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Vorsicht: große Kontaktschuldgefahr: Alternative Medien (NIUS, Tichys Einblick, EpochTimes, Apollo News)
Nun
könnte man das für wenig verwunderlich halten. Windräder und
Solaranlagen liefern nun einmal nicht rund um die Uhr Energie, und vor
allem diese hat Deutschland in den vergangenen Jahren ausgebaut wie auch
viele andere Länder. Da erscheint es vollkommen erwartbar, dass sich
die Kraftwerksleistung und die Strommenge auseinanderentwickeln.
Der
Blick über die Landesgrenzen zeigt jedoch: Diese Entwicklung ist
keinesfalls zwangsläufig. Die NZZ hat zahlreiche Daten für die Jahre
2000 bis 2024 ausgewertet von Eurostat, der statistischen Behörde der EU, sowie aus weiteren Quellen.
Sie hat ihren Befund rechnerisch geprüft und dabei zentrale
Unterschiede zwischen den Ländern berücksichtigt. Das Ergebnis:
Deutschland ragt in Europa als Sonderfall heraus.
Engagierter Ausbau, engagierte Abschaltung
Spanien
etwa steigerte seine Kraftwerksleistung in den Jahren 2000 bis 2024
ähnlich eindrucksvoll wie Deutschland, vor allem mithilfe unzähliger
neuer Solaranlagen. Im Gegensatz zu Deutschland stieg dort aber auch die
Stromerzeugung um rund 30 Prozent. Ähnliches gilt für die Niederlande,
die ihre Kapazität noch deutlicher steigerten und 40 Prozent mehr Strom
erzeugten.
Dabei
hat die Bundesrepublik eigentlich viel getan, um mehr Energie zu
produzieren. Sie hat im europäischen Vergleich die meisten Windräder und
Solaranlagen gebaut. Es sind so viele Anlagen hinzugekommen, dass sie
rein rechnerisch mehr zusätzlichen Strom hätten liefern können als in
jedem anderen EU-Land.
Doch
es kam anders. Kein anderer EU-Staat kombiniert einen so grossen Zubau
von Wind- und Solaranlagen mit einem so starken Rückgang der heimischen
Stromerzeugung. Deutschland baut aus, und es baut zugleich ab. Auch
relativ betrachtet fällt das Land auf: Unter den wenigen EU-Ländern mit
sinkender Stromproduktion ist die Lücke zwischen dem Leistungszuwachs
insgesamt und der tatsächlichen Erzeugung nirgends grösser.
Wie also kommt diese gewaltige Kluft zustande?
Der
wesentlichste Grund ist einfach erklärt: Deutschland hat besonders
viele konventionelle Kraftwerke abgeschaltet, die rund um die Uhr Strom
erzeugen konnten. Besonders schwer fällt der Atomausstieg ins Gewicht.
Im Jahr 2010, kurz vor dem Reaktorunglück in Fukushima, steuerte die
Atomkraft etwa ein Viertel des deutschen Stroms bei. Er stand auch dann
zur Verfügung, wenn es windstill und dunkel war.
Strom vor allem auf dem Papier
Noch
dazu hat das Land mehr Kohlekraftwerkskapazität stillgelegt als jedes
andere in Europa. Windräder und Solaranlagen können die weggefallene
Grundlast in dieser Dimension nicht auffangen.
Der
Rückbau dieser konventionellen Kraftwerke fällt umso stärker ins
Gewicht, weil Wind und Sonne nur eine mässige Ausbeute in Deutschland
liefern. Windräder an Land sind nur schlecht ausgelastet, die
Bundesrepublik liegt dort im unteren Drittel der EU-Staaten, bei
Solaranlagen im unteren Mittelfeld. Deutlich höhere Erträge liefern
Solaranlagen in Spanien und Windräder in Irland und Schweden.
Politische Rahmenbedingungen verschärfen dieses Problem, weil sie einen ineffizienten Ausbau begünstigen.
Wer in Deutschland eine Wind- oder Solaranlage bauen wollte, musste
sich bisher keine Gedanken darüber machen, ob sich der Standort dafür
eignete oder nicht. Der Staat glich Nachteile so oder so aus.
Deutschland taugt nur bedingt als Vorbild
Es
gibt noch weitere Gründe für den Rückgang der heimischen
Stromproduktion, die auf den ersten Blick wirken wie eine Entwarnung.
So
hat Deutschland mehr Strom aus den Nachbarländern importiert. Heimische
Kohle zu verbrennen, wurde durch den europäischen Emissionshandel in
den vergangenen Jahren immer teurer. In Momenten, in denen Wind und
Sonne schwächelten, importierte Deutschland stattdessen französischen
Strom aus Kernkraft oder skandinavischen Strom aus Wasserkraft. Dagegen
ist nichts einzuwenden. Nur braucht Deutschland immer dann besonders
viel Energie, wenn sie auch in den Nachbarländern knapp ist. Das treibt die Preise und sorgt für politischen Streit.
Zudem
macht es grundsätzlich deutlich, dass Deutschlands Energiewende als
Vorbild nur bedingt taugt. Würden alle Länder so viel Strom aus
regelbaren Kraftwerken importieren, hätte das europäische Verbundsystem
ein Problem.
In
letzter Zeit hat Deutschland ausserdem weniger Strom verbraucht. Auch
das könnte man auf den ersten Blick als gute Nachricht werten. Es ist
allerdings kein klimapolitischer Erfolg, sondern eine Niederlage.
Unternehmen, die besonders viel Energie verbrauchen, ziehen ins Ausland
oder geben auf. Der sinkende Verbrauch ist ein Ausdruck wirtschaftlicher
Erosion. Denn die Energiewende hat den Strom nicht billiger, sondern teurer gemacht.
Der andere Blick Daten
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eine datengetriebene Perspektive. «Der andere Blick Daten» enthält stets
eine Grafik, die wir für Sie einordnen. Alle zwei Wochen machen wir mit
Zahlen sichtbar, was in politischen Debatten übersehen wird. Die
nächste Ausgabe erscheint am 30. Mai 2026.
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