Unter dem Motto „Gen Z regelt“ hatten sich gestern in mehr als 30 deutschen Städten Menschen an den Protesten beteiligt. Die Veranstalter bezifferten die bundesweite Teilnehmerzahl am Abend auf mehr als 100.000; eine abschließende Gesamtzahl ist noch unklar, zwischenzeitlich waren die Zahlen in vielen Städten niedriger als zunächst angegeben. Unter anderem forderten die Demonstranten forderten mehr Geld für Schulen, Suchtprävention und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Außerdem richteten sich die Proteste gegen die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht, Aufrüstung und den Ausbau staatlicher Überwachung.
Frankfurt: Plünderungen und Molotowcocktails
In Frankfurt am Main kam es zu den schwersten Ausschreitungen der Nacht. Die Polizei löste die Demonstration am Abend nach wiederholten Stein- und Böllerwürfen auf. Doch auch danach beruhigte sich die Lage nicht. In der Innenstadt griffen Personen Einsatzkräfte mit Steinen und Pyrotechnik an. Nach Polizeiangaben wurden sogar Molotowcocktails auf Polizisten geworfen. Die Polizei setzte daraufhin einen Wasserwerfer ein. In der Einkaufsstraße Zeil wurden Schaufenster eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Die Polizei sperrte daraufhin den Bereich zwischen Hauptwache und Konstablerwache ab. Bei einem Angriff auf ein Waffengeschäft stellte sie zwei Waffen sicher und nahm mehrere Personen fest. Gegen 1 Uhr überprüften die Beamten zudem die Personalien von rund 100 weiteren Personen. Mehr als 1.000 Polizisten waren im Einsatz; erst am frühen Sonntagmorgen beruhigte sich die Lage.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein zeigte sich erschüttert und kündigte Konsequenzen an. Innenminister Roman Poseck sprach von rund 100 Störern, die Einsatzkräfte massiv angegriffen und gezielt Pyrotechnik eingesetzt hätten und von einer „verheerenden Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen“.
Köln: Wasserwerfer und Verbalangriffe auf Journalisten
In Köln hatten die Veranstalter mit bis zu 15.000 Teilnehmern gerechnet. Die Polizei untersagte den geplanten Demonstrationszug zunächst, nachdem Pyrotechnik gezündet worden war und Teilnehmer sich vermummt hatten. Die Veranstaltung sollte daraufhin als stationäre Kundgebung fortgesetzt werden. Nachdem auch diese aufgelöst worden war, versuchten mehrere Gruppen, in Richtung Innenstadt zu ziehen. Die Polizei setzte zwei Wasserwerfer und weitere Einsatzkräfte ein. Nach Angaben der Polizei wurden dabei rund 700 Menschen vorübergehend festgehalten, um ihre Identitäten zu überprüfen. Das ZDF berichtete zudem von rund 200 teils randalierenden Personen auf der Domplatte, geworfenen Fahrrädern und einem durch einen E-Scooter beschädigten Schaufenster. Fünf Menschen seien in Gewahrsam genommen worden; gegen einen Demonstrationsteilnehmer werde wegen des Verdachts auf schweren Landfriedensbruch ermittelt. Auch Journalisten wurden bedrängt.
Hamburg: Ausschreitungen bei Protest gegen die Wehrpflicht
In Hamburg zählte die Polizei in der Spitze rund 6.700 Teilnehmer. Der Demonstrationszug verlief zunächst weitgehend störungsfrei. Gegen Ende der Veranstaltung eskalierte die Situation jedoch: Schwarz gekleidete und teilweise vermummte Personen zündeten Pyrotechnik, rissen Bauzäune aus ihrer Verankerung und warfen sie auf die Straße. Teilweise wurden die Absperrungen anschließend in Brand gesetzt. Am Steintorplatz wurden Polizeikräfte mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen.
Die Polizei löste die Versammlung auf und setzte unmittelbaren Zwang ein. Dabei kamen unter anderem ein Wasserwerfer und Pfefferspray zum Einsatz. Mit dem Wasserwerfer wurde auch ein Brand gelöscht. Nach
Berlin: Gewalt bei separater Abenddemonstration
Die offizielle Kundgebung von „Gen Z regelt“ am Brandenburger Tor verlief mit rund 5.000 Teilnehmern nach Polizeiangaben nahezu störungsfrei. Die späteren Ausschreitungen ereigneten sich bei einer davon getrennten Abendveranstaltung am Rosenthaler Platz unter dem Motto „Gen Z hat genug!“. Diese stand zwar im Kontext der Jugendproteste, gehörte nach Angaben der Tagesschau aber nicht zu den bundesweiten Demonstrationen der Initiative „Gen Z regelt“.
An der Abendveranstaltung nahmen zunächst mehrere Hundert, später nach Polizeiangaben rund 3.000 bis 3.500 Menschen teil. Der Demonstrationszug bewegte sich in Richtung Prenzlauer Berg. Die Polizei stoppte ihn, nachdem es zu Steinwürfen und dem Einsatz von Pyrotechnik gekommen war. Bei den Ausschreitungen wurden 27 Polizisten leicht verletzt. 56 Menschen wurden festgenommen. Die Polizei registrierte unter anderem Sachbeschädigungen, Körperverletzungen sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffrecht. Die Polizei ordnete die Abendveranstaltung dem linken Spektrum zu; zusätzlich seien auch Personen aus der pro-palästinensischen Szene vor Ort gewesen. Rund 1.500 Polizisten waren im Einsatz, teilweise auch wegen der parallel stattfindenden Halloween-Veranstaltungen.
Stuttgart: Pyrotechnik und Angriffe nach Kundgebungsende
In Stuttgart zählte die Polizei rund 6.000 Teilnehmer, während die Veranstalter von etwa 12.000 sprachen. Bereits vor Beginn der Demonstration wurden Rauchkörper und Böller gezündet. Auch während des Aufzugs setzten Teilnehmer wiederholt Pyrotechnik ein und wichen von der vorgesehenen Route ab. Die Polizei musste den Demonstrationszug deshalb mehrfach stoppen. Nach dem Ende der Kundgebung gegen 16.40 Uhr blieb eine kleinere Gruppe am Marienplatz zurück. Als die Polizei die Personen zum Verlassen des Platzes aufforderte, wurden Beamte mit Flaschen und anderen Gegenständen beworfen. Mehrere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen. Insgesamt registrierte die Polizei rund 50 Straftaten, vor allem wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot und des Einsatzes von Pyrotechnik. Hinzu kamen einzelne Sachbeschädigungen. Fünf Polizisten wurden leicht verletzt.
Bremen und Hannover: Böllerwürfe und beschädigte Autos im Viertel
In Bremen nahmen nach späteren Polizeiangaben bis zu 2.800 Menschen an der Demonstration teil. Bereits während des Aufzugs wurden Böller gezündet. Die Polizei forderte die Teilnehmer wiederholt auf, auf Pyrotechnik zu verzichten. Nach dem Ende der Kundgebung umstellten Einsatzkräfte eine Gruppe und forderten die Demonstranten auf, den Bereich zu verlassen. Daraufhin wurden Böller und Flaschen auf Polizisten geworfen. Ein Müllcontainer brannte, Fahrräder wurden auf die Straße gezogen. Im weiteren Verlauf zogen Gruppen in das Viertel zwischen Sielwall und Ziegenmarkt. Dort wurden mehrere Autos beschädigt und Gegenstände auf die Fahrbahn gezogen. Es kam zu mehreren Festnahmen. Ein Polizist wurde leicht verletzt, konnte seinen Dienst aber fortsetzen. Die Polizei setzte einen Wasserwerfer ein beziehungsweise hielt ihn bereit. Im Laufe des Abends beruhigte sich die Lage.
In Hannover beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 5.800 Menschen an der Demonstration. Der Beginn verzögerte sich, weil einige Teilnehmer medizinische Masken trugen. Die Polizei forderte sie auf, diese wegen des Vermummungsverbots abzunehmen. Während des Aufzugs wurden wiederholt Rauchkörper und Pyrotechnik gezündet. Nach dem Ende der Kundgebung wurden zwei Polizisten mit Böllern beworfen. Einer der Beamten wurde leicht verletzt, konnte seinen Dienst aber fortsetzen.
München: Weitgehend friedlicher Verlauf
In München beteiligten sich nach späteren Polizeiangaben rund 4.000 Menschen an der Demonstration. Frühere Meldungen hatten noch eine geringere Teilnehmerzahl genannt. Vereinzelt wurde Pyrotechnik gezündet und es kam zu einzelnen Vermummungen. Insgesamt verlief die Veranstaltung jedoch weitgehend friedlich.
Trotz der der teils erheblichen Ausschreitungen, blieb die große Mehrheit der Kundgebungen überschaubar und friedlich. Zu unterschieden ist zudem zwischen den offiziell angemeldeten Veranstaltungen und späteren Eskalationen: In Berlin etwa ereigneten sich die schweren Zwischenfälle bei einer separaten Abenddemonstration, in mehreren anderen Städten begannen die Auseinandersetzungen erst nach dem Ende der angemeldeten Kundgebungen.
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