02 November 2026

Überwiesenes Kindergeld Wenige Stunden Arbeit, 4500 Euro netto vom deutschen Steuerzahler (WELT)

Quelle: exactly/MDR; Screenshot WELT
Überwiesenes Kindergeld
Wenige Stunden Arbeit, 4500 Euro netto vom deutschen Steuerzahler (WELT)
Von Fatina Keilani, Redakteurin im Ressort Meinungsfreiheit, 02.11.2026, Lesedauer: 5 Minuten
Ganze Familien im Ausland leben von deutschen Sozialleistungen besser als vollzeitbeschäftigte Gutverdiener. Vieles, was wie Missbrauch aussieht, ist nach EU-Recht völlig legal. Das ist nicht hinnehmbar.
Mit vielen Kindern und wenig Arbeit kann man auf Kosten des deutschen Steuerzahlers komfortabel leben. In rumänischen Dörfern scheint daraus ein Geschäftsmodell geworden zu sein. So berichtet es jetzt der MDR in einer sehenswerten Fernsehreportage. Sie sollte bei der Politik die Alarmglocken klingeln lassen.
In der Reportage „EU-Armutsmigration: Sozialstaat in der Sackgasse?“ sagt ein rumänischer Bürgermeister: „In unserer Gemeinde haben wir kinderreiche Familien, manche haben 10 oder 15 Kinder. Sie bekommen in Deutschland Kindergeld.“ Dafür bescheinige man monatlich für rund 30 Familien, dass ihre Kinder vom rumänischen Kindergeld befreit seien, denn das sei Voraussetzung, um in den Genuss des viel höheren deutschen Kindergelds zu kommen. Das geben die Vertreter der Stadt in dem Beitrag ganz unverhohlen zu. Hinzu kämen Sozialhilfe und Wohngeld: „Das ist für unser Land und unsere Kinder aus Rumänien wie ein Schatz.“ Zu sehen sind prächtige Häuser und teure neue Autos, in denen Angehörige der Roma-Minderheit herumfahren.
Die Sendung wird am 4. November ausgestrahlt und ist in der Mediathek bereits zu sehen. Die Reporterin Jana Gareis hatte dieselben Orte schon acht Jahre zuvor besucht. Nun staunt sie über den neuen Wohlstand – finanziert vom deutschen Steuerzahler.
Der Beitrag des MDR dürfte sogar der AfD gefallen, denn er bestätigt, was sie schon immer gesagt hat: Deutschland lässt sich als Sozialstaat ausnutzen. Allein an Kindergeld hat Deutschland im vergangenen Jahr 528 Millionen Euro ins Ausland überwiesen. Auch in Deutschland war die Reporterin – in Sachsen-Anhalt konnte sie den Verfall und Niedergang ganzer Stadtviertel von Halle und Magdeburg und den Frust der einheimischen Bewohner erleben. Seit Beginn der Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für Bulgaren und Rumänen im Jahr 2014 hat sich die Roma-Bevölkerung in Halle an der Saale verzwanzigfacht. Lässt die Politik diese Zustände weiterlaufen, so kann es nicht gut ausgehen.
Den fortgesetzten Sozialmissbrauch abzustellen, ist überfällig, aber nicht einfach. Beispiel Kindergeld. Das eine ist der Anspruch als solcher, das andere seine Höhe. Es mag ja noch angehen, dass Kindergeld gezahlt wird, wenn ein Arbeitnehmer in Deutschland nennenswert arbeitet und sein Kind in Rumänien lebt. Dort sind die 259 Euro jedoch viel mehr wert als in Deutschland. Es ließe sich fragen, warum das Kindergeld dieselbe Höhe hat wie in Deutschland, obwohl das Kind dauerhaft in einem Land mit deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten lebt.

Diese Frage hat Österreich bereits gestellt. Die Antwort: weil die EU es so will. Österreich hatte versucht, seine Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder an die Lebenshaltungskosten des jeweiligen Wohnlandes anzupassen. Der Europäische Gerichtshof erklärte diese Indexierung 2022 für unionsrechtswidrig. Nach europäischer Logik darf ein Arbeitnehmer nicht deshalb geringere Familienleistungen erhalten, weil sein Kind in einem anderen Mitgliedstaat lebt.

Mit wenig Arbeit ist man rechtlich Arbeitnehmer

Zum anderen gilt in der EU ein sehr bescheidener Arbeitnehmerbegriff. Bereits wenige Arbeitsstunden oder ein Minijob reichen, um den Arbeitnehmerstatus und damit weitere Sozialleistungsansprüche zu begründen. Marc Elxnat vom Deutschen Städte- und Gemeindebund bezeichnet in dem MDR-Beitrag den europäischen Arbeitnehmerbegriff deshalb als Kern des Problems.

Die Reportage rechnet es beispielhaft für eine Familie mit sieben Kindern vor, die bei knapp 700 Euro Minijob-Einkünften durch Kindergeld, Grundsicherung und weitere Leistungen auf rund 4500 Euro im Monat kommt, zuzüglich angemessener Wohnkosten. Der eigene Verdienst fällt gegenüber den Sozialleistungen kaum ins Gewicht. Selbst vollzeitbeschäftigte Gutverdiener kommen nicht auf ein solches Nettoeinkommen und haben dann noch die Sorge, wie sie die Miete in den Griff kriegen.

Eine schon vor acht Jahren besuchte Familie präsentiert ihre schönere Wohnung und die neue Küche. Die Frau genießt zudem die Leistungen des deutschen Gesundheitssystems. Zugleich berichtet der frühere Vermieter, die Familie habe die alte Wohnung verwahrlost und mit offenen Mietschulden hinterlassen. Briefe hat die Familie einfach nicht geöffnet, wie ein Blick in ihren Briefkasten zeigt.

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