09 Januar 2024

Die Leute haben den ständig hohen moraölischen Ton der Grünen satt.

Die Bauern sind schuld. Die Wähler sind schuld. Fleisch. Diesei, Bauern zwei Geschlechter, Freiheit, Unternehmertum, Israel. Für die Grünen ist alles rechts. Deshalb sind sie für einen großen gesellschaftlichen Teil toxisch geworden, weder wählbar noch koalitionsfähig. Eine Partei von bestenfalls liebenswerten Träumern, gewählt von bornierten Ideologen und spießigen Opportunisten. Das Heizungsgesetz war das eine, viel tödlicher war das Tolerieren von Letzter Generation und Degrowth-Poeten, von Gender-Aktivisten und Trans-Autoritarismus – der ständig hohe moralische Ton bei alles und jedem. Die Leute haben das satt. Und sie glauben den Scheinheiligen, den selbstdeklariert Anständigen eher gar nichts mehr.
Ulf Poschardt, Chefredakteur WELT
Der andere Blick
Die Grünen werden keine Volkspartei mehr, aber als Volkspädagogen haben sie noch viel vor (NZZ)
Keine Ampelpartei wird so scharf kritisiert wie die Grünen. Zu Recht. Ihre Politik ist oft ideologisch und weltfremd. Trotzdem ist es zu früh für einen Abgesang. Diese Partei dürfte das Land noch lange prägen.
Von Marc Felix
Der Grund dafür ist ein doppelter Irrtum: Die Grünen waren nie so stark, wie ihre Fans seit Jahren behaupten. Allerdings sind sie auch nicht annähernd so angeschlagen, wie ihre Kritiker heute hoffen.

07 Januar 2024

BAUER KARL UND DIE SPANISCHE GURKE (Netzfund)

Die Gurke
BAUER KARL UND DIE SPANISCHE GURKE (Netzfund)
Bauer Karl geht in den Gemüsegarte, pflückt sich eine frische Gurke und isst sie mit Genuss.
So war es vielleicht einmal. Heute ist es so:

Fritz, der Sachbearbeiter eines Einzelhandelskonzerns, der einem amerikanischen Finanzinvestor gehört, hat durch Computerrecherche herausgefunden, dass in Spanien gerade die Gurken reif und besonders günstig sind.
Nachdem er die Zustimmung seiner Chefin Sandra eingeholt hat, ordert er 50.000 Gurken auf einer Gemüsefarm in der Nähe von Sevilla, die einem französischen Agrarkonzern gehört.
Dafür, dass auf den Feldern nur Gurken wachsen, sorgt ein Unkrautvernichtungsmittel, dass von einem deutschen Chemiekonzern produziert wird.
Es kostet nicht viel, die Fabrik ist in Mexiko. Es ist allerdings nicht besonders gesund. Das merkt Nelson, der die Gurken erntet. Er hustet viel in letzter Zeit. Nelson ist ein Flüchtling aus Afrika, der illegal auf der Farm arbeitet. Er lebt in einer Baracke neben den Gewächshäusern. Deshalb kostet das Ernten der Gurken nicht viel.
Bevor die Gurken verladen werden, werden sie mit einer luftdichten Plastikfolie überzogen.
Die Folien stammen von einer mittelgroßen Chemiefabrik bei Erfurt. Sie kostet nicht viel, die Produktion ist voll automatisiert und wird nur noch von einem Menschen, dem Mechatroniker Maik, gesteuert.
Ein Lastwagen der italienischen Firma Iveco, die der „Fiat Industrial“ gehört, die wiederum einer internationalen Holdinggesellschaft gehört, transportiert die Gurken nach Deutschland.
Der Transport kostet nicht viel. Der Diesel wird steuerlich subventioniert und der Fahrer, Muzafer, stammt aus Albanien. Er lebt die meiste Zeit in dem LKW und fährt nur im Urlaub zu seiner Familie nach Hause. Er fährt die Gurken zur Logistikzentrale des Konzerns in Herford.
Das Lagern kostet dort nicht viel, die Stadt hat das Grundstück praktisch umsonst an den Konzern abgegeben. Sie war scharf auf die Gewerbesteuer. Von Herford aus werden die Gurken an die Läden verteilt. Die Verteilung der Waren auf die LKW steuert ein Computer, er hat keinen Namen. Der Fahrer Janosz des LKW, in den unsere Gurke jetzt verladen wird, ist aus Polen. Er lebt den größten Teil des Jahres in seinem LKW…
Unsere Gurke landet bei einem Discounter in Uslar. Die Verteilung übernimmt Stefan. Er war als Anlagenbauer in einer Firma beschäftigt, die Solaranlagen produzierte. Die werden jetzt aus China importiert, deswegen ist Stefan seit einiger Zeit arbeitslos und ist in dem Laden im Rahmen einer Maßnahme tätig. Er kostet seinen Arbeitgeber nicht viel.
Irgendwann kommt der Bauer Karl in den Laden. Er hat keine Zeit mehr, Gurken zu ernten. Er produziert jetzt Mais für Biotreibstoff. Er tut das sehr rationell unter Einsatz von viel Chemie, Gülle und Maschinen und sitzt den ganzen Tag auf dem Trecker. Deshalb kostet der Biosprit nicht viel.
Zuhause zieht Karl die Plastikfolie von der Gurke ab und wirft die Folie in den Müll. Die Gurke ist jetzt acht Tage unterwegs. Sie sieht durch die Folie noch knackfrisch aus, enthält aber keine Vitamine mehr. Die Gurke schmeckt fade.
Epilog: Zweihundert Jahre später fliegt Karls Ururururenkel an einem Strand eine dünne Plastikfolie ins Gesicht.
Was er nicht weiß: Es ist die Folie von Karls Gurke.
Der Abfallentsorger hatte den Müll zum Recycling nach Bangladesch exportiert, er landete dort auf einer Deponie am Meer…. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bauernproteste

Bauernproteste
Die Landbevölkerung gilt dem woken Städter als ein bisserl
deppert, kirchgläubig, bei allem zu spät dran. Dreistellige Ortsabkürzungen auf Kfz-Kennzeichen werden gern als Warnhinweise für besonders drömmelige Fahrweise interpretiert, und für TV-Macher ist der Bauer nur Thema, wenn er strengste grüne Landwirtschaft betreibt (öffentlich-rechtliche) oder als Witzfigur, der man aufs Pferd helfen muss („Bauer sucht Frau“, RTL). Für unser politisches Establishment ist der Bauernstand eine zu vernachlässigende Größe. Bis jetzt. (Stephan Paetow)
Die Ampel-Regierung hat kein Gespür mehr für die Menschen in diesem Land. Sonst hätte sie nicht versucht, ihr selbstverschuldetes Milliarden-Loch mit Geld aus der Landwirtschaft zuzuschütten, statt an einer einzigen Stelle selbst und sichtbar an einem Ampel-Projekt zu sparen.

Bauer von Schlüttsiel
„Die Lage vor Ort war bis zu dem Ablegen der Fähre ruhig und entspannt“ (WELT+)

Die Deutschen, die geborenen Untertanen (WELT+)

Die Deutschen, die geborenen Untertanen (WELT+)
Von Ulf Poschardt, Chefredakteur, 05.01.2024

Opportunisten sind Menschen, die sich aus Überzeugung bücken, um von Mächtigen belohnt zu werden. Unter linken Vorzeichen hat dieser Typus die deutsche Politik und Gesellschaft so geprägt, dass selbst viele Medien wie Regierungsorgane wirken. Doch nun, in der Krise, läuft seine Zeit ab.
„Diederich hatte gar keine Meinung. Er war das, was die Macht und der Augenblick aus ihm machten.“ Heinrich Mann entwarf 1914 mit „Der Untertan“ nicht nur ein Bild des geduckten wilhelminischen Bürgertums, sondern hatte eine Mentalitätsstudie der Deutschen an der Schwelle zur Moderne geschaffen. „Geschichte der öffentlichen Seele unter Wilhelm II.“ lautete der Untertitel des Manuskriptes.

The Pioneer - Politik des Vergessens: Lügt Scholz?

Business Class Edition
Politik des Vergessens: Lügt Scholz?
Gabor Steingart, 05.01.2024
Guten Morgen,
hinter dem lateinischen Kürzel „Cum-Ex“ verbirgt sich der größte Steuerbetrug der deutschen Geschichte. Wobei Cum-Ex kein Produkt Made in Germany ist, sondern ein weltweiter Betrug, der allein Europa und die USA mindestens 150 Milliarden Euro gekostet hat. Geld aus den Steuerkassen der Staaten. Der größte Schaden ist bislang in Deutschland nachweisbar: mit über 30 Milliarden Euro.
Der heutige Bundeskanzler Olaf Scholz spielte nicht bei der Gewährung der Steuerbefreiung, wohl aber bei der laxen Aufarbeitung dieser Betrugsaffäre in seiner Heimatstadt Hamburg eine Rolle.

„Wir in Deutschland...“ – Die neue depressive Utopie des Olaf Scholz (WELT+)

„Wir in Deutschland...“ – Die neue depressive Utopie des Olaf Scholz
Ressortleiter Feuilleton, 06.01.2024
2015 sagte Angela Merkel: „Wir schaffen das.“ Heute formuliert Olaf Scholz: „Wir in Deutschland kommen da durch.“ Eine Rhetorik wie ein Offenbarungseid: In der Politik galten einmal Mut und Gestaltungswille als Tugenden. Heute geht es nur noch darum, den Zusammenbruch abzuwenden.
Ein Gespenst geht um im demokratischen Westen, und es ist – da sind sich die politischen Kommentatoren immer einiger – das Gespenst des Populismus. Doch je länger man über den populären Schmähbegriff nachdenkt, desto rätselhafter wird er, denn „populus“ ist der lateinische Terminus für „das Volk“, das wiederum in seiner griechischen Form „demos“ den Kerngehalt unserer Staatsform bildet, der Demokratie.

Werden Deutsche ohne Migrationshintergrund langfristig zur Minderheit? (WELT+)

Werden Deutsche ohne Migrationshintergrund langfristig zur Minderheit? (WELT+)
Von Jan Alexander Casper Redakteur Innenpolitik
Je jünger die Bevölkerungsgruppe, desto größer ist der Anteil derjenigen mit Migrationshintergrund. Lässt sich daraus folgern, dass „Bio-Deutsche“ zur Minderheit werden? Demografie-Experte Frank Swiaczny vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erklärt, was Prognosen sicher aussagen können.

05 Januar 2024

Weltvergleich - Deutschlands erstaunlicher Hang zur Selbstüberschätzung (WELT+)

Weltvergleich -
Deutschlands erstaunlicher Hang zur Selbstüberschätzung (WELT+)
Ressortleiter Außenpolitik
Ob Klimaschutz oder Migration – die Bundesrepublik stilisiert sich gern zum Musterschüler und „Vorreiter“. Deutschland spielt in dieser Vorstellung eine große Rolle bei der Lösung der Weltprobleme. Blickt man richtig auf die globalen Dimensionen, zeigt sich, wie wichtig wir wirklich sind.
Hierzulande wird, wenn es um die Modernität der Republik geht, gern ein Wort aus dem vor-automobilen Zeitalter verwendet. Deutschland muss dann „Vorreiter“ sein. In der Herkunft des Wortes schwingt das kühne Vorangehen von Soldaten in gefährlichem Territorium mit, aber auch das selbstgefällige Stolzieren des ersten Reiters in einem Paradezug.
Ob in Energiefragen, beim Klimaschutz oder bei der Migration: In den vergangenen Jahren zeigte sich oft, manchmal offen, manchmal subtil, die Überzeugung, anderen Staaten einen Schritt voraus zu sein – und eine Schlüsselrolle bei der Lösung der Weltprobleme zu spielen.
Aber die vergangenen zwei Jahrzehnte haben gezeigt: Wer vorneweg reitet, kann auch besonders leicht den Kontakt zu den anderen verlieren und sich verirren. Ein Blick auf die Zahlen könnte helfen, das eigene Tun und dessen Bedeutung zu relativieren – und die richtigen Prioritäten zu setzen.