Ulf Poschardt, Chefredakteur WELT
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09 Januar 2024
Die Leute haben den ständig hohen moraölischen Ton der Grünen satt.
Ulf Poschardt, Chefredakteur WELT
07 Januar 2024
BAUER KARL UND DIE SPANISCHE GURKE (Netzfund)
So war es vielleicht einmal. Heute ist es so:
Nachdem er die Zustimmung seiner Chefin Sandra eingeholt hat, ordert er 50.000 Gurken auf einer Gemüsefarm in der Nähe von Sevilla, die einem französischen Agrarkonzern gehört.
Dafür, dass auf den Feldern nur Gurken wachsen, sorgt ein Unkrautvernichtungsmittel, dass von einem deutschen Chemiekonzern produziert wird.
Es kostet nicht viel, die Fabrik ist in Mexiko. Es ist allerdings nicht besonders gesund. Das merkt Nelson, der die Gurken erntet. Er hustet viel in letzter Zeit. Nelson ist ein Flüchtling aus Afrika, der illegal auf der Farm arbeitet. Er lebt in einer Baracke neben den Gewächshäusern. Deshalb kostet das Ernten der Gurken nicht viel.
Bevor die Gurken verladen werden, werden sie mit einer luftdichten Plastikfolie überzogen.
Die Folien stammen von einer mittelgroßen Chemiefabrik bei Erfurt. Sie kostet nicht viel, die Produktion ist voll automatisiert und wird nur noch von einem Menschen, dem Mechatroniker Maik, gesteuert.
Ein Lastwagen der italienischen Firma Iveco, die der „Fiat Industrial“ gehört, die wiederum einer internationalen Holdinggesellschaft gehört, transportiert die Gurken nach Deutschland.
Der Transport kostet nicht viel. Der Diesel wird steuerlich subventioniert und der Fahrer, Muzafer, stammt aus Albanien. Er lebt die meiste Zeit in dem LKW und fährt nur im Urlaub zu seiner Familie nach Hause. Er fährt die Gurken zur Logistikzentrale des Konzerns in Herford.
Das Lagern kostet dort nicht viel, die Stadt hat das Grundstück praktisch umsonst an den Konzern abgegeben. Sie war scharf auf die Gewerbesteuer. Von Herford aus werden die Gurken an die Läden verteilt. Die Verteilung der Waren auf die LKW steuert ein Computer, er hat keinen Namen. Der Fahrer Janosz des LKW, in den unsere Gurke jetzt verladen wird, ist aus Polen. Er lebt den größten Teil des Jahres in seinem LKW…
Unsere Gurke landet bei einem Discounter in Uslar. Die Verteilung übernimmt Stefan. Er war als Anlagenbauer in einer Firma beschäftigt, die Solaranlagen produzierte. Die werden jetzt aus China importiert, deswegen ist Stefan seit einiger Zeit arbeitslos und ist in dem Laden im Rahmen einer Maßnahme tätig. Er kostet seinen Arbeitgeber nicht viel.
Irgendwann kommt der Bauer Karl in den Laden. Er hat keine Zeit mehr, Gurken zu ernten. Er produziert jetzt Mais für Biotreibstoff. Er tut das sehr rationell unter Einsatz von viel Chemie, Gülle und Maschinen und sitzt den ganzen Tag auf dem Trecker. Deshalb kostet der Biosprit nicht viel.
Zuhause zieht Karl die Plastikfolie von der Gurke ab und wirft die Folie in den Müll. Die Gurke ist jetzt acht Tage unterwegs. Sie sieht durch die Folie noch knackfrisch aus, enthält aber keine Vitamine mehr. Die Gurke schmeckt fade.
Epilog: Zweihundert Jahre später fliegt Karls Ururururenkel an einem Strand eine dünne Plastikfolie ins Gesicht.
Was er nicht weiß: Es ist die Folie von Karls Gurke.
Der Abfallentsorger hatte den Müll zum Recycling nach Bangladesch exportiert, er landete dort auf einer Deponie am Meer…. Aber das ist eine andere Geschichte.
Bauernproteste
Die Landbevölkerung gilt dem woken Städter als ein bisserl deppert, kirchgläubig, bei allem zu spät dran. Dreistellige Ortsabkürzungen auf Kfz-Kennzeichen werden gern als Warnhinweise für besonders drömmelige Fahrweise interpretiert, und für TV-Macher ist der Bauer nur Thema, wenn er strengste grüne Landwirtschaft betreibt (öffentlich-rechtliche) oder als Witzfigur, der man aufs Pferd helfen muss („Bauer sucht Frau“, RTL). Für unser politisches Establishment ist der Bauernstand eine zu vernachlässigende Größe. Bis jetzt. (Stephan Paetow)
Bauer von Schlüttsiel
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Von Ulf Poschardt, Chefredakteur, 05.01.2024
Opportunisten sind Menschen, die sich aus Überzeugung bücken, um von Mächtigen belohnt zu werden. Unter linken Vorzeichen hat dieser Typus die deutsche Politik und Gesellschaft so geprägt, dass selbst viele Medien wie Regierungsorgane wirken. Doch nun, in der Krise, läuft seine Zeit ab.
„Diederich hatte gar keine Meinung. Er war das, was die Macht und der Augenblick aus ihm machten.“ Heinrich Mann entwarf 1914 mit „Der Untertan“ nicht nur ein Bild des geduckten wilhelminischen Bürgertums, sondern hatte eine Mentalitätsstudie der Deutschen an der Schwelle zur Moderne geschaffen. „Geschichte der öffentlichen Seele unter Wilhelm II.“ lautete der Untertitel des Manuskriptes.
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05 Januar 2024
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Von Klaus Geiger Ressortleiter Außenpolitik







