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An ihrem Koalitionsausschuss in Berlin beschliesst die deutsche Bundesregierung, Reformen zu beschliessen (NZZ)
An ihrem Koalitionsausschuss in Berlin beschliesst die deutsche Bundesregierung, Reformen zu beschliessen (NZZ)
Die
Regierung schiebt ihr grosses Reformpaket auf die lange Bank.
Ein Oppositionspolitiker fühlt sich an die «Endphase der ‹Ampel›»
erinnert. Genau diesen Eindruck hatte Schwarz-Rot eigentlich vermeiden
wollen.
Die deutsche Bundesregierung steht unter grossem Druck. Ihre Zustimmungswerte sind im Keller, ihr Kanzler Friedrich Merz ist nach einem Jahr so unbeliebt wie kein Kanzler seit fast dreissig Jahren.
Am vergangenen Freitag scheiterte ihr Vorhaben, Arbeitgebern die
Zahlung einer steuerfreien 1000-Euro-Prämie an ihre Mitarbeiter zu
ermöglichen, am Widerstand der Länderkammer. Zugleich hat die
Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt, bis zum Sommer tiefgreifende
Reformen in den Bereichen Steuern und Sozialsystem zumindest auf den Weg
zu bringen.
In
dieser Gemengelage sind auch turnusgemässe Treffen wie der monatliche
Koalitionsausschuss mit hohen Erwartungen aufgeladen, obwohl die
Beteiligten die Hoffnung auf Durchbrüche vorsorglich gedämpft hatten. Am
Dienstagabend kamen die Spitzen von CDU, CSU und SPD in Berlin zum Koalitionsausschuss zusammen und tagten sechs Stunden lang im Kanzleramt.
Nur ein «Fahrplan»
Konkrete
Ergebnisse wurden in der Folge nicht bekannt, auch auf eine
Pressekonferenz verzichteten die Koalitionäre diesmal. In einer am
Mittwochmorgen verbreiteten Erklärung heisst es lediglich, die Regierung
habe sich auf einen «Fahrplan» für die weiteren Reformprojekte
geeinigt. Berichten gemäss besteht dieser darin, am
nächsten Koalitionsausschuss im Juni die Sozialpartner einzuladen und an
einem weiteren Ausschuss im Sommer ein umfassendes Paket mit Reformen
zu beschliessen.
Das
Treffen am Dienstag habe in «guter, vertrauensvoller Atmosphäre»
stattgefunden, heisst es. Das steht im Kontrast zu einem Spitzentreffen
der Koalition im April, von dem hinterher bekanntwurde, dass Kanzler
Merz und sein SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil sich lautstark miteinander
gestritten hatten. Klingbeil sagte später über sich selbst, es sei nicht
schlimm, «wenn man mal angebrüllt» werde.
Lediglich zwei konkrete Punkte wurden vom Koalitionsausschuss am Dienstagabend bekannt. So möchte die Regierung den CO2-Preis
im kommenden Jahr stabil halten. Pro ausgestossener Tonne
Kohlenstoffdioxid soll der Preis zwischen 55 und 65 Euro liegen. Jedoch
war auf EU-Ebene bereits beschlossen worden, den CO2-Preis
vorerst nicht weiter zu erhöhen. Zudem soll der Haushalt für das Jahr
2027 «unter Schonung der Rücklage» fertiggestellt werden, es sollen also
für ihn keine weiteren Schulden aufgenommen werden. Genau das hatte
Matthias Miersch, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, noch Ende
April gefordert. Nun ist das offenbar vom Tisch.
Vergebliche Hoffnung auf Befreiungsschlag
Aus
der Opposition wird Kritik an der Ergebnislosigkeit des Treffens laut.
Er fühle sich an die Endphase der früheren Regierung aus SPD, Grünen und
FDP erinnert, sagte der Grünen-Politiker Michael Kellner dem
Fernsehsender Welt. Er war an ihr als Parlamentarischer Staatssekretär
im Wirtschaftsministerium beteiligt.
Genau
diesen Eindruck hatte die jetzige Bundesregierung vermeiden wollen,
indem sie den Koalitionsausschuss regelmässig und lautlos hatte tagen
lassen wollen. Dadurch sollte nicht jedes Spitzentreffen die Hoffnung
erzeugen, es könne einen grossen Befreiungsschlag bringen. Für die
Regierungsparteien ist es bereits eine gute Nachricht, wenn keine
Interna aus ihren Beratungen nach aussen dringen. Dabei haben auch die
vergangenen Koalitionsausschüsse bislang wenig konkrete Ergebnisse
gebracht.
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