mehr zum Thema:

 Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hält hingegen nichts von längeren Laufzeiten. „Für die Energiewirtschaft in Deutschland ist klar: Der Ausstieg aus der Stromerzeugung aus Atomkraft ist beschlossen. Niemand in der Energiewirtschaft möchte in diese risikobehaftete und teure Technologie zurück“, sagte Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae der Rheinischen Post. Dazu muss man aber wissen, dass Andreae vor Antritt dieses Jobs Bundestagsabgeordnete der Grünen war. Sie vertritt eins zu eins die Linie ihrer Partei. Den Grünen fällt es offenbar wesentlich leichter, trotz aller Klimaschutzrhetorik einer Renaissance der Braunkohle zuzustimmen, als sich von ihrer Anti-Atomkraft-Vergangenheit zu lösen.

Habecks absurde Argumentation

13 Juli 2022

Business Class Edition: Energie-Zar Putin & die Fehlkalkulation des Westens

Business Class Edition:
 

Energie-Zar Putin & die Fehlkalkulation des Westens
Guten Morgen,
der Schuldner kann seiner Bank nicht drohen. Wenn er es trotzdem wagt, wird sie ihn vor die Tür setzen. Oder foltern. Dafür braucht sie keine Streckbank. Sie hat ja ihre Zinsen.
Der Energiekonsument kann seinem Lieferanten nicht drohen. Wenn der Kunde nervt, dreht man ihm den Hahn zu. Dem bisherigen Abnehmer fehlen dann Warmwasser, Strom, Heizung und womöglich bald auch der Arbeitsplatz.
Womit wir bei Wladimir Putin wären. Der Westen wollte ihn ökonomisch in die Knie zwingen (Joe Biden: „Die Gesamtheit unserer Sanktionen und Exportkontrollen erdrückt die russische Wirtschaft” ) und plötzlich spüren wir den kühlen Lauf seiner Gaspistole an unserer Stirn.  
Putin hat erkannt, dass er im kleinen ukrainischen Theater die Welt nicht beeindrucken kann. Sein dortiger Krieg ist verlustreich, moralisch abstoßend und politisch ineffektiv.
Seine wirkliche Waffe liegt in den schier unerschöpflichen Öl- und Gasvorräten des größten Flächenstaates dieser Erde. Putins große Bühne sind die Weltenergiemärkte. Hier hat er etwas, was die anderen nicht haben. Hier kann er die Rolle des Energiezaren spielen. Machtvoll. Leichtfüßig. Effizient.
Und so wurden wir Zeitzeuge (und Opfer) der größten politischen Fehlkalkulation des Westens seit dem Einmarsch der Nato inAfghanistan. Putin wurde nicht geschrumpft, sondern vergrößert. Der Ukraine-Krieg wurde nicht beendet, sondern findet als Weltwirtschaftskrieg seine Fortsetzung.
Wir erinnern uns: Auch in der Kampf- und Widerstandskraft der Taliban hatte sich der Westen geirrt. Die so genannten Steinzeitkrieger waren der Nato zwar nicht technologisch oder finanziell überlegen. Aber ihr Energielevel und ihre Leidensfähigkeit waren höher. Der Suizid-Bomber war ihr Tornado. Sie brauchten keine Aufklärungsflugzeuge, die Kollaboration mit der normalen Bevölkerung lieferte ihnen die besseren Daten.
Wladimir Putin ist der Taliban der Neuzeit. Nur, dass seine Sprengkraft geographisch nicht begrenzt ist. Mit seiner Zuteilungspolitik von Öl und Gas, aber auch schon mit seinen Drohungen und Lockungen, bewegt er die Energiemärkte. Am Wochenende erst nutzte er ein Treffen mit Regierungsvertretern, das vom Fernsehsender Rossija 24 übertragen wurde, um dem Westen einen medialen Erpresserbrief zukommen zu lassen:

Die Sanktionen gegen Russland werden am Ende den Ländern, die sie verhängen, viel mehr schaden.

Und weiter:

Neue Sanktionen könnte zu noch schwerwiegenderen Folgen, ja sogar zu katastrophalen Folgen auf dem globalen Energiemarkt führen. Ich übertreibe nich

10 Juli 2022

Die FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer: In Russland lachen sie über die mitleidigen weißen Männer im Westen

Die FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer
In Russland lachen sie über die mitleidigen weißen Männer im Westen
Die Länder des Westens haben 600 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe versprochen, um die Allianz gegen Russland zu stärken. Wie wäre es mit dem Gegenteil: Kein Geld für Staaten, die zu Putin halten?
Das Gute an Putin und seinen Satrapen ist, dass sie einen über ihre Absichten selten im Unklaren lassen. Sie reden über die Verheerungen, die sie über die Welt zu bringen gedenken, so selbstverständlich wie andere über das Wetter. Vor drei Wochen saß die Kreml-Propagandistin Margarita Simonyan auf einer Bühne in St. Petersburg und verbreitete sich lächelnd über Hunger als Waffe. „Unsere Hoffnung ist jetzt der Hunger“, sagte sie. „Kommt der Hunger, kommt der Westen zur Vernunft.“ Er werde seine Sanktionen lockern und wieder freundschaftliche Beziehungen mit Russland pflegen, da es für ihn keine andere Wahl gebe.
An dem Auftritt war neben der blendenden Laune, mit der Frau Simonyan das Hungerprogramm bekannt gab, die Offenheit bemerkenswert, in der sie Mitleid zur Schwäche erklärte. Der Russe kennt kein Mitleid, musste man ihren Ausführungen entnehmen. Er ist nicht so weich wie der Bewohner des Westens, der dem Leid nicht zusehen kann, ohne irgendwann einzulenken.
Steigende Lebensmittelpreise setzen auch Menschen in Deutschland zu. Aber es ist eine Sache, ob man sich einschränken muss, und etwas ganz anderes, seine Familie nicht mehr ernähren zu können, weil der Preis für Brot oder Sonnenblumenöl durch die Decke geht. Bis der Westen Hunger leidet, muss der Krieg in der Ukraine noch sehr, sehr lange dauern.

Der Westen ist immer schuld

Man sollte also denken, dass die Anführer der Dritten Welt sich im Zorn auf Putin einig sind. Wenn die Hungerwaffe des Kreml Menschen trifft, dann die Armen in Afrika und Asien. Aber so denken sie nicht, ganz im Gegenteil. Kein Land aus Afrika ist bei den Sanktionen gegen Russland dabei, kein Land in Lateinamerika. In Asien machen lediglich Japan, Südkorea und Taiwan mit. Wenn die Russen Getreidesilos plündern und Häfen verminen, ist daran nicht Putin schuld, sondern, logisch, der Westen. Dass der Westen schuld ist, darauf kann man sich im Rest der Welt immer verständigen.

„In Deutschland glauben viele, die meisten Länder stünden aufseiten der Ukraine. In Wahrheit entsteht ein antiwestlicher Block, so mächtig, wie es ihn in der Geschichte noch nie gegeben hat“, bilanzierte der „Welt“-Herausgeber Stefan Aust anlässlich des BRICS-Gipfels, bei dem sich China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika auf Einladung des

Auch wir haben gerade einen Gipfel hinter uns. Die G7-Staaten trafen sich vor malerischer Bergkulisse im bayrischen Elmau. Anders als 2015, als man sich das erste Mal in Elmau einfand, waren dieses Mal auch eine Reihe von Ländern des „globalen Südens“ zu Gast, wie Entwicklungsländer heute heißen – Indien, Südafrika, Senegal. Dass viele dieser Staaten weiter mit Moskau im Geschäft sind, allen Appellen zum Trotz, ist auch den Regierungschefs der freien Welt nicht verborgen geblieben.

Die vermeintliche Stimme der Freiheit

Umfrage: Jeder 2. Deutsche meint: Es gibt mehr als zwei Geschlechter (BILD)

Umfrage
Jeder 2. Deutsche meint: Es gibt mehr als zwei Geschlechter (BILD)
Kaum etwas sorgt für erhitztere Gemüter als die Gender- und Geschlechter-Debatte.
BILD wollte wissen: Was denken die Deutschen darüber?
Eine Umfrage des INSA-Instituts für BILD ergab: Die Frage, wie viele Geschlechter es gibt, spaltet Deutschland. Die Mehrheit (49 Prozent) ist der Meinung, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Rund 38 Prozent sehen das anders: Für sie gibt es nur das männliche und weibliche Geschlecht.
► Anders beim Gender-Sprech: Knapp 50 Prozent halten sogenannte „geschlechtergerechte Sprache“ für schädlich, wollen nicht von „Studierenden“ (statt Studenten) oder „Lehrpersonal“ (statt Lehrern) sprechen. Nur rund 9 Prozent finden geschlechterneutrale Sprache nützlich. Knapp 35 Prozent haben keine klare Haltung.
Das neue Selbstbestimmungsgesetz sehen die Deutschen mit gemischten Gefühlen. Ab Mitte 2023 soll jeder Bürger ab 14 Jahren Geschlecht und Vornamen auf dem Standesamt wechseln können – ohne psychische Gutachten und andere Hürden wie bisher (BILD berichtete). Dass dieses Verfahren leichter wird, begrüßen 50 Prozent der Befragten, 31 Prozent sind dagegen.
Aber: 59 Prozent halten es für falsch, dass sogar Jugendliche ab 14 ihre Geschlechtsangabe ohne Zustimmung der Eltern ändern dürfen. Nur 28 Prozent sind dafür.
► Gemeinsame Toiletten für alle Geschlechter lehnen fast 59 Prozent ab, nur knapp 14 Prozent befürworten die Abschaffung von Männer- und Frauen-WC.